Kategorie: Daily life

Tägliche Begegnungen und Begebenheiten

Putzdienst auf Italienisch

Da kannst du aber mal froh sein, dass du nicht mit einem Italiener verheiratet bist!!!

Ich habe das immer ganz ähnlich gesehen wie du – für mich fällt Putzen auch in die Kategorie “Verlorene Lebenszeit” und wenn ich irgendwann mal Geld übrig habe, ist das erste, das ich mir anschaffe, auf jeden Fall eine Putzfrau!!

Und dann habe ich einen Italiener geheiratet. Und was mir keiner vorher gesagt hat ist, dass die alle vom Putzwahn besessen sind! Wer sich unter “italienische Familie” eine große gemütliche, lustig plaudernde und immer lecker essende Menschengruppe vorstellt, der täuscht sich aber ganz gewaltig!!! Gemütlich wird es bei denen nämlich erst, wenn alles blitzblank und klinisch sauber ist. Und nach dem Essen noch schön am Tisch sitzen geht nur, wenn die Geschirr- und Topfberge gewaschen, getrocknet, weggeräumt und Herd, Spüle und Boden poliert sind.

Und erzähl einem Italiener mal was von Putzen und verlorener Lebenszeit, da wirst du nur verständnisloses Kopfschütteln ernten.

Bei meiner Schwiegermutter wird tatsächlich JEDEN Tag einmal die KOMPLETTE Wohnung (inklusive Balkon) geputzt. Und zwar nicht nur oberflächlich – nein da kann man wirklich sprichwörtlich vom Boden essen, und zwar vom Boden unter dem Sofa!!!     Leider hat mein Mann diesen Sauberkeitswahn geerbt. Wenn die Küche nicht strahlend sauber und aufgeräumt ist, kann er nicht entspannen und fühlt sich unwohl! Das einzig Gute dabei ist, dass er das Putzen dann auch meist selbst übernimmt, weil ich in Spüle und Herd schrubben meist nicht den italienischen Ansprüchen genüge. Beim Rest der Wohnung konnte ich ihn mit viel Mühe auf einen Turnus von ein bis zweimal pro Woche runterhandeln.

Und so putze also auch ich jede Woche Regale, die eigentlich noch gar nicht schmutzig sind.

Allerdings bei mir zu Hause und nicht in der KiTa, von solchen Putzdiensten der Eltern habe ich hier in Köln auch noch nie gehört – zum Glück bleibt mir das also wenigstens erspart!!!

40 und jetzt?

Viele von uns Mädels werden dies Jahr 40. Und das Leben sieht bei den meisten ganz anders aus, als wir es uns als Teil der “Generation Golf” einmal vorgestellt haben. Wir sind mittendrin statt angekommen. Jobsuche, Familienplanung, teure Mieten, 400,-€ Jobs. Wir sind vom Wohlstandsross unserer Eltern oft unsanft abgeschmissen worden und suchen neue Wege. Tauschbörsen oder Carsharing werden als Produkte unseres ökologischen und sozialen Verantwortungsbewusstseins kommuniziert, ich bin mir aber sicher, dass viele von uns teilen müssen, weil sie es sich- vor allem als Eltern von Kindern- nicht mehr leisten können, alles neu und selber zu kaufen. Die Frage ist, wie wir mit dieser neuen Lebenssituation umgehen. Eins ist klar: im Vergleich zu den meisten anderen Ländern, geht es uns  sehr gut. Und wie sich schon oft gezeigt hat, gibt es auch viel Positives, wenn die Menschen näher zusammenrücken müssen, weil sie nicht alles selbst haben und können. Viele Ansprüche, die wir für selbstverständlich gehaltenen haben, müssen wir sicherlich zurückschrauben. Aber wir sollten auch deutlich zeigen, wann der Preis für  die Anpassungen an unsere globalisierte Welt zu hoch geworden ist.

Johanniskraut for free.

Johanniskraut1Obwohl ich ja nun selber keine 20 mehr bin, muss ich mich in guter, alter Jugendmanier doch mal kurz über die Rentner(innen) auslassen, die, der zahlreichen Ausnahmen zum Trotz, leider manchmal alle Vorurteile bestätigen. Letzte Woche wollte ich vormittags kurz vor einem Job noch Klamotten umtauschen. Auch dies rein beruflicher Natur. An den Kassen vor mir natürlich nur Damen fortgeschrittenen Alters. Einige von Ihnen waren auf die sinnvolle Idee gekommen, eine Mittelschlange zu bilden, um von dort aus der Reihe nach zur nächsten, freien Kasse vordringen zu können. Dann kam SIE und stellte sich ganz beiläufig neben uns, um doch nach einer Minute zu uns herüberzublicken und leicht erstaunt zufragen: “Ach, Sie stehen an?”. Es schien, als wolle SIE sich ins System einfügen, aber es widerstrebte ihrer Natur so sehr , dass es kurz darauf aus ihr hervorquoll. ” Also, wenn man sich anstellt, kann man aber nicht die ganze Zeit im Wühltisch herumsuchen( was meine Voranstellerin seit geraumer Zeit tat), da weiß man ja gar nicht, dass Sie sich anstellen.” Ich entgegnete: “Aber das wissen Sie doch bereits.” Ich spare mir an dieser Stelle die Verwünschungstiraden, die SIE auf mich herabschleuderte. Es bleibt zu ergänzen, dass sich unsere Mittelschlange kurze Zeit danach auflöste, ich natürlich an der Kasse landete, an der ich am längsten warten musste, um fast zu spät zu meinem Job zu kommen und während des Wartens noch miterleben durfte, wie SIE ihrem Beschwerdepotential an der Kasse weiter freien Lauf ließ.

Johanniskraut for free!