Ich habe zu
meinem 40.Geburtstag eine 40 Jahre alte Flasche Wein geschenkt bekommen. Wow. So eine Flasche ist bestimmt ganz schön teuer und schwierig zu besorgen. Das hat mich wirklich beeindruckt und ich habe mich gefragt, wieso man es nicht zur Tradition machen könnte, Kindern zur Geburt eine richtig gute Flasche Wein zu schenken, anstelle des siebenundzwanzigsten Strampelanzuges. Wiederholt man diesen Habitus Jahr für Jahr, man stelle sich vor, was das für eine Party zum 18. Geburtstag sein könnte! Eine illustre Runde schwelgt im Rausch excellenter Bordeauxs oder Merlots anstatt sich mit banalen Alkopops oder Schnaps zu bedröhnen. Wenn das kein Beitrag zur Geschmacksbildung junger Menschen ist. Ob sich diese Idee gesellschaftlich etablieren lässt – ich weiß es nicht. Mir gefällt sie irgendwie.
Archiv der Kategorie: Daily life
Tägliche Begegnungen und Begebenheiten
Auf der Insel der Glückseligen
Momentan scheint es mir reichlich banal, angesichts der äußerst brisanten Weltlage, aus meinem persönlichen deutschen Wohlstandsnähkästchen zu plaudern. Schließlich hat die Welt gerade ganz andere Sorgen- Kriege, Flüchtlingsströme, der Terror des Islamischen Staates und Ebola halten die Welt in Atem. Zumindest die Welt der betroffenen oder unmittelbar benachbarten Staaten.
„Ebola ist in Europa angekommen“- ließen die große Tageszeitungen vor einiger Zeit verlauten. Ja, ist denn Ebola in Europa schlimmer als in Afrika? Weil sie in Afrika ja sowieso an Unterernährung oder Aids sterben? Eine Seuche mehr- was geht es uns an. Aber jetzt bei uns, das macht dann doch etwas nervös. Ich gebe zu, ich schaue manchmal einfach einige Tage keine Nachrichten mehr- manchmal, wenn ich die Bilder nicht mehr sehen will, die so bar jeder Hoffnung sind. Da gehen Menschen für ihre politischen Überzeugungen, für ihre Hoffnung auf Veränderung im arabischen Frühling in den Tod. Aber nichts scheint sich so einfach zum Guten zu wenden. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen bezahlen ihr Engagement mit dem Leben. Und wer sind die freiwilligen Helfer, die sich ohne Angst um ihr eigenes Leben für andere einsetzen? Würde ich das tun? Me, myself and I? Und dann quatscht Herr Gabriel in den Nachrichten vom schwächeren Wirtschaftswachstum in Deutschland wegen der schlechten Weltkonjunktur und ich möchte schreien, dass die Politik so tut, als könnten wir immer so weiter machen mit unserem Wirtschaftsmodell.
Wir schauen so lange weg, bis wir nicht mehr können. Und ich sehe es jetzt, das Festzelt auf dem Sportplatz einer Schule. Flüchtlinge sind dort untergebracht, ebenso in einem ehemaligen Möbelhaus. Gemeinden müssen binnen weniger Tage leerstehende Gewerberäume und Schulen zu Flüchtlingscamps umfunktionieren- getragen meist von freiwilligen Helfern. Ich merke, dass ich da genauer hinschauen und helfen möchte. Und dass dieses Weihnachten, dessen Vermarktung sich wieder in allen Geschäften breit gemacht hat und zum massenhaften Konsum aufruft, anders sein muss als die Weihnachten davor. Wir brauchen nichts. Und wir haben viel zu geben.
Wir sind schön!
Jetzt habe auch ich mich in den Reigen der Frischvierziger eingereiht und stelle fest: Alles, was ich bis 39 nicht geschafft habe, wird vermutlich mit keinem weiterem Tag leichter werden. Nämlich: mich wegen meines Geistes und meines Wesens jenseits aller Äußerlichkeiten zu lieben. Seit Jahren versuche ich in vollem Bewusstsein der physikalischen Abbauprozesse, dem Äußeren nicht all zu viel an Beachtung zu schenken, wollte ich doch nicht sehenden Auges ins Verderben laufen. Aber sind wir Mädels nicht darauf getrimmt? Zu gefallen? Schön zu sein? Jung zu sein?
Ungezählt viele schöne Frauen habe ich all die Jahre getroffen, die nur ihre Makel sahen, nicht aber ihre zumindest dem westlichen Schönheitsideal entsprechende, objektive Attraktivität. Zufriedenheit – Fehlanzeige. Und so viele Frauen meines Alters treffe ich, die ich wunderschön finde, einfach wegen ihres Wesens, ihrer Besonderheit, weil sie mich beeindrucken mit ihrem Geist und ihrem Witz, die aus allen Reihen und Idealen tanzen und genau deshalb schön sind. Man nennt das wohl Persönlichkeit.
Mich mit diesen liebenden Augen zu sehen, wünsche ich mir für mein neues Lebensjahrzehnt. Und hängende Wangen, Brüste und Pigmentflecken als das zu nehmen, was sie sein sollten: Eine unbedeutende Kleinigkeit in einem wunderbaren Ganzen.
Mädels, lasst uns die richtige Brille aufsetzen!
Noch eine Urlaubsgeschichte
Meine Urlaubsgeschichte ist schon einige Jahre her.
Ich war Anfang dreißig, das Ende meiner ersten Ehe war eineinhalb Jahr her, ich war mit einer Freundin auf Sardinien und bereit für neue Abenteuer. Nachdem wir uns die erste Woche in einem kleinen Ort im Süden der Insel gut erholt und knackig gebräunt hatten, verbrachten wir die zweite Hälfte des Urlaubs im Nordosten, wo wir die die letzten Tage unserer Ferien noch ausgelassen feiern wollten. Dazu fuhren wir abends ins nahegelegene Porto Rotondo, ein Ort voller Clubs und Touristen in Sommer- und Partylaune.
Ich wollte unbedingt in den angesagten „Country Club“, von dem ich vorher schon gehört hatte: Eine ganz in Weiss designte Open Air-Anlage mit Swimming Pool, mehreren Tanzflächen und vor allem bestimmt ganz coolen und reichen Leuten! Der Eintritt in diese Clubs war allerdings – genauso wir die Getränke – enorm teuer, man konnte jedoch die Hauptstraße des Ortes entlang flanieren und erhielt dort, vor allem als Frau, von Promotern oft Freikarten. Am ersten Abend ignorierten uns die Leute des Country Clubs leider komplett und wir verbrachten den Abend in einer anderen Disco. Am zweiten Abend hatte wir mehr Glück, wir bekamen die begehrten Karten und uns fehlte nur noch eine Mitfahrgelegenheit in den etwas außerhalb auf einem Hügel gelegenen Club.
Alles schien perfekt als meine Freundin einen jungen Italiener (mit Auto) kennenlernte, der mit ein paar Freunden – alle Anfang zwanzig – unterwegs war. Er war auch gleich davon angetan mit uns in den Country Club zu fahren, als plötzlich einer seiner Freunde auftauchte und aufgeregt erzählte, dass DJane Gianna (Name von der Redaktion vergessen und deshalb neu erfunden), eine in Italien scheinbar bekannte Person, hier wäre und gleich in irgendeinem Club auflegen und strippen würde!!! Ich geriet ein wenig in Panik, als ich die leuchtenden Augen der Jungs sah und tatsächlich ließen sie sich nicht mehr davon abbringen, diese DJane strippen zu sehen und überzeugten schließlich meine Freundin davon, mit Ihnen zu diesem aufregenden Event zu fahren. Da ich auch kein Spielverderber sein wollte, gab ich schließlich nach und meinen Traum vom Club in Weiß auf und wir fuhren zu einer nicht besonders großen und auch nicht besonders schönen Disco, die, wie zu befürchten war, vor allem mit jungen männlichen Gästen, alle etwa zehn Jahr jünger als wir, gefüllt war.
Nach etwa einer dreiviertel Stunde tauchte dann die aufgeregt erwartete Djane auf, blond, etwa Mitte dreißig, mit zwei Zöpfen auf jung gestylt. Ihr Talent als DJane würde ich bestenfalls als mittelmäßig bezeichnen, aber darum ging es ja hier auch nicht. Nach einer weiteren halben Stunde war es soweit, die Spannung stieg gewaltig an, die DJane zog ihr T-Shirt aus, und hervor kam ein Bikinioberteil, das einen mittelgroßen, vermutlich ganz gut geformten Busen bedeckte. Verhaltenes Kichern bei den Gästen und weiter ging’s mit der Musik. Wieder eine halbe Stunde später dann große Aufregung, Handys wurden gezückt, auf die Bühne gerichtet, der Atem angehalten, die DJane löste ihr Bikini-Oberteil – und was kam raus? Noch ein Bikini!!! So ging es dann die nächsten zwei Stunden weiter. Je kleiner die Bikini-Oberteile wurden, desto kleiner wurde auch der Busen der Lady und als es dann endlich tatsächlich zur nackten Wahrheit kam, hatten selbst die meisten der spätpubertären Jungs die Lust verloren und nur einige Handys klickten noch für ein Foto von der flachbrüstigen DJane.
So endete also dieser Abend, der so hoffnungsvoll begonnen hatte, und damit auch die letzte Chance, mir noch einen Millionär angeln.
What about april?
Der Juli ist, was die Fülle an gesellschaftlichen Verpflichtungen angeht, das sommerliche Pendant zum Dezember. Während wir im Dezember von einer Weihnachtsfeier zur nächsten hetzen, geben wir uns im Juli auf den Sommerfesten der Schule, des Kindergartens, der Musikschule, des Sportvereins, des Bund Naturschutzes und der Nachbarschaft die Klinke in die Hand. Es gibt Festivals, Sommernachtskino und Konzerte – auf die wir mal wieder nicht kommen werden. Denn auch beruflich steppt der Bär, wollen doch alle noch ihre Aufträge vor der großen Ferienwelle abwickeln. Es vereinen sich berufliche und private Fremdbestimmung zu einer unaufhaltsamen Verpflichtungslawine. Da bleibt weder Zeit für spontane Freibadbesuche, noch für das Abhängen im Park oder das Sichtreibenlassen in lauen Sommernächten. Feste sind ja echt schön und wichtig, aber wieso könnt ihr nicht mal im April feiern? Das ist doch eine echte Challenge, Sommer kann ja jeder. Wer es dann schafft, trotz Regen oder Schnee eine unvergessliche Sause zu machen, kann sich nachhaltiger Anerkennung gewiss sein.
Weltmeisterschaft, die Zweite
Also, so ein WM-Spiel ist ja schon spannend, aber so richtig in Fahrt komme ich, wenn ich wochenends am Spielfeldrand stehe, und der Mannschaft meines Sohnes zusehe. Ich bin nämlich jetzt das, was ich nie werden wollte- Fußballmama. Immerhin trage ich (noch) kein T-shirt, das mich als diese ausweist und ich bin auch nicht bei jedem Spiel dabei. Aber wenn, dann benehme ich mich einfach grauenvoll und brülle, was das Zeug hält. Denn es ist ja so einfach- draußen am Spielfeldrand. Der totale Überblick. Ich weiß in jeder Sekunde, wer wann wie und wohin passen, laufen und schießen müsste, um den Sieg davonzutragen. Nur hören sie einfach nicht, die Jungs. Und so gedenke ich unserer Nationalmannschaft. Unser Fachwissen mag mit Ihnen sein. Laufen müssen sie selber.
Übrigens: Im nächsten Weltladen oder unter http://www.gepa-shop.de/handwerk-und-mehr/faire-balle.html gibt`s richtig schöne, gute und faire Fußbälle.
Fundstücke
Faire Kleidung
Ich habe die Tage einen Artikel gelesen, der bereits im Mai in der Schrot &Korn erschienen ist. Es ging mal wieder um die faire Produktion von Kleidung, ein Thema, mit dem ich mich schon lange beschäftige. Und obwohl die Arbeitsbedingungen in Bangladesch oder anderswo zum Himmel stinken, kaufe auch ich zum Großteil noch munter weiter ein bei den großen Ketten, wo die schnelle Mode zum kleinen Preis zu haben ist. Die High Class Label machen ja bei den Produktionsbedingungen leider auch meist keinen Unterschied. Und es ließe sich so leicht ändern:
In Bangladesh liegt der gesetzliche Mindestlohn für 48 Stunden Arbeitszeit pro Woche bei 68,- Euro im Monat. Ein existenzsichernder Lohn, von dem die Arbeiter(innen) leben könnten, läge allerdings bei 240,- Euro.
Die Kampagne für saubere Kleidung hat berechnet, dass alle mit einem T-Shirt verbundenen Arbeitslöhne 18 Cent ausmachen. Ein viermal höherer Lohn würde also mit 72 Cent zu Buche schlagen. Das wären gut 50 Cent mehr. Da die Aufschläge der Händler prozentual berechnet werden, müsste der Endverbraucher zwei bis drei Euro (!!!!!) mehr bezahlen.
(Zitat Schrot & Korn 05/14 „Wer näht mein Öko-Shirt?“von Leo Frühschütz)
Das ist für die meisten von uns peanuts. Also, bitte kauft weniger – und öfter fair.
Die Plattform für das Online-Bestellen von Fairtrade-Mode: www.avocadostore.de
Infos zur Kampagne und beispielsweise Tips,wo Abiturient(innen) faire Abishirts beziehen können: www.saubere-kleidung.de
Supercoole hoodies & Co unter: http://de.dawanda.com/shop/kenpanda
Eine tolle Firma nicht nur mit Hanfmode: www.hempage.de
länger hell, die Zweite
Meine liebe Couca,
das Problem, dass wir abends nicht so lange im Biergarten sitzen können, weil unser Kind ins Bett muss, ist uns überraschenderweise fremd. Und hat auch eigentlich überhaupt nichts mit uns zu tun. Die Kinder haben sich von Anbeginn ihres Daseins dazu entschieden, sommers wie winters völlig unterschiedliche Schlafgewohnheiten zu pflegen. Während sie im Winter friedlich um 8 Uhr abends im Bett zu liegen pflegen, geht im Sommer vor 22 Uhr überhaupt nichts. Zu hell, zu aufregend, zu sommer. Wie sie das die Saison über verkraften, ohne tagsüber zusammen zu brechen oder übellaunig zu werden, frage ich mich manchmal schon. Aber ich schweige dann und genieße. Cin Cin, meine Liebe….
länger hell
Endlich ist es wieder länger hell! Ich liebe diese Tage!
Während ich sonst nach der Arbeit meist direkt nach Hause will und Einkäufe und andere notwendigen Dinge so schnell wie möglich zu erledigen versuche, werde ich in dieser Jahreszeit zum Streuner – vor allem wenn es noch so schön warm ist wie jetzt. Ich treibe mich stundenlang im Zentrum herum ohne Grund und ohne Ziel. Ich rufe sämtliche Freunde und Bekannte an, bis ich jemanden gefunden habe, der mit mir ins Café oder Essen geht und verschiebe alle Verpflichtungen, die sich nur drinnen erledigen lassen auf den Herbst! Hauptsache ich kann draußen sein und das Tageslicht und die Sonnenuntergänge genießen.
Wenn ich, wie jetzt, leider doch meist früher zuhause bin, weil meine Tochter ja ins Bett muss, dann wird der Balkon zum liebsten Aufenthaltsort. Es wird draußen gegessen, getrunken, gelesen, telefoniert und entspannt.
Also Ihr Lieben, packt Grill und Picknickkörbe aus, ruft Freunde und Verwandte zusammen, bevölkert Parks, Terrassen, Balkons und Biergärten und genießt diese schönen langen Tage!
Vorfrühling
Wenn es bei uns an der Tür klingelt, finden für gewöhnlich zwei der folgenden Handlungsabläufe statt:
Der 1.Fall: Es passiert überhaupt nichts, da alle möglichen Türöffner geflissentlich bemüht sind, das störende Geräusch zu überhören, weil sie gerade hoch konzentriert Lego spielen oder sich nicht von der Arbeit am Computer lösen können.
Der 2.Fall: Mindestens ein Kind stürzt sich so, wie es gerade ist, tollkühn die Treppe hinunter, um den vermeintlichen Besuch oder den heimkommenden Elternteil freudig zu empfangen.
So geschehen an jenem Abend, als es gegen Acht Uhr klingelte. Mein achtjähriger Sohn, bereits im Schlafanzug, stürzte sich johlend die Treppe hinunter und schoss wenige Sekunden später wie ein geölter Blitz, seltsame Laute hervorstoßend und irgendwie komisch zuckend wieder an mir vorbei in die Wohnung zurück. Verwundert wartete ich auf die wundersame Person, die diese Reaktion ausgelöst hatte. Es war Mathilda, eine sehr nette Mitschülerin, die etwas bei uns abgeben sollte. Das kann ja heiter werden.
Stereotyp?
Manchmal laufe ich bei meiner morgendlichen Runde unter einer Brücke hindurch, die einem Obdachlosen Schutz vor Regen bietet. Bis zu jenem Tag,wusste ich allerdings nicht, wer sich unter den Decken verbarg. Ich beschloss, ein Croissant zum Frühstück vorbei zu bringen, in der Annahme, dass dies nach einer kühlen Nacht eine nette Überraschung sein könne. Als ich ankam, sass der Nachtgast tatsächlich bereits an seiner Feuerstelle und köchelte etwas. Als ich ihm das Croissant überreichen wollte, zuckte er entschuldigend mit den Schultern und sagte, er esse keine Butter. Wie sich herausstellte, ist der Mann Veganer. Nichts ist eben, wie es scheint.
Ohne mich.
Ich putze seit mittlerweile 7 Jahren Kindertageseinrichtungen und ich muss sagen- ich will nicht mehr. Jede private Einrichtung hat ihre Anforderungen und ich habe bis jetzt alles bereitwillig mitgemacht. Ich habe alle 14 Tage Essen für 12 Krippenkinder und 3 Erzieherinnen gekocht, ich habe Waffelteig für das Sommerfest vorbereitet, Plakate fürs Stadtteilfest gestaltet und bei der Schulzeitung mitgearbeitet. Wie gesagt, die Anforderungen ändern sich- nur eine haben sie alle gemeinsam: den Putzdienst. Fand ich es beim ersten Mal noch interessant, die Spielsachen der Kinder kennenzulernen, steigt heute in mir der der Widerwille hoch, wenn ich am Wochenende nach einem anstrengenden Job kreuzlahm Regale auswischen soll, die wesentlich sauberer sind, als jedes einzelne meiner Möbelstücke zu Hause. Weil ich ja auch dort nur ungern Stunden meines knapp bemessenen Zeitkontingents dem Putzen opfere. Mit jedem Wisch über ein weiteres bereits strahlendes Regal packt mich die Wut. Es muss Schluss sein. Ich fordere: Putzdienst den Reinigungsfirmen! Dann lieber kochen.
Putzdienst auf Italienisch
Da kannst du aber mal froh sein, dass du nicht mit einem Italiener verheiratet bist!!!
Ich habe das immer ganz ähnlich gesehen wie du – für mich fällt Putzen auch in die Kategorie „Verlorene Lebenszeit“ und wenn ich irgendwann mal Geld übrig habe, ist das erste, das ich mir anschaffe, auf jeden Fall eine Putzfrau!!
Und dann habe ich einen Italiener geheiratet. Und was mir keiner vorher gesagt hat ist, dass die alle vom Putzwahn besessen sind! Wer sich unter „italienische Familie“ eine große gemütliche, lustig plaudernde und immer lecker essende Menschengruppe vorstellt, der täuscht sich aber ganz gewaltig!!! Gemütlich wird es bei denen nämlich erst, wenn alles blitzblank und klinisch sauber ist. Und nach dem Essen noch schön am Tisch sitzen geht nur, wenn die Geschirr- und Topfberge gewaschen, getrocknet, weggeräumt und Herd, Spüle und Boden poliert sind.
Und erzähl einem Italiener mal was von Putzen und verlorener Lebenszeit, da wirst du nur verständnisloses Kopfschütteln ernten.
Bei meiner Schwiegermutter wird tatsächlich JEDEN Tag einmal die KOMPLETTE Wohnung (inklusive Balkon) geputzt. Und zwar nicht nur oberflächlich – nein da kann man wirklich sprichwörtlich vom Boden essen, und zwar vom Boden unter dem Sofa!!! Leider hat mein Mann diesen Sauberkeitswahn geerbt. Wenn die Küche nicht strahlend sauber und aufgeräumt ist, kann er nicht entspannen und fühlt sich unwohl! Das einzig Gute dabei ist, dass er das Putzen dann auch meist selbst übernimmt, weil ich in Spüle und Herd schrubben meist nicht den italienischen Ansprüchen genüge. Beim Rest der Wohnung konnte ich ihn mit viel Mühe auf einen Turnus von ein bis zweimal pro Woche runterhandeln.
Und so putze also auch ich jede Woche Regale, die eigentlich noch gar nicht schmutzig sind.
Allerdings bei mir zu Hause und nicht in der KiTa, von solchen Putzdiensten der Eltern habe ich hier in Köln auch noch nie gehört – zum Glück bleibt mir das also wenigstens erspart!!!
40 und jetzt?
Viele von uns Mädels werden dies Jahr 40. Und das Leben sieht bei den meisten ganz anders aus, als wir es uns als Teil der „Generation Golf“ einmal vorgestellt haben. Wir sind mittendrin statt angekommen. Jobsuche, Familienplanung, teure Mieten, 400,-€ Jobs. Wir sind vom Wohlstandsross unserer Eltern oft unsanft abgeschmissen worden und suchen neue Wege. Tauschbörsen oder Carsharing werden als Produkte unseres ökologischen und sozialen Verantwortungsbewusstseins kommuniziert, ich bin mir aber sicher, dass viele von uns teilen müssen, weil sie es sich- vor allem als Eltern von Kindern- nicht mehr leisten können, alles neu und selber zu kaufen. Die Frage ist, wie wir mit dieser neuen Lebenssituation umgehen. Eins ist klar: im Vergleich zu den meisten anderen Ländern, geht es uns sehr gut. Und wie sich schon oft gezeigt hat, gibt es auch viel Positives, wenn die Menschen näher zusammenrücken müssen, weil sie nicht alles selbst haben und können. Viele Ansprüche, die wir für selbstverständlich gehaltenen haben, müssen wir sicherlich zurückschrauben. Aber wir sollten auch deutlich zeigen, wann der Preis für die Anpassungen an unsere globalisierte Welt zu hoch geworden ist.
