Bei den Kleinen ist das ja immer ziemlich einfach. Legopackung 375, ein Buch, ein Hörspiel, Pfeil und Bogen. Bei meinem großen Sohn ist das aber inzwischen eine echte Herausforderung. Er wünscht sich nämlich seit etwa 2 Jahren – nichts. Schön, mag man meinen, ein bescheidenes Kind, aber so einfach ist die Sache nicht. Also ich habe auch ein kleines Detail verschwiegen. Über ein Iphone 5 oder gar 6 würde er sich sehr freuen, aber das möchten wir wiederum nicht schenken. So bleibt das Prinzip Hoffnung. Manchmal gelingt ein Treffer bei der freien Interpretation seiner heimlichen Sehnsüchte, aber mit meinem Sandwichmaker zum Geburtstag lag ich beispielsweise völlig daneben. Sein Gesicht war lang und als er Tage später den Schock verdaut hatte, kam ein „Mensch, Mama, man schenkt einem doch nichts zum Kochen zum Geburtstag!“. Gut, verstanden. An Klamotten traue ich mich auch nicht mehr ran, da – obwohl er keineswegs ein „Labelkind“ ist – nur etwa ein aus hundert Teilen Gnade vor seinen Augen findet, was mitunter daran liegt, dass die Modeindustrie zu denken scheint, Elfjährige würden urplötzlich keine bunten Tiermotive mehr mögen, sondern nur noch große Schriftzüge auf Schwarz oder Grau. So langweilig. Auch Bücher stapeln sich inzwischen zu einem Dutzend ungelesen, da seinen Freunden als Geschenk zum Kindergeburtstag kein Wunsch außer dem nach einem neuen Handy einzufallen scheint und sie aus Mangel an finanziellen Mitteln dann auf diesen Klassiker zurückgreifen. Da das Kind aber momentan eher weniger liest, macht es kaum Sinn, den Stapel auf ein weiteres Dutzend anzuhäufen. Ein Hörspiel scheint auch keine Alternative zu sein. Das verstanden wir, nachdem das Kind über Tage hinweg auf keinen Fall mit uns zusammen die nagelneue, total spannende Hörbuchfassung der „Unendlichen Geschichte“ hören wollte, die wir ihm geschenkt hatten, weil es lieber chillen wollte. Es ist nicht so einfach, sein Kind einfach mal in Ruhe zu lassen. Was vermutlich überhaupt das größte Geschenk wäre. Einfach mal nichts müssen müssen. Keinen Schulranzen packen, keine Hausaufgaben machen, nicht im Haushalt helfen. Einfach nur daliegen, gucken und sein. Hey, ehrlich , wir wären da sofort dabei, wenn wir nicht auch immer so viel müssen müssten. Aber wir können ja daran arbeiten. Gestern waren wir zusammen in der Stadt und ich habe herausgefunden, dass ihm Lego eigentlich immer noch gefallen würde, er aber einfach inzwischen weiß, dass das Preis -Leistungs -Verhältnis für einmal aufbauen und dann nicht mehr damit spielen völlig unpassend ist, das nennt man wohl Erwachsen werden. Jetzt können wir überlegen, ob wir uns über diese vernünftige Erkenntnis freuen oder sie torpedieren, in dem wir doch so etwas kaufen. Mal sehen, wie die Sache mit dem Handy eines Tages ausgehen wird und ob es dann einen Wunsch geben wird, den wir auch gerne erfüllen. Und bis dahin üben wir uns im trial and error und im InRuhelassen.
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Herausforderungen und Glücksmomente aus dem Leben mit Kindern
A wie Apfelstrudel und Aggressionen

Als mein Sohn mich letztens fragte, wie er seine Aggressionen am Besten abreagieren könne, ohne etwas ungewollt zu zerstören und mich fast zeitgleich eine Nachbarin fragte, ob ich Äpfel haben wolle, kam mir eine Idee, wie sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen ließen: Apfelstrudel. Den Teig muss man nämlich mit voller Wucht auf ein Brett schlagen, damit er richtig schön elastisch wird. Gedacht, getan. Mehlwolken stoben durch die Küche, während sich mein Sohn ungehemmt austoben konnte und es in vollen Zügen genoss. Endlich Mal ein Anwendungsgebiet, um Aggressionen als gutartiges Werkzeug zu nutzen. Und soo lecker!
Hier das Rezept:
für den Teig: 250g Mehl, 1/8l Wasser, etwas Salz, 40g Butter
für die Füllung: ca.1kg säuerliche Äpfel, 100g Rosinen, 50g geriebene Nüsse, etwa 3EL Zucker und Zimt nach Geschmack
( Butter zum Bestreichen)
Mehl, Wasser und Salz in eine Schüssel geben, die weiche Butter zugeben und alles sehr gut verkneten und so lange auf ein bemehltes Brett schlagen, bis der Teig glatt und elastisch ist. Mit einer angewärmten Schüssel zudecken und 20 Minuten ruhen lassen. In der Zwischenzeit die Äpfel schälen, Gehäuse entfernen und in kleine Schnitzel schneiden. Den Teig auf einer bemehlten Fläche ausrollen und dann auf ein bemehltes großes Küchentuch legen und vorsichtig zu allen Seiten hin mit den Fingern ziehen und dehnen, bis er gleichmäßig hauchdünn ist. Dickere Ränder abschneiden. Den Teig mit flüssiger Butter bepinseln und mit den Äpfeln , Rosinen, Nüssen , Zimt und Zucker bestreuen. Die vordere Kante des Tuchs anheben und vorsichtig den Teig Stück für Stück einrollen. Dabei die Seiten des Teiges nach innen einschlagen. Den Apfelstrudel vom Tuch auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech gleiten lassen. Mit Butter bepinseln und etwa 45 Minuten bei mäßiger Hitze( ca.160 Grad) backen. Noch warm mit Vanillesoße oder einer Kugel Vanilleeis genießen.

Mama Taxi – ohne mich!
Letzte Woche versuchte ich einen neuen Termin für den Instrumentalunterricht meines Kindes mit der Mutter des Mädchens zu vereinbaren, mit der er Unterricht hat. Ein völlig sinnloses Unterfangen, wie sich bald herausstellte, wohnt die Familie doch in einem Stadtteil von Nürnberg, der so schlecht an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden ist, dass das Mädchen darauf angewiesen ist, von ihrer Mutter gefahren zu werden, die wiederum aber auch deren Bruder zu dessen Freizeitaktivitäten fahren muss und das zum ohnehin langen Unterricht am Gymnasium – kurzum, es war schlichtweg unmöglich, den Termin zu verlegen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mich meine Eltern zu meiner Schulzeit jemals irgendwo extra mit dem Auto hingefahren hätten. Ob nun zum Sport, zum Instrumentalunterricht oder zu sonst einem Hobby, ich fuhr im Sommer mit dem Rad, im Winter mit dem Bus, wie vermutlich die Mehrzahl meiner Altersgenoss(inn)en in der Kleinstadt. Aus die Maus, das war einfach so. Vermutlich aus dieser Selbstverständlichkeit heraus war es mir von Anfang an wichtig, dass sich auch meine Kinder baldmöglichst autark von mir fortbewegen können. Klar, wir wohnen auch so, dass das geht. Kindergarten und Schule sind zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in etwa 20 Minuten zu erreichen und auch alle anderen Aktivitäten haben eine gute Bus oder U-Bahn Verbindung. Wo es geht, fahren wir Fahrrad, was zur Folge hatte, dass ich mit meinem kleinen Sohn immer wieder irrwitzige Diskussionen führen musste, wenn ich ihn direkt auf dem Rückweg vom Arbeiten mit dem Auto vom Kindergarten abholte. Er kann Autofahren einfach nicht leiden. Bei manchen Müttern scheint es allerdings fast so, als gäbe der Stress, den sie als chauffierende Wesen erfahren, ihrem Leben erst Sinn. Zwar nervt es sie vollends, ihre talentierten Kinder von Hobby A zu Hobby B zu fahren, sie tun aber auch rein gar nichts dazu, ihren Kindern diese Verantwortung abzugeben. Letztens erzählte mir eine Dreizehnjährige, sie könne an diesem Tag ihre Freundin nicht mehr besuchen, weil sie niemand fahren könne. Ich fragte nach, wieso sie nicht mit der U-Bahn fahre. Mit großen Kulleraugen erklärte sie mir, dass das auf keinen Fall gehe, da sie sich auf jeden Fall verfahren werde, das mache sie immer. Diese Begründung ließe ich vermutlich gelten, wohnten wir in München, Berlin oder Paris. Aber in Nürnberg gibt es genau 3(!) U-Bahnlinien. Das zauberte mir dann doch ein kleines Schmunzeln auf die Lippen und ich musste mich wundern, dass sie mit dieser Tour zuhause durchkam. Tja, jedem das Seine. Mir würde ein bisschen Landleben auch gut zu Gesicht stehen, aber für mich ist das nichts mit dem Chauffieren. Da warte ich lieber noch. Vielleicht klappt es ja, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Sie können mich dann gerne besuchen – natürlich auch mit dem Auto.
Is nich alles schön im Leben
Im Urlaub habe ich das Buch „Vom Ende der Einsamkeit“ von Benedict Wells gelesen und es hat mich noch lange danach beschäftigt. Es erzählt davon, welch unterschiedliche Strategien drei Geschwister, deren Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen, entwickeln, um mit diesem tragischen Verlust fertig zu werden. Wirklich aufgearbeitet wird er eigentlich nie und so reichen seine Folgen weit in das Leben der inzwischen Erwachsenen hinein. Ich habe meine Mutter im Alter von zwölf Jahren verloren, nicht plötzlich, aber doch ziemlich unvorbereitet. Man möchte Kinder nicht belasten und spricht deshalb mit ihnen oft nicht über Krankheit und Tod, ganz nach dem Motto, was man nicht ausspricht, ist auch nicht da. Aber man kann Kinder nicht vor dem Schmerz bewahren, man kann sie höchstens mit ihm allein lassen. Lange Zeit nach dem Tod meiner Mutter habe ich in einer Buchhandlung ein Buch entdeckt ( dessen Titel ich leider nicht mehr kenne), in dem sich eine an Krebs erkrankte Mutter gemeinsam mit den Kindern auf ihren Tod vorbereitet und mit ihnen ein Erinnerungskästchen füllt, das sie nach ihrem Tod in die Hand nehmen können, wenn sie traurig sind und die Mutter vermissen. Etwas, das ihnen über den Tod hinaus bleibt, eine Verbindung und gemeinsame Erinnerung. Ich fand diesen Weg wunderschön und hätte mir auch so eine Vorbereitung und Hilfestellung gewünscht. Aber wer kennt sich schon aus mit dem Sterben? Der plötzliche Tod lässt sich natürlich überhaupt nicht vorbereiten, aber anders als bei Benedict Wells, kann man Kinder zumindest danach unterstützen, ihn aufzuarbeiten. Die drei Geschwister seines Romans kommen nach dem schweren Schicksalsschlag ins Internat und werden mit ihren Gefühlen fast völlig allein gelassen. Kinder sind nicht blöd, sie sind fühlig. Solltet ihr in eurer Familie mit Krankheit und Tod konfrontiert werden, gebt ihnen Antworten auf ihre Fragen, auch wenn ihr selber Angst habt vor dem, was da kommen mag. Natürlich altersgerecht und mit der Souveränität des Erwachsenen. Nehmt die Kinder mit auf diese Reise, soweit das möglich ist. Dann werden sie danach vielleicht leichter wieder ins Leben zurück finden.
„Vom Ende der Einsamkeit“ von Benedict Wells,
Diogenes Verlag, ISBN-13: 9783257069587
Das Mädchen Wadjda

Von dem „Mädchen Wadjda“ (sprich:Waschda) der saudi- arabischen Regisseurin Haifaa Al Mansour hatte ich schon vor längerer Zeit gehört und als er mir in der Bibliothek über den Weg lief, wusste ich, dass ich ihn unbedingt mit meinen Jungs sehen wollte, wohl wissend, dass sie zu „so einer Art“ Film vermutlich alleine nie greifen würden. Der Film handelt von dem 11jährigen saudi-arabischen Mädchen Wadjda, das davon träumt, ein eigenes Fahrrad zu besitzen – ein Unding in dem Land, in dem sich Frauen meist nur komplett verschleiert auf der Straße zeigen dürfen. Und unvorstellbar für Kinder, die hier im Westen aufwachsen. In ruhigen, aber eindrücklichen Bildern nimmt die Regisseurin uns mit in Wadjda`s Alltag in der Koranschule, in dem sich das Mädchen an den Grenzen des Zulässigen durchhangelt, bis sie von einem Koranwettbewerb erfährt, dessen Hauptpreis 1000 Saudi-Riyal sind und ihr den Kauf des Fahrrads ermöglichen würde, das sie in einem Laden für sich entdeckt hat. Von einem Tag auf den anderen mutiert Wadjda zur Vorzeigeschülerin, die Koranverse Rezitieren übt. Auch ihr Leben zuhause spielt sich auf einem schmalen Grat zwischen Tradition und Moderne ab. Die Mutter fürchtet, dass sich ihr Ehemann eine Zweitfrau nehmen wird, weil sie ihm keinen Sohn mehr gebären kann und versucht das, zu verhindern, indem sie ihm eine vorbildliche, begehrenswerte Frau ist. Und so findet diese Geschichte schließlich ein Ende, das nur teilweise „happy“ ist. „Das Mädchen Wadjda“ ist eine aufwühlende Geschichte, die Einblick in eine uns völlig fremde Welt gibt und Verständnis für Menschen weckt, die in einer anderen Kultur aufwachsen und von ihr tief geprägt werden. Und meine Jungs waren genau wie ich bis zur letzten Minute gefesselt, auch wenn der Film auf den ersten kindlichen Blick nur von einem Mädchen und einem Fahrrad handelt.
Help is coming
In den letzten Wochen habe ich mich mit einigen Freunden und Bekannten unterhalten, die Eltern kleiner Kinder sind und so ziemlich am Ende ihrer Kräfte. Der Druck, eine Familie ernähren zu müssen, kollidiert mit der Erwartung, sich ausreichend Zeit für die Kinder nehmen zu sollen (und eigentlich ja auch zu wollen). Der Elternteil, der überwiegend die Kinderfürsorge übernimmt, fühlt sich nicht wertgeschätzt; der Elternteil, der abends nach Hause kommt, überfordert, wenn er auch noch unmittelbar nach Betreten der Wohnung die Kinder übernehmen soll. Zwischen den Partnern werden nur noch Vorwürfe und Gereiztheiten ausgetauscht, anstatt sich gegenseitig zu unterstützen, und jeder fühlt sich unverstanden. Als wäre das allein nicht schon genug, gilt es manchmal auch noch pflegebedürftige Eltern zu versorgen. Dann geht einfach gar nichts mehr. Wenn ihr euch hier wieder findet, wird es höchste Zeit, nach Hilfe zu rufen. Oft fällt es gerade den Müttern schwer, ihre Kleinkinder in fremde Hände zu geben. Aber mal ehrlich: Die lieben Kleinen werden es mit höchster Wahrscheinlichkeit unbeschadet überstehen, wenn sie mal für ein, zwei Stündchen bei der Nachbarin, kinderlosen Freunden oder der entfernten Verwandten unterkommen und ihr dafür eine wohlverdiente Auszeit nehmen könnt. Gemeinsam oder alleine – seid nicht enttäuscht, wenn ihr euch beim ersten kinderlosen Date nicht viel zu sagen habt, dazu seid ihr vermutlich viel zu k.o., aber das kommt schon wieder. Eure Kinder haben nichts davon, wenn ihre eure eigenen Bedürfnisse immer wieder hinten anstellt. Spätestens, wenn ihr anfangt, Eure Beziehung in Frage zu stellen, müssen die Verhältnisse neu geordnet werden. Was bringt es, die „perfekte Mutter“ zu sein, wenn alles andere den Bach runtergeht. Kinder zu haben, ist eine der größten Herausforderungen für die Partnerschaft. Und das wichtigste „ Tool“, schwierige Zeiten zu überstehen, ist sicherlich, miteinander im Gespräch zu bleiben. Nie zuvor war man so viel mit seinen Kindern alleine wie heute. Früher gab es oft eine Großmutter oder Tante im Haus, mit der man Sorgen teilen konnte, die aber auch ganz ungefragt zwischendurch mal die Kinderbetreuung übernommen hat. Die Kinder waren unterschiedlichen Einflüssen und Erziehungsstilen ausgesetzt und sind damit meist gut zurecht gekommen. Wir können die Uhr nicht zurück drehen, uns aber ein Netzwerk schaffen, das ähnlich funktioniert und uns ( und anderen) gut tut. Oft funktioniert das mit Familien am Besten, die ähnliche Bedürftigkeiten haben. Da kann man am Wochenende vielleicht mal für einen Nachmittag die Kinder abwechselnd betreuen und hat somit ein bisschen Freizeit. Und auch enkellose Senior(inn)en freuen sich oftmals, wenn sie etwas junges Blut auf Trab hält. Redet, streut Eure Situation und es wird sich Hilfe finden. Dann müsst ihr sie nur noch mit offenen Armen empfangen.
Ich mag die nicht!
Ich mag die nicht, die ich geworden bin seit ich zwei Kinder habe.
Die fährt schnell aus der Haut, schreit viel und ist immer in Eile.
Die muss wieder weg!
SCHEISS BIO.

Der Schwindel mit dem „sauber sein“
Wenn die Kinder endlich sauber sind, endlich keine Windel mehr tragen und ihr Geschäft selbständig auf der Toilette verrichten, ist das ja meist Anlass zu großer Freude. Sie werden groß, man muss keine Windeln mehr wechseln und möglicherweise in direkten Kontakt mit großen Geschäften treten bzw. Klamotten auswaschen, wenn die Windel nicht alles halten konnte.
Es wird einem immer vermittelt, dass das ein erstrebenswerter Zustand wäre, dass dann alles besser ist. Eltern, deren Kinder schon früh sauber sind, geben gerne stolz damit an und bedauern die, deren Kinder immer noch in die Windeln machen. Die Kinder werden animiert und Bücher werden geschrieben, wie toll alles ist, wenn ihr Kleinen erst auf die Toilette gehen könnt.
Aber jetzt mal ehrlich, die neue Selbständigkeit dürfte doch als solche gar nicht bezeichnet werden. Das ist doch für uns keine Erleichterung. Wir Eltern sind doch jetzt oft noch viel mehr gefordert als vorher. Zuhause im gewohnten Tagesablauf mag das ja alles noch ganz gut funktionieren, aber nach dem ersten Urlaub mit meiner seit einem guten halben Jahr sauberen Tochter muss ich sagen, ich habe mir oft die Windelzeiten wieder zurückgewünscht.
Da steht man irgendwo mitten in einer fremden Stadt und plötzlich kommt das: „Ich muss Pipi – ganz dringend!“ Erschrocken sieht man sich nach einer Toilettenmöglichkeit um – hier gibt’s nichts. Da sagt man dem Kind so dumme Sprüche wie „jetzt nicht, drück fest zusammen“ in der Hoffnung, dass der Schließmuskel gut funktioniert und es vielleicht doch nicht ganz so dringend ist. Im schlechtesten Fall kommt dann „aber ich muss auch Kaka!!!“
In Panik irrt man mit dem Kind durch die Straßen bis man endlich irgendeine Kaffebar gefunden hat, stürmt da rein und findet dann eine Toilette vor, bei der bei mir der Harntrieb und auch ich selbst schnell wieder verschwunden wäre. (Und ich bin wirklich nicht besonders zimperlich.) Zudem fehlt die Klobrille! Da will man seine Tochter echt nicht draufsetzen. Möglichst ruhig erklärt man dem Kind, dass es bloß nichts anfassen soll und dass es sich mit den Füßen auf die Toilette stellen soll: „Ich halte dich, dann kannst du in der Hocke Pipi machen!“ Aber das Kind weint: „Nein, so kann ich nicht!“ Also sucht man verzweifelt die Desinfektionstücher in der Tasche, um das Klo wenigstens etwas sauber zu wischen. Die sind aber natürlich in der Eile unauffindbar und nach dem dritten „Ich muss aber wirklich gaaaaanz dringend!“ setzt man das Kind schließlich resignierend auf die eklige Schüssel.„Kaka“ war dann natürlich falscher Alarm, es kommt lediglich ein kleines Rinnsal hervor, das befürchten lässt, dass sich die ganze Tragöde in den nächsten zwei Stunde wiederholen wird. Am Ende trinkt man dann noch den x-ten Espresso, weil es einem peinlich ist, einfach so wieder aus der Bar zu verschwinden.
Also, liebe Mütter, genießt die Zeit, in denen eure Kinder noch Windeln tragen, es wird nicht alles besser danach!
Kleine Kinder – kleine Sorgen. Große Kinder – große Sorgen
Ja, wir kennen sie alle, die klugen Sprüche und oft genug gehen sie uns ganz kräftig auf den Geist. Einen wahren Kern haben sie trotzdem leider oft. So wie auch dieser. Während sich Zahnungsprobleme, Blähungen und Schürfwunden bei Babys und Kleinkindern meist schnell diagnostizieren lassen und man sich umgehend der Problemlösung widmen kann, geht es bei älteren Kindern meist um weniger leicht zu behebende, geschweige denn überhaupt zu erkennende Probleme, deren Ursache oft in der Familie selbst liegen. Denn bei allem Wohlwollen, das werdende Eltern in ihre Familienplanung einbringen, nimmt doch jeder seine eigene Geschichte in die neue Familie mit. Und mitunter sogar die seiner Eltern und Großeltern. Man nennt das Transgenerationalität, die Übertragung unverarbeiteter Ereignisse auf nachfolgende Generationen. Aber mal von diesem Aspekt abgesehen, können wir schon unseren eigenen Erlebnissen als Kind, der Rolle, die wir in unserer Familie hatten und unseren Strategien, zu überleben, nicht entkommen. Und sie produzieren Erwartungen an unsere Kinder und Enttäuschung, wenn diese nicht erfüllt werden. Und dann passiert bei allem Wohlwollen das, was einem Kind große Probleme machen kann: es wird nicht gesehen. Vielleicht wird viel Aufheben um seine Leistungen gemacht, vielleicht wird es gut versorgt, sein Wesen aber wird nicht wahrgenommen. Und dagegen wird es sich wehren und Strategien suchen. Eine davon ist es, negativ aufzufallen. Denn es ist besser, unter diesem Vorzeichen wahrgenommen zu werden als gar nicht. Andere Kinder wählen den Weg der absoluten Angepasstheit und wieder andere entwickeln vielleicht ein selbstdestruktives Verhalten, um darauf aufmerksam zu machen, das etwas in ihrem System nicht stimmt. Und dann sitzt man da als liebende Eltern und wundert sich, was da schief gegangen ist und wie das passieren konnte. Eine Familienberatung, die sowohl Städte und Gemeinden, als auch Einrichtungen wie die Caritas oder andere Sozialverbände anbieten, kann in so einer Situation helfen, unguten Verhaltensmustern auf die Spur zu kommen und noch mal von vorne anzufangen. Quasi die Reset-Taste zu drücken und dem Kind eine neue Chance zu geben, anstatt es nur noch als Problem zu betrachten. Denn eigentlich wollen Kinder kooperieren und ihr Verhalten macht Probleme innerhalb der Familie sichtbar, die man sonst zu übersehen sucht. Wer etwas besser verstehen möchte, warum Kinder bestimmte Verhaltensweisen an den Tag legen, was sie bedeuten und warum es so wichtig ist, seinem Kind mit leuchtenden Augen zu begegnen, kann mal in Jesper Juuls „Dein kompetentes Kind“ hineinlesen. Eine andere Perspektive hilft auf jeden Fall oft, wieder klarer zu sehen und dann auch wieder nach vorne sehen zu können und neue Pfade einzuschlagen. Zwar gibt es kein Pflaster für große Sorgen, aber doch Mittel und Wege.
Buchtipp: Jeper Juul „Dein kompetentes Kind“
- ISBN-13: 9783499625336
Geschenktipp für Kids
Da ist sie wieder – die Einladung zum Kindergeburtstag. Aber was schenken? Die 549.Legopackung? Eine super Alternative ist die CD Kuckuck, Krake, Kakerlake von Bibi Dumon Tak, empfohlen ab 8 Jahren, die aber auch jüngeren, wortgewandten Kindern Spaß macht. Ganz ohne naturwissenschaftliche Sachlichkeit, dafür mit viel Witz und aus sehr menschlicher Sicht werden hier verschiedene Tiere und ihre ganz außergewöhnlichen Fähigkeiten und Eigenheiten vorgestellt. Und das von 12 hochkarätigen Sprechern und Sprecherinnen, die auf ihre ganz eigene Weise Famoses von Faultier, Hamster oder Seepferdchen zu erzählen wissen. Und weil Kinder und Erwachsene von den kleinen Episoden nicht genug bekommen können, gibt es die Nachfolger CD Eisbär, Elch und Eule, die die seltsamen Bewohner von Nord- und Südpol genauer beleuchtet.
Oetinger Audio
Kuckuck, Krake, Kakerlake ISBN-13 :978-3-8373-0519-7
Eisbär, Elch und Eule ISBN-13: 978-3-8373-0597-5
Kindermund: die Knöchelkatze

Einfach gut.
Wir haben dies Jahr erstmals einen Familienkalender geschenkt bekommen. Eigentlich nichts wirklich Neues, so ein Kalender, aber wir hatten tatsächlich noch nie einen. Und ich muss sagen – bitte nie mehr ohne. Meine äußerst unflexiblen Kinder können sich endlich rechtzeitig auf das einstellen, was so an Terminen in der nächsten Zeit ansteht, vom Zahnarzt bis zum Besuch des besten Freundes. Sie wissen, wann ich arbeiten muss und wann vielleicht die Tagesoma kommt. Mit einem Satz: sie fühlen sich in die Planung miteingeschlossen, anstatt vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Eine einfache Maßnahme mit hoher Zufriedenheitsgarantie – schwer zur Nachahmung zu empfohlen!
Abbildung: Familienplaner, Grätz Verlag, ISBN-13: 9783944156514
Gefühlskram
Wenn man als weibliches Wesen einen Sohn bekommt, merkt man ganz schnell, dass diese kleinen Minimänner von Anbeginn irgendwie anders ticken. Da gibt es zum einen dieses lustige Spielzeug zwischen ihren Beinen, das sie von Anfang an hingebungsvoll beschäftigt, da sind aber auch diese Kräfte enormen Ausmaßes und die scheinbar unerschöpfliche Energie und Körperlichkeit, die es zu lenken gilt. Um alle Klischees zu bedienen, sind Jungs zudem eher zahlen- als buchstabenaffin und kombiniert man all diese Fragmente zu einem Ganzen, scheint es eine logische Folge zu sein, dass Jungs eher die Fäuste sprechen lassen, als über Gefühle zu reden- was dann, längst zu stattlichen Exemplaren der Gattung Mann herangewachsen, zu (für die Partnerin) unerklärlichen Spontantrennungen führen kann, da eine gewisse Unzufriedenheit im Vorfeld von Seiten des Mannes nie kommuniziert wurde. Weil er eben im Allgemeinen nicht so viel kommuniziert. Aber nun mal ehrlich. Wo sollen sie es denn lernen? Wann fragen wir Erziehungsbeauftragten denn einfach mal „Hey, wie geht’s Dir eigentlich?“ , beispielsweise anstelle des obligatorischen „Wie war`s in der Schule?“, dem sowieso nur ein lustloses „Geht.“ folgt, das das Gespräch auch umgehend wieder beendet. Aber wir tun es immer wieder, so wie es schon unsere Eltern getan haben und einfach nicht gecheckt haben, dass das nur nervt. Unser Alltag besteht oft nur aus der Abfrage organisations-, schul-, oder arbeitsrelevanter Themen. Konflikte werden meist entnervt durch ein Machtwort oder Sanktionen geregelt, anstatt nachzufragen „Was war denn eigentlich los? Was hat Dich so wütend gemacht? Was hättest Du Dir denn gewünscht?“ Miteinander ins Gespräch zu kommen und selbst von seinen Gefühlen zu erzählen, würde vermutlich helfen, den Jungs ein paar andere Tools mit an die Hand zu geben als den Nahkampf. Jungs könnten so lernen, sich ihrer Gefühle bewusst zu werden und darüber zu reden, anstatt alles mit sich selbst auszumachen und ab und an zu explodieren. Da sind die emotionalen, mitteilungsfreudigen Mädels deutlich im Vorteil, müssen sie ja nicht den coolen Checker mimen. Ich sehe schon manch witzelnden Herren vor mir, der über diese Warmduscherei spöttelt. Aber glaubt mir, auch ihr hättest es mit Sicherheit manchmal leichter, wenn das mit den Gefühlen nicht so schwer wäre.
Das Zocken, die Kinder und ich
Meine erste Computerspielerfahrung Anfang der 80er war die Pac Man Konsole in einem Aufenthaltsraum eines Skilagers. Mein Cousin und ich waren ganz verrückt nach dem Teil und versuchten so oft wie möglich zu spielen. Vielleicht war es diese erste Erfahrung, die mich nachhaltig zur Videospielgegnerin hat mutieren lassen, war mir deren Anziehungskraft einfach nicht geheuer. Als „Jungsmutter“ war mir klar, dass mich das Thema Zocken irgendwann einholen würde und so bin ich die letzten Jahre wiederholt in mich gegangen und habe versucht, dem Ganzen etwas Positives abzugewinnen, möchte ich doch keine vereinsamten Nerds aus meinen Kindern machen. Aber die Wahrheit ist: ich hasse Computerspiele und seinesgleichen beziehungsweise den Sog, den sie ausüben und sie sind für mich die Killer jeder Kreativität. Mehr noch, ich finde die Aussichten, wie sich unsere Kinder entwickeln werden, die damit groß werden, nonstop online zu sein, sich ständig zu präsentieren, die auf Bestätigung und Likes getrimmt werden und anstatt sich zu langweilen, zum Handy oder der Spielkonsole greifen, nicht wirklich rosig. Viele mögen an dieser Stelle die Augen rollen, nämlich all die Eltern, die gerne selber zocken oder das eben alles nicht so schlimm finden. Die Veränderungen unseres Lebens durch das Internet und seine Begleiterscheinungen sind weitaus gravierender, als sie es die Jahrzehnte zuvor waren. Nur, dass wir Erwachsenen jenseits der Dreißig im Gegensatz zu den Kindern, die jetzt groß werden, das Leben „davor“ noch kennengelernt haben. Und das macht es nicht leichter. Ich wünsche mir wie viele andere Eltern, eigene schöne Kindheitserfahrungen an meine Kinder weitergeben zu können, habe aber ein Bild von einer Kindheit im Kopf, die es so vermutlich nicht mehr gibt. Aber war das nicht schon immer so, weil sich die Welt einfach weiterdreht und nichts so bleibt, wie es ist? Heute verliert die reale Welt oft, sobald ein digitales Medium ins Spiel kommt. Kindheit 2016 ist eben anders als Kindheit 1984 – alles ganz normal eigentlich. Ich hadere oft mit mir, warum ich den Kampf gegen die virtuelle Welt nicht einfach aufgebe und meine Kinder vor das iPad setze, könnte ich doch ein leichteres Leben haben. Aber es ist mir zu wichtig, dass sie noch so vieles im Hier und Jetzt erleben und nicht nur in fremden Welten, die sich unbekannte Softwareentwickler ausgedacht haben. Manchmal scheint es absurd, dass Kinder in unserer westlichen Welt, die ihnen so viele Möglichkeiten bietet, scheinbar nichts mit sich anzufangen wissen. Aber vielleicht ist auch genau das eine Antwort darauf, was Computerspiele – abgesehen vom Spaßfaktor – so reizvoll macht. Man weiß genau, was man machen muss, um zu gewinnen. Wer gut und wer böse ist. Jeder kann ein Held sein, egal, wie es in der Schule läuft. Du musst nicht nachdenken. Und du kannst immer wieder von vorne anfangen. Und vielleicht ist es das, was unsere Elterngeneration ihren Kindern oft nicht geben kann – einen klaren Kurs.