Kategorie: Kinder&Co

Herausforderungen und Glücksmomente aus dem Leben mit Kindern

Schneller Rat ist leicht zu haben

Man bekommt im Laufe seines Lebens ja viele Ratschläge – gute und schlechte, gefragt und ungefragt. Aber wenn man Kinder hat, scheint plötzlich jeder in deiner Umgebung Erziehungsspezialist zu sein und seinen reichen Wissensschatz kundtun zu müssen. Im besten Fall sind es Freunde oder Verwandte, die tatsächlich aus eigener Erfahrung sprechen. Ich selbst nehme mich davon nicht aus. Auch ich gebe meine Erfahrungen gerne und freigiebig an befreundete Mütter weiter. So hat zum Beispiel das “Schreien lassen” bei meiner Tochter, die mit einem dreiviertel Jahr nachts immer öfter aufwachte und nicht einschlafen wollte, so schnell so gut funktioniert hat, dass ich diese Methode immer gerne weiterempfehle.

Besonders nervig sind die ungefragten und meist nicht sehr hilfreichen Ratschläge von völlig Fremden. Man muss nur mal mit schreiendem Baby in der U-Bahn fahren. “Das hat bestimmt Hunger” sagen einem da Menschen, die man noch nie gesehen hat, mit vorwurfsvollem Gesicht! Danke auch, als ob es nicht auch andere Gründe gäbe, warum ein Baby schreien kann. Und wenn es tatsächlich Hunger hat, weiß die Mutter das am allerbesten und wartet nur darauf, schnell auszusteigen und nach Hause zu eilen um endlich stillen zu können.

Ein besonders skurriler Rat, den man tatsächlich von Fachleuten bekommt, ist Säuglingen, denen man ja noch nicht die Nägel schneiden soll, diese einzuspeicheln und abzukauen!!! Kann das wirklich wahr sein? Also mal abgesehen von dem Einspeicheln (wie lange soll ich denn da mit meinem bakterienverseuchten Speichel auf der kleinen Hand rumlutschen?) – wie soll das bitte funktionieren? Ein Zahn von mir ist doch schon mindesten fünfmal so groß wie so ein kleiner Nagel! Wie soll ich denn mit zwei von den Riesendingern das Mininägelchen überhaupt zu fassen kriegen geschweige denn zwei Millimeter davon abknabbern ohne dass ich das kleine Fingerchen annage!

Also an gutgemeinten Tipps mangelt es einem als Mutter sicher so gut wie nie. Oft möchte man diese tatsächlich auch, weil man mit kleinen Kindern immer wieder Situationen ausgesetzt ist, zu denen man keine passende Lösung findet. Aber häufig musste ich feststellen, dass selbst gute Ratschläge nicht immer funktionieren, weil Kinder oft einfach zu unterschiedlich sind. Worauf ein Kind anspringt, funktioniert bei dem anderen nicht. Oder es klappt zweimal, aber beim dritten Mal plötzlich nicht mehr. Letztendlich hilft wohl nur ausprobieren und deshalb sind die vielen Ratgeber da gar nicht so schlecht. Aber bitte nicht von Wildfremden – euren Rat will ich wirklich nicht hören!

Von kleinen Helfern und großen Verweigerern

In den frühen Lebensjahren eines Kindes gibt es ein Zeitfenster, in dem es alles selber machen will. Anziehen, Tisch decken, Spülmaschine ausräumen. Was wir Eltern ja an und für sich wünschenswert finden, stellt uns im durchgetakteten Alltag oft vor große Probleme. Aus Zeitmangel ( „Wir müssen jetzt aber wirklich los, sonst kommen wir zu spät in die Kita…zur Arbeit…zum Kinderturnen…zum Kindergeburtstag…zum Kinderarzt…zum Musikgarten usw..!“) oder aber aus Sorge um das Meissener Porzellan und/oder das Kindeswohl ( es könnte stolpern und sich an einer Scherbe schneiden! ), gewöhnen wir ihm dieses Bedürfnis oft schnell wieder ab. In der Pädagogik spricht man von „Entmutigen“. Das Kind zieht sich in die Passivität zurück und lässt sich künftig anziehen, seine Schuhe binden, den Teller hinstellen, kurzum: es lässt sich bedienen. Wird das Kind dann allmählich zum Teenager, müssen wir entsetzt feststellen, dass es sich überhaupt nicht im Haushalt engagiert und jede Aufforderung zur Mithilfe als Zumutung empfindet. Bemüht, das Versäumte nachzuholen, konstruieren wir Haushaltspläne und verzweifeln tagtäglich an der Aufgabe, erlernte Verhaltensmuster zu durchbrechen. Tja, was soll ich sagen, selber schuld. Also, die, die ihr noch Kleinkinder habt, lasst es auf einen Versuch ankommen: Streicht ein paar Termine, lasst sie Teller und Gläser herunterschmeißen, was das Zeug hält, Schuhe verkehrt herum anziehen, zu spät kommen und die Küche beim Mithelfen verwüsten. Bezieht sie mit ins Leben ein und sie werden stolz ihre Aufgaben übernehmen. Wahrscheinlich. Zumindest vielleicht, bis sie Teenager sind. Und mal ehrlich, was sind dagegen ein paar kaputte Teller?

Alte Mama

In vieler Hinsicht bin ich eigentlich ganz zufrieden, dass ich nicht sehr jung Mutter geworden bin. So habe ich nicht das Gefühl dass ich etwas verpassen würde, weil ich ja viele Jahre immer das machen konnte, was ich wollte. Mit Ende dreißig wusste ich, dass die Abende in Kneipen und Clubs zu verbringen auf Dauer auch keine Erfüllung bringt. Auch wenn sowas jetzt schon ein bißchen häufiger sein könnte, vermisse ich es im Grunde selten. Von Verwandten oder Freunden, die schon früher Eltern wurden, hat man doch schon eine ungefähre Ahnung was einen erwartet. Zwar kann man sich die Veränderungen, die ein Kind für das eigene Leben bedeutet, nicht wirklich vorstellen, aber man ist zumindest darauf gefasst, dass es ein bedeutender Einschnitt sein wird. Man hat sozusagen durch andere Erfahrungen gesammelt, aber genau da liegt auch die Schwierigkeit einer “alten” Mama. In all den Jahren, in denen man andere Eltern beobachtet, Folgen der Supernanny gesehen und sich über unerzogene Kinder und noch mehr über ihre unmöglichen Eltern aufgeregt hat, haben sich gewisse Vorstellungen ausgeprägt, wie man selbst als Mutter sein will, wie die Erziehung wohl gut funktionieren und wie man es selbst besser machen könnte als die anderen. Wenn das dann in der Wirklichkeit nicht so läuft wie gedacht, fehlt einem -also zumindest mir- leider oft die nötige Gelassenheit. Sich einzugestehen, dass man sich getäuscht hat und einfach etwas anderes zu probieren fällt schwer. Ich weiß mit 25 hatte ich keine genauen Erziehungsvorstellungen, hätte sicher weniger Erwartungen mich gehabt und deshalb viele Situationen auch lockerer genommen als jetzt. Diese Unbeschwertheit versuche ich mir jetzt zumindest ein bißchen wieder anzueignen – für mich, aber vor allem auch für meine Kinder!

Härtet Eure Kinder ab!

Und ich meine damit nicht, sie, wie wohl in seltenen Regionen Russlands üblich, direkt nach der Geburt ins Eismeer zu tauchen. Nein, härtet sie dahin gehend ab, dass nicht nur sie Bedürfnisse haben, sondern auch ihr, die Eltern! Schleppt sie auf jedes Fest mit, zu dem ihr eingeladen werdet, nehmt sie zum Shoppen mit und auf Festivals. Wir haben das nämlich irgendwie total vergeigt und dauernd Rücksicht genommen. Die Kinder bleiben lieber zu Hause? Gut, dann nehmen wir einen Babysitter- ist ja sowieso stressfreier. Und überhaupt, die Woche ist schon so voll, da kann ich ja die eine kleine Unternehmung für mich auch noch streichen. Und was kommt dabei raus? Wenn ich jetzt zu meinen Kindern sage: „Ich möchte heute Abend auf das Straßenfest, das ist bestimmt ganz nett!“, schauen mir rollende Augen aus langen Gesichtern entgegen, deren Mündern ein ächzendes Stöhnen und ein „Och, Mann!“ entfährt. Es folgt eine mindestens dreißigminütige Diskussion, in deren Verlauf ich alle Register der Überzeugungskunst ziehen muss und mir jegliche Lust vergeht. Im Anschluss verfluche ich mich, den Abend nicht gleich ohne Kinder geplant zu haben. Aber, Mensch, das geht auch ins Geld und außerdem kann man ja auch mal was zusammen machen. Wenn wir es dann nach großem Streit und Tränen geschafft haben, das Haus zu verlassen, wird es meistens eine gute Sache. Aber die Nerven, die mich das gekostet hat, hätte ich mir gerne gespart. Also, in diesem Sinne, ein schönes Wochenende und macht auf jeden Fall etwas, auf das ihr “Großen” Bock habt.

Gott und die Welt

Mein kleiner Sohn macht sich viele Gedanken über die Welt. So fragt er, ob es Gott noch gibt, wenn keine Menschen mehr da sind oder ob man noch träumen kann, wenn man gestorben ist. Besonders gut aber hat mir diese gefallen:

Gott und die Läuse

Untierchen

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Wimmelt es bei Euch zu Hause auch nur so vor ja,gleichs und nur nochs– diesen possierlichen Tierchen, denen die Unverwüstlichkeit einer Kakerlake eigen zu sein scheint? Die immer dann in Erscheinung treten, wenn ich mit einem Anliegen an meine Kinder herantrete. “Ja, gleich… ich muss nur noch….!”, kommen sie aus dem Kinderzimmer. Wie erschrak ich, als jüngst die beste Freundin meines Sohnes just das tat, was ich verlangte, kaum noch, dass ich den Satz ausgesprochen hatte. Eine Verhaltensweise, die jedoch, wie ich erfahren durfte, allein der Tatsache geschuldet war, dass es sich nicht um mein eigen Fleisch und Blut handelte und dass sich mein Sohn anderenorts genauso verhalte. Ein Trost? Ich weiß nicht. Lieber wäre mir ein probates Mittel, um diese kleinen Untierchen loszuwerden. Wo sie doch nicht mal vor meinem Schreibtisch haltmachen.

Für alle Eltern, bei denen es gerade nicht so rund läuft

Also, wenn es daheim so richtig gut läuft, dann bin ich zufrieden. Mit mir. Mit meinem Mann. Unserem Erziehungsstil. Aber wehe, wenn nicht, dann stelle ich alles in Frage, aber auch wirklich alles. Dann finde ich, ich arbeite zu viel, ich beschäftige mich zu wenig mit den Kindern, ich erfülle ihnen zu viele Wünsche, unser Leben überfordert sie, wir verlangen zu wenig, wir vernachlässigen unsere Beziehung und wir müssen unbedingt jemanden fragen, der sich damit auskennt. Kurzum: wir haben es vermasselt.

Dann ist mal wieder die Zeit gekommen, sich mit anderen Eltern gleichaltriger Kinder auszutauschen. Und zwar so lange, bis das befreiende: „Du, bei uns ist das genauso!“ kommt. Denn dann weiß ich wieder– wir sind nicht allein! Was ungemein entspannt. Es gibt ein Licht am Ende des Tunnels. Praktisch natürlich, wenn es gleich ein paar supereinleuchtende Lösungsansätze gratis dazu gibt. Inzwischen haben wir schon so manches Tal durchwandert und wissen, dass sich einiges wieder ganz von alleine zurecht rückt und vieles nur so eine Phase ist. Und dass es danach wieder so richtig rund läuft. Bestimmt!!!!!

Wer gerade keine passenden Freunde oder Eltern zur Hand hat, findet andere Sichtweisen und Lösungsideen in dem Buch „Kinder fordern uns heraus“ von Rudolf Dreikurs.

ISBN-13: 978-3608945393

Freitagabend

BriefmarkeEs gibt sie noch, die Kinder, die Briefmarken sammeln, im Jahr 2014. Ich hätte das nicht gedacht. Bei meinem Kind beschränkte sich die Sammelleidenschaft allerdings auf das Aufbewahren der großväterlichen Briefmarken auf abgerissenen Briefumschlägen in einer unauffälligen Ecke des Schrankes. Ja, bis zu dem Tag, als ein Freund mit derselbigen Sammelleidenschaft zu Besuch kam. Die Zwei spielten ruhig und friedlich, was mir vielleicht zu denken hätte geben können. Denn es bot sich mir ein Bild des Grauens, als ich meinen Schreibtisch verließ, um ein gewisses Örtchen aufzusuchen. Die gesamte Kollektion von Briefmarken war zwecks optimierten Briefumschlagablöseprozesses in der gefüllten Badewanne versenkt worden, wo sie jetzt zu Tausenden vereinzelt herumschwammen und vor der erneuten Anhaftung am Badewannenrand bewahrt werden mussten. Dieser Freitagabend lief anders als geplant. In stiller Trautheit fischten wir mehrere Stunden lang Briefmarken aus dem Wasser und legten sie zum Trocknen auf Zellstoff aus. Da sage mal einer, die Kinder säßen nur vor dem Computer.

Der Spagat oder warum Kind und Karriere manchmal doch nicht so leicht ist

Kind und KarriereGenerell finde ich, dass (Klein-)kinder und Arbeiten einfach nicht zusammenpassen. Und das sage ich, obwohl ich einen Job habe, der mir Spaß macht und ich schon immer mein eigenes Geld verdient habe. Klar, manchmal ist Arbeiten wesentlich entspannter als ein Tag im Kreise der Lieben, aber die anstehenden Aufgaben werden ja nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Dass ich dieser Worte fähig sein könnte, hätte ich als Jungmutter nicht glauben können, fiel es mir doch sehr schwer, mich mit dieser neuen Rolle zu identifizieren. Der Beruf war immens wichtig, um mich als normale Frau ohne „Handicap“ zu fühlen. Hausfrau und Mutter? Ich doch nicht. Das änderte sich spätestens mit Kind Nummer 2. Zwei Kinder in Kindergarten, Schule, zu Freunden und Hobbies zu bringen, erfordert schon recht aufwendige logistische Planungen, das Führen des Haushalts und diverse freie Projekte hätten mir zum Zeitvertreib völlig gereicht. Aber so einfach ist es ja nicht. (mehr …)