Filmtipp: Welcome to Sodom

Welcome to SodomWas passiert eigentlich mit unseren Handys, Tablets und alten Computern, wenn wir sie durch immer neuere Modelle ersetzen? Viele davon landen in „Sodom“, einer Müllhalde für Elektroschrott aus der ganzen Welt in Ghana. Etwa 250000 Tonnen landen dort Jahr für Jahr. Seinen Namen hat die Deponie wegen der pechschwarzen Rauchschwaden bekommen, die durch das Herausschmelzen des Kupfers aus dem Plastik entstehen und permanent die Luft vergiften. Der Dokumentarfilm von Florian Weigensamer und Christian Krönes zeigt vor allem die Menschen, die in Sodom leben und arbeiten und erzählt davon, wie sie mit ihrem Schicksal umgehen. In Nürnberg wird „Welcome to Sodom“ ab 2.8.18 im Casablanca zu sehen sein. Unbedingt anschauen!

Ab 6 Jahren

Mehr Infos unter: Heutejournal:“Welcome to Sodom“

Mehr als 40 – und bald endlich mehr Zeit!

Mehr als 40_Couca

Ich bin jetzt 44 und über mein Alter nachzudenken habe ich, ehrlich gesagt, überhaupt keine Zeit.

Ich habe eigentlich so gut wie gar keine Zeit, mich mit mir selber zu beschäftigen. Mit zwei kleinen Kindern, 30 Stunden Woche-Arbeitszeit, Mitglied im Elternrat in der KiTa und allen anderen alltäglichen Verpflichtungen, fühlt sich mein Leben gerade an als wäre ich ununterbrochen in Hetze. Vor allem hetze ich meine Kinder sehr viel, was mir eigentlich schrecklich leid tut, aber morgens müssen wir rechtzeitig in die KiTa, nachmittags zu manch anderem Termin und abends hab ich dann einfach keine Geduld mehr, wenn das mit dem „ins Bett gehen“ ewig dauert, weil ich dann endlich irgendwann mal meine Ruhe haben und auf der Couch sitzen will. Ich telefoniere auch so gut wie gar nicht mehr. Was habe ich früher stundenlang mit Freundinnen telefoniert! Aber wenn die Kinder abends endlich im Bett sind, hab ich eigentlich keine Lust und Kraft mehr, irgendwas zu machen und eben auch nicht mehr groß zu reden. Ich berede ein paar Dinge mit meinem Mann, bevor der auf der Couch einschläft und ich einfach da sitze, fernsehe und auf die Zeit hoffe, wenn ich mal wieder mehr Zeit habe – vor allem für mich allein. Ich vermisse das alleine sein!

Klar, manchmal denke ich schon, vielleicht würde mir das alles etwas leichter von der Hand gehen, wenn ich noch jünger wäre. Vielleicht wären meine Ansprüche an meine Erziehungsweise nicht so hoch (und ich über mein Ungenügen nicht so oft enttäuscht), weil ich mir darüber in jüngeren Jahren gar nicht so viele Gedanken gemacht hätte. Obwohl ich schon einiges erlebt und eine gescheiterte Ehe hinter mir habe, fühle ich jetzt zum ersten Mal im Leben an meine Grenzen gebracht.

Aber auch das sollte man wohl mal erleben, hilft es einem doch, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen.

In manchen Bereichen bringt das Älter werden durchaus Vorteile mit sich. Bei der Arbeit wird mir immer bewusster, wo genau meine Stärken liegen. Und finanziell bin ich soweit, dass ich zwar immer noch nicht wirklich sparen kann, aber dass mein Konto endlich ein dauerhaftes Plus aufweist – was über Jahrzehnte nicht der Fall war.

Außerdem werde ich eigentlich immer jünger geschätzt, was sicherlich auch an der natürlichen Fettunterpolsterung meiner Falten liegt, die ich mir in den letzten Jahren wieder zugelegt habe und die vom Hals aufwärts durchaus als positiv zu bewerten ist.

Und auch für die Zukunft bin ich sehr positiv gestimmt, denn ein erster und entscheidender Schritt für mehr Zeit ist getan: Ich habe jetzt eine Putzfrau!

Kinder, is dat herrlisch!

 

(Couca, 44)

Vom Leid mit dem Schreiben

Wieso habe ich eigentlich Kinder bekommen, die niemals freiwillig malen würden und Schreiben als Zumutung empfinden? Also, bitte nicht falsch verstehen, ich möchte sie um nichts in der Welt eintauschen, sie sind zwei bezaubernde Geschöpfe mit wunderbaren Fähigkeiten und Neigungen, aber eben nicht mit diesen. Und trotzdem fällt es mir ziemlich schwer, Verständnis für diese beiden Würmer zu haben, wenn sie sich mal wieder um das Schreiben einzelner Buchstaben und Sätze winden, abtauchen und auftauchen, zwischendurch in die Luft gehen und so die Bewältigung ihrer Aufgaben auf Stunden oder gar Tage ausdehnen, die bei konzentriertem Angehen vermutlich zehn Minuten in Anspruch nähme. Bei mir. Bei manch anderer/m. Für sie ist es die reine Zumutung. Ein Affront.

IMG_3058

Höhepunkt im Schulleben – das Referat. An der Montessori Schule eine hochgelobte Sache, schon Erstklässler halten dort freiwillig Referate und diese machen die Kinder selbstbewusst im Vortrag und geübt in der Recherche. So die Lehrerinnen. Soweit die Theorie. Was so ein Referat für mich bedeutet, kommt dabei völlig zu kurz. Es ist die Hölle. (M)ein Kind soll aus der Fülle von nicht begrenzten Informationen(Lesen!!! – kommt gleich nach Schreiben) die wichtigsten (!!!!!!) Punkte ( bei naturwissenschaftlichem Anspruch auf Präzision) aufs Papier (!!!!!!!!!!!!!) bringen, ein Plakat (!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!) gestalten (meine Kinder verwenden im Allgemeinen Bleistifte, Farben werden an dieser Stelle sehr überschätzt). Supergau. Und das über Wochen.

Ich hatte von diesen Anstrengungen nicht die leiseste Ahnung, ich, die ich bei Schwungübungen mein Bestes gab, die ich Religion in der Grundschule geliebt habe, weil ich Hefte mit zahllosen Bildern füllen durfte. Mein kleiner Sohn hasst Religion genau aus diesem Grund. Wer nicht gern malt, ist natürlich auch beim Schreiben nicht so locker und so kommt eins zum anderen. Und oft sind es leider die Jungs, die mit dem Schreiben auf Kriegsfuß stehen. Unterrichtet werden sie an den Grundschulen allerdings überwiegend von Frauen, die vielleicht genauso gerne gemalt haben wie ich und denen dieses Ringen mit dem Stift vermutlich ebenso fremd ist. Vielleicht bräuchte es für die kleinen Schreibverweigerer einen ganz anderen Unterricht, von jemandem, der es auch ganz furchtbar fand, zu schreiben und einen ganz anderen Zugang zu diesem Thema hat. Schreibhasserklassen sozusagen, wo nach einer Zeile schreiben fünf Minuten Fußball gespielt werden darf. Oder so. Naja, wird wohl eh nichts in nächster Zukunft, fürchte ich. Bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als zu wachsen. Weit in den Himmel hinauf. Und vielleicht stehe ich eines Tages drüber und sage: „Schatz, du machst ein Referat, das ist ja wunderbar!“, und bekomme einen (Schein-)heiligenschein. Bis dahin – tief durchatmen, immer und immer wieder.

Mehr als 40 – Der Abschied vom Konjunktiv

Mehr als 40_Christine

Wenn man über den Scheitelpunkt ist, hat man, so scheint es zumindest, einen ganz guten (Über) Blick. Der nimmt den Druck aus den Must-Haves und soll-sein und Persönlichkeitsoptimierungen dieser Welt und wirft uns sanft auf das Selbst zurück. Das Leben gewinnt an Tiefe. Die zweite Lebenshälfte erscheint mir durch Verantwortung geprägt sein, für Kinder, Familien und deren Hinterlassenschaften. Die bezaubernd ignorante Leichtigkeit des puren Ich-Sein, die in den 30ern mitunter große Kontraste in gleißendem Licht erzeugte, hat sich verflüchtigt und weicht einem schwererem und weicherem Licht. Es beginnen die Lebenszeiten großer Tragweiten. Ich verstehe warum man erst mit 40 Bundespräsident werden darf.

Ein Paradox das mich erstaunt: wie einsam es beizeiten wird, wenn es im Leben nicht mehr nur um das ich geht.

Es wird schwerfälliger. Die Dynamik leidet unter der Last vom alltäglichen scheinbar-ganz-viel-müssen. Ständig knabbert alles an den Tagen, Wochen und Monaten des Lebens. Für große Würfe und Sprünge fehlt es an Zeit und Energie und Mitspielern. Alle sind eingespannt. Und angespannt. Keine Luft.

Und da lebe ich nun wo früher die Zukunft war. Von weit weg war’s glänzender. Ich habe mich von so manchem Traum verabschiedet und bin in einer Welt angekommen, die mich mit 16 hätte verzweifeln lassen: kontrolliert und träge und von kleinen Glücken durch den Alltag getragen wird Zukunft mitunter zu einer Melange des Abwehren von Unglücken und Hoffen auf Stabilität mit dem eigenartigen Ziel: Ausgewogenheit.

Liebe Ella, wie es geht, fragst Du. Ich sage immer: von allem etwas. Stetige Variationen müssten die Nuancen der Befindlichkeiten und Ursächlichkeiten beschreiben, um zu einer Fassung dessen zu kommen, in der Stürme und Strömungen die Stunden in ganz unterschiedliche Farben tauchen. Von außen sieht man zumeist nur eine: Braun. Wie Malwasser. Oder Windeln.

Weil: sind wir mal ehrlich: alles ist auch immer alles. Das große Glück, Kinder bei sich zu haben, treibt uns dennoch jeden Tag in den Wahnsinn (lebendig ist ein freundliches Wort). Die Freude und der Komfort über ein Heim vermögen im Gefühl des eingesperrt-sein zu ersticken. Gut gemeinte Sicherheiten und Planungen wecken Bedürfnisse, die weit über den unsinnigen Wunsch eines schweren Motorrades hinausgehen – wohlwissend, dass all dies Probleme des Wohlstands sind. Alles erzeugt eben und auch sein Gegenteil. Das tiefe Begreifen, dass es kein Zurück gibt, dass was ist, ist. Dass wenn man das eine tut, das andere eben nicht mehr geht, dass es Dinge gibt, die schief gehen und eben nicht mehr gut werden. Dieses Begreifen bedeutet für mich: Lebenshälfte: Der Abschied vom Konjunktiv.

Was stetig an meiner Seite bleibt ist eine Unruhe, die bei nachlässiger Unaufmerksamkeit leicht in Unzufriedenheit abrutscht aber nach nichts weiter fragt als: wie will ich weiterhin leben, und sich nicht zufriedengibt mit einem nackten weiter so.

Stufen

von Hermann Hesse

 

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden …
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

 

( Christine, 41)

 

Mehr als 40 – Party mit Trinksprüchen

Mehr als 40_Swetlana

Um jeglichen depressiven Stimmungen vorzubeugen, habe ich bei der Feier zu meinem Vierzigsten folgende Bitte an alle am Tisch Versammelten gestellt: Bitte formuliert jede einen Trinkspruch zum Thema, warum es cool ist, 40 zu sein. Es waren elf Freundinnen unterschiedlichen Alters anwesend und jede hat sich etwas schönes überlegt. Das waren ihre Worte:

– Karrierestart, Heiraten und Babys-Kriegen – geschafft!

– Jetzt hast Du die Reife und die Muße, das Leben zu genießen.

– Mit 40 wird man entspannter, weil man schon vieles bekommen und erfahren hat.

– Immer noch schön und jetzt auch noch weise!

– Jetzt kommen die neuen spannenden Themen! (Welche eigentlich?)

– Kein Schwangersein und keine unruhigen Baby-Nächte mehr!

Zum Schluss sagte eine der jüngeren Freundinnen, dass sie es, nach diesem Abend, kaum erwarten kann, auch mal 40 zu werden!

Zu diesem Trick plane ich nun bei jeder runden Geburtstagsfeier zu greifen!

 

(Swetlana, 42)

Und weil Swetlana so entspannt ist, bietet sie  Meditationskurse an. Danke für Deinen leichtfüßigen Beitrag 🙂

Buchtipp: „Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters“

Das Lächeln meines unsichtbaren VatersIch gebe es zu, ich hatte am Anfang nicht viel Lust auf diese Vater-Sohn-Geschichte, hatte ich doch erst vor einigen Monaten ein Buch mit einem ähnlichen Plot gelesen. Aber dann hat sie mich wirklich begeistert und tief berührt und ich möchte sie euch schwer ans Herz legen. Dmitrij Kapitelman, kurz Dima, ist der Sohn eines Juden. In Kiew geboren, kommt er mit etwa acht Jahren in ein Flüchtlingsheim nach Ostdeutschland, nachdem seine Eltern eigentlich nach Israel auswandern wollten und sich dann kurzerhand doch umentschieden. So landet er in Grünau-Ost, einem Stadtteil in Leipzig, der fest in der Hand der Nazis ist. Dimas Kindheit gleicht einem Spießrutenlauf und sein einst so lebenslustiger Vater zieht sich immer weiter in sich zurück, bis er fast unsichtbar wird. Dmitrij, der inzwischen in Berlin lebt und zu einem weltoffenen jungen Mann herangewachsen ist, beschließt mit Mitte 20, mit seinem Vater nach Israel zu reisen, in der Hoffnung, dass sich der Vater ihm dort wieder zeigen würde. Es geht ihm aber nicht nur um seinen Vater, er sucht auch Antworten für seine Lebensthemen. Bin ich Jude, nur weil mein Vater Jude ist? Obwohl wir beide nicht gläubig sind? Ist es seinem Vater, der die Menschen liebt und Dimas muslimischen Freund Kalil ins Herz geschlossen hat, wirklich ernst, wenn er über die Araber schimpft? In Israel und bei seinem Besuch in den Palästinensischen Autonomiegebieten sieht sich Dima mit einer großen Ambivalenz an Gefühlen konfrontiert, einer großen Sehnsucht nach Zugehörigkeit, sich nicht für seine Herkunft rechtfertigen zu müssen, aber auch mit Ängsten und Vorurteilen, denen er sich stellt. Und ich finde, ihm gelingt, was im Nahostkonflikt nur wenigen möglich scheint, er differenziert. Dinge, die unvereinbar scheinen, dürfen sein. Widersprüche, Grautöne, Unverständnis, Verständnis, Verwirrung und Klarheit. Er stellt sich seinen Ängsten und Sehnsüchten gnadenlos und teilt diesen Prozess mit seinen Lesern. Dabei versteht auch jemand wie ich, der keinen sogenannten Migrationshintergrund hat, wie wichtig das Thema Identität ist. Ein Buch zum Mauern einreißen. Die letzten Seiten haben mich dann noch mal sehr nachdenklich gemacht. Dima kehrt nach Deutschland zurück, wo sich inzwischen die Stimmung weiter gegen Flüchtlinge wendet und die Rechtspopulisten immer mehr Zulauf finden.

 

„Weißt du, vor wem ich Angst habe?“

„Vor wem?“

„Vor den deutschen Nazis. Gar nicht mal so sehr vor den Schlägern. Was ist, wenn sie viel mehr stille Unterstützer haben, als bisher gedacht? In der Bevölkerung, bei den Behörden. Der ganze Hass, er war nie weg. Als ob Grünau niemals aufhört. Papa, vielleicht ändert sich wirklich nichts in diesem Land.“ (Zitat)

 

Ich fürchte, da liegt viel Wahres drin, wenn man die Stimmungsmache dieser Tage verfolgt. Überall Parolen statt konstruktiver Lösungsvorschläge. Umso wichtiger, klare Kante zu zeigen gegen Rechts. Ein beeindruckendes Buch für alle, die sich für die Zwischentöne von Migration, Religion und Nahostkonflikt interessieren.

Dmitrij Kapitelman „Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters“

Verlag: Hanser Berlin   ISBN 978-3-446-25318-6

 

Mehr als 40 – mit Cupcakes und Confetti

Mehr als 40_die sechste

Meinen 44. Geburtstag habe ich unter dem Motto „Sweet 44“ gefeiert, mit Cupcakes und Confetti. Ich glaube, ich wollte damit der kleinen Schwere, die seit meinem 40. Geburtstag in mir lebt, begegnen. Mir den Gedanken an das Älterwerden versüßen. Wenn ich nicht groß darüber nachdenke, geht es mir auch wirklich gut. Ich fühle mich stabiler und klarer. Ich spüre, was wesentlich ist und was ich brauche, um mich wohl zu fühlen. Eine Freundin meinte „Ist doch toll, das Älterwerden. Du darfst ein wenig mehr und musst viel weniger“. Stimmt. Und so versuche ich es zu sehen. Auch wenn es sich manchmal schon sehr erwachsen anfühlt. Zwischen meinen größer werdenden Kids, meinem Job als Coach, meinem sich verändernden Körper, fühle ich mich viel freier als früher. Und die Süße, ja die Süße, liegt wohl in einer liebevollen (Selbst-)Betrachtung!

(Nina, 44)

Es macht mir wirklich große Freude zu lesen, mit welchen Strategien ihr Euch die mehr als 40 schmackhaft macht! Hört auf keinen Fall auf, mir zu schreiben. Ich will mehr…

Mehr als 40 – und der Edelknitter

Danke für Deinen schönen Beitrag! Ich liebe Edelknitter 🙂

Mehr als 40_die fünfte.png

Edelknitter. Meine Mutter hat mir früher beigebracht, dass es Falten in Stoffen gibt, die für salonfähig und edel gelten. Das gilt aber nur für Leinen.

Dieses Wort ist mir wieder eingefallen als ich mich mit „mehr als 40“ beschäftig habe. Und da will ich hin: zum Edelknitter. Denn Knitter kommt mit den Jahren selbstverständlich, aber daran arbeiten, dass es nicht Sorgenknitter als Ärgerfurche an der Nasenwurzel wird, sondern Lachfalten, das möchte ich!

Älterwerden bedeutet für mich zurzeit, mein eigenes Tempo zu finden und zu leben. Mich zu lösen von Vorgaben und gesellschaftlichem Druck, weniger Wein zu vertragen, erfolglose Flirtversuche mit Kassierern beim Einkaufen, Lachfalten, Sorgenfalten…Das Loslassen immer wieder üben…Durch meine Arbeit mit Menschen, die lebensbedrohlich erkrankt sind, wird mein Blick immer wieder auf das Wesentliche gelenkt. Was das für mich ist? Liebe und Alles, was damit zusammenhängt: Kinder, Familie, Freunde, guter Kontakt zu mir selbst, Naturverbundenheit…

Und wenn das Alles ganz schön schwer klingt, dann ist es doch auch immer wieder luftig-leicht.

(Anne, 42)

Mehr als 40 – und das Verblühen

Wie mein Mann anmerkte, kamen in den bisherigen Beiträgen die Partner gar nicht vor. Das liegt vermutlich daran, dass die Mitte des Lebens bei den meisten nicht gerade von Honeymoonstimmung geprägt ist und man sich mit vielen Alltagsproblemen rund um Kinder und Beruf herumärgern muss. Da wird die 50+ vermutlich wieder entspannter und zweisamer 😉  Und, liebe Männer, wir sind auch auf eure Beiträge und das, was Euch bewegt, gespannt. Also, nur Mut!

Viel Spaß beim Lesen weiterhin,

Eure Ella

Mehr als 40_die vierte

Am stärksten haben sich meine Augen verändert. Wenn ich in den Spiegel sehe, entdecke ich darin inzwischen meine Großmutter, die mir mit ihren wimpernlosen, kleinen, runden Äuglein entgegen blickt. Das liegt zum einen am Schwinden klarer Konturen in meinem Gesicht, zum anderen natürlich an der immer stärker werdenden Brille. Ein interessantes Phänomen sind auch die Kissenabdrucke, die für Stunden Zeugnis meiner unruhigen Nächte ablegen, bevor sich mein Gesicht gegen Mittag endlich wieder entknittert. Das ist wohl die Sache mit dem Kollagen. Wenn ich in einer anderen Branche arbeiten würde, wäre ich, was mein Äußeres angeht, vermutlich entspannter. Da ich aber Visagistin bin und andauernd von jungen, schönen und hippen Menschen umgeben bin, ist es nicht einfach, älter zu werden. Ich fühle mich ständig der leisen Bedrohung ausgesetzt, aussortiert zu werden. Was davon wirklich real ist, sei dahingestellt. Bei meinen Kindern versuche ich, das Thema Aussehen möglichst nicht so zu thematisieren, damit es nicht den Stellenwert bekommt, den es für mich immer hatte. Ich hoffe, sie wachsen zu selbstbewussteren Erwachsenen heran. Jenseits des Arbeitslebens geht es mir mit meinen 43 Jahren gut. Ich bin gesund und stark und genieße es, wieder mehr Freiräume zu haben. Ich lese viel. Frauen sind mir in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Ich genieße den Austausch und die Freundschaften. Da ist viel gute Energie. Ich bin immer noch eine Getriebene mit vielen Ideen und Impulsen, die sich wenig Stillstand gönnt, versuche aber, dem Moment mehr Raum zu geben und zu genießen, was ich habe.

(Ella, 43)

Ich habe eben noch einen ganz interessanten Link gefunden – leider ist die Ausstellung schon vorbei. Trotzdem lesenswert: Stilvoll Älterwerden

Weniger Plastik – ein Zwischenbericht

Unverpacktwaren

Seit wir beschlossen haben, Plastik zu vermeiden ( Die Sache mit dem Plastik), hat sich einiges getan. Im Supermarkt kaufe ich nur noch Obst und Gemüse, das nicht in Plastik verpackt ist, d.h. ab und an müssen wir auf etwas verzichten, wenn ich nicht von Supermarkt zu Supermarkt rennen möchte. Der erste Besuch des Unverpacktladens in Nürnberg hat mehr Klarheit gebracht. Wir sammeln jetzt Einmachgläser und leere Putzmittelbehälter, weil es dort auch Reinigungsmittel als Refill gibt. Tupperdosen und Co. dienen als Transportbehälter. Sie werden im Laden einfach kurz abgewogen und das Gewicht am Ende wieder abgezogen. Das Gute neben dem Plastiksparen ist, dass ich von allem auch kleine Mengen kaufen kann. So gibt es neben Nudeln, Reis oder Linsen auch Gewürze, Kaffee, Müsli und sogar Süßigkeiten wie Gummibärchen ohne Tüte. Außerdem findet man eine große Auswahl an Körper- & Haarseifen. Also, einfach mal ansehen. Ziel ist erstmal, auf maximal einen gelben Sack pro Woche für uns vier zu reduzieren. Das sollte zu schaffen sein. Und ist immer noch ganz schön viel.

Mehr als 40 – mit großer Dankbarkeit

Ihr schreibt, wie sich Euer Leben mit mehr als 40 anfühlt. Hier kommt der dritte Beitrag:

Mehr als 40_die dritte

Ich bin erst mit Mitte 30 sehr unerwartet Mutter geworden und damals irgendwie (gefühlt) „stehen geblieben“. Ich bin mit meinem Körper und Aussehen im Großen und Ganzen zufrieden und vor allem sehr dankbar. Vielleicht rührt diese Dankbarkeit auch daher, dass ich mit 19 Jahren einen Bandscheibenvorfall hatte und im Jahr darauf aufgrund einer neurologischen Erkrankung einige Wochen im Rollstuhl saß. Alles was danach kam, war besser als das von Cortison aufgeschwemmte Ich, das nicht mehr richtig laufen konnte. Daher stehe ich den kleinen Ärgernissen des Älterwerdens recht gelassen gegenüber. Vermutlich steuere ich mit meinen 48 Jahren auch auf die Wechseljahre zu, die ich bei Freundinnen als sehr gravierenden Einschnitt mit allen möglichen Beschwerden miterlebt habe. Noch spüre ich davon wenig. Meine Mutter war in meinem Alter bereits tot und auch diese Erfahrung hat mich sicherlich sehr geprägt. Auch habe ich mich nie über mein Aussehen definiert, weil das bei uns in der Familie klar zu meinen Ungunsten verteilt war. Ich war zudem bisher in einem Bereich tätig, wo eine gewisse körperliche Fitness und Schnelligkeit zwar von Vorteil ist, aber keineswegs Voraussetzung. Im Moment verändert sich das, da ich seit kurzem nicht mehr direkt mit sogenannten „erziehungsschwierigen“ Kindern arbeite, sondern in der Erwachsenenbildung. Ich bin gespannt, was das mit mir macht, kann aber jetzt schon sagen, dass mir die Kinder fehlen. Gleichzeitig bin ich sehr froh und dankbar, einen festen und unbefristeten Job zu haben, der mir ein gesichertes Einkommen ermöglicht und mir meistens Spaß macht. Das geht in meinem Alter längst nicht allen Frauen so. Außerdem macht sich mein Pubertier mit Riesenschritten auf in die Selbstständigkeit. Dadurch ist plötzlich wieder mehr Zeit frei und die möchte ich für mich nutzen. Ich weiß, dass mir das durchaus schwerfallen wird, da die letzten Jahre sehr vollgestopft waren mit Familie und Arbeit. Deshalb freue ich mich auf den neuen Abschnitt, habe aber auch ein bisschen Respekt davor. Musik und Sport machen, mit Erde und Holz arbeiten, lesen – Ideen habe ich viele, bisher hapert es noch mit der Umsetzung.

(Kathrin, 48)

Mehr als 40 – keine große Sache

Für alle, die erst jetzt einsteigen: Mehr als 40 – neue Serie  Allen anderen, viel Spaß beim Lesen! Danke Dir, liebe Waldfee….

Mehr als 40_die zweite

An das Alter als Tagesbeschäftigung zu denken, kommt bei mir noch eher selten vor. Ich fühle mich auch nicht weniger fit oder weniger fähig als mit 30+. Gut, im Spiegel und an der Waage sehe ich die Zeitspuren natürlich schon. Aber das nehme ich noch relativ gelassen zur Kenntnis. In meinem Arbeitsumfeld sehen die Leute eher konservativ und zeitlos aus. Viel Zeit oder zum Teil auch Interesse für Events, wo ich vielleicht feststellen könnte, dass die anderen Frauen an der Bar oder wo auch immer alle viel frischer aussehen, habe ich nach wie vor nicht. Kurz gesagt, da wo ich am meisten bin, sehen alle ähnlich alt aus, und da wo mein Alter auffallen würde, gehe ich selten hin.

Was ich an der 40+ sehr schön finde, ist die Vielzahl von neuen Erinnerungen, die mit den eigenen Kindern verbunden sind. Nicht die Erinnerungen aus der eigenen Kindheit, die natürlich auch sehr schön sein können, sondern die neuen Momente, an die man gerne zurückkehrt.

Außerdem empfinde ich es als sehr angenehm, dass ich im Beruf manchmal schon so etwas wie Lebenserfahrung verspüre. Ich bin nicht mehr so kategorisch wie früher, bin öfter zu Kompromissen bereit und nehme zumindest kleinere Rückschläge etwas gelassener. Das heißt aber nicht, dass ich entspannt in die Zukunft schaue. Die Geschwindigkeit, mit der sich die Umwelt technologisch ändert und die Frage, ob ich bis zur Rente beruflich damit Schritt halten kann, beschäftigt mich aktuell mehr als mein Äußeres.

(Tanja, 43)

Mehr als 40 – alles hat seine Zeit

Hallo, ihr Lieben!

Ich freue mich, heute den ersten Beitrag zu Mehr als 40 mit Euch teilen zu dürfen, zum Lebensgefühl von uns nicht mehr ganz jungen Menschen. Ich hoffe, Euch macht das Lesen genauso viel Spaß wie mir! Danke, ihr fleissigen Schreiberlinge und wunderbaren Frauen. Here it is!!!Mama44

So, eigentlich hatte ich ihn ja schon längst fertig, meinen Text. Feingeschliffen, fehlerfrei. So hatte ich ihn ein Weilchen beiseite gelegt, um dann beim vermeintlich letzten Lesen festzustellen – geht gar nicht! Viel zu frustig, viel zu melancholisch, weg damit.

Gedankenvorlage war eines meiner Lieblingsgedichte gewesen, „Hälfte des Lebens“ von Hölderlin*. Ich fasse es knapp zusammen: Während uns in der ersten Lebenshälfte noch das üppige Leben blüht, geht es in der zweiten Lebenshälfte dann dahin, was bleibt, sind Einsamkeit und Kälte. (Zur Erklärung muss man vielleicht wissen, dass Hölderlin als „romantischer Melancholiker“ galt, im Laufe seines Lebens schwer erkrankt war und daher sehr zurückgezogen lebte. Das Gedicht ist wirklich wunderschön!)

Nun, was ob dieser intensiven Auseinandersetzung (ich hoffe immer noch primär mit dem Gedicht, und nicht meinem Leben) folgte, war eine heftige Welle der Wehmut. Wehmut nach vergangenen, unbeschwerten Zeiten, nach der Blüte der Jugend, nach jungen Männern, die Schlange stehen, um mit einem wegzugehen, nach der Welt, die einem offensteht, nach Chancen, die man als solche erkennt (und ergreift) und überhaupt.

Vor diesem Hintergrund war die Notwendigkeit einer Überarbeitung meines Textes nicht mehr zu leugnen. Wobei ich gestehen muss, dass die Sache mit der Wehmut nicht ganz vom Tisch ist. Es heißt zwar, wer in der Vergangenheit lebt, sei bereits gestorben, aber so ein bisschen den alten Zeiten hinterhertrauern sei doch gestattet. Es ist ja auch eine Hommage ans Leben, an die Liebe, an die Jugend … die jetzt natürlich weitergeführt werden will!

Also habe ich mir statt Hölderlin die Boulevardpresse zum Thema Ü 40 reingezogen. 40 ist das neue 30, so und ähnlich hieß es da. Cameron Diaz war noch nie so zufrieden, Penelope Cruz noch nie so glücklich und Madonna vermutlich noch nie so gestählt. Keine Ahnung, da habe ich mich jedenfalls auch nicht so richtig drin wiedergefunden.

Was mich schließlich bewogen hat, mich zu entsinnen, was in meinem 40. Lebensjahr tatsächlich so passiert ist. Gab es epochale Ereignisse? Emotionale Zusammenbrüche? Vorher vs. Nachher Erlebnisse? Mmmh. Eher nichts Besonderes. Das einzig Einschneidende in diesem Lebensjahr – und eben genau der 40 geschuldet – war, dass ich meinen Job gewechselt habe, aus halbfreien Stücken, würde ich sagen. Nach einer sehr langen und sehr glücklichen Zeit an der Uni hatte ich beschlossen, dass ich mit 40 keine befristeten Arbeitsverträge mehr unterschreiben wollte. (Auch heute noch würde ich befinden, dass dies ein durchaus legitimer Beweggrund war). So bin ich in die Wirtschaft gewechselt, wo ich in den letzten vier Jahren dann das gemacht habe, was man gemeinhin wohl als Karriere definiert.

Die Bilanz: Nun, über 40, habe ich einen unbefristeten Arbeitsvertrag, verdiene deutlich mehr als mit unter 40, bin aber deutlich weniger erfüllt. Eine Entwicklung, die meine Wehmut nach vergangenen Zeiten sicherlich zu einem Teil erklärt und natürlich die Sinnfrage auf den Tisch bringt. Ich glaube aber, dass das ein anderes Thema ist, die Sinnfrage … Sicherlich sucht man mit zunehmendem Alter in dem, was man tut, verstärkt nach einem tieferen Sinn. Aber das würde ich nicht an der 40 festmachen. Und wenn ich meine Kinder frage, so ergibt es für sie durchaus einen tieferen Sinn, dass ich mehr verdiene 😉

Also auch hier keine bahnbrechenden Erkenntnisse im eindeutigen Kausalzusammenhang der 40. Zwischenstand meiner bisherigen Überlegungen ist somit, dass ich zu „Ü 40“ keine wirkliche Haltung habe. Für mich ist der Lauf der Zeit und der Dinge so in Ordnung, wie er ist. Für das meiste, was ich bislang erleben durfte, bin ich sehr dankbar. Und ich freue mich bedingungslos darüber, dass mein 12-jähriger Sohn bald größer und meine 16-jährige Tochter deutlich knackiger ist als ich.

Alles hat eben seine Zeit.

(Janet, 44)

* Und hier Höderlins Gedicht:

Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm’ ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

Mehr als 40 – neue Serie

Mehr als 40Ich bin jetzt 43, eindeutig nicht mehr jugendlich, vollkommen erwachsen und befinde mich vermutlich in der zweiten Hälfte meines Lebens. Das Älterwerden beschäftigt mich mal mehr, mal weniger nachdrücklich und ich frage mich, wie es Euch damit geht. Lässt Euch die 40+ kalt, genießt ihr sie oder hadert ihr mit dieser Lebensphase? Manche sind vielleicht gerade erst Eltern geworden und sind noch völlig von den Anforderungen dieser anstrengenden Zeit vereinnahmt, andere haben bereits erwachsene Kinder und sehen sich mit dem Empty-Nest-Syndrom konfrontiert oder genießen einfach die wiedergewonnene Freiheit. Oder ihr habt keine Familie und beschäftigt Euch mit ganz anderen Themen. Schreibt mir, wie es Euch geht. Wir sind mehr als 40. Eure Beiträge werden dann in den nächsten Wochen erscheinen, anonym und mit einem Beitragsbild, das für Euch steht. Das kann eine Landschaft sein, ein Material oder ihr. Ich freue mich darauf!

Eure Ella

Leben wie Franzosen Auto fahren

So, nachdem auch bei mir endlich angekommen ist, dass die Umsetzung der neuen Datenschutz- Grundverordung (DSGVO) sogar für Miniblogger wie uns und Einzelunternehmer wie mich gilt, habe ich wirklich schlecht geschlafen. Denn die Verordnung ist so komplex, dass sie einen Riesenberg Arbeit verschafft und man trotzdem vermutlich alles falsch macht, wenn man keinen eigenen Datenschutzbeauftragten hat. Ich finde es super, Daten zu schützen und transparent zu machen, was damit passiert, es wäre aber absolut notwendig, es für nichtkommerzielle Blogs und andere kleine Fische, einfacher zu machen. Da wünschte ich mir doch einfach zu leben, wie Franzosen Auto fahren….(kein neuer Song, aber immer wieder schön).

Einen schönen Feiertag,

Ella

mehr Infos zur DSGVO und Bloggen: https://www.blogyourthing.com/dsgvo/