Fast…

Wie ihr wisst, ist Weihnachten nicht mein Ding. Aber den Tag ignorieren? Keinen Jahresabschluss posten? Fast wäre es passiert. Gerade hatte ich mich hingelegt, um mich auszuruhen – ich bin nämlich zu allem Überfluss auch noch angeschlagen- da sahen mich meine beiden Freunde an. Und da wusste ich, dass es kein besseres Bild zu diesem Anlass geben würde.

Ich mag die Beiden. ER erinnert mich an einen meiner älteren Cousins, der in meiner Kindheit Anfang der 80er auf seinem Motorrad angeknattert kam. Langes, unzähmbares, lockiges Haar, vielleicht so ein abgeschrabbtes Baumwolltuch um den Hals, wie man es damals trug, unkonventionell, auch wenn ich dieses Wort damals noch nicht kannte, ein Hauch einer fremden Welt. Lange Jahre fristeten sie ihr Dasein auf dem Dachboden – mein Mann mag sie nicht-, aber seit ein paar Wochen habe ich sie bei mir. Im verwaisten Zimmer meines Ältesten, das ich jetzt öfter nutze, seit es die meiste Zeit leer steht. Raum für mich. Ihn stören die Beiden nicht. Deko ist ihm ziemlich egal, es macht für ihn keinen Unterschied, ob sie da sind oder nicht. Ihr Blick zum Fotografen, man mag ihn als gelangweilt oder abweisend interpretieren, für mich ist er die absolute Momentaufnahme – quasi das absolute Hier & Jetzt. Kein Vorher, kein Nachher. Sie wissen nicht, was als nächstes passieren wird, aber es ist auch vollkommen egal, sie sind bereit, es mit der Welt aufzunehmen. Stark, gelassen und kraftvoll.

Eine gute Attitüde fürs neue Jahr, finde ich. Wenn wir uns gegenseitig stärken und stützen, werden auch wir es schaffen, unsere Ängste im Zaum zu halten, um es mit all den Trumps und Musks dieser Welt aufzunehmen. Ich wünsche uns viel Kraft und Mut fürs neue Jahr!

Frohe Weihnachten,

Eure Ella

So long, Marianne

Wer sich in dieser tristen Jahreszeit an einen anderen Ort in eine andere Ära entführen lassen möchte, sich von den zauberhaften Worten Leonard Cohens und dem Charme seines Darstellers verführen und berühren lassen möchte, dem sei diese achtteilige Serie ans Herz gelegt. Ein zauberhafter Cast, Sex, Drugs und RocknRoll und diese ganz besondere Liebe zu Marianne…

https://www.ardmediathek.de/serie/so-long-marianne/staffel-1/Y3JpZDovL25kci5kZS81MDI0/1

Der Wellant- ein Apfel für Allergiker

Vielleicht sind einige von euch oder euren Liebsten ebenfalls betroffen? Wer unter Allergien gegen Bäume oder Gräser leidet, hat nicht selten auch Kreuzallergien auf bestimmte Lebensmittel. Typisch sind Steinobst, Haselnüsse oder auch Äpfel. In verarbeiteter Form ist der Verzehr möglich, roh löst er allerdings zahlreiche unangenehme Reaktionen aus.

Durch Zufall habe ich auf dem Wochenmarkt in Erlenstegen/ Nürnberg den Wellant entdeckt. Er schmeckt sehr lecker und mein Allergikerkind zeigt keinerlei Reaktionen und kann einen ganzen Apfel genüsslich verputzen. Leider wohnt ihr ja nicht alle hier, aber vielleicht lohnt es sich beim nächsten Marktbesuch in Eurer Nähe nachzufragen?

Der Wellant

Für Nürnberger ist der Obst- & Gemüsestand immer Donnerstags von 8-16h an der Straßenbahnhaltestelle Platnersberg zu finden. Dort gibt es auch andere Leckereien, von italienischen Spezialitäten bis zum Demeter Bäcker, allerdings leider nicht gerade günstig.

Eine Begebenheit in der dunklen Jahreszeit

Es ist inzwischen Oktober und leidlich kalt. Ich habe manchmal Mühe, mich bei Laune zu halten. Nur noch selten wage ich mich morgens- nachdem endlich die Sonne aufgegangen ist- mit einem Kaffee auf meinen Balkon, um den Vögeln zuzuhören, die sich färbenden Bäume zu betrachten und meine rotierenden Gedanken von dannen ziehen zu lassen. Heute morgen lenkte ein Eichhörnchen meine Aufmerksamkeit auf sich, als es die metallenen Fensterläden weit oben am Nebenhaus hinunterkletterte. Gemessen an der Größe des Tieres verursachte dies nämlich beträchtlichen Lärm. Bereitwillig ließ ich mich auf die willkommene Ablenkung ein und bewunderte die waghalsigen Manöver des possierlichen Tieres. Es war nicht meine erste Begegnung mit diesen manchmal unfreiwillig komischen, aber überaus talentierten Lebewesen, ich muss zugeben, ich mag sie. Jedenfalls erfreute ich mich noch einige Zeit an dem kleinen Kameraden, bevor ich mich wieder an die Arbeit machte.

Gegen Mittag war ich mit einer Freundin verabredet. Als ich aus der Haustür trat, um zu meinem Auto zu gehen, sah ich es wieder. Eine Krähe hackte auf den leblosen Körper ein, der leuchtend rot auf dem Asphalt lag. Vielleicht war es auch sein Cousin, wer weiß das schon. Der Lauf des Lebens und dennoch so grausam.

Wieso ich diese Begebenheit mit Euch teile? Weil sie für mich zur dunklen Jahreszeit passt, einer Zeit, in der es nicht immer leicht fällt, das Licht zu sehen, so sehr man sich auch bemüht. Ich fand es ziemlich mies, dass mir die Brutalität des Lebens so drastisch vor Augen geführt wurde, nachdem ich gerade versucht hatte, diesem etwas mehr Freude und Leichtigkeit abzugewinnen. Wie eine schallende Ohrfeige. Als müsste ich beim nächsten Mal achtsamer sein, der Situation misstrauen, mir ihrer Endlichkeit bewusst sein, um mich nicht darauf einzulassen. Aber das werde ich nicht. Ich nehme es als Begebenheit in der dunklen Jahreszeit, nicht schön, aber auch kein Grund, das Spiel von Licht und Schatten nur noch von außen zu betrachten. Tschüss, kleiner Freund.

Du fehlst mir

Als meine Mutter in den 80er Jahren an Krebs erkrankte, gab es nur wenig Informationen darüber, wie Eltern ihren Kindern gegenüber mit der Situation umgehen sollten. Was sicher nicht nur in meinem Fall passierte, war, dass das Thema Sterben und Tod komplett ausgeklammert wurde. Und auch nach dem Tod meiner Mutter wurde wenig gesprochen, passende Therapieangebote fehlten. Ich verdrängte, lenkte mich ab, lebte teils ausschweifend und schlidderte von einer Beziehung in die nächste. Erst fünfzehn Jahre später arbeitete ich den frühen Verlust meiner Mutter auf, nachdem ich in eine Depression gerutscht war. So ähnlich erging es auch Katrin Gärtner, die den Verein „Wolfsträne“ in Leipzig gegründet hat, um Kindern einen besseren Weg aus ihrer Trauer zu ermöglichen und zu verhindern, dass sie im Erwachsenenalter als Spätfolge des Verlusts psychisch erkranken. Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche gibt es inzwischen in vielen Städten. Die geschulten Mitarbeitenden schaffen passende Räume und Angebote, um zu trauern, denn manchmal zeigt sich Trauer ganz anders, als man sich das vorstellt.

Ich musste leider erst vor wenigen Jahren bei einer Freundin selbst erleben, wie schwer es trotz all der guten Bücher und Informationen im Internet noch immer fällt, mit den Kindern bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung über den Tod zu sprechen. Niemand möchte seine Kinder unnötig beunruhigen und wer weiß schon so genau, ob und wann wirklich keine Hoffnung mehr auf Heilung besteht. Auch ich habe damals den richtigen Zeitpunkt verpasst, meine Freundin zu ermutigen, mit ihren Kindern offen zu reden. Die Metastasen hatten sich irgendwann zu weit ausgebreitet und ein Gespräch darüber war nicht mehr möglich. Aus diesem Grund möchte ich diese Reportage mit euch teilen. Es ist immer besser mit Kindern über den Tod zu reden, als sie damit allein zu lassen. Traut euch und ermutigt auch Bekannte und Freunde mit einer schweren Erkrankung, es zu tun. Um der Kinder willen.

Eine beeindruckende Reportage der Reihe 37Grad über gutes Abschied nehmen und Trauern von Kindern und Jugendlichen:

Du fehlst mir-37Grad

Herbstwetterkompensation

Kälteeinbruch, Dunkelheit, Nässe. Der Herbst überrascht mich – wie jedes Jahr- vollkommen unvorbereitet und so mummele ich mich zuhause samt Wärmflasche in eine Decke ein und stelle Beobachtungen an. Mein Schokoladenkonsum hat sich bereits drastisch erhöht, im verzweifelten Versuch, dem rapiden Absturz der Stimmung mittels Serotonin Einhalt zu gebieten. Dumm, dass ich aus dem Schwedenurlaub auch noch so viele hier unbekannte leckere Sorten mitgebracht habe, die ich mir jetzt ungehemmt einverleiben kann. Biologisch betrachtet, könnte ich mein Verhalten damit erklären, dass ich mich auf die Winterruhe vorbereite und mir noch ein kleines Polster anlegen muss für die Zeit, in der ich mich nicht mehr zur Nahrungsaufnahme aus dem Bett zu stemmen vermag. Dazu passt, dass ich nachmittags augenblicklich einzuschlafen drohe, wenn ich mich dem Sofa oder Bett auch nur auf wenige Meter nähere.

Es gibt aber auch positive Aspekte dieser Jahreszeit. Der Herbst ist die Zeit der Pilzliebhaber und auch ich gehöre dazu, seit mir liebe Freundinnen eine Pilzwanderung geschenkt haben, der ich vor kurzem beiwohnte. Unsere Pilzkundige schien einem Hollywoodstreifen entsprungen, nur so konnte sie aussehen, eine zierliche Person mit großem Hut, kleinen, engstehenden Äuglein und einer Nase, die bestens geeignet scheint, Pilze anhand ihrer manchmal kräftigen, oft aber auch kaum wahrnehmbaren Geruchsnoten zu identifizieren. Bis zur Hälfte der Wanderung wussten wir über zahlreiche Todesfälle Bescheid. Da gab es Pilze, deren Giftstoffe sich über Jahrzehnte anlagerten und erst dann- unerwartet und hinterhältig- zuschlugen. Wir hörten von einer Vielzahl an Doppelgängern vermeintlich unverkennbarer Speisepilze, die ihre ahnungslosen Esser blitzschnell niederstreckten. Wir erfuhren von tödlichen Allergien, die von einem Tag auf den anderen den Pilzgenuss zur tödlichen Falle machten. Das Auftreten von Brechdurchfällen aufgrund zu kurzer Kochzeit gehörte zu den harmloseren Infos. Zur Halbzeit war meinen pilzkundigen Freundinnen jedenfalls gehörig der Appetit auf ihr herbstliches Hobby vergangen und sie fragten sich, wie sie so lange hatten überleben können. Aber Ende gut alles gut. Als wir weitergingen, stolperte ich direkt am Wegesrand über eine Familie von Parasolen, leicht identifizierbar und einwandfrei genießbar, solange man sie mindestens 20 Minuten erhitzt und weder zu junge noch zu alte sammelt. Und auch die ersten Steinpilze ließen nicht lange auf sich warten. Happy end!

Die Wanderung hallt jedenfalls bei mir Greenhorn nach und ich verneige mich vor so viel Wissen und dessen Vermittlung. So eine Wanderung könnte ein wiederkehrendes herbstliches Highlight werden. Spannender als ein Krimidinner ist sie allemal.

Und darum geht es ja, aus jeder Jahreszeit etwas Gutes zu machen. Nur Sommer ist halt nicht, zumindest in unseren Breitengraden. Als ich diese Woche an einem dieser On & Off Regen Tage im Auto einer grauen Wolkenwand entgegenfuhr, wollte ich gerade mürrisch werden, als auf eben dieser ein riesengroßer Regenbogen erschien, begleitet von einem deutlich blasseren, aber nicht weniger bezaubernden Doppelgänger. Ein Synonym fürs Leben und eine kleine Erinnerung, das Schöne zu sehen. Dankbarkeit und so, ihr wisst schon.

Ich wünsche Euch gemütliche Herbsttage und wer Lust auf eine Pilzwanderung in und um Nürnberg hat, hier der Link: Pilzwanderung

Eure Ella

Endlich…

Es hat dies Jahr ein bisschen länger gedauert, bis der Sommer angekommen ist. Im Herzen, im Organismus, in der Wetter-App. Umso begieriger habe ich in den vergangenen Wochen die wenigen sonnigen Tage in mir aufgesogen, mich an den hellen Tagen gelabt. Gras an meinen Füßen, die üppig grünen Baumkronen über mir. Mystische Lebewesen mit unzähligen Armen. Ich habe eine Blesshuhnfamilie auf Futtersuche vor der Kulisse des Sonnenuntergangs am See beobachtet und erstmals wahrgenommen, dass das Licht der untergehenden Sonne im Wasser einem Werk Linda Männels entsprungen zu sein scheint. Es bleiben nur noch schmale Fäden, die sich durchs Wasser ziehen. Jahre nach dem Ausstellungsbesuch sehe ich es. An meiner Seite eine wunderbare Freundin, die mit mir lacht, als sich ein Schwan auf die Musik der jungen arabischen Männer, die sich neben uns niedergelassen haben, zu bewegen scheint. Mit dem Fahrrad durch die Lichter der Nacht. Das geliebte Akademiefest. Ich treffe eine bezaubernde Bekannte im Freibad am Beckenrand wieder, die ich seit zehn Jahren in Simbabwe wähnte. Wiedersehensfreude. Eine Kräuterwanderung im milden Abendlicht umgeben von kraftvollen Frauen irgendwo weit draußen. Ich sehe meinen Söhnen dabei zu, wie sie ihr wundervolles, rauschendes Teenagerleben leben und das, was kommen mag, mit all seinen Verheißungen kosten. Ich spüre tiefe Dankbarkeit. So viel Wunderbares umgibt mich und endlich fällt die Schwere ab, das Kreisen, das Wollen, das Denken.

Tolle Veranstaltungen zum Lebengenießen in Nürnberg ganz umsonst:

https://www.nuernberg.de/internet/stadtportal/nh_angebote_umsonst.html

Achtung: Das Brückenfestival und Stars im Luitpoldhain stehen demnächst an!

Buchtipp: „Steinhammerstrasse“ von Jörg Thadeusz

Steinhammerstrasse heißt die Ecke in Dortmund, in der die Freunde Edgar, Jürgen und Nelly in den 50er Jahren aufwachsen. Die Gegend ist grau von Kohlestaub, die Wohnverhältnisse sind ärmlich und beengt, und das vorgezeichnete Schicksal eines jungen Mannes ist es, Bergmann zu werden. Oder Friseur, wie Edgars Stiefvater Jupp, der Bruder seines Vaters. Der Vater hatte bestimmt, sein Bruder solle seinen Platz in der Familie einnehmen, wenn er nicht von der Front zurückkäme. Mit den alten Kameraden trinkt Jupp sich sein Schicksal im Hinterhof des Ladengeschäfts erträglicher, die Steinhammerstraße ist voll von Kriegsversehrten und traumatisierten Menschen, nur dass damals darüber kaum jemand spricht, geschweige denn Bescheid weiß.

Edgar ist ein talentierter Zeichner. Die Mutter seiner großen Liebe Nelly, die einen kleinen Laden betreibt, stellt ihm eine kleine Kammer zur Verfügung, die er in jeder freien Minute als Atelier nutzt, manchmal auch, um den verbalen Attacken seines Stiefvaters zu entgehen. Edgars bester Freund Jürgen lebt nach dem Tod der Mutter allein mit seinem Vater. Der Deutschlehrer ist nach dem Verlust seines Gehörs gezwungen, einen anderen Beruf auszuüben und betreibt eher schlecht als recht einen kleinen Kiosk. Jürgen hat dessen Talent fürs Schreiben geerbt und findet oft die Worte, die Edgar zu äußern nicht in der Lage ist. Als Nellys Mutter versucht, sich das Leben zu nehmen, kommt sie in eine Anstalt und Nelly muss zur wohlhabenden Großmutter nach Essen. Das vertraute Zusammensein des Trios verändert sich schlagartig, aber ihre Verbundenheit reißt nicht ab. Bald gelingt es auch Edgar und Jürgen, aus den vorbestimmten Bahnen auszubrechen und Dortmund zu verlassen…

Jörg Thadeusz hat es geschafft, mich von der ersten Seite an in die Steinhammerstraße mitzunehmen, durch die Wohnungen, Geschäfte und Hinterhöfe zu führen, mir die Menschen in all ihren Wunderlichkeiten zu zeigen und mich bei den berührenden Treffen der drei Freunde Mäuschen spielen zu lassen. Eine wunderbare Sprache, ein Buch zum Verschlingen, wäre es nicht so schade, wenn es vorbei wäre. Ein großartiger Roman, um das Leben in der Nachkriegszeit besser greifen zu können, eine Zeit, in der die alten Bande mit den Kameraden manchmal alles waren, was man hatte. Neues musste erst wieder entstehen. Auch diesen Wandel im Laufe der Leben dieser drei Menschen, beschreibt der Autor anschaulich. Wahre Vorbilder gab es übrigens auch für diesen Roman, dazu mehr im Nachwort. Ein gelungener Roman.

ISBN: 978-3-462-00724-4 Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Färbst du eigentlich?

Der „Life Hack“ hat sich in den letzten Jahren in unseren Wortschatz eingeschlichen und man kommt quasi nicht um ihn herum, selbst wenn man ihn als Begriff ablehnt. Und jetzt habe ich auch einen, den ich mit den Brünetten unter euch teilen möchte, alles andere wäre nahezu gemein.

In den letzten Wochen wurde ich immer wieder darauf angesprochen, ob ich mein Haar färbe, was mir deutlich vor Augen führt, dass ich genauso alt aussehe, wie ich bin, denn die Menschen erwarten, dass ich auf jeden Fall graue Haare haben müsste. Habe ich aber nicht. Naja schon, aber man bemerkt sie nicht so sehr, weil sie leicht eingetönt sind.

Mir war klar, dass ich meine Haare auf keinen Fall färben wollte, um nicht irgendwann mit der Kante zwischen Weiß und Braun konfrontiert zu sein, die es dann abzuschneiden oder rauszuwachsen gilt, wenn man sich irgendwann entschließt, zum natürlichen Weiß/Grau zu stehen. Zur rechten Zeit bekam ich den Tipp eines Fotografen, es mit einem Shampoo/ Tönung zu versuchen, die die ersten weißen Haare direkt leicht eintönt. Das benutze ich jetzt seit einigen Monaten und es funktioniert! Ich muss dazusagen, dass es tatsächlich nur funktioniert, wenn man rechtzeitig anfängt. Ein weißer Ansatz lässt sich nicht kaschieren, so viel Power haben die Produkte nicht. Da musste ich leider eine Freundin enttäuschen, der ich zunächst Hoffnung gemacht hatte. Aber gerade, wenn ihr neu im Geschäft mit den grauen Haaren seid und noch nicht mit ihnen im Reinen seid, kann es sich lohnen. Für Glanz und Farbe gefällt mir am besten die „Plantur Farbspülung für das Haar ab 40“. So-genug Werbung. Und genug Life Hack. Mehr habe ich auch nicht.

Ein freundliches Ehepaar

Ich nehme auf der Zuschauertribüne des Volleyballturniers meines Sohnes Platz. Ein gepflegtes, älteres Ehepaar grüßt höflich, als ich mich in der Reihe vor Ihnen niederlasse. Ich verfolge interessiert, wie ER IHR in Hamburger Schnack versucht, die geltenden Linien des Spielfelds begreiflich zu machen. Sie sind nämlich auch mir ein Rätsel. Der Mann wird bald ungeduldig und reagiert, als seine Frau noch immer nicht zu verstehen scheint, mehr als ungehalten.

Dann höre ich nur ein trockenes “Klugscheißer!”

Wie der erste Eindruck doch manchmal täuscht.

Buchtipp: „Mühlensommer“ von Martina Bogdahn

Ich möchte Euch heute den Roman einer wahnsinnig sympathischen und humorvollen Frau ans Herz zu legen, die ich im vergangenen Jahr kennenlernen durfte – Martina Bogdhan. In meinem „echten“ Leben bin ich Visagistin. Und so kam es, dass mich ein Fotograf an eben diese weiterempfahl, denn die Autorin ist eigentlich Fotografin. Aus der Buchung wurde leider nichts, aber wir hatten gleich einen guten Draht zueinander. Als sie mich einige Monate später erneut anrief, hörte sich das in etwa so an:

„Hast Du am Soundsovielten Zeit? Aber diesmal geht es um mich, ich brauche Bilder, ich habe ein Buch geschrieben.“ Und ich hatte Zeit! Und so fuhr ich an einem Sonntag zur Mäusleinsmühle, einem wunderschönen fränkischen Einödhof, der Pate für den Birkenhof im „Mühlensommer“ stand, mit einer Bank vor der Tür, einem kleinen, wilden Flusslauf, Wiesen mit Wildkräutern und schminkte Martina unter freiem Himmel bei Kaffee und einer zarten Brise. Hach. Nun aber zur Geschichte:

Maria, die nach ihrer Schulzeit nicht schnell genug diesem einsamen Stück Erde entfliehen konnte, und in der Großstadt eine erfolgreiche Werbeagentur betreibt, bekommt im Kurzurlaub mit den Töchtern einen Hilferuf ihrer Mutter. Der Vater liegt schwer verletzt im Krankenhaus und sie kann weder die demente Oma alleinlassen noch die Aufgaben am Hof ohne Hilfe bewältigen. Maria fährt sofort los und quartiert sich in ihrem alten Kinderzimmer ein, in dem noch alles unverändert ist, die Tapete, die Möbel und die Birke vor dem Fenster. Als sie die selbstgemachte Schneekugel ihres Bruders findet, taucht sie in Kindheitserinnerungen ab. Diese Geschichten aus dem Leben der Viertklässlerin Maria erzählt Martina Bogdahn wunderschön, einfühlsam, sie berühren und lassen ebenso laut auflachen. Manchmal erinnern sie an die Lausbubengeschichten eines Michel Lönneberga, die Freiheit der Unbeaufsichtigten. Aber auch die Kehrseite des oft verklärten Landlebens wird spürbar. Ein Kind in der Landwirtschaft ist Arbeitskraft, und zwar ohne Wenn und Aber. Der Ton ist rau, der Gestank des Schweinestalls in den Haaren penetrant und das gesellschaftliche Ansehen gering. Und auch der Tod ist allgegenwärtig, ob beim Schlachten oder der Geburt eines Tieres, die kleine Maria muss einiges wegstecken. Zum Glück erfährt sie ebenso viel Zuneigung und Liebe am Birkenhof, sie erlebt Zusammenhalt, Verständnis und manchmal auch unkonventionelle Lösungen.

Die erwachsene Maria merkt bald, dass zwei Herzen in ihrer Brust schlagen, als sie erneut ins Landleben eintaucht. Sie wird ganz ruhig und genießt es, neben der dementen Großmutter auf der Bank zu sitzen und ihr dabei zuzusehen, wie sie Apfel um Apfel schält, die zusammen später ein herrliches Kompott zu den Reibekuchen geben werden…

Tja, welches Leben wollen wir führen? Stadt oder Land? Am besten beides, finden Martina und ich. Und wenn ihr einige der Portraits, die an jenem Sonntag entstanden sind, sehen wollt, findet ihr sie auf dem Umschlag von „Mühlensommer“ oder der Homepage. 

Foto: Jens Wegener

Viel Spaß beim Lesen!

„Mühlensommer“ von Martina Bogdahn

Verlag Kiepenheuer & Witsch ISBN: 978-3-462-00478-6

Ich kann Euch auch eine Lesung nur wärmstens ans Herz legen! Mehr unter:

https://www.martinabogdahn.de

Auf die Bubble!

Seit fast zwei Monaten habe ich kein Auto mehr. Ich gebe es zu, ich habe es ein wenig darauf angelegt, als ich mich dazu entschlossen habe, nicht mehr zu leasen und mich nur sehr unmotiviert darum bemüht habe, ein Gebrauchtwagen zu finden, in einer Zeit, in der es kaum attraktive Gebrauchtwagenangebote gibt. Denn eigentlich brauche ich beruflich ein Auto, weil ich immer so einiges zu transportieren habe. Und trotzdem hat es mich irgendwie gejuckt, zu sehen, wie ich es ohne hinbekomme. Ich muss sagen, in Nürnberg funktioniert das wirklich gut. Im Umkreis von etwa 600 Metern gibt es bei uns drei Autoverleihstationen, an denen ich jederzeit unkompliziert ein Fahrzeug leihen kann. Solange ich im Stadtgebiet unterwegs bin, funktioniert das super. Fahrten aufs Land fallen allerdings weg- viel zu teuer. Für diesen Fall haben mir sehr liebe Freunde angeboten, ihr Auto zu leihen. Großartig. Wenn das Wetter es zulässt, nehme ich mein Lastenrad, das ich letztes Jahr zu diesem Zweck angeschafft habe. Ich nutze es jetzt allerdings viel öfter, denn die bequeme Alternative „Auto vor der Tür“ fällt weg. Gutes Wetter definiere ich seitdem weitaus großzügiger.

Ein Hoch auch auf die VAG, Navigations-Apps und das Deutschlandticket. Ich kann jederzeit von zuhause losgehen, ohne mich vorher aufwendig informieren zu müssen und ohne mich um irgendwelche Tickets zu kümmern, ich weiß, dass ich ohne viel Wartezeiten meine Anschlüsse bekomme und unkompliziert an mein Ziel gelange. Chapeau. Und ob ich eine halbe Stunde früher oder später zuhause bin, interessiert ehrlicherweise in dieser meiner Lebensphase niemanden mehr. Die Mobilitätswende würde so viel schneller funktionieren, wenn jeder Bürger kostenlos oder zumindest zu einem niedrigen Dauertarif fahren könnte, das senkt die Hürden wirklich enorm. Selbstverständlich funktioniert das nur, wenn die Bahn nicht vorher ihre letzten Fans durch die ständigen Streiks vergrault.

Es fühlt sich gerade so ähnlich an, wie meine Entscheidung damals, kein Fleisch mehr zu essen. Ich glaube, ich habe nie versucht, jemanden zu missionieren. Bis heute habe ich kein Problem damit, wenn andere Fleisch essen, es geht ja eher um das wie und was, aber selbst da halte ich niemandem Predigten. Was mich allerdings schon antreibt, ist zu zeigen, dass es auch anders gehen kann. Und dass es sogar Spaß machen und das Leben bereichern kann. Sehr witzig, wenn ich jetzt einer Familienmutter mit drei Kleinkindern, die seit Jahren von einem Auto träumt, erzähle, welche Vorteile das Leben ohne Auto hat. Never ever, ich würde es ihr von Herzen gönnen. Es geht eher darum, die zu ermutigen, die vielleicht aus Gewohnheit seit Jahren nicht mehr versucht haben, andere Wege zu gehen.

Andererseits frage ich mich schon, was dieses Theater um Umwelt- und Klimaschutz eigentlich soll, wenn mir mal wieder Menschen vorschwärmen, dass sie fünfmal im Jahr zum Backpacken fliegen. Im Ernst? Warum nicht einmal in fünf Jahren? Weil sowieso schon alles egal ist und wir noch mitnehmen sollten, was geht? Solange alle It-Girls und Boys den Luxus als maximales Lebensziel zelebrieren und Länder wie Dubai als heißer Scheiß gelten, sehe ich da echt schwarz, die Massen für ein gemeinsames Ziel zu mobilisieren. Betrachtet man den Klimawandel allerdings als naturgemacht, entfallen sowieso sämtliche Argumente. Und ich strampele mich ab, um meinen Fußabdruck zu senken? Klingt maximal bescheuert.

Manchmal bin ich unendlich froh, dass ich mich in meine persönliche Bubble zurückziehen kann. Dass mich dann Menschen umgeben, mit denen ich ähnliche Werte teile und die so ähnlich leben wie ich. Die mir die Sicherheit geben, dass das, an was ich glaube, nicht vollkommen absurd ist, und somit dafür sorgen, dass ich nicht mein ganzes Leben, meine Erfahrungen und Überzeugungen in Frage stellen muss. Und so geht es auch Menschen in anderen Bubbles. Natürlich müssen sich verschiedene Bubbles treffen und wir müssen uns austauschen und diskutieren und idealerweise neue und gemeinsame Bubbles erschaffen. Aber in einer Zeit mit so vielen offenen Fragen, mit so viel kursierendem Wissen und Halbwissen, mit Fakenews und ganz viel Unsicherheit, dürfen und müssen wir es uns auch mal bequem machen. Ausatmen, Nähe spüren und Kraft tanken für das nächste Gefecht.

Vielleicht mögt ihr es mal ausprobieren:

https://scouter.de (Einfaches Mieten von Leihautos an verschiedenen Standorten in Deutschland)

https://www.vgn.de/egon (Eine App, die das Fahren im VGN zumindest wesentlich günstiger macht)

Noch eine Woche…

Als ich kürzlich in Nürnberg aus der Bahn ausstieg, fiel mir sofort eine junge Frau auf, die zwei mächtige Koffer mit geschätzten 120cm Höhe und einen Kleineren den Bahnsteig entlangzuschieben versuchte. Kurzentschlossen bot ich meine Hilfe an und als klar war, dass sie dieselbe U-Bahn Richtung Flughafen nehmen wollte wie ich, rollten wir gemeinsam dort hin. 

Neugierig wie ich bin, fragte ich, was sie in diesen riesigen Koffern habe. 

Geschenke für die Familie. Sie besuche sie zum ersten Mal. Im Irak.

Was es denn in Deutschland gäbe, über das sich die Familie besonders freue?

Schokolade, erwiderte sie und strahlte mich an, während wir Slalom um Reisende und Gestrandete im Bahnhof liefen.

Auf die Ironie der Situation, machte mich mein Sohn zuhause aufmerksam, als ich ihm von der Begegnung erzählte: Eine Schokoladensüchtige auf Entzug mit einem Koffer voller Schokolade, analysierte er knapp und präzise. Ich musste schmunzeln. 

Wie recht er hat. Ich faste mal wieder, dieses Jahr Süßigkeiten. Die größte Challenge dabei ist der Verzicht auf Schokolade, ich stimme meinen Kindern vollends zu, die mir Suchtverhalten unterstellen. 

Deshalb freue mich wieder unbändig auf Ostern und das Fastenbrechen. Und dann wird alles nachgeholt:-)

Schöne Osterfeiertage!

Ansichtssache

Als ich vergangenes Wochenende an einem Barbershop vorbeikam, las ich die Werbung im Schaufenster:

  • Kinder 12,-€
  • Herren 15,-€
  • Renten Herren 13,-€

Voll korrekt, dachte ich, dass da jemand an den kleinen Geldbeutel der Rentner denkt.

Als ich am darauffolgenden Tag das sonntägliche Nachmittagskonzert der Symphoniker besuchte, begann ich zu ahnen, dass die Vergabe dieses Rabatts einen weitaus naheliegenderen Grund haben könnte…

Frühstücksbuffet to go

Ich freue mich sehr über diesen Gastbeitrag von Petra, die schon einige Erfahrung beim Retten von Lebensmitteln sammeln konnte. Und eigentlich geht es ganz einfach…

Wir stehen an einem Montagvormittag in der Empfangshalle eines großen Regensburger Hotels. Mit dabei haben wir eine große Tüte mit Unmengen an Tupperdosen und Brotbeuteln und warten mit zwei weiteren Leuten darauf, in den Frühstücksraum gelassen zu werden. Nicht, weil wir in dem Hotel übernachtet haben und uns jetzt auf ein reichhaltiges Frühstücksbuffet freuen, sondern weil wir über die App „To good to go“ die Buffetüberreste des Hotels retten. 

Als die Abholzeit beginnt, bringt uns ein Hotelmitarbeiter in den großen Frühstücksraum. Hier erwartet uns zu unserem Entsetzen ein fast noch vollständiges Frühstücksbuffet, obwohl bereits alle Hotelgäste sowie die Mitarbeiter bereits gefrühstückt haben. Von Eierspeisen, Pancakes und einer riesigen Müsliauswahl über alle erdenklichen Backwaren über eine große Auswahl an Wurst und Käse sowie Weißwürste, Bratwürste und Fleischbällchen, um nur einiges davon zu nennen. 

Im Normalfall sprechen wir Abholer uns untereinander ab, wer welche Bedürfnisse oder Vorlieben hat. Dieses Mal ist das jedoch gar nicht notwendig, da solch eine Menge an Essen zur Verfügung steht, dass die Menge für drei Abholer viel zu viel ist. 

Wir sind beim Lebensmittel retten immer wieder erschlagen von der Essensmenge, die wir für einen sehr kleinen Preis retten, aber den Überfluss und die Überproduktion an Lebensmitteln, die wir in Hotels sehen, macht uns jedes Mal wieder fassungslos, wütend und traurig. Wir verlassen dieses Mal das Hotel mit gemischten Gefühlen, da wir zu dritt nicht alle Buffetreste retten konnten und wissen, dass der Rest, den wir nicht mehr mitnehmen konnten, in die Tonne wandert. 

Wir erfahren von einer anderen Abholerin, die regelmäßig am Montag in diesem Hotel rettet auch, warum an diesem Tag besonders viel übrigbleibt: Von Sonntag auf Montag sind die wenigsten Übernachtungsgäste vor Ort, so dass die Buffetmenge fehlkalkuliert ist, jedoch findet keine Anpassung der Produktion statt. Es ist absolut unverständlich, warum dies nicht geschieht, gerade in Zeiten, in denen Nachhaltigkeit, ein bewusster Lebensmittelkonsum und auch die Preissteigerung in der Lebensmittelbranche so präsent sind. 

Laut Schätzungen der Nachhaltigkeitsinitiative „Futouris“ entstehen in den etwa 40 000 deutschen Hotels etwa 200 000 Tonnen Lebensmittelabfälle pro Jahr und bis zu 60% wären durch eine sinnvolle Planung und Kalkulation vermeidbar. 

Wir sitzen am Abend beim Abendessen und haben eine große Auswahl an geretteten Lebensmitteln und Speisen vor uns und sind dankbar für dieses gute Essen. Unsere Nachbarn haben sich ebenfalls sehr gefreut, als wir ihnen einen Teil der geretteten Lebensmittel vorbeigebracht haben, weil wir das alleine gar nicht essen können. Unsere Tiefkühltruhe ist voll mit Brötchen, Croissants und Baguette – wir sparen uns die nächsten Wochen den Gang zum Bäcker. 

Lebensmittelretten leistet sicherlich nur einen kleinen Beitrag in der aktuellen Zeit, aber unser Leben bereichert es sehr. Wir probieren gerne immer wieder neue teilnehmende Supermärkte, Bäckereien und Hotels aus und erleben dabei oft auch während der Abholzeit eine kleine, nette Gemeinschaft mit bis dahin uns unbekannten Menschen – das tut auch manchmal der Seele gut. 

Wer die App mal ausprobieren möchte, findet hier Infos:

https://www.toogoodtogo.com/de