Normalerweise umschwirren mich mindestens eine Handvoll Themen, die ich auf unserem Blog teilen möchte. Aber die letzten Wochen wusste ich nichts mehr zu schreiben. Auf einmal kam mir alles so überflüssig vor, weil das echte Leben mit Schwermut überdeckt war. Wie sollen die Ideen sprudeln, wenn sich nichts leicht anfühlt? Wenn das echte Leben einfach nur anstrengend ist und Deine ganze Energie kostet? Aber darüber schreiben? Das ist nicht gerade sexy. Wir sollen doch alle schön und erfolgreich sein, möglichst viele Freunde und Likes haben; wir posten Fotos von den coolsten Partys, geilsten Urlaubstrips und heißesten Outfits. Wir haben Spaß und sind hip und zwar kollektiv. Zuzugeben, dass man nicht locker auf der Welle mitsurft, sondern versucht, nicht in der Brandung abzusaufen, passt nicht gerade zum Anforderungsprofil unserer Zeit. Ich tue es trotzdem. Vielleicht ist es einfach der Winter, die Tristesse. Ich jage jedenfalls gerade jedem einzelnen Sonnenstrahl nach. Und sehe langsam wieder mehr Farbe.
Archiv des Autors: Ella
Für fränkische Frauenzimmer
Anbei eine Einladung für alle Frauen und Mädels aus der Region Nürnberg, die mal wieder eine nette Gelegenheit zum Tauschen, Verschenken oder Spenden suchen. Mit Sicherheit mit viel Liebe organisiert!
Also, auf jeden Fall kommen…
Warum Julian immer die Schuld bei anderen sucht und Dörthe mit dem Kopf gegen die Wand rennt
Viele von Euch haben sicherlich Geschwister oder sich immer eines gewünscht. Mit manchen ist man dicke, mit anderen weniger. Doch wie sehr sie das eigene Denken und Verhalten prägen, darüber ist man sich als Erwachsener oft nicht so im Klaren, auch wenn es ungezählte Studien und Veröffentlichungen zu diesem Thema gibt. Mit meiner großen Schwester soll ich mich angeblich ausgiebig gestritten haben. Ich kann mich an nichts mehr erinnern, außer dass ich ihr eines Tages eine Bissverletzung am Gesäß zugefügt habe – eine gewisse Disharmonie scheint also wohl da gewesen zu sein. In der Pubertät wurden wir dann ein Herz und eine Seele und sind uns bis heute sehr nah. Bekommt man eigene Kinder als (unfreiwilliges) Studienobjekt, wird einem auf einmal klar, welch immense Auswirkungen diese Geschwisterkonstellationen auf das Leben haben. Das Leben als Kind und mit Kindern kann unterschiedlicher nicht sein, ob man (k)ein oder mehrere Geschwister/ Kinder hat, ob Jungs, Mädchen oder gemischt. Da sind beispielsweise die erstgeborenen Königskinder (und ersten Versuchsobjekte der frischgebackenen Eltern), die oft eine unbändige Wut auf das kleinere Geschwisterchen entwickeln, weil es sie vom Thron gestoßen hat. Und obwohl sie meist weiterhin die erste Geige spielen, fühlen sie sich chronisch vernachlässigt und ungerecht behandelt. Das muss sich nicht unmittelbar nach der Geburt in großer Eifersucht zeigen, aber das Gefühl begleitet sie oft bis ins Erwachsenenalter. Die Zweitgeborenen laufen mangels ungeteilter Aufmerksamkeit oft mit, was Fluch und Segen zugleich ist. Verschont von zu viel Input seitens der Eltern wie Pekip, Babyschwimmen oder Musikgarten unmittelbar nach der Geburt, müssen sie durch eine gewisse Unangepasstheit dafür sorgen, überhaupt wahrgenommen zu werden und stehen unter dem ständigen Druck, mithalten zu wollen. Das Einzelkind ist in den ersten Jahren mit Sicherheit anstrengender, müssen doch ausschließlich die Eltern für sein Entertainment sorgen, während Geschwisterkinder im Idealfall die Nachmittage spielend verbringen. Wird das Kind größer, hat man allerdings eher einen verbündeten Partner im Haus, mit dem man sich gemeinsam gemütlich die Sonntage im Schlafanzug um die Ohren schlagen kann, während sich bei Haushalten mit mehreren Kinder klischeemäßig die Mädels anzuzicken pflegen und die Jungs die freie Zeit nutzen, sich ausgiebig zu prügeln. Also alles in allem eher unentspannt. Außerdem neigen Geschwister trotz aller Zwietracht dazu, sich gegen ihre Eltern zu verbünden, vor allem wenn es um Sonntagsausflüge wie Wanderungen oder andere Unbeliebtheiten geht. Da ist man dann fast chancenlos, während sich das Einzelkind eher an das Leben der Erwachsen anzupassen pflegt. Was wiederum für das Einzelkind nicht immer von Vorteil ist. Das mögen jetzt lauter Plattitüden sein, denn die Welt ist viel zu komplex, um sie auf wenige Muster herunterzurechnen und die Länge des Artikels begründet den Umstand, nicht alle möglichen Kombinationen abhandeln zu können, aber um es zusammen zu fassen: Kind(er) haben ist nicht gleich Kind(er) haben und Kind sein nicht gleich Kind sein, und das völlig unabhängig aller anderen Lebensumstände, nur allein wegen des Umstands, wer mit mir in dieser Familie lebt. Vielleicht lohnt es, diesen Aspekt des Lebens unter die Lupe zu nehmen, wenn sich der Partner/ die Partnerin mal wieder über eine etwas sonderliche Verhaltensweise wundert.
Das Zocken, die Kinder und ich
Meine erste Computerspielerfahrung Anfang der 80er war die Pac Man Konsole in einem Aufenthaltsraum eines Skilagers. Mein Cousin und ich waren ganz verrückt nach dem Teil und versuchten so oft wie möglich zu spielen. Vielleicht war es diese erste Erfahrung, die mich nachhaltig zur Videospielgegnerin hat mutieren lassen, war mir deren Anziehungskraft einfach nicht geheuer. Als „Jungsmutter“ war mir klar, dass mich das Thema Zocken irgendwann einholen würde und so bin ich die letzten Jahre wiederholt in mich gegangen und habe versucht, dem Ganzen etwas Positives abzugewinnen, möchte ich doch keine vereinsamten Nerds aus meinen Kindern machen. Aber die Wahrheit ist: ich hasse Computerspiele und seinesgleichen beziehungsweise den Sog, den sie ausüben und sie sind für mich die Killer jeder Kreativität. Mehr noch, ich finde die Aussichten, wie sich unsere Kinder entwickeln werden, die damit groß werden, nonstop online zu sein, sich ständig zu präsentieren, die auf Bestätigung und Likes getrimmt werden und anstatt sich zu langweilen, zum Handy oder der Spielkonsole greifen, nicht wirklich rosig. Viele mögen an dieser Stelle die Augen rollen, nämlich all die Eltern, die gerne selber zocken oder das eben alles nicht so schlimm finden. Die Veränderungen unseres Lebens durch das Internet und seine Begleiterscheinungen sind weitaus gravierender, als sie es die Jahrzehnte zuvor waren. Nur, dass wir Erwachsenen jenseits der Dreißig im Gegensatz zu den Kindern, die jetzt groß werden, das Leben „davor“ noch kennengelernt haben. Und das macht es nicht leichter. Ich wünsche mir wie viele andere Eltern, eigene schöne Kindheitserfahrungen an meine Kinder weitergeben zu können, habe aber ein Bild von einer Kindheit im Kopf, die es so vermutlich nicht mehr gibt. Aber war das nicht schon immer so, weil sich die Welt einfach weiterdreht und nichts so bleibt, wie es ist? Heute verliert die reale Welt oft, sobald ein digitales Medium ins Spiel kommt. Kindheit 2016 ist eben anders als Kindheit 1984 – alles ganz normal eigentlich. Ich hadere oft mit mir, warum ich den Kampf gegen die virtuelle Welt nicht einfach aufgebe und meine Kinder vor das iPad setze, könnte ich doch ein leichteres Leben haben. Aber es ist mir zu wichtig, dass sie noch so vieles im Hier und Jetzt erleben und nicht nur in fremden Welten, die sich unbekannte Softwareentwickler ausgedacht haben. Manchmal scheint es absurd, dass Kinder in unserer westlichen Welt, die ihnen so viele Möglichkeiten bietet, scheinbar nichts mit sich anzufangen wissen. Aber vielleicht ist auch genau das eine Antwort darauf, was Computerspiele – abgesehen vom Spaßfaktor – so reizvoll macht. Man weiß genau, was man machen muss, um zu gewinnen. Wer gut und wer böse ist. Jeder kann ein Held sein, egal, wie es in der Schule läuft. Du musst nicht nachdenken. Und du kannst immer wieder von vorne anfangen. Und vielleicht ist es das, was unsere Elterngeneration ihren Kindern oft nicht geben kann – einen klaren Kurs.
Freundschaft mitten im Leben
Die meisten von uns durften erleben, wie wunderbar einfach Freundschaft sein kann, zu Schulzeiten, während der Ausbildung oder des Studiums, wenn wir fast täglich viele Stunden gemeinsam erlebten, dieselben Interessen hatten und auch noch die Nächte zusammen verbrachten. Wir haben in den wenigen Stunden, die wir uns nicht gesehen haben, oft noch telefoniert und waren zu jeder Tages- und Nachtzeit füreinander erreichbar. Freundschaft in der Mitte des Lebens ist dagegen eine ziemlich mühsame Angelegenheit. Spontane Impulse, eine Freundin anzurufen, verpuffen meist ganz schnell wieder, fallen mir im selben Moment doch schlagkräftige Argumente ein, es nicht zu tun, sei es, weil sie sicherlich gerade arbeitet, am Nachmittag die Kinder aus dem Kindergarten abholt, mit Hausaufgabenbetreuung beschäftigt ist, am Abendessen kochen ist oder das Kind ins Bett bringt. Bis dann abends die Wohnung wieder in Normalzustand gebracht und der Abwasch erledigt ist, ist auch bei mir die Luft raus, um das loszuwerden, was mir Stunden vorher auf dem Herzen gelegen ist. Außer ich habe natürlich ein Tage oder Wochen vorher verabredetes Skypetelefonat mit einer Freundin im Ausland, bei der nicht Kinder für das komplizierte Vorgehen verantwortlich sind, sondern ein unberechenbarer Dienstplan. Egal, was nun die Beziehung verkompliziert, Freundschaft in der Mitte des Lebens verlangt viel Toleranz und Durchhaltevermögen, vor allem zwischen Kinderlosen und Freunden mit Kindern. Ohne ein Mindestmaß an Interesse und Einfühlungsvermögen für die Sorgen und Belange des/der anderen, auch wenn deren momentane Lebensform vielleicht rein gar nichts mit der eigenen zu tun hat, geht gar nichts. Ich bewundere Freunde, die es schaffen, jedes Jahr einen gemeinsamen Urlaub zu verbringen, ganz unabhängig von der jeweiligen Lebenssituation. Feste Verabredungen sind sicherlich eine gute Möglichkeit, sich nicht aus den Augen zu verlieren, aber eben auch nur dann möglich, wenn es Beruf und Partner und das durchgetaktete Leben an sich zulassen. So ist eines der wenigen Dinge, auf die ich mich am Älterwerden freue, dass ich wieder mehr Zeit für meine Mädels haben werde, vorausgesetzt, wir dürfen diese Zeit quietschlebendig und bester Gesundheit erleben. Einfach wieder spontan sein können, ohne Rücksicht auf Kinder, darauf freue ich mich. Und bis dahin heißt es durchhalten und sich nicht aus den Augen verlieren.
Bye, David

David Bowies „Heroes“ war ein Soundtrack meiner Jugend, Lebensgefühl und Sehnsucht. „Look up here, I’m in heaven“ – du bist nicht gegangen, ohne Dich zu verabschieden. Bye, David.
Tatendrang
Eine meiner ersten Taten im neuen Jahr wird es sein, alle bis dato verschmähten Weihnachtsmänner einzuschmelzen und in Form von Choco Crossies zu neuem Leben zu erwecken ( anstatt abzuwarten und sie zu Ostern ins Jenseits zu befördern). Für einen 130 Gramm Schokomann braucht man etwa 2EL Kokosraspel, 3EL Cornflakes und 1EL gehackte Mandeln. Die Schokolade im Wasserbad schmelzen lassen, die Zutaten mit einem großen Holzlöffel unterrühren und als kleine Häufchen auf einer mit Backpapier ausgelegten Fläche erkalten lassen. Mjammi und ratzfatz weg!
Meine Weihnachtsgeschichte
Ich kannte mal den Weihnachtsmann. Ja wirklich, natürlich nicht den echten, aber den gibt`s ja auch nicht. Er hatte eine große Knubbelnase und eine richtig alte, runde Nickelbrille. Die Nase war vermutlich einem Rhinophym geschuldet, das Männer manchmal bekommen, wenn sie älter werden und die Brille hatte er mit Sicherheit von seinem eigenen Großvater geerbt, so alt war sie mit ihren Bügeln zum Biegen und den komischen dicken Gläsern. Und natürlich hatte er einen weißen Vollbart und einen gemütlichen Bauch. Weihnachtsmann eben. Ich musste da nicht mehr viel nachhelfen, damit er authentisch aussah. Das erste Mal traf ich ihn kurz nach der Jahrtausendwende, als er mit ein paar Kindern – als Engel verkleidet- für den Titel eines Kataloges posieren sollte. Mitten im Hochsommer in einem Fotostudio, das bis zum Anschlag mit Weihnachtsschmuck dekoriert war. Bei 30°C Außentemperatur. Echt strange. Die Kinder waren auf und um den Schoß des Weihnachtsmanns positioniert und ihr Lachen war echt, denn der Weihnachtsmann mit dem gütigen Lächeln und den freundlichen Augen verstand sich auf Kinder, hatte er doch selber drei aufgezogen. Weiterlesen
Berlin2Shanghai
Als ich vor einiger Zeit abends im Hotel durch die Programme zappte, blieb ich an der Doku „Berlin2Shanghai“ der Zwillinge Paul und Hansen hängen. Die zwei Brüder traten die 13000km lange Radtour nach Shanghai nicht nur an, um die Herausforderung zu meistern, sondern auch um sich nach einer Zeit der Abgrenzung wieder neu kennenzulernen. Eine spannende Geschichte in guten Bildern mit zwei sympathischen Jungs. Auf jeden Fall sehenswert.
Aktuelles auf: www.zweinachshanghai.de
Noch so`n Spruch…
Als ich dieser Tage einen Weihnachtskatalog durchblätterte, wurde ich von Botschaften und Lebensweisheiten nur so überflutet. Während wir Beschriftungen auf T-Shirts seit Jahrzehnten kennen ( O-Ton meiner Großmutter: „Du kannst doch nicht als lebendige Litfaßsäule herumlaufen!“), hat die Kalligraphie mit mehr oder weniger sinnigen Sprüchen allumfassend in unser Leben Einzug erhalten. Zunächst auf Büchlein, Postkarten, Wandbildern zumindest artverwandt, inzwischen wirklich überall zu finden: auf Kerzen, Stühlen, Bettwäsche, Schmuck & sogar Schokolade. „My home is my castle“ erinnert die sich allzeit aus dem Koffer lebende Businessfrau daran, was ihr eigentlich wichtig ist, „Don`t dream your life. Live your dreams.“ lässt uns jederzeit spüren, dass mehr möglich ist und wir Teil eines großen Wunschkonzerts sind. Dem sinnentleerten Leben Tiefe geben. Zum Glück weisen sie uns aber auch den Weg in einer immer komplexer werdenden Welt. Die Kerze heißt Candle, das Zuhause home, was soll da noch schief gehen. Und sollte uns tatsächlich mal jemand in unserer durchgestylten Wohnung besuchen, weiß jeder sofort, was uns wichtig ist, ( zur Auswahl beispielsweise „My kitchen ist for dancing“ oder „Leben. Lieben. Lachen“ ) ohne dass auch nur ein Wort gesagt werden muss. Ach und übrigens, wir befinden uns gerade in der most beautiful time of the year, nur dass ihr wisst, welcher Gemütszustand gerade so angesagt ist.
Wartungsarbeiten
Einer der wunderbaren Vorzüge der Jugend ist es, sogar nach dem Aufwachen völlig ungeschminkt, mit verwuseltem, lässig nach oben geknotetem Haar souverän gut auszusehen. Oder nach einer durchfeierten, feuchtfröhlichen Nacht nur mäßig Schatten unter den Augen zu haben und nach wenigen Stunden restlos wiederhergestellt zu sein. Jenseits der 40 benötigt die Rückkehr zum Normalzustand mitunter Tage. Um sich seinen Mitmenschen halbwegs frisch zu präsentieren sind tagtäglich zunehmend aufwändige Wartungsarbeiten zu durchlaufen. Das fängt schon bei der Pflege an. Während das Entfernen meines Make ups früher oft mein Kopfkissen erledigte und die einzige Pflege, wenn überhaupt, im Verwenden diverser Parfümeriepröbchen bestand, muss ich heute penibel auf das richtige Reinigungsprodukt und die richtige Creme für jede unterschiedliche Gesichtspartie achten, will ich keine Hautirritationen oder andere Unappetitlichkeiten heraufbeschwören. Immer wieder um die Mittagszeit darauf angesprochen, ich sähe so müde aus, obwohl ich mich auf dem Höhepunkt meiner Leistungskurve befand, wurden Make up & Lidstrich von Jahr zu Jahr dicker, um die zunehmende Konturlosigkeit der Augen zu überspielen, auf die dieser Effekt zurückzuführen ist. Das mit den Falten ist ja hinlänglich bekannt und muss an dieser Stelle nicht mehr besprochen werden, aber auch das Haar wird matter und wächst an den falschen Stellen. Die Korrektur dieses Fehlentwicklung fordert ihre Zeit. Tja und dann das Essen. Es ist ja nicht nur so, dass der Grundumsatz sinkt und man sich im Lauf der Zeit mit dem ein oder anderen Kilo mehr anfreunden muss, nein, ich muss auf einmal darauf achten, was und wann ich es esse, möchte ich nicht den ganzen Tag von einem penetranten Unwohlsein in der Magengegend belästigt werden. Wie ätzend ist das denn. Ich möchte hier keine weiteren Details meiner körperlichen Befindlichkeiten ausführen und es gäbe da noch einiges an weiteren kleinen, aber feinen Unannehmlichkeiten aufzuführen, ich möchte nur den Jungen unter Euch sagen, hey, genießt die Leichtigkeit der Jugend und lasst Gnade walten, wenn Euch eine Mittvierzigerin mit zu viel Make up begegnet. Sie hat es bestimmt gut gemeint.
Von den schönen Künsten und den weniger Begabten
Als mein kleiner Sohn vor einiger Zeit zur Schulvoruntersuchung geladen war, musste ich leise in mich hinein schmunzeln, als er zielgerichtet aus den ihm dargebotenen Buntstiften den einzigen Bleistift ergriff, um einen Menschen ( auf das Wesentlich reduziert und ohne Nase und Mund) zu zeichnen. Dieselbe Wahl traf er für das Nachmalen geometrischer Formen. Alles andere hätte mich aber auch stark irritiert, denn ich kenne von meinen Söhnen fast ausschließlich Bleistiftzeichnungen, die meistens Panzer, Schiffe oder sich im Krieg befindliche Strichmännchen in Miniatur zeigen. Für mich, die ich von klein auf mit Hingabe Menschen und Kleider in allen erdenklichen Farben gemalt habe, eine eher befremdliche Vorliebe. Umso mehr freut es mich, dass der neue Kunstlehrer meines großen Sohnes sein Lieblingslehrer ist. Vielleicht schafft er es ja, ihn für Neues zu begeistern. Denn ob meine Kinder begabt sind oder nicht, kann ich wirklich nicht sagen. Ihnen fehlt schlichtweg die Übung und (bisher) das Interesse. Oft erlebe ich, dass Eltern ihre Kinder vorschnell als ungeeignet abstempeln und sie in eine andere Richtung pushen, obwohl Talent nur ein Teil des Könnens ist. Der andere Teil sind Motivation, Anleitung und vor allem Übung. Ich habe selbst miterlebt, wie Schüler(innen), die zu Beginn des Unterrichtsjahres zu wenig mehr als zum Zeichnen eines Mondgesichts fähig waren, am Ende des Schuljahres wirklich gute Portraits zeichnen konnten. Sie haben ihr Auge geschult und durch Wiederholung gelernt. Das Gleiche gilt für Musikalität. Natürlich gibt es die Sorte von Menschen, die Rhythmus im Blut haben und von klein auf jeden Ton treffen. Was aber nicht den Umkehrschluss zulässt, dass bei einem Kind, das schief singt, Hopfen und Malz verloren sind. Sein Gehör benötigt einfach eine gewisse Schulung, um die richtigen Töne zu erkennen. Auch diesen Prozess durfte ich miterleben, als mein zunächst scheinbar unmusikalischer Sohn in zwei Jahren Instrumentalunterricht quasi als Begleiterscheinung gelernt hat, wunderbar zu singen. Und selbst Tanzen kann jemand lernen, der kein Rhythmusgefühl hat, wobei das sicherlich zu den größeren Herausforderungen für einen Lehrer zählt. Muss aber ja auch nicht gleich eine Primaballerina werden. Nicht jeder muss alles können und es macht sicherlich Sinn, seinen offensichtlichen Talenten zu folgen und anderes sein zu lassen, aber vielleicht sollte man manchmal zweimal hinschauen und es nicht gleich abtun, wenn ein scheinbar minderbegabtes Kind Interesse für etwas zeigt, dass man ihm so nicht gleich zutraut. Gerade Geschwisterkinder werden ja gerne mal in eine Schublade gesteckt, wenn die Begabung schon anderweitig vergeben wurde. Und das ist schade, denn dazu sind sie schönen Künste einfach zu schön!
Ein Statement zur Mode auf einem Nichtfashionblog
Ich habe mir letzte Woche eine Grazia gekauft und mit Verwunderung den aktuellen Streetstyle betrachtet. Jetzt hatte ich mich gerade an die Culotte gewöhnt ( das sind diese unterhalb des Knies endenden ultraweiten Hosen), da sieht auf einmal alles so was von zurück in die Vergangenheit aus, dass die so benannten „granny shoes“ nur eine Grausamkeit unter vielen darstellen. Ich für meine Person kann mir nicht vorstellen, mich hip zu fühlen, wenn ich mich in Spitzenbluse und Schlaghose oder ähnliche Outfits hülle, sondern mindestens zwanzig Jahre älter. Also das Selbstbewusstsein fehlt mir definitiv. Aber ich weiß, ich werde mich auch daran gewöhnen und in spätestens zwei Jahren alles ganz cool finden. So ist das immer. Das klingt jetzt vielleicht so, dass ich mit Mode nichts anfangen kann. Das stimmt so nicht, aber um ganz vorne mit zu schwimmen, fehlen mir definitiv Zeit, Geld und die bedingungslose Hingabe für Mode. Dabei habe ich beruflich schon ab und an mit absoluten Fashionistas zu tun und so versuche ich, zumindest nicht negativ aufzufallen, indem ich mir saisonal immer so zwei, drei coole Teilchen zulege, die ich bei Bedarf tragen kann. In New York oder Paris würde ich mit meinen Grannyteilchen und der entsprechenden Attitude vielleicht von einem Fashionblogger fotografiert werden, in Nürnberg liefe ich wohl Gefahr, dass mir ein Youngster in der U-Bahn seinen Platz anböte. Ich warte einfach wieder ein wenig, bis das alles nicht mehr ganz so heiß gehandelt wird, vielleicht gefällt es mir dann.
Die Heule Eule
Die Tiere des Waldes hören eines Tages ein schreckliches Heulen, das sie zunächst nicht deuten können. Dann entdecken sie eine kleine Eule, die herzzerreißend weint. Trotz verschiedenster Bemühungen gelingt es ihnen nicht, sie zu trösten. Als die kleine Eule schließlich wieder zu ihrer Mutter kommt, warten alle gespannt auf des Rätsels Lösung. Aber auf die warten sie vergebens, denn das Ende ist einfach aus dem Kleinkindleben gegriffen: die kleine Eule hat nämlich den Grund für ihr Unglück längst vergessen. Ein Buch, das kleinen Kindern in ihrem diffusen Kummer Trost spendet – und Eltern ebenso.
ab ca. zwei Jahren
Autor: Paul Friester Illustration: Philippe Goossens
ISBN-13: 9783314101397, Nord – Süd Verlag
Mon(m)ster
Wie es ist, Kinder zu haben, weiß man tatsächlich erst, wenn man Kinder hat. Wenn ich kinderlosen Freunden erzähle, wie stressig es gerade mit einem meiner Kinder ist (gleichzeitig sind sie das Gott sei Dank nie), kommt meistens ein Verständnisloses: „Die sind doch so lieb.“ Ja, das stimmt, sie sind lieb und fantastisch, manchmal aber einfach auch wahre Monster. Es verhält sich aber auch nicht anders, wenn ich erzähle, dass ich total ausgeflippt bin, so, wie mich zuvor vermutlich nur mein Vater in der Blüte meiner Pubertät hat ausflippen sehen. Auch dann kommt meist ein: „Ach, so kannst Du doch gar nicht sein.“ Doch, ich kann und bin wahrlich nicht stolz darauf. Kinder können es aber eben auch, herausfordern, egozentrisch sein, Grenzen überschreiten. Ich erinnere mich mit Schaudern daran, wie ich mich etwa zwei Jahre lang jeden Morgen mit meinem kleinen Sohn über die Menge des eingefüllten Müslis streiten musste, über die Temperatur der Milch, ob sie geschäumt war oder nicht, bereits eingefüllt oder nicht oder darüber, ob sich das Müsli in der richtigen Schüssel befand. Jeden Morgen. Humor ist die beste Waffe im Umgang mit wunderlichen Verhaltensweisen, aber man ist nun mal leider nicht immer tiefenentspannt und ausgeglichen und so endet eben die ein oder andere Situation in einer Eruption von Eltern und /oder Kind. Manchmal mit fliegenden Gegenständen, manchmal ohne. Also bei uns. Vielleicht gibt es Eltern und Kinder, die alles im Griff haben. Mir sind sie jedenfalls nicht bekannt. Also, liebe kinderlose Freunde und Mitmenschen, ihr könnt alle Horrorgeschichten glauben, in Wirklichkeit sind sie noch viel schlimmer. Aber ehrlich, Kinder sind was Wunderbares.
