Ein Bekannter erzählte mir letztens, das schwerste am Schreiben seines Buches für die Habilitation sei es, kein Feedback zu bekommen. Er sitze jahrelang zu Hause, ohne dass jemand etwas von dem mitbekomme, was er tue- mit Ausnahme seiner Frau. Und ich konnte ihn gut verstehen. Ich zehre auch sehr davon, wenn mir jemand Rückmeldung auf einen Blogbeitrag gibt, sei es im persönlichen Gespräch oder durch ein like, einen neuen follower oder einen Kommentar. In dem Moment weiß ich, hey, da kommt was an von dem, was ich mir denke. Dann weiß ich, es macht Sinn. Ich habe eine Freundin, die mir nach jedem Treffen ein kurze Mail schreibt, in der sie sich für die gute gemeinsame Zeit bedankt. Ich freue mich jedes Mal riesig. Und auch meine Schwester schickt oft eine SMS hinterher, wenn wir nach einem Besuch wieder auf der Autobahn sind. Da steht dann so was, wie es war schön mit Euch. Ich bin da leider nicht so gut drin. Und deshalb schicke ich jetzt mal ein Danke in die Welt, an all die aufmerksamen Menschen und Freunde, die mich am Leben erhalten!
Archiv des Autors: Ella
Von kleinen Helfern und großen Verweigerern
In den frühen Lebensjahren eines Kindes gibt es ein Zeitfenster, in dem es alles selber machen will. Anziehen, Tisch decken, Spülmaschine ausräumen. Was wir Eltern ja an und für sich wünschenswert finden, stellt uns im durchgetakteten Alltag oft vor große Probleme. Aus Zeitmangel ( „Wir müssen jetzt aber wirklich los, sonst kommen wir zu spät in die Kita…zur Arbeit…zum Kinderturnen…zum Kindergeburtstag…zum Kinderarzt…zum Musikgarten usw..!“) oder aber aus Sorge um das Meissener Porzellan und/oder das Kindeswohl ( es könnte stolpern und sich an einer Scherbe schneiden! ), gewöhnen wir ihm dieses Bedürfnis oft schnell wieder ab. In der Pädagogik spricht man von „Entmutigen“. Das Kind zieht sich in die Passivität zurück und lässt sich künftig anziehen, seine Schuhe binden, den Teller hinstellen, kurzum: es lässt sich bedienen. Wird das Kind dann allmählich zum Teenager, müssen wir entsetzt feststellen, dass es sich überhaupt nicht im Haushalt engagiert und jede Aufforderung zur Mithilfe als Zumutung empfindet. Bemüht, das Versäumte nachzuholen, konstruieren wir Haushaltspläne und verzweifeln tagtäglich an der Aufgabe, erlernte Verhaltensmuster zu durchbrechen. Tja, was soll ich sagen, selber schuld. Also, die, die ihr noch Kleinkinder habt, lasst es auf einen Versuch ankommen: Streicht ein paar Termine, lasst sie Teller und Gläser herunterschmeißen, was das Zeug hält, Schuhe verkehrt herum anziehen, zu spät kommen und die Küche beim Mithelfen verwüsten. Bezieht sie mit ins Leben ein und sie werden stolz ihre Aufgaben übernehmen. Wahrscheinlich. Zumindest vielleicht, bis sie Teenager sind. Und mal ehrlich, was sind dagegen ein paar kaputte Teller?
Kinostart: About a girl
Die Nürnberger Produktionsfirma Imbissfilm der zwei wirklich netten Jungs Michael Stehle und Martin Rehbock haben sich bisher „nur“ mit Kurzfilmen einen guten Namen gemacht. Jetzt haben sie ihren ersten Kinofilm produziert und der läuft kommenden Donnerstag an. Die Zuschauerzahlen der ersten Tage entscheiden darüber, in wie vielen Kinos ein Film gezeigt wird. Also, Babysitter anrufen und nichts wie hin! Ein paar Auszeichnungen hat der Film übrigens schon und Heike Makatsch ist auch mit dabei. „Ein Film der bösen, der schlagfertigen, der morbiden Dialoge“, wie die Welt schreibt. Na dann, viel Spaß!
Teaser und Inhalt unter: about a girl
Buchtipp für die Sommerferien:
Für mich ist es inzwischen Tradition, vor den heiß ersehnten Sommerferien ein schönes Vorlesebuch auszusuchen und das wird bei uns dies Jahr „Latte Igel und der Schwarze Schatten“ sein. Die erste Geschichte „Latte Igel und der Wasserstein“ schrieb der finnische Autor und Lyriker Sebastian Lybeck bereits 1958 und steht sprachlich einer Astrid Lindgren oder einem Erich Kästner in nichts nach. Der Wald, in dem Latte Igel mit seinen Freunden lebt, ist durch großen Wassermangel davon bedroht, zu Grunde zu gehen. Der Rabe Korp erzählt Latte Igel von dem wundersamen Wasserstein, aus dem ohne Unterlass Quellwasser sprudelt. Der Bärenkönig Bantur hat ihn in seinen Besitz in den finsteren Nordwald gebracht. Ihn zurückzuholen, würde den Wald retten. So macht sich der kleine Igel auf den gefährlichen Weg durch das Gebiet der Wölfe und Luchse, obwohl er nicht gerade der geborene Superheld ist. Man taucht beim Lesen sofort in die Welt des Latte Igel ein. Die sprachlichen Bilder sind ganz klar, man kann den Wald fast riechen und fühlen. Die Kinder, die sich mit dem kleinen Igel auf die Reise machen wollen, müssen also schon ein wenig mutig sein. Aber dann lieben sie dieses spannende Buch und können es kaum erwarten, zu hören, wie das Abenteuer weiter geht. Auch der zweite Band „ Latte Igel reist zu den Lofoten“ kann diese Erwartungen erfüllen. Ein Buch, für das Kinder eher ins Bett gehen, damit sie beim Vorlesen endlich erfahren, ob es Latte Igel und seinen Freunden gelingen wird, die kleine Elfe Kirivi aus den Fängen des Adlers Groff zu befreien. Den dritten Band „Latte Igel und der Schwarze Schatten“ schrieb der Autor erst 2005, also fast 50 Jahre nach dem ersten Roman, nachdem er viele Jahre seine Frau gepflegt hatte und diese schließlich verstarb. Diese schmerzliche Erfahrung hat auf diesen Band abgefärbt. Latte Igel ist alt geworden und müde. Er wird in eine Parallelwelt gezogen, in der alles grau ist und ihn seine Freunde nicht mehr erkennen. Der kleine Igel schafft es jedoch, sich aus seiner Lage zu befreien und in seine Welt zurückzukehren. Eine Erfahrung, die viele Menschen nach einem solchen Verlust durchleben. Das ist kein Sommerbuch? Ich finde, der Schatten gehört zur Sonne. Und bin gespannt, wie Latte Igel diese mehr als schwierige Aufgabe bewältigen wird. 2012 hat Sebastian Lybeck schließlich mit dem Illustrator Daniel Napp das wunderschöne Bilderbuch „ Ein großer Tag für Latte Igel“ herausgebracht, in dem Latte Igel seinen Geburtstag auf einer Reise quer durch den Wald mit all seinen Freunden feiert. Happy end? Mal sehen, ob uns Sebastian Lybeck noch eine Fortsetzung schenken wird.
Sebastian Lybeck: Thienemann Verlag
„Latte Igel und der Wasserstein“ ISBN-13: 978-3522180511 ab ca. 6 Jahre
„Latte Igel reist zu den Lofoten“ ISBN-13: 978-3522182836
„Latte Igel und der Schwarze Schatten“ ISBN-13: 978-3522180528
„Ein großer Tag für Latte Igel“ ISBN-13: 978-3522437141 ab ca. 4 Jahre
Facebook, Twitter, Instagram , Google+, You tube, tumblr, pinterest, Xing – und wo bleibe ich?
Während sich unsere Großeltern im Laufe ihres Älterwerdens nur daran gewöhnen mussten, dass Telefone zunächst keine Wählscheiben mehr hatten, dann keine Schnur und man sie schließlich überall mit hinnehmen konnte, mussten sich unsere Eltern der Herausforderung des Internets stellen, wollten sie nicht vorzeitig zum alten Eisen gehören. Mit welchen Herausforderungen wir einmal konfrontiert sein werden, mag ich mir gar nicht vorstellen, teilt sich doch bereits jetzt die Gesellschaft in die Gruppe der begeisterten Internetnutzer, die bei Facebook, Twitter oder Instagram zu Hause sind und in die „Verweigerer“, für die es das höchste Maß an Anpassungsbereitschaft ist, einen E-Mail Account zu haben. Die nicht wissen, was ein Blog ist und Angst davor haben, auf Facebook zu erscheinen, sollten sie auf ein falsches Feld klicken. Ursache für die weite Bandbreite an Nutzungsbereitschaft ist sicherlich oft der Beruf, denn der ist meiner Meinung nach einer der Hauptgründe jenseits der dreißig, sich mit Social Media und den ständig neuen Plattformen auseinandersetzen zu müssen – oder eben auch nicht. Wer im weitesten Sinne mit PR zu tun hat, kommt nicht um Social Media herum. Als kleiner Ein-Mann(Frau)-Betrieb kann man das Füttern der verschiedenen Netzwerke und Plattformen allerdings kaum mehr stemmen, auch wenn Posts inzwischen automatisch auf verschiedene Plattformen gestreut werden können. Größere Firmen haben heute fast alle zusätzliches Personal, das sich ausschließlich um zeitlich perfekt abgestimmte Posts, Tweets und Pins kümmert. Was vor gefühlt sieben Jahren massentauglich mit „like mich auf Facebook“ begann, sieht inzwischen aus wie eine Werkzeugpalette im Photoshop: Facebook, Twitter, Instagram , Google+, You tube, tumblr, pinterest, Xing und jeden Monat ein neues Tool. Wer nicht muss, ist meist froh, nichts damit zu tun zu haben und hat oft wenig Ahnung, worum es dabei geht. Und so teilt sich die schöne, neue Welt, schon lange, bevor wir alt geworden sind. Fakt ist, dass technische Entwicklungen immer schneller fortschreiten und wer nicht mithält, ganz schnell draußen ist. Ältere Rechner funktionieren nicht mehr mit neuer Software, der ältere Drucker nicht mehr mit dem neuen Rechner. Ich selber bin schon lange nicht mehr in der Lage, Telefon- und Internetleitungen anzuschließen und ein funktionierendes System aus Rechnern und Festplatten einzurichten. Ich synchronisiere weder verschiedene Endgeräte, noch nutze ich die Cloud. Ich bin eben eine aus der Grauzone. Noch lange, bevor ich grau geworden bin. Wo ich in zwanzig Jahren sein werde, liegt außerhalb meiner Vorstellungskraft.
Würde ich diesen Artikel „Europa“ nennen, würde ihn keiner lesen
Was man von der Europapolitik so mitbekommt, ist ja nicht gerade ein Glanzstück. Die scheinbar unlösbaren Probleme mit Griechenland in Dauerschleife und das Versagen, sich auf eine europäische Flüchtlingspolitik zu einigen und die Unterbringung der in Italien und Griechenland ankommenden Flüchtlinge gemeinsam zu schultern, werfen kein gutes Licht auf die EU. Jedes Land scheint sich selbst am nächsten und der europäische Gedanke manchmal Lichtjahre entfernt. Aber dann gibt es da so heimlich, still und leise den ein oder anderen Gesetzentwurf des europäischen Parlaments und dessen Umsetzung, bei dem ich mir denke, das macht ihr wirklich gut. Die europaweite Abschaffung der Glühbirne hat noch so manchen vor den Kopf gestoßen, empfanden doch viele das Gesetz, wie das Eigenheim zu beleuchten sei, als Eingriff in die Privatsphäre. Aber es ist nun leider mal so, dass wir Menschen ein bequemes Völkchen sind und wider besseren Wissens gerne an alten Gewohnheiten festhalten und manchmal zu unserem Glück gezwungen werden müssen, zu träge sonst der Apparat. Jetzt geht es beispielsweise der Plastiktüte an den Kragen. Viele von uns wissen um den im Nordpazifik treibenden Plastikteppich einer Ausdehnung, die der zweifachen Fläche Deutschlands entspricht. Dennoch gehört der gute alte Einkaufskorb zu einer aussterbenden Gattung und alle bereits erworbenen Stoffbeutel liegen meist daheim, wenn wir noch spontan nach Feierabend etwas einkaufen gehen. Jetzt hat die EU beschlossen, dass der Pro-Kopf Verbrauch von etwa 200 Tüten pro Person und Jahr reduziert werden muss. Ein Weg dahin: die Abschaffung kostenloser Plastiktüten an den Kassen. Wir werden per Gesetz erzogen und das wird Zeit. Auch das Gesetz, dass es ab 2017 einheitliche Ladekabel für Handys, Tablets und Smartphones geben soll, ist einfach nur gut und sinnvoll. Leicht vorstellbar, wie viel Elektroschrott dadurch vermieden werden kann, tummeln sich bei den meisten von uns daheim sicherlich fünf verschiedene Ladekabel längst ausrangierter Handys. Wir hätten aber wohl bis in alle Ewigkeit warten können, bis die Industrie diese Idee in Selbstverpflichtung umgesetzt hätte, geht ihr doch dadurch eine lukrative Einnahmequelle verloren. Und jetzt hat der EU – Ministerrat auch noch für die Abschaffung der Roaming-Gebühren bis 2017 gestimmt. Wunderbar, wenn ich mir keine Gedanken mehr über meine Telefongebühren machen muss, ob ich nun zu Hause, in Italien oder Frankreich bin. Da steht doch einer nahezu grenzenlosen Kommunikation mit unseren europäischen Nachbarn quasi nichts mehr im Weg und vielleicht klappt es dann auch mit der Verständigung bei den ganz großen Themen besser. Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass da einige sinnvolle Dinge passieren, ganz ohne mein Zutun und manchmal scheinbar der Zeit voraus. Vielleicht ist das mit Europa doch besser als sein Image.
„Roots & Flügel“
Mellow Mark`s neues Album „Roots & Flügel“ ist da- starke Reggae/ Hip Hop Songs mit unbequemen Inhalt. Mellow Mark bleibt seinen politischen Wurzeln treu und singt massiv gegen soziale Missstände an. Für ihn sind Menschen unterschiedlichster Herkunft und Glaubensrichtungen eine Familie, diese Botschaft trägt er in die Welt. Und ich finde, in dieser Zeit, wo neue Feindbilder aufgebaut werden, rassistische Übergriffe wieder stark zunehmen und Stimmung gegen Asylsuchende gemacht wird, ist das ein sehr wichtiges Bekenntnis. Jedes zehnte Kleinkind wächst laut „heute“- Journal weltweit in Kriegsgebieten auf und wir haben Angst um unseren Wohlstand, wenn Flüchtlinge unsere Hilfe suchen. Also, Zeichen setzen, die Fenster aufmachen und ganz laut Mellow spielen!
Das Album gibt`s dort: http://www.mellowmark.de/shop
Und hier eine Kostprobe aus „Roots & Flügel“:
Seit ich ein Kind hab
Es gibt zu diesem Lied nichts mehr zu sagen, denn mit Christoph & Lollo mag ich mich sowieso nicht messen. Hört es euch an:
Mehr von genialen Texten auf ihrem neuen Album: Das ist Rock`n Roll
Härtet Eure Kinder ab!
Und ich meine damit nicht, sie, wie wohl in seltenen Regionen Russlands üblich, direkt nach der Geburt ins Eismeer zu tauchen. Nein, härtet sie dahin gehend ab, dass nicht nur sie Bedürfnisse haben, sondern auch ihr, die Eltern! Schleppt sie auf jedes Fest mit, zu dem ihr eingeladen werdet, nehmt sie zum Shoppen mit und auf Festivals. Wir haben das nämlich irgendwie total vergeigt und dauernd Rücksicht genommen. Die Kinder bleiben lieber zu Hause? Gut, dann nehmen wir einen Babysitter- ist ja sowieso stressfreier. Und überhaupt, die Woche ist schon so voll, da kann ich ja die eine kleine Unternehmung für mich auch noch streichen. Und was kommt dabei raus? Wenn ich jetzt zu meinen Kindern sage: „Ich möchte heute Abend auf das Straßenfest, das ist bestimmt ganz nett!“, schauen mir rollende Augen aus langen Gesichtern entgegen, deren Mündern ein ächzendes Stöhnen und ein „Och, Mann!“ entfährt. Es folgt eine mindestens dreißigminütige Diskussion, in deren Verlauf ich alle Register der Überzeugungskunst ziehen muss und mir jegliche Lust vergeht. Im Anschluss verfluche ich mich, den Abend nicht gleich ohne Kinder geplant zu haben. Aber, Mensch, das geht auch ins Geld und außerdem kann man ja auch mal was zusammen machen. Wenn wir es dann nach großem Streit und Tränen geschafft haben, das Haus zu verlassen, wird es meistens eine gute Sache. Aber die Nerven, die mich das gekostet hat, hätte ich mir gerne gespart. Also, in diesem Sinne, ein schönes Wochenende und macht auf jeden Fall etwas, auf das ihr „Großen“ Bock habt.
The search
Als kleines Mädchen gehörte ich zu jenen Kindern, die sich gerne bewegen, viel mehr, die Bewegung brauchen, um ihre Energie in die richtigen Bahnen zu lenken. Das führte dazu, dass ich im Laufe des Heranwachsens so allerlei Sportarten ausprobierte – von Rock`n Roll über Trampolinspringen bis hin zum Leistungsschwimmen. Es fand sich immer jemand, den ich für neue Aktivitäten gewinnen konnte. So diente der Besuch im Fitnessstudio neben dem unnachgiebigen Stählen des Körpers mindestens zu gleichen Teilen dem Austausch von nie versiegenden Neuigkeiten. Meine sportliche Erfolgsstory ging auch als Twenty weiter. Ich kannte alles, was es an Kursen gab – von Step Aerobic bis zu dem damals brandneuen Tae Bo. Sogar Yoga wurde schon hier und da angeboten, allerdings fand es auf Grund mangelnder Schweißproduktion nicht mein Interesse. Dann wurde ich schwanger und das Desaster nahm seinen Lauf. Nachdem ich mein Kind bis in den 7. Monat noch bei den akrobatischen Bodenteilen des Modern Dance kräftig durchgeschüttelt hatte, verabschiedete ich mich in eine kurze Babypause, um wenige Monate später frohen Mutes wieder zurück zu kehren. Es dauerte etwa 15 Minuten, in denen ich gegen das Verwechseln von rechts und links kämpfte, bis die Trainerin meinte, ich hätte ganz schön abgebaut und sollte wohl besser erst mal den Pilateskurs besuchen, um wieder in Form zu kommen. Hallo? Stilldemenz, schlaflose Nächte, kann ich da nicht auf ein bisschen Verständnis hoffen? Gut. Pilates also. Spaß macht das ja keinen, aber ich hielt eine Zeit lang durch, um wieder in Shape zu kommen. Aber eigentlich wollte ich wieder tanzen. Ich wurde älter und bekam noch ein Kind. Die Sehnsucht blieb. Kennt ihr diese eine einsame Mittdreißigerin, die zwischen euch Teenagern beim Jazztanz rumgehopst ist? Nein, ich war mir nicht zu schade, ich hab`s getan, ich habe einen Jazz Dance Kurs besucht – aber bin nie mehr hingegangen. Es fand sich ein anderer Kurs mit gleichgesinnten ehemaligen Primaballerinen, der aber wiederum so anspruchsvoll war, dass ich nicht mehr mitkam, funkte mir mal wieder ein Elternabend oder ähnliches dazwischen. Wer braucht denn in diesem anstrengenden Leben auch noch den Stress, beim Sport zu versagen? Ich ging nicht mehr hin. Das mit den festen Terminen für inzwischen in Betracht gezogene Yogakurse erwies sich als zunehmend schwierig und so beließ ich es irgendwann beim Joggen- zeitunabhängig, günstig, quasi überall praktizierbar – so, wie es für das Leben der arbeitenden Mutter kompatibel ist. Zufrieden? Nein. Die Zeit rückte unerbittlich voran, ich spürte, wie mein Glieder steifer wurden, meine Bauchregion allerdings eher nicht und so schien der Flyer eines bekannten Frauensportstudios wie für mich gemacht: Bauch weg in 4 Wochen. Ich hatte eigentlich nicht vor, mich jemals wieder in einem Fitnessstudio anzumelden, die Zeiten der Selbstkasteiung waren vorbei, aber war das nicht meine letzte Chance? Ich beschloss, mir ein Studio zumindest mal von innen anzusehen. Ein Anblick des Grauens. An den Geräten eine Armee von Arbeitern gegen den Verfall, im Bistro dekorativ postiert ein paar in die Jahre gekommener Botox-Barbies. Nein, nicht mit mir, dann doch lieber in Würde alt werden. Man kann nicht sagen, ich hätte es nicht versucht. Ich war dann noch mal in einem Tae Bo Kurs. Einfach um nicht einzurosten. Die 80er Jahre Beats dröhnten durch die Turnhalle und ich gab ein paar aus der Mode gekommener Aerobic moves zum Besten. Die Trainerin hatte sich ein langes Tuch als Stirnband um den Kopf gewickelt und ich kam nicht umhin, mich zu fragen, ob sie schon in der Menopause ist und deshalb vielleicht verstärkt schwitze. Ich habe durchgehalten, aber mal ehrlich- Spaß macht das keinen. Die Suche geht weiter.
Wo bist Du, Willi Wiberg?
Obwohl Gunilla Bergström Alfons Aberg, oder wie er bei uns heißt, Willi Wiberg, bereits 1972 erschaffen hat, habe ich ihn erst in jüngster Zeit entdeckt und bin froh darüber, dass seine Existenz nicht gänzlich an mir vorbei gegangen ist. Willi ist nämlich wunderbar. Willi lebt mit seinem Vater in einer Wohnung in der Stadt und durchlebt da vieles, was ein kleines Kind eben so durchleben muss. Und das sind nicht immer die großen Abenteuer, sondern Situationen des Alltages, denen er sich stellen muss – mit all seinen Enttäuschungen, dem Ringen um Fassung, der Wut, der Freude und dem Trotz. All die Dramen des Alltags, in denen wir uns wieder finden, vom „Nicht ins Bett gehen wollen“, über das „Nicht fertig werden“ oder „Alles sofort wollen“. Das könnte auch der Stoff für diese schrecklichen Kinderbücher mit pädagogischem Mehrwert sein, aber darum geht es Gunilla Bergström nicht. Sie zeigt den Zauber und die Magie dieser Situationen mit ihren klaren und reduzierten Illustrationen. Besonders gut gefällt mir das fast schon philosophische „Wo bist Du, Willi Wiberg?“, in dem sich Willi die Frage stellt, wo er zu Ende ist. Ist er auch die Luft, die er ausatmet oder ein Teil der Gedanken seines Freundes? Ein wunderbar kluges Buch und ein Gedankenspiel, das nicht nur Willi Spaß macht.
Für Kinder ab 4 Jahren
ISBN-13:978-3-7891-7756-9, Oetinger
Optimierte Kindheit
Dieser Tage flatterte mal wieder eine Einladung zu einem Kindergeburtstag ins Haus. Da stand geschrieben: Meinen Wunschzettel findest Du bei Amazon. Die vorangegangenen Einladungen enthielten den Hinweis auf den Geschenketisch beim ausgesuchten Spielwarenfachhandel, in der Art, wie man ihn sonst nur von Hochzeitseinladungen kennt. Neben dem altbekannten Gutschein scheinen dies momentan die beliebtesten Möglichkeiten zur Abwicklung von Wunschanfragen geladener Kindergeburtstagsbesucher(innen) bzw. deren Eltern zu sein. Eine wunderbare Sache, dachte ich anfangs erfreut, um auch wirklich das zu schenken, was das Kind sich wünscht. Es hat sich ja eben diese Sachen selbst ausgesucht. Bin ich doch selbst stets bemüht, unnötigen Krusch von zuhause fernzuhalten und die Flut von (unnützen) Geschenken zu minimieren. Aber irgendwann regte sich Widerstand in mir. Sollte nicht jedes Kind das Recht haben, etwas richtig Doofes geschenkt zu bekommen? Aber vielleicht auch etwas ganz Ungewöhnliches, was weder das Kind noch seine Eltern sonst entdeckt hätten und was vielleicht riesen Spaß macht? Ich denke, wir könnten es wagen, dieses Risiko einzugehen. Einfach mal so ganz die Kontrolle verlieren. Total crazy.
Es geschah an einem Sonntag…
Ich liebe es, sonntags, als eine Art Downer zum Abschluss des Wochenendes, TATORT zu gucken. Meist steige ich allerdings erst so gegen 21Uhr ein, wenn die Leiche bereits gestorben ist und die Ermittlungen ihren Verlauf genommen haben. Vorher bekomme ich die Kinder einfach nicht ins Bett. Als ich an jenem Sonntag mal wieder den Wettlauf gegen die stark voranschreitende Zeit antrat, brummelte ich vor mich hin: „Mist, jetzt fängt der Tatort gleich an.“ Mein neunjähriger Sohn erwiderte großzügig: „Du brauchst mir heute nichts vorlesen.“ Ich: „Du, das ist total lieb von Dir, aber ich muss ja Deinem kleinen Bruder noch vorlesen.“ Er (wörtlich): „Mama, knall Dich vor die Glotze, ich übernehme das!“ Tja, Kinder werden groß und so saß ich tatsächlich pünktlich zum Tatort Intro um 20.15h vor dem Fernsehen und freute mich ein Loch in den Bauch.
How to treat a model
Ich muss heute mal ein paar Sätze zu einem Thema schreiben, mit dem viele von Euch wohl gar nicht in Berührung kommen werden, manche aber vielleicht doch als Produktmanager oder Fachkauffrau/-mann im Marketing oder einem der vielen anderen Berufe, die mit Werbung zu tun haben. Es könnte nämlich eigentlich alles so einfach sein. Eins voraus: in den 15 Jahren, in denen ich intensiv mit Modellen zu tun habe, sind mir etwa drei echte Zicken untergekommen. Alle anderen Models haben einen guten, entspannten, professionellen Job abgeliefert. Manche Kunden haben das allerdings sicherlich anders gesehen. Und das liegt an der Einstellung mancher Auftraggeber. Sie zahlen viel Geld für ein Model und sind daher der Meinung, dass sie ihm alle menschlichen Bedürfnisse absprechen dürfen und das Model zu funktionieren hat. Wer selbst schon einmal vor einer Kamera gestanden hat, weiß, wie wichtig es ist, sich wohl zu fühlen. Das ist bei einem Model nicht anders, auch wenn es zu einem weit aus höheren Grad seine wahren Gefühle überspielen kann. Aber auch bei größter Professionalität gefriert das Lächeln irgendwann, wenn einem kalt ist, man Hunger hat, keine Pause bekommt und der Kunde ständig hinter vorgehaltener Hand tuschelt und unzufrieden schaut. Auf eine klare Ansage kann ein Model weitaus sinnvoller reagieren, als wenn sich Kunde und Fotograf hinter dem Bildschirm besprechen, ohne das Feedback weiterzugeben. Sollte das Model an sich nicht gefallen, sollte man es lieber nach Hause schicken und neu buchen, denn daran wird es nichts ändern können. Weiterlesen
Mein Spürbuch
Nina Pettenberg coacht Frauen in ihren „Mutterleicht erfüllt leben“- Workshops, sich und ihre Bedürfnisse zwischen all den Verpflichtungen als Mutter, Partnerin oder Karrierefrau wahrzunehmen und ihren Weg zu gehen. Da nicht jede Interessierte Zeit und Geld hat, ein Seminar zu besuchen, hatte Nina die Idee ein Workbook zu entwickeln, mit dem Frau auch zu Hause arbeiten kann. Ich durfte Nina`s Konzept grafisch umsetzen und so gestalten, dass die Arbeit mit dem Workbook auch optisch Spaß macht. Die Umsetzung hat so lange gedauert wie eine Schwangerschaft, aber jetzt ist das Baby geboren:
http://de.dawanda.com/shop/Mutterleicht-Nina-Pettenberg
Ein schönes Geschenk für Mütter, die sich ein bisschen Zeit für sich nehmen möchten, um mal genauer hin zu spüren, wie es ihnen gerade geht und um das ein oder andere wieder zurechtzurücken.

