Bestandsaufnahme

Ich möchte mich vorab bei Euch entschuldigen, dass dieser Beitrag nicht in den gewohnt kurzen Häppchen daherkommt, die ich sonst anzustreben suche. Denn meine eigene Aufmerksamkeitsspanne erschöpft sich online schnell durch allzu lange Texte. Aber diesmal muss ich etwas ausholen.

Manch eine(r) erinnert sich an die Kolumne „Mehr als 40“, aus der längst bei vielen von uns ein “Mehr als 50“ geworden ist und das zugegebenermaßen mit einigem Struggle. Ich selbst steuere gerade die Zielgerade zur 51 an. Zeit also zu hinterfragen, was sich in diesen letzten Jahren verändert hat. 

Da wäre festzustellen, dass mein so genannter Kulturbeutel deutlich an Umfang gewonnen hat. Neben diversen Cremes mit und ohne Lichtschutzfaktor, tummeln sich Pillen, Tropfen und Salben, manche unbedingt notwendig, andere für den Fall der Fälle in Zeiten einer gewissen Anfälligkeit für Eindringlinge jeglicher Art. Seit letztem Winter hat der Schal einen neuen Stellenwert in meinem Leben bekommen, gebar sich mein Hals auf einmal auch bei milderen Temperarturen und Fahrtwind sensibel. Wie ich das modisch lösen werde, weiß ich noch nicht, wollte ich doch niemals der Gattung der chronischen Halstuchträgerinnen zugerechnet werden. Meine Zähne werden schäbiger und dunkler und stehen damit im krassen Gegensatz zu all den gebleachten, perfekten Zahnreihen, die mich mehr und mehr umgeben. Zugegebenermaßen mutet es manchmal schon grotesk an, wenn ich bei meinem Gegenüber ausschließlich Zähne wahrnehme, weil sie so hell strahlen, aber ein wenig von ihrem Glanz würde ich gerne abbekommen. Das Smartphone hat sich unauffällig einen Rang in der Pole Position meines Lebens erobert, allem Gegensteuern zum Trotz. Bahnfahren, Wandern, Verabreden, Bezahlen, es hat sich auch an Detoxtagen unentbehrlich gemacht und so bemerke ich, wie ich viele dutzend Mal am Tag das Handy in die Hand nehme und prüfe, ob etwas in meinem Leben passiert sein könnte. Es liegt inzwischen zuhause am Esstisch ebenso wie am Tisch im Café mit Freundinnen, weil es immer etwas zu zeigen oder nachzusehen gibt. Dass wir Menschen uns so leicht unserer Freiheit haben berauben lassen, gefällt mir überhaupt nicht.

Und damit komme ich zu dem Punkt, der diesen Text etwas umfangreicher macht. Die Veränderungen im Außen schmecken mir weitaus weniger als die Zipperlein und Neurosen, die ich vielleicht in den letzten Jahren entwickelt habe. Letzthin musste ich beispielsweise mit Schrecken feststellen, dass man in einem bekannten schwedischen Möbelhaus, sowie bei einer französischen Sportartikelkette nur noch an Self-Service Kassen bezahlen kann. Bei neu eröffneten Supermärkten ist es sowieso schon gang und gäbe, dass auf Kassierer(innen) aus Fleisch und Blut verzichtet wird. Totschlagargument ist stets der Personalmangel. Aber wie diskriminierend ist das bitte? Ob für alte Menschen, Menschen mit Behinderung, einsame, überforderte oder altmodische wie mich. Das Gegenteil von Inklusion und einfach schrecklich. Schön, dass zumindest wenige Supermärkte, extra so genannte „Plauderkassen“ eingerichtet haben, damit das Zwischenmenschliche nicht vollkommen verloren geht. Ein kurzer Schnack, ein freundliches Lächeln und schon sieht der Tag anders aus. Ich mag das. Zugegebenermaßen erlebe ich leider in jüngster Zeit vermehrt Begegnungen der anderen Art, gereizt und konfrontativ, weil die Menschen am Anschlag zu sein scheinen. Manche Restaurants weisen sogar mit Schildern darauf hin, man möge dem Personal freundlich begegnen, weil man vielleicht sonst noch die wenigen Menschen vergrault, die den Job überhaupt noch machen wollen. Was läuft da falsch? 

Ich denke, wir Menschen sind überfordert von dem Tempo und der Komplexität dieser Zeit. Es tut uns nicht gut, von Informationen und Schreckensmeldungen überflutet zu werden, aber auch von Werbung, die uns suggeriert, wie wir sein sollen, was wir tun müssen und welchem Ideal wir zu entsprechen haben. Ich unterstelle den Big Playern, dass es sich um reines Kalkül handelt, die Menschen dazu zu bringen, sich um Shopping, Beautyroutinen und Nahrungsergänzungsmittel zu drehen, damit sich unser Hirn nicht mit Wichtigem beschäftigen kann. Mit dem, was wir wollen, was uns guttut und was auf dieser Welt verdammt schiefläuft. Sonst würden wir vielleicht endlich dafür sorgen, dass Social Media nicht mehr von wirtschaftlichen Interessen gesteuert wird, sondern im Sinne einer Weltgemeinschaft. Das würde so viel verändern!

Auch bei mir hat sich eine große Müdigkeit eingeschlichen, mich mit Politik und Gesellschaft auseinanderzusetzen. Dabei ist es wichtiger denn je, sich nicht taten- und willenlos von diesem Strudel mitreißen zu lassen, sondern sich gegen diese Entwicklungen zu wehren. Ich finde sie jedenfalls weitaus schlimmer als all meine Falten und Beulen, die in den letzten zehn Jahren dazugekommen sind. Bei einer Freundin ist mir das Buch „Du sollst nicht funktionieren“ von Ariadne von Schirach in die Hände gefallen, erstaunlicherweise schon 2014 erstmals veröffentlicht. Ich habe mich sehr wiedergefunden mit vielen Themen unserer Zeit, wie beispielsweise dem Appell, sich zu empören. Nicht abzustumpfen und zu resignieren. Aber auch damit, wie die Autorin schildert, was die Entwicklung mit Fokus im Außen mit jedem einzelnen und somit auch mit unserer Gesellschaft macht. 

Ich könnte vom Hundertsten ins Tausendste kommen und verbleibe an dieser Stelle doch mit meinem Vorsatz, mit mehr Bewusstsein und weniger Schicksalsergebenheit durchs Leben zu gehen. Und mal sehen, wie dann eines Tages das Resümee zu „Mehr als 60“ ausfallen wird, so mir diese Zeit gegeben werden mag und ich diesen Blog noch fortführe.

Seid herzlich gegrüßt,

Eure Ella

You may say I´m a dreamer

Es wird dieser Tage wieder viel über Geld gesprochen, über den Bundeshaushalt und die Entscheidungen, wie der Kuchen aufgeteilt werden soll. Das Sondervermögen durchbricht diesmal das Prinzip, dass die Höhe der Einnahmen über die möglichen Ausgaben entscheidet. Und dass allein das Wirtschaftswachstum dafür verantwortlich ist, wie gut es uns geht. Und wehe dem, wenn es erneut stagniert oder gar zurückgeht. Mit Grabesmiene werden in den Nachrichten die Zahlen verlesen, die den Untergang unseres Wohlstands besiegeln. Ich könnte jedes Mal schreien. 

Denn, dass Wirtschaftswachstum gleich Wohlstand für alle bedeutet, hat sich schon längst als Milchmädchenrechnung entpuppt. Dass die Wirtschaft schon lange nicht mehr weiterwachsen sollte, bezeugt Jahr für Jahr der sogenannte Erdüberlastungstag, der in Deutschland erneut bereits Anfang Mai erreicht wurde. Ab diesem Tag schöpfen wir Ressourcen aus, die uns eigentlich nicht mehr zur Verfügung stehen. Sollte das nicht Grund genug sein für ein Umdenken in der Bewertung von Ökonomie? 

Die Idee der Postwachstumsökonomie ist nicht neu, bereits 2007 wurden erste Ideen dazu entwickelt. Die Notwendigkeit, das Wirtschaftssystem zu verändern, beruht auf der Tatsache, dass sich Wirtschaftswachstum und ökologische Schäden nicht entkoppeln lassen, so verlockend das klingen mag, wenn neue, grüne Technologien als Heilsbringer angepriesen werden. Es hat sich auch gezeigt, dass zunehmendes Wirtschaftswachstum weder zum Glücksgefühl des einzelnen führt noch Hunger und Armut weltweit bekämpft. Im Gegenteil, die Schere geht immer weiter auf zwischen den Superreichen und den Otto-Normalverbrauchern. 

Postwachstumsökonomie bedeutet nicht, auf alles zu verzichten. Es geht vielmehr um Entrümpelung des Zuviels. Wer kennt das nicht, dass zuhause Schränke, Keller oder Dachböden überquellen von Dingen, die sich nüchtern betrachtet oft als Ballast herausstellen? Oft wirkt es wie eine Befreiung, wenn man sich von Dingen trennt und dadurch Raum schafft. Raum für das, was einem wirklich wichtig und wertvoll ist. So kann das auch mit der Wirtschaft funktionieren: sich auf das Wesentlich konzentrieren, gute Produkte entwickeln statt ständig neuer Kollektionen. Statt unaufhörlich weiterzuwachsen zu müssen, solide wirtschaften. Damit das funktioniert, müsste jedoch die Politik umdenken und andere Anreize schaffen. So lange Neuverschuldung für Investitionen zum Erfolgskonzept gehört, ist es natürlich schwierig, mit dem zu planen, was bereits erfolgreich läuft. 

Natürlich bedarf es mehr für ein neues Wirtschaftsmodell, ein Umdenken im großen Stil, welches der Mensch im Allgemeinen leider nicht sonderlich schätzt. Mehr Regionalität, Reparaturen, Nachbarschaftshilfe, Tauschbörsen, u.v.m.

Seit Jahren warte ich auf den Politiker oder die Politikerin, die es wagt, auszusprechen, dass wir so nicht weitermachen können. Die eine Vision entwickelt, die Menschen mitreißt und dem Ende des Wachstums seinen Schrecken nimmt. Die aufzeigt, dass ein neues Wirtschaftsmodell Chancen bieten kann, unser Leben mit mehr Zufriedenheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu gestalten. Natürlich kann dies nicht von heute auf morgen passieren und ich höre die Aufschreie derer, die jegliche Möglichkeit zur Veränderung wegen des globalen Wettbewerbs niedermachen. Und die Aufschreie derer, die ihre Pole-Position nur ungern aufgeben wollen. Die Aufschreie derer, die lieber an Altbewährtem festhalten und die Augen verschließen. Ihnen entgegne ich:

You may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will be as one

(aus „Imagine“ von John Lennon, 1971)

#boycottQatar2022

Es gibt wahrlich Wichtigeres auf der Welt als Fußball. Die Proteste im Iran beispielsweise oder den Ukrainekrieg. Und doch hängt ja immer alles mit allem zusammen, ein Umstand, der richtiges Handeln und politische Entscheidungen im Allgemeinen so ungemein schwierig macht. Und irgendwie passt die WM in Katar gerade nur zu gut zur Politik unserer Bundesregierung.

Ich stolperte vergangene Woche in den Nürnberger Nachrichten über einen Artikel, dass laut Amnesty International etwa 15000 Arbeiter bei dem Bau der Sportstätten und dazugehörigen Gebäude für die Fußballweltmeisterschaft in Katar ums Leben gekommen seien. 15000! Für ein Sportfest. Das ausnahmsweise im November stattfindet, weil die Hitze sonst gar nicht auszuhalten wäre, in heruntergekühlten Stadien, passend zur Energiekrise.

Aber die Katarer haben ja Geld und Gas genug, um FIFA wie Wirtschaftsminister gleichermaßen zu beeindrucken. Dass sich Habeck deshalb vor geraumer Zeit dazu veranlasst sah, vor dem katarischen Energieminister in die Knie zu gehen, weil er die irrwitzige Idee zu haben schien, Energiegeschäfte mit Katar seien moralisch irgendwie vertretbarer als Gaslieferungen aus Russland, einfach unglaublich. Wie war das mit Pest und Cholera? Frauenrechte? Menschenrechte? Ach was. Binnen weniger Wochen nach Amtsantritt scheint Habeck all seine Überzeugungen begraben zu haben, natürlich mit besten Absichten, schließlich muss er die deutsche Wirtschaft retten.

Ja, die Wirtschaft, und dazu gehört eben auch die FIFA, gibt den Ton an. Und die verdient natürlich gerne Geld, weshalb wir uns noch immer ans Wirtschaftswachstum klammern als wäre es das Allheilmittel, die Garantie für den Erhalt unseres Wohlstands. Aber wessen Wohlstand erhält es? Und wie soll das eigentlich funktionieren mit dem ständigen Wachstum? Was ist mit dem Earth Overshoot Day, jenem Tag, der daran erinnert, wann die Welt die Ressourcen, die ihr für ein Jahr zur Verfügung stehen, bereits verbraucht hat und der bereits im Juli erreicht war? Bei der Vergabe 2010 war es natürlich noch nicht so populär, grün zu denken. Sonst hätte man die WM vielleicht an einem Ort ausgetragen, an dem bereits Spielstätten weitestgehend vorhanden gewesen wären und die klimatischen Verhältnisse besser gewesen wären. Andererseits wusste man ja auch von den Problemen mit den Menschenrechten, von Diskriminierung, politischer Verfolgung und unhaltbaren Arbeitsbedingungen. Wie naiv von mir. Ich jedenfalls bekomme das nicht zusammen mit dem steten Wachstum und dem Retten unseres Planeten. Scheint gerade alles nicht mehr so wichtig zu sein.

Ich wünschte mir jedenfalls sehr, dass ein Herr Habeck oder Herr Scholz aussprechen würde, dass die Energiekrise zwar Scheiße ist, wir aber sowieso nicht mehr so weiter machen können wie bisher, anstatt kniezufallen und auch noch Saudi-Arabien Waffenlieferungen zu genehmigen, damit sie uns, wenn wir nur nett genug sind, mit Energie versorgen. Das ist doch, gelinde gesagt, zum Kotzen. Egal, woher die Energie kommt, wir verbrauchen zu viel, weil wir zu viel produzieren und konsumieren. Ich weiß, dass man in einer globalisierten Welt nicht einfach so aussteigen kann. Aber es bedürfte doch wenigstens Visionen für eine langfristige Umgestaltung der Wirtschaft. Wir sind am Ende einer Sackgasse. Jetzt braucht es gute Ideen, wie es anders gehen kann, anstatt die eigenen Werte zu verraten und zu versuchen, den Status Quo um jeden Preis zu wahren. Da hatte ich an die Bundesregierung zugegebenermaßen schon eine andere Erwartungshaltung als an die FIFA.

Wenn es um die eigenen Interessen geht, scheint jedenfalls so ziemlich alles egal zu sein, ob beim Fußball oder in der Politik. Wir können nur zeigen, dass wir das nicht wollen. Im Fall der FIFA, indem wir den Verband dort treffen, wo es ihm wehtut. Beim Geld verdienen. Auch wenn das meiste diesmal vermutlich schon im Vorfeld durch Lizenzen und Übertragungsrechte verdient wurde, müssen wir diese WM boykottieren, damit es nicht noch einmal zu solch einer Vergabe kommt. Wir haben dann eine Stimme, wenn wir viele sind. Bis jetzt ist die Anzahl der Protestaufrufe noch sehr überschaubar, aber es beteiligen sich viele Fußballfanclubs und deren Mitglieder schauen bekanntlich besonders gern Fußball. Ich werde jedenfalls verzichten, auch wenn ich sonst immer mit Leidenschaft dabei bin. Passt doch irgendwie zu diesem Winter, in dem wir uns gerne den Arsch abfrieren, um Putins Krieg nicht zu finanzieren.

Ach, und Herr Habeck, wären Sie mal lieber Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft geworden. Sie haben echt einen Scheißjob gerade.

Es gibt viele gute Gründe, diese WM zu boykottieren. Macht mit! Nachlesen könnt ihr einiges davon unter:

https://www.boycott-qatar.de/aufruf/

Warum Querdenker manchmal auch Putin verstehen – Folgen der deutschen Corona Politik

Ich habe eine sehr enge Freundin, die bald zu Beginn der Coronapandemie begann, mit den Maßnahmen der Regierung zu hadern. Durch eine schwere Erkrankung zu einer Pause vom Alltag gezwungen, fand sie viel Zeit, sich dem Thema Pandemie zu widmen, es ließ sie kaum noch los, wie ich bei unseren Telefonaten bald merkte. Ich konnte nur zu gut verstehen, dass sie es furchtbar fand, dass ihre noch kleinen Kinder das Schulleben mit Masken und Abstandsregeln kennenlernen mussten, anstatt unbeschwert diesen neuen Lebensabschnitt erproben zu können. Auch, dass sie bei einem neu entwickelten, genetisch veränderten Impfstoff nicht in der ersten Reihe stehen würde, war keine Überraschung. Wer in einem Elternhaus aufwächst, das eher alternativen Heilmethoden als der Schulmedizin vertraut, der ändert seine Weltanschauung nicht von heute auf morgen. Was uns bald unterschied, war, dass ich bereit war, Fehler der politischen Entscheidungsträger mit der vollkommen neuen, schwer einschätzbaren Situation zu entschuldigen, während bei ihr das Misstrauen wuchs. Und so erging es nicht nur ihr, wie ich vor kurzem in einer Umfrage erfuhr.

Demnach hält ein gutes Drittel seiner Bevölkerung Deutschland für eine Scheindemokratie. Ein erschreckendes Ergebnis, an dem mit Sicherheit die Corona-Politik der Bundesregierung und leider auch die sogenannten „Mainstreammedien“ nicht ganz unschuldig sind. Es war ein schwerwiegender Fehler, von Beginn an Menschen mit anderen Ansichten oder auch nur Zweifeln an den Maßnahmen der Regierung in eine Ecke zu stellen und aus der öffentlich-rechtlichen Meinung zu verbannen. Anstatt sich ausführlich zu erklären, das Bemühen zu bekräftigen, bestmöglich zu handeln, ohne Irrtümer ausschließen zu können, weil unsere moderne Welt erstmalig mit solch einer Situation konfrontiert war, tat die Regierung so, als sei ihr Weg der einzig richtige und duldete wenig Widerspruch. Gebetsmühlenartig wurden die Aufforderungen zur Impfung wiederholt, ohne auch nur einen der Zweifelnden zu erreichen. Und die Medienlandschaft folgte ziemlich einstimmig. Dabei hätte die Regierung versuchen müssen, mit Argumenten zu überzeugen, anstatt andere Meinungen als unerwünscht abzustempeln. Denn die Entwicklung, die so ins Rollen gebracht wurde, lässt sich jetzt nicht mehr stoppen.

Alle, die mit ihren Ängsten und Ansichten von den klassischen Medien übergangen wurden, haben andere Kanäle gesucht und gefunden. Und bei vielen ist die Überzeugung gewachsen, sie würden von den „Mainstreammedien“ sowieso nur belogen oder Informationen würden sogar im Sinne der Regierung zurückgehalten. Was wiederum bedeutet, dass inzwischen nicht nur Informationen zu Corona in Frage gestellt werden, sondern auch zu ganz anderen Themen, wie das Phänomen der neuen Putinversteher*innen zeigt. Viele Menschen haben so ein Misstrauen entwickelt, dass sie generell alle Informationen anzweifeln und uns eben solch einer Propaganda ausgesetzt sehen, wie wir sie Putin vorwerfen. Eine tragische Entwicklung, denn die neuen Kanäle nutzen ihre Macht. Verrückt? Bedingt. So wie die meisten von uns dem Einfluss der Algorithmen der Mainstreamfilterblase unterliegen, finden andere in ihrer Blase die immer gleichen Informationen, die sie in ihrer neuen Weltauffassung bestärken. Und hat man diese Brille erstmal auf, lässt sich vieles umdeuten, was zuvor völlig normal erschien.

Nun könnte man es sich leicht machen und die Ansichten dieser Menschen als Verschwörungstheorien abtun. Aber so einfach ist es nicht. Denn es stellt sich eben auch mal heraus, dass unpopuläre wissenschaftliche Erkenntnisse der „Querdenkerszene“ doch nicht so falsch waren, wie anfangs dargestellt, wenn sie Monate später in den klassischen Medien erscheinen, wodurch sich wiederum Nutzer*innen alternativer Medien in ihrem Misstrauen betätigt fühlen. Es ist eben nicht alles falsch an den Bedenken gegenüber den Maßnahmen der Regierung gewesen, wie sie von verschiedenen Kinderärzt*innen, Psycholog*innen und Wissenschaftler*innen vorgebracht wurden. Von Menschen, die keineswegs Corona leugneten, sondern Angst vor unbekannten Impfnebenwirkungen hatten, die dachten, dass die Maßnahmen schlimmere Spätfolgen für die Gesellschaft haben könnten als der Tod schwer erkrankender Menschen oder von Frauen, die schlichtweg Sorge um ihre ungeborenen Kinder hatten. Diese vollkommen unterschiedlichen Menschen wurden schnell unter dem Begriff Querdenker zusammengefasst, anstatt sich mit ihren individuellen Beweggründen gegen eine Impfung auseinanderzusetzen und sie vor allem ernst zu nehmen.

Als halbwegs sorgloses Mitglied des Mittelstandes fällt es im Allgemeinen nicht schwer, mit den politischen Entscheidungen unserer Regierung mitzugehen. Es gefällt uns nicht alles, man motzt mal hier und da, aber solange man nur bedingt an die Grenzen seiner persönlichen Freiheit und Möglichkeiten stößt, lasst es sich sehr gut in diesem Deutschland leben. Wer dagegen immer wieder an Grenzen stößt, wessen Lebenssituation sich nicht verbessert, obwohl er oder sie sich abstrampelt, egal wer gerade an der Regierung ist oder wer sich- wie in der Pandemie- zu Maßnahmen gezwungen sieht, die ihm zutiefst widerstreben, beginnt allerdings, seinen Blick zu verändern. Er oder sie ist nicht mehr bereit, Fehlentscheidungen zu verzeihen, sondern merkt sich nicht eingehaltene Versprechungen, persönliche Bereicherung von Politiker*innen, Lügen und Täuschung. Und hält Deutschland vielleicht am Ende sogar für eine Scheindemokratie, als Ausdruck der eigenen Ohnmacht, nichts an der gegenwärtigen Situation verändern zu können.

Es ist eine Mammutaufgabe für unsere Demokratie, dies wieder zu verändern. Sich auf gemeinsame Werte und Erfahrungen zu besinnen und wieder Vertrauen aufzubauen. Wieder einen gemeinsamen Weg zu finden, weg vom Schwarz und Weiß, Gut und Böse, richtig und falsch. Die Perspektive des anderen einzunehmen, um seine oder ihre Wahrheit zu verstehen und darüber reden zu können. Die Algorithmen der Sozialen Medien müssten endlich so verändert werden, dass allen Menschen alle Informationen zur Verfügung stehen und nicht nur die, die sie in ihrer Meinung bestätigen. Dafür bedürfte es aber ganz neuer Geschäftsmodelle. Solange Zeit Geld bedeutet und User an den Geräten gehalten werden müssen, werden die Firmen uns immer vorsetzen, was wir lesen wollen.

Vor einiger Zeit haben meine Freundin und ich wieder telefoniert. Es war anstrengend, wir haben diskutiert und gerungen, bei manchen Themen Konsens gefunden, bei anderen ging kein Weg zusammen. Aber nur so wird es gehen. Hinterfragen, überzeugen, auseinandersetzen. Vielleicht muss unsere Gesellschaft wieder lernen, zu diskutieren und es auch aushalten, wenn man nicht zusammenkommt. Hauptsache im Gespräch bleiben- das haben wir beiden uns ganz fest vorgenommen.

Mehr fällt Ihnen nicht ein, Frau Esken?

Nachdem seit Ausbruch der Corona-Pandemie von den verantwortlichen Kultusministerien nichts, was auch nur im Ansatz einem Konzept ähnelte, zum Thema Präsenzunterricht unter pandemischen Bedingungen entwickelt wurde, habe ich schon seit einiger Zeit darauf gewartet, dass – als einfachste aller Lösungen- von der Politik eingefordert würde, dass Schüler*innen einfach geimpft werden sollten. Klar, dieses Allheilmittel ist inzwischen gut eingeführt, die Verteilung funktioniert und kostet vermutlich weitaus weniger als Belüftungsanlagen in allen Räumen, das Einstellen zusätzlicher Lehrkräfte und das Anmieten weiterer Räume.

SPD-Chefin Saskia Esken war es nun, die der Ständigen Impfkommission dringend anriet, endlich eine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche auszusprechen. Tut sie aber (zumindest vorerst) nicht, wie die Stiko heute klarstellte und sich die Einmischung von Seiten der Politik verbat. Bislang empfiehlt sie Impfungen nur für Kinder und Jugendliche mit bestimmten Vorerkrankungen, weil in diesem Fall die Risiko-Nutzen-Abwägung in einem ganz klaren Verhältnis steht. Dies tut es aber bei unvorbelasteten Kindern nicht unbedingt. Ein Kind sollte weder geimpft werden, damit es einfacher mit seinen Eltern in den Urlaub fahren kann, noch, weil dadurch der Schulbetrieb ohne weitere Mühen aufrechterhalten werden kann. Es sollte geimpft werden, wenn die Wahrscheinlichkeit einer schweren Erkrankung so hoch ist, dass sie die Risiken einer Impfung rechtfertigt. Und genau das kann die Stiko so noch nicht eindeutig verkünden, da sie noch nicht genug Daten darüber sammeln konnte, wie gefährlich die neue Delatavariante für unsere Kinder ist.

Also, liebe Frau Esken und Co, bleiben Sie mal bei Ihren Leisten und überraschen uns mit einem gelungenen Konzept. Unabhängig von der persönlichen Entscheidung von Eltern und Schüler*innen. Das würde bestimmt auch Eindruck für die nächste Bundestagswahl machen.

Fast-forward

Als ich 2005 Mutter wurde, hätte ich mir nie vorstellen können, in welchem Ausmaß sich unser Leben in den nächsten fünfzehn Jahren verändern würde. Die Entwicklung dahingehend, dass unser Leben so massiv von den digitalen Medien bestimmt sein würde, war für mich noch ganz weit weg und ein Stillstand des bisherigen Lebens, wie wir ihn durch Corona erleben, sowieso jenseits aller Vorstellungskraft. Aber auch die unmittelbaren Auswirkungen, die der Klimawandel auf unser Leben haben würde, schienen mir irgendwo in fernerer Zukunft zu liegen. Und jetzt haben all diese Entwicklungen unser Leben und vor allem das unserer Kinder bereits mit voller Wucht getroffen.

Es fällt mir inzwischen wirklich mehr als schwer, ruhig zu bleiben, wenn jemand beiläufig fallen lässt, es wäre ja nicht schlecht, wenn bei uns durch den Klimawandel der Sommer etwas wärmer würde. Ein Mensch, der so etwas äußert, kann schon lange nicht mehr durch einen deutschen Wald gewandert sein oder er muss bei der Wahl seines Ausflugsziels viel Glück gehabt haben. Denn dort herrscht inzwischen vielerorts Kahlschlag- sei es, weil die Fichten bereits vom Borkenkäfer befallen sind oder dem vorgebeugt werden soll, sei es, weil die ausgetrockneten Buchen bei stärkerem Wind einfach in der Mitte auseinanderbrechen oder, weil der Wald zugunsten vermeintlich resistenterer Sorten umgebaut wird. Die sogenannte Naherholung tut manchmal im Herzen weh. Den Wald, wie wir ihn kennen, wird es schon bald nicht mehr geben. Und dieser Anblick hat in mir mehr bewegt als alle Fridays for Future Demos der letzten Jahre.

Auch diese Bewegung ist in weiten Teilen Corona zum Opfer gefallen, dabei ist es so notwendig, sich weiter für den Klimaschutz einzusetzen. Aber wieso sollte es den Jugendlichen anders gehen als uns Erwachsenen. Corona macht müde und sich online zu treffen, ersetzt eben kein persönliches Gespräch, das gemeinsame Entwickeln von Ideen und den Austausch von Energie. Ich empfinde ein tiefes Bedauern, welchen Herausforderungen sich die heranwachsende Generation und damit auch meine Kinder stellen müssen und wie alleine gelassen sie damit sind. Denn unserer Generation und den Vorangegangen scheint nicht wirklich daran gelegen, etwas zu verändern. Zu groß ist die Angst vor dem Verlust, Teilen wird schnell als Enteignung abgewehrt, Verzicht als Bevormundung und Einbüßen von Freiheit und Individualität aufgefasst. Wie zuletzt mal wieder die Äußerungen Anton Hofreiters ( und der darauf folgende Shitstorm) zeigte, dass Einfamilienhäuser unter ökologischen Aspekten nicht sinnvoll seien. Anstatt darüber nachzudenken, ob in seinen Aussagen nicht auch Wahres enthalten sein könnte, entfachte sich ein Sturm der Entrüstung. Gegen Flächenfraß sind ja viele, aber nicht, wenn Maßnahmen die eigene Entfaltung einschränken.

Meine ganze Hoffnung ruht auf unseren Kindern, die in eine ganz andere Welt hineinwachsen und für die es viel selbstverständlicher zu sein scheint, global zu denken und nicht nur an die eigenen Sicherheit. Weil eben nichts mehr sicher ist. Und weil sie gar keine andere Wahl haben, als für ihre Welt zu kämpfen. Für die es normal ist, zu „sharen“, anstatt zu besitzen, ob Auto, Sofa oder Bohrmaschine. Die sich schon früh in der Schule mit Müllvermeidung und Ökologie beschäftigen. Vielleicht schaffen sie es, die Rahmenbedingungen für ein nachhaltiges Leben durchzusetzen, bevor wir die Erde endgültig an die Wand fahren.

Seitdem ich angefangen habe, diesen Beitrag zu schreiben, ist einiges passiert, dass mich wieder etwas hoffnungsvoller stimmt. Joe Biden hat zum Online-Klimagipfel zusammengetrommelt und sich zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens bekannt. Die CDU/CSU hat sich im Ränkespiel um den Kanzlerposten so demontiert, dass eine grüne Bundeskanzlerin auf einmal keine wirre Zukunftsvision mehr zu sein scheint. Ob im Falle des Falles am Ende der Koalitionsverhandlungen mit welcher Partei auch immer allzu viel Klimaschutz übrigbleiben würde, darf bezweifelt werden, aber erstmal wage ich wieder ein kleines bisschen Hoffnung, dass unsere Kinder doch noch etwas Unterstützung von Seiten der Politik erfahren könnten. Ohne klare Gesetze und Vorschriften zugunsten des Klimaschutzes wird es nicht gehen. Das mit der Freiwilligkeit und der menschlichen Vernunft funktioniert ja bekanntermaßen eher mangelhaft.

Heute ist Sonntag. Vielleicht unternehmt ihr noch einen kleinen Ausflug ins Grüne. Die Natur beginnt gerade wieder zu explodieren und dringt mit ihrer Kraft und Schönheit geradewegs in unsere Herzen. Braucht es mehr Worte? Gesagt ist eigentlich schon lange alles.

Frohe Ostern (im Ernst?)

Die Umstände sind deprimierend, dennoch freue ich mich auf Ostern. Nicht, dass wir auf Malle am Strand lägen. Nein, nicht mal ein paar bescheidene Tage auf einem Campingplatz in der Fränkischen sind uns vergönnt. Aber am Sonntag feiern wir das Ende unserer Fastenzeit. Ich werde genussvoll in ein Stück Käse beißen und dem Anlass entsprechend ein ganzes Frühstücksei vertilgen. Bis vor zwei Wochen war alles fein mit meinem temporären Veganertum. Ich backte mir freudig einen Kuchen, wenn ich Appetit darauf verspürte und verzichtete frohen Mutes auf den Käse auf der Pizza. Bis ich dem nichtveganen Teil der Familie eines Tages erst ein Rührei und dann Käsespätzle zubereitete. Da war sie mit einem Mal geweckt, die Gier, und lässt sich seitdem nur noch unter Aufbietung all meiner Kräfte im Schacht halten. Ich musste mir eingestehen, dass der Weg zur Heiligen noch sehr weit und steinig ist.

Naja, zumindest geht der Plan mit dem coronaunabhängigen Highlight auf. Zum Glück, denn alles andere sieht gerade wirklich trostlos aus. Der Frust steigt allerorten und es fällt wirklich schwer, noch Verständnis dafür zu haben, dass die Regierung ein Jahr nach Beginn der Pandemie noch immer dieselben teils hilflosen, teils willkürlichen Maßnahmen ergreift wie zu Zeiten ihres Ausbruchs. Und das trotz zahlreicher Versprechen, dass Öffnungen wieder möglich würden, wenn erst mehr geimpft, getestet und die AHA Regeln umgesetzt würden.

Als wir vor einigen Wochen das Schreiben von der Schule mit der Einverständniserklärung für die Testung bekamen und klar war, dass diese freiwillig ist, musste ich erstmal lachen. Testen macht zweifellos nur dann Sinn, wenn es alle tun und nicht etwa 10% einer Klasse. Darauf könnte „man“ aber auch kommen, bevor man sowas einführt. Klassenleiter*innen können sicherlich ein Lied davon singen, wie zuverlässig sie Schreiben an Eltern zurückbekommen, vor allem an Schulen, an denen die meisten nicht einmal zum Elternabend erscheinen. Schwamm drüber, wurde ja jetzt nachgebessert. Astrazeneca, der nächste Running gag. Wer des Galgenhumors mächtig ist, hat gerade so einiges zu lachen. Alle anderen schon lange nichts mehr.

Eine meiner Freundinnen fragte mich neulich, warum ich dann alles so hinnähme, wenn ich mit vielem nicht einverstanden sei. Meine schlichte Antwort lautete:“ Weil ich immer noch daran glaube, dass unsere Regierung versucht, es richtig zu machen.“ Auch, wenn sie dabei viele Fehler macht. Das ist vermutlich der größte Unterschied zwischen Verschwörungstheoretikern und Kritikern. Die einen vermuten etwas Großes, Böses hinter den Maßnahmen, die anderen kritisieren (berechtigterweise) eine gewisse Unfähigkeit des Führungspersonals. Zum Glück darf man das inzwischen offener äußern, ohne direkt in eine Schublade gesteckt zu werden. Ich befürchte jedenfalls, dass wir langsam Wege einschlagen müssen, bestmöglich mit dem Virus und seinen zahlreichen noch auf uns zukommenden Mutanten zu leben. Und wenn irgendetwas dran sein sollte, dass Abstand halten, Maske tragen, Hände desinfizieren, Impfen und Testen helfen, dann sollte man auch Dinge wieder ermöglichen, bei denen diese Hygienemaßnahmen umgesetzt werden können.

Damit es auch wieder andere Highlights im Leben gibt als ein Frühstücksei… 

In diesem Sinne, lasst Euch nicht unterkriegen!

Eure Ella

Das Lieferkettengesetz – ein mehr als wichtiger Schritt gegen die Gleichgültigkeit

Lieferkettengesetz-Motiv_Allgemein_quer_sRGBDer Glaube an das Gute in dieser Welt und in der Politik im Speziellen wird einem ja häufig schwer gemacht. Dass sich Hubertus Heil, SPD, Minister für Arbeit und Soziales, und Entwicklungsminister Gerd Müller, CSU, dafür einsetzen, ein Lieferkettengesetz für die Wirtschaft durchzusetzen, ist da ein echter Lichtblick. Dies wäre ein so wichtiges Zeichen, dass es uns nicht egal ist, dass wir auf Kosten anderer leben, sondern Verantwortung dafür übernehmen, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen in aller Welt, die für uns und unseren Wohlstand schuften, zu verbessern und internationalen Standards anzupassen.

In dem Gesetz geht es darum, dass Unternehmen Risiken analysieren und wirksame Maßnahmen ergreifen müssen, damit es bei der gesamten Produktion nicht zu Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung kommt. Es kann dann beispielsweise nicht mehr billigend in Kauf genommen werden, dass immer noch Kinder auf Kakaoplantagen arbeiten oder durch die Textilindustrie Flüsse und Seen vergiftet werden. Dass Menschen aufgrund des Anbaus von Rohstoffen, die wir benötigen, sich keine Nahrung mehr leisten können oder der Wassermangel zunimmt. Außerdem soll es Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen die Möglichkeit geben, vor deutschen Gerichten Schadensersatzzahlungen bei Verstößen einzuklagen, wie es beispielsweise nicht möglich war, als die Textilfabrik Ali Enterprises 2012 in Pakistan abbrannte und 258 Arbeiterinnen ums Leben kamen.

Viele Beispiele und Zusammenhänge sind auf dieser Seite anschaulich aufbereitet: Fallbeispiele

Was wir nie hätten zulassen dürfen und es aber über Jahrzehnte getan haben, können wir jetzt vielleicht ein Stück weit korrigieren. Natürlich werden Produkte dadurch teurer werden und vielleicht geht es dann endlich in Richtung weniger kaufen , dafür aber hochwertiger. Und vielleicht fliegt dann ein T-Shirt für 4,99€ nicht mehr um die halbe Welt, wie ihr neben vielen anderen Infos mehr in dieser beeindruckenden Wissenssendung von Quarks sehen könnt.

Quarks: Der Kleiderwahnsinn und wie wir ihm entkommen können

Ich hoffe wirklich sehr, dass das Lieferkettengesetz verabschiedet wird, ohne vorher noch weichgespült zu werden. Wer dergleichen Meinung ist und die Petition für das Gesetz unterschreiben möchte, findet den Link hier: Petition zum Lieferkettengesetz

Corona, Homeoffice und mehr

So, jetzt hat es uns erwischt, Corona und das Maßnahmenpaket. Ab Montag werden viele Eltern kleiner Kinder an den Rand ihrer Belastbarkeit gebracht werden, ohne helfende Großeltern und Kinderbetreuung, soweit nicht ein verständnisvoller Arbeitgeber spontan die Kinderbetreuung vor Ort organisiert hat. Wer in der Vergangenheit einmal versucht hat, mit kleinen Kindern von zu Hause aus zu arbeiten, weiß, wie gut das funktioniert. Nämlich oft gar nicht. Weil Kinder ausgerechnet dann nie Mittagsschlaf halten, wenn sie sollen und schlichtweg beschäftigt und umsorgt werden müssen. Für Homeoffice bleibt vor allem der Abend, wenn die lieben Kleinen endlich schlafen und auch die Eltern eigentlich schlafen müssten, um den nächsten Tag gut zu überstehen.

Eltern größerer Kinder haben da weniger Sorgen, außer dass sie spätestens nach dieser Phase vermutlich internet-, social media und spielsüchtige Teenager haben werden. Der Alltag lässt sich dafür ganz gut regeln. Dass das mit der Online Versorgung mit Unterrichtsmaterial klappen wird, bezweifeln Lehrer*innen wie Schüler*innen, zu oft schon haben die Systeme in der Vergangenheit nicht funktioniert, weil sie überlastet waren. Die Digitalisierung an den Schulen wird der Virus definitiv um Lichtjahre vorantreiben. Fieberhaft wird an Lösungen gearbeitet, wozu es sonst Ewigkeiten bedarf. Möchte man der Pandemie etwas Positives abgewinnen, könnte dies ein Punkt sein.

Ein anderer betrifft den Klimaschutz. Die Maßnahmen, die dieser Virus innerhalb kürzester Zeit einfordert, beispielsweise das Einstellen eines Großteils des Flugverkehrs, konnten alle Fridays vor Future Demos im vergangenen Jahr nicht bewirken. Die Welt bemerkt die Verletzlichkeit der Globalisierung und besinnt sich wieder auf Produktionen in der Heimat. Welche Effekte das auf das Klima haben wird, werden Wissenschaftler*innen uns sicher bald mitteilen können.

Die Folgen für die Wirtschaft, die Großen wie die kleinen Einzelkämpfer*innen mag man sich gerade nicht vorstellen und dass Wirtschaftsminister Peter Altmaier verspricht, dass Staatssäckel sei so gut gefüllt, dass Vater Staat alle Unternehmen so lange pampern wird, bis die Krise vorbei ist, halte ich schlichtweg für naiv. Das mag einen Monat funktionieren, aber sicher nicht ein Jahr. Aber nett gemeint, danke!

Besser wäre es gewesen, wenn die Politik sich rechtzeitig um den seit vielen Jahren bekannten Fachkräftemangel in Krankenhäusern gekümmert hätte. Etwa 17000 Pflegestellen sollen momentan nicht besetzt sein, das Krankenhauspersonal arbeitet schon lange an den Grenzen seiner Belastbarkeit und darüber hinaus und soll jetzt noch diese Pandemie stemmen. Corona zeigt gnadenlos Schwächen auf und stellt uns erstmals vor eine Situation, die wir sonst nicht kennen: die völlige Unplanbarkeit des Lebens. Wir alle können nur abwarten, was als nächstes passiert und hoffen, das Richtige zu tun.

Soweit ein paar Gedanken von mir. Wenn ihr Lust habt, schreibt mir, wie ihr den Alltag bewältigt, mit welchen Problemen ihr kämpft, von euren Sorgen und Gedanken! Vielleicht findet ihr ja etwas Zeit beim Homeoffice 😉

Eure Ella

Kasperltheater

horstundmarkus2Ich fühle mich ja durchaus boarisch, auch wenn ich von Grund auf Fränkin bin und beides zeitgleich eigentlich nicht geht. Das ist wie Köln und Düsseldorf, entweder oder. Aber als Kind preußischer Eltern bin ich wohl doch zu kosmopolitisch erzogen, um das so genau zu nehmen. Mit was ich in Bayern aber echt nicht klar komme, sind seine Ministerpräsidenten. Da war dieser rotgesichtige Grantler Strauß, als ich zur Welt kam und der mir gleich völlig suspekt war. Zur Amtszeit Max Streibls war ich mit anderem beschäftigt, wunderte mich dann aber schwer über unseren nach Worten ringenden Edmund. Tja, der Günther hatte ja nur ein kurzes und eher blasses Gastspiel und dann kam schließlich uns Horst, der jede Woche mit Inbrunst Neues und Gegensätzliches verkündet und eigentlich besser schweigen sollte. Er trägt den Geist des königlichen Bayerns nach Berlin. Und jetzt kommt auch noch Markus daher und will mitspielen. Den habe ich ja schon ganz lieb. Ich habe letztens eine Karikatur über den Wahlkampf zwischen Hillu und Trump gesehen, die deren Wahl mit der zwischen Pest und Cholera verglich. So weit würde ich in diesem Fall vielleicht nicht gehen. Aber den Vergleich mit der Wahl zwischen Herpes und Fußpilz fände ich durchaus treffend.