Kinderbuchtipp: Die besten Freunde der Welt

Die besten Freunde der Welt„Die besten Freunde der Welt“ von Ute Wegmann ist ein wunderschönes Buch über die Freundschaft zwischen dem supersportlichen Fritz und dem Superbrain Ben, der wegen eines Herzklappenfehlers als Baby von seiner Mutter in Watte gepackt wird und nichts tun darf, was seiner Gesundheit gefährlich werden könnte. Und das ist so ziemlich alles, was Spaß macht. So darf Ben auch nicht am Schwimmunterricht teilnehmen, obwohl er wahnsinnig gerne das Seepferdchen machen würde. Stattdessen sitzt er am Beckenrand und schreibt Gedichte, wie das Großartige über den Busen, entstanden, nachdem er eine Seniorengruppe bei der Aquagymnastik beobachtet hat. Herrlich! Fritz versucht schließlich, seinem Freund heimlich das Schwimmen beizubringen, gar nicht so leicht bei jemandem, der sogar Angst vor einem Schaumbad hat. Ein großes Abenteuer für die so ungleichen Jungen, die vielleicht gerade deshalb die besten Freunde der Welt sind.

„Die besten Freunde der Welt“ von Ute Wegmann

Verlag: dtv Reihe Hanser  ISBN: 978-3-423-62585-2

Altersempfehlung: ab 6 Jahre

Buchtipp: „Was nie geschehen ist“

Was nie geschehen istDie meisten von uns haben vermutlich Phasen durchlebt, in denen das Verhältnis zu den Eltern oder einem Elternteil belastet war und eine echte Verständigung kaum möglich war, weil die Wahrnehmung zu weit auseinander gegangen ist. Manchmal führt das sogar zum Kontaktabbruch. Nichterfüllte Erwartungen, Sehnsüchte, Sprachlosigkeit, Unverständnis. Aber kann das überhaupt anders sein? Gibt es die eine Wahrheit? Kann die Wahrnehmung von Mutter und Tochter überhaupt übereinstimmen?

Mit diesem Thema befasst sich Nadja Spiegelman in ihrem Roman „Was nie geschehen ist“. Die Autorin beschließt, ein Buch über ihre Mutter Francoise zu schreiben. Sie möchte die Bruchstücke der Erzählungen und Andeutungen zu einem Bild zusammenfügen, um besser verstehen zu können, warum ihre Mutter zu der geworden ist, die sie ist. Über Monate hinweg interviewt sie Francoise und erfährt so von deren schwierigen Kindheit und Jugend, die tiefe Narben hinterlassen hat, von ihrer Sehnsucht nach der so sehr bewunderten, unnahbaren Mutter, die ihre Liebe in diesem Maße nie zu erwidern schien, sondern die Tochter, viel mehr noch, immer wieder von sich stößt und die ältere Schwester vorzieht. Nadja Spiegelman erzählt aber auch von ihrem eigenen Heranwachsen mit dieser Mutter, die ihr manchmal wie eine zauberhafte Fee erscheint, um kurz darauf wieder aufzubrausen und zu tosen.

Irgendwann wird Nadja klar, dass sie auch ihre Großmutter Josèe befragen muss, um sich ein Bild dieser Familie machen zu können und die vielen offenen Fragen nicht im Raum stehen zu lassen. Behutsam nähern sich die beiden an und so gelingt, was zwischen Mutter und Tochter nicht möglich ist: Die Enkelin lernt die wunderbare Person kennen, die Josèe jenseits ihres Versagens als Mutter ist. Denn auch Josèe hat als Kind viele Ungerechtigkeiten und Verletzungen erlebt und erzählt eine ganz andere Geschichte über die Kindheit und Jugend ihrer Tochter.

Für mich hat das auf einmal Sinn gemacht, überlegt man mal, wie anders Kinder, die ja total im Augenblick leben und zudem von ihren Eltern emotional vollständig abhängig sind, Situationen wahrnehmen als ihre oft eher vernunftgesteuerten Eltern. Wie bedrohlich einem Kind manches erscheint, was die Eltern als Lappalie abtun. Verdrängungsmechanismen tun dann ihr übriges, um Erinnerungen zu verfälschen. Nüchtern betrachtet, können sich die Versionen über ein Leben gar nicht gleichen und vielleicht kann man auf Grund dieser Tatsache auch einen gewissen Frieden finden mit Ungereimtheiten in der eigenen Geschichte.

Wer „Was nie geschehen ist“ lesen möchte, sollte der Frankophilie nicht abgeneigt sein, denn obwohl Francoise Spiegelman als junge Frau nach New York geflohen ist und Nadja dort aufwächst, spielt sich der wichtigste Teil der Biographien in Paris ab, wo die Großmutter inzwischen auf einem Hausboot lebt, in Deauville, Ussel und anderen Teilen Frankreichs. Paul, ein Schönheitschirurg, und Josèe waren ein glamouröses Paar, das als Aufsteiger in die bessere Gesellschaft einen mondänen Lebensstil pflegte, als sie ihre drei Kinder bekamen. Und so spielen sich die Tragödien der Familie manchmal vor zauberhafter Kulisse ab, wie so oft im Leben.

Viel Spaß beim Lesen!

Naja Spiegelman „Was nie geschehen ist“

Verlag: Aufbau   ISBN: 978-3-351-03705-5

Ein gutes Sachbuch zum Thema Kontaktabbruch findet ihr übrigens hier: Kontaktabbruch in Familien

 

Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf

Dieses afrikanische Sprichwort ist mir in den vergangenen Jahren immer mal wieder begegnet.

Was es wirklich bedeuten könnte, habe ich verstanden, als wir einige Zeit mit Freunden verbracht haben, die fünf Kinder im Alter zwischen 2 und 18 Jahren haben. Bei dieser Familie ist immer was los, denn neben den eigenen Kindern wuseln meist noch Freunde der Kinder herum, aber auch Freunde der Eltern oder weitere Familienangehörige sind häufig zu Besuch.

Man braucht einige Zeit, um sich als Außenstehender auf diese Situation einzulassen, sich von dem Strom erfassen und mittreiben zu lassen, aber dann ist alles ganz leicht. Natürlich muss man Abstriche an Ordnung und Taktung des Tages machen, aber das verliert schnell an Wichtigkeit.

Während klassische Vater-Mutter-Kind Konstellationen an manchen Tagen kaum wissen, wie sie den Tag mit einem nöligen, zweijährigen Trotzkopf überstehen sollen, läuft der Zweijährige in der Gemeinschaft einfach mit, mal als kleiner Kämpfer bei der Kissenschlacht mit den Brüdern im Grundschulalter, mal als Babyersatz des Ältesten und dessen Freundin. Ob das Kind zu den eher alten Eltern oder doch zu dem sehr jungen Paar gehört, ist für Außenstehende sowieso nicht ersichtlich. Die Mama muss vor allem dann ran, wenn ihr das Kind etwas angewidert mit vollgekackter Windel angereicht wird, es nach einem aufregendem Tag von Schlamm und Dreck gesäubert oder es zwecks Mittagsschlaf aus dem Verkehr gezogen werden muss. Füttern, Vorlesen oder Bespaßen passieren quasi von alleine und mit viel Freude derer, die selbst kein kleines Kind haben und die Momente mit diesem freundlichen, kleinen Kerl einfach genießen.

Das mit den fünf Kindern ist sicher nicht für jedes Paar die geeignete Lösung, zum einen dauert der Weg bis zum „Dorf“ eine ganze Weile, zum anderen hat nicht jeder die Gelassenheit und die finanziellen Möglichkeiten, so ein Leben zu genießen, ohne sich von Wäschebergen und anderen Aufgaben auffressen zu lassen. „Das Dorf“ kann ja ganz verschiedene Formen haben, es kann Familie sein, es kann aber auch aus Nachbarn, der Tagesmutter und Freunden bestehen. Das Wohltuende an einer solchen Gemeinschaft ist, dass sich die Sorge um ein Kind auf mehreren Schultern verteilt. Es entlastet die Eltern, aber auch das Kind, wenn sich nicht die gesamte Aufmerksamkeit auf das Kind fokussieren kann, sondern sie auch mal loslassen dürfen (und manchmal auch müssen).

Denn natürlich sind Kinder unterschiedlich, manche sind offener und kontaktfreudiger, andere vereinnahmen bevorzugt ihre Eltern als Spielpartner und Versorger. Manchmal muss es also eine ganz bewusste Entscheidung der Eltern sein, sich für eine Gemeinschaft zu öffnen und abzugeben. Und es ist mit Sicherheit eine Gute.

Ich finde Dorf super.

Jugendbuchtipp: „Jenseits der blauen Grenze“ von Dorit Linke

Jenseits der blauen GrenzeWenn Menschen in anderen Ländern für ihre Freiheit demonstrieren und dabei sogar ihr Leben riskieren, ist das für diejenigen, die in eine funktionierende Demokratie hineingeboren wurden, manchmal schwer nachvollziehbar. Was Menschen dazu treibt, einem System der Überwachung und Unterdrückung zu entfliehen, erzählt der Jugendroman „Jenseits der blauen Grenze“.

Die Freunde Hanna, Andreas und Sachsen-Jensi haben alle ihre Probleme, sich dem politischen System der DDR anzupassen. Hanna durch ihren senilen, unangepassten Großvater, der sie in Schwierigkeiten bringt, Sachsen-Jensi durch seine große Klappe und Andreas, weil er seine Kritik am System nicht für sich behalten kann. Er ist es dann auch, der so aneckt, dass er schließlich die Schule verlassen muss, um in einem Jugendwerkhof umerzogen zu werden. Als er entlassen wird, ist er nicht mehr der Alte und hadert mit seinem Leben.

Schließlich fasst er den irrwitzigen Plan, durch die Ostsee in den Westen zu schwimmen. Hanna, die Leistungsschwimmerin ist, entschließt sich, gemeinsam mit Andreas die Flucht zu wagen.

Der Roman springt in seinen Kapiteln zwischen der Flucht auf der Ostsee und der Zeit davor und gibt Einblicke in das Leben der Jugendlichen in der DDR der 80er Jahre. Der Leser versteht nach und nach, warum die Flucht der einzige Ausweg zu sein scheint. Ironie des Schicksals, dass wenige Monate später die Mauer fällt, zum Zeitpunkt der Flucht undenkbar.

„Jenseits der blauen Grenze“ von Dorit Linke hilft, besser zu verstehen, was die Mauer zwischen Ost und West bedeutet hat. Und was für eine Befreiung ihre Öffnung war, etwas, was heute in der Diskussion über das, was nach der Wende schief gegangen ist, manchmal untergeht. Spannend, nah dran und leider nicht mit Happy End. So würde ich das Lesen ab ca.14 Jahren empfehlen.

Mehr über Dorit Linke und ihre interessante Arbeit (sie besucht auch Schulen) unter: Dorit Linke-Lesungen, Workshops, Politische Bildung

Magellan Verlag, ISBN 978-3-7348-5602-0

Ein empfehlenswerter Film zu dem Thema ist übrigens der Film „Der Ballon“ von Bully Herbig, der die wahre Geschichte einer Flucht zweier Familie Ende der 70er Jahre erzählt.

 

Mehr über die Flucht, die Hintergründe, Baupläne u.v.m unter: Ballonflucht

Kindermund: eine Definition von Pubertät

Mein Neunjähriger, der ein Pubertier zum Bruder hat und täglich mit Staunen dessen Verhalten beobachtet,  machte letztens eine Bemerkung über seinen zwei Jahre älteren Freund, die diese Lebensphase doch sehr gut trifft.

Ich glaube, er ist jetzt auch in der Pubertät. Er macht lauter sinnlose Sachen.“

Was ist dem noch hinzuzufügen?

Buchtipp Kinder/Jugendbuch: „Krasshüpfer“ von Simon van der Geest

KrasshüpferDer elfjährige Hidde lebt mit seinem älteren Bruder Jeppe und der Mutter in einem Haus in einer niederländischen Kleinstadt. Der älteste Bruder Ward ist drei Jahre zuvor an einer Erkrankung verstorben. Die alleinstehende Mutter arbeitet lange und ist auch oft nicht richtig anwesend, wenn sie zuhause ist und so sind sich die beiden Jungen meist selbst überlassen. Für Hidde, der von seinem Bruder nur Spinnerling genannt wird, sind das Wichtigste seine Insekten und Spinnentiere, die er draußen aufspürt und sie in zahlreichen Gefäßen in einem geheimen, ans Haus angrenzenden Keller hält, von dem nur die Brüder wissen. Eines Tages erklärt Jeppe, dass von jetzt an er den Keller als Übungsraum für sein Schlagzeug nutzen wolle und Hidde ihn räumen solle. Eine Katastrophe für Hidde und seine Tiere. Von diesem Tag an beginnt ein Krieg zwischen den Brüdern. Denn das verstößt klar gegen die Abmachung. Der Keller war der Preis für das Wahren eines Geheimnisses. Ein Geheimnis, über das Hidde eigentlich wahnsinnig gerne sprechen würde, aber nicht darf. „Krasshüpfer“ ist Hiddes Tagebuch, in dem er mit dem Leser sein Nöte teilt und um die richtigen Entscheidungen ringt. Er zeichnet darin seine Tiere und das Experiment, mit dem er seine Klassenkameradin Lieke beeindrucken möchte, die Rosa so gerne mag. Hidde ist nicht cool, er spricht über seine Gefühle, seine Hilflosigkeit und Angst und genau das macht ihn so sympathisch. Und dass der Leser dabei so nah dran ist, macht das Buch so besonders.

Mein großer Sohn hat seinem kleinen Bruder das Buch mit den Worten übergeben, dass es noch viel schlimmere Brüder als ihn gebe. Das Resümee des Jüngeren nach dem Lesen: du bist schlimmer. Naja.

Ein Buch also definitiv für Jungs und Brüder ab etwa zehn Jahren, die das auch mal überprüfen möchten. Ein tolles Buch für alle anderen über Anderssein, Gewissensnöte, Freundschaft, Einsamkeit und Überforderung.

 

„Krasshüpfer“ von Simon van der Geest

Thienemann Verlag, ISBN: 978-3-522-18425-0

Kannst Du bitte mal die Spülmaschine ausräumen – von Kindern und Haushalt

Wie schafft ihr es, eure Kinder in Aufgaben des Haushalts einzubinden? Mit festen Wochenaufgaben? Nach Bedarf? Gar nicht?

Haushalt

Es gibt ja Kinder, die von alleine auf die Idee kommen, ihre Eltern gelegentlich mit einem 3-Gänge-Menue zu bekochen oder die liebevoll den Frühstückstisch am Wochenende decken. Unseren würde so etwas im Traum nicht einfallen und so passiert ohne Pflichten wenig bis gar nichts.

Also versuchen wir immer mal wieder was anderes. Mein Mann mag es spielerisch und präferiert eine Art Haushaltsspiel, bei dem Karten mit bestimmten Aufgaben gezogen werden können. Die Würfelzahl bestimmt die zu ziehende Karte und mit ein bisschen Glück erwischt man einen Joker, der einen dann wiederum von einer Aufgabe entbindet. Die verbleibenden Aufgaben werden dann an einer Tafel für den jeweiligen Wochentag eingetragen und müssen dann auch verrichtet werden. Ich empfinde es oft als sehr anstrengend, nach Schule, Sport, Hausaufgaben oder Kindergeburtstag noch dafür zu sorgen, dass diese Aufgaben erledigt werden.

Deshalb bevorzuge ich das Einfordern von Hilfe nach Bedarf und meiner Wahrnehmung nach ist die Bereitschaft meiner Kinder zur Mithilfe dann am größten, wenn ich signalisiere, dass ich sie wirklich brauche und es alleine nicht schaffe. Das funktioniert immer solange, bis das Verständnis für den Alltagsstress der Kinder dazu führt, dass wir diese Hilfe doch nicht einfordern und es rasch zu einem Verebben der Mitarbeit kommt.

Also wird ein neues Konzept erdacht. Diesmal habe ich alles zusammengeschrieben, was es an verschiedenen Aufgaben in unserem Haushalt so zu erledigen gibt, vom Waschbecken putzen bis zum Altglas wegbringen. Ich habe 30 verschiedene Aufgaben für 30 Tage nach freier Zeiteinteilung auf eine Liste gedruckt. Damit sich die Kinder nicht nur die Rosinen herauspicken, sondern auch mal unangenehme Aufgaben übernehmen, in der Hoffnung, vielleicht zukünftig etwas achtsamer zu sein. Diese Menge an Aufgaben hat dann erstmal meinen 9-Jährigen auf die Barrikaden getrieben. So viele Sachen auf einmal schienen ihm unerfüllbar. Die Lösung dieser Überforderung bestand darin, die Liste wegzuräumen und jeden Tag einen Vorschlag zu machen, was davon erledigt werden könnte. Das klang dann besser und hat bis dato ganz gut geklappt. Weiterführen möchte er diesen Modellversuch dennoch nicht. Mir hat er gefallen.

Ich bin mir sicher, dass wir noch so einiges ausprobieren, scheitern und wieder aufstehen werden. Denn es erfordert so schrecklich viel Disziplin von uns Eltern, durchzuhalten und einzufordern, anstatt es schnell selber zu machen. Ist ja sowieso nur eine Sache von so vielen, die wir täglich erledigen müssen. Aber davon wird es ja auch nicht besser.

Wie haltet ihr das zu Hause? Ich freue mich, wenn ihr mir schreibt. Ich persönlich bin übrigens keine ambitionierte Putzfee. Vielleicht ist das erblich?

 

 

 

 

Buchtipp: „Während die Welt schlief“ von Susan Abulhawa

Während die Welt schlief.JPGSusan Abulhawa erzählt in „Während die Welt schlief“ von einer palästinensischen Familie, die 1948 wegen der Gründung Israels und der damit einhergehenden Besatzung palästinensischer Gebiete aus dem kleinen Dorf Ein Hod vertrieben wird, wo sie seit Jahrhunderten als Bauern vom Oliven- und Feigenanbau in dem damals noch sehr fruchtbaren Land gelebt hatte. Wir erfahren vom Schicksal des Familienoberhaupts Yahya und seiner Frau Basima, deren Kinder Hasan und Darwisch, den Kindeskindern Yussuf, Ismael und Amal und schließlich deren Tochter Sara, die die Geschichte als eine der wenigen Überlebenden zu Ende schreibt. Was dieser Familie im Laufe der Jahrzehnte an Unrecht angetan wird, ist kaum zu ertragen. Nachdem die Überlebenden der Vertreibung Zuflucht im Flüchtlingslager Jenin finden und versuchen, das Beste aus ihrer Situation zu machen, wird das Lager 1967 von den Israelis angegriffen und wieder gibt es Tote und Verletzte. Die kleine Amal überlebt, tagelang versteckt in einem Loch im Küchenboden und muss erleben, wie ihre Cousine, noch ein Säugling, von einem Granatensplitter getroffen, in ihren Armen stirbt. Ihre Mutter, die bereits einen Sohn als Säugling verloren hat und deren Mann nach den Angriffen nicht mehr wiederkehrt, zieht sich immer mehr in sich zurück und verliert schließlich jeden Kontakt zur Realität. Und doch ist das Leid der Familie damit noch immer nicht beendet. 1982 wird ein Teil der Familie Opfer des Massakers „Operation Frieden für Galiläa“ im Flüchtlingslager im Libanon, bei dem 14000 Menschen getötet werden. 2002 gibt es einen erneuten blutigen Angriff auf Jenin, dem „Schlupwinkel der Terroristen“, der Heimat vieler Familien ist.

„Während die Welt schlief“ erzählt von Folter und Willkür, von Ohnmacht, Verbitterung und Radikalisierung. Davon, wie Menschen sich verändern und mit der Welt umgehen, wenn ihnen solche Schicksalsschläge widerfahren. Es geht aber nicht um Feindbilder und Schuldzuweisungen, denn beide Seiten, Juden wie Palästinenser haben viel Unrecht erlebt, und manche von ihnen sind Opfer und Täter zugleich. Der Roman erzählt aber auch von Liebe, Vergebung und Freundschaft zwischen Menschen, egal welcher Herkunft und Religionszugehörigkeit. Wie viel Leid und Unmenschlichkeit allerdings vielen Palästinensern in den besetzten Gebieten angetan wurde und immer noch wird, verschlägt einem die Sprache und ich habe bitterlich geweint, als ich das Buch zu Ende gelesen habe. Die Hoffnung bleibt, dass die junge Generation es schafft, dass sich diese beiden Länder endlich einmal die Hände reichen können, um in Frieden miteinander zu leben.

Die Autorin Susan Abulhawa ist das Kind von Palästinensern und wuchs in Jerusalem , Jordanien und den USA auf. Auch wenn der Roman nicht autobiografisch ist, enthält er doch Teile ihrer eigenen Geschichte. Susan Abulhawa hält sie sich streng an geschichtliche Fakten und möchte die Welt aufrütteln, wahrzunehmen, was in Palästina geschieht. Sie ist Menschenrechtsaktivistin und hat die NGO „Playgrounds for Palestine“ gegründet, die Spielplätze in Flüchtlingslagern baut. Ihr neuer Roman heißt „Als die Sonne im Meer verschwand“, wieder ein Familienepos, das auf die Situation der Palästinenser aufmerksam macht und von den Kritiken hoch gelobt wird.

 

Diana Verlag,   ISBN: 978-3-453-35662-7

Leckeres Sommeressen: Flammkuchen

Für den Teig:              Basis für den Belag:

500g Mehl                               500g Crème fraiche

1TL Zucker

½ Würfel Hefe

5 EL Olivenöl

1 TL Salz

 

Belagvarianten:

  • mit 400g Ziegenkäse, 2 Pfirsichen und 1 Bund Rucola
  • mit 2 Kugeln Mozzarella, 5 Tomaten und 1 Bund Basilikum oder Rucola
  • oder klassisch mit 250g Schinkenspeck und 2 Zwiebeln (in dünne Scheiben geschnitten)

 

Salz & Pfeffer aus der Mühle

Das Mehl in eine Schüssel geben und eine Mulde hineindrücken. Zucker und Hefe in 250g lauwarmen Wasser auflösen und zusammen mit Öl und Salz in die Mulde geben. Mit Mehl bedecken und fünf Minuten ruhen lassen. Mit einem Handmixer mit Knethaken zu einem elastischen Teig verkneten, anschließend weitere 5 Minuten von Hand gut durchkneten. An einem warmen Ort zugedeckt 50 Minuten gehen lassen. Anschließend nochmal gut verkneten und in vier Portionen teilen. Mit dem Nudelholz dünn ausrollen und mit den Händen ziehen. Auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und bis auf einen kleinen Rand mit Crème fraiche bestreichen. Belagzutaten in Scheiben schneiden. Anschließend nach Gusto belegen. Bei der Variante mit Pfirsich und Ziegenkäse, den Rucola erst nach dem Backen auf den Flammkuchen legen, ebenso den Basilikum/Rucola bei der Tomate-Mozzarella Variante.

 

Backzeit: Etwa 6 Minuten bei 250° ( gut vorgeheizt)

 

Nach dem Backen mit frisch gemahlenem Salz und Pfeffer würzen.

Bis auf den heißen Ofen ein tolles Sommeressen, super für unterschiedliche Geschmäcker individualisierbar. Gelingt ganz einfach und schmeckt auch kalt!

Die europäische Grenze im Mittelmeer

Am 29.10.2015 schrieb ich im Beitrag Welcome refugees:

Man stelle sich das Szenario vor, wenn alle ihre Grenzen schlössen. Könnten wir damit leben, die Menschen sich selbst und ihrem Schicksal zu überlassen? Wäre es besser, wenn Kriegsflüchtlinge in den Krisengebieten blieben und sich abschlachten ließen, weil das Problem dann nicht vor unserer Haustür läge? Flüchtlinge direkt im Mittelmeer ertrinken zu lassen, ist ja zum Glück noch nicht salonfähig.

Und jetzt lassen wir sie doch ertrinken. Fast vier Jahre später sind wir entschieden weiter gekommen – und zwar im Hinblick auf den Verlust von Menschlichkeit und Anstand. Ich schäme mich dafür, dass die EU sich dazu entschieden hat, die Seenotrettung vorwiegend in libysche Hände zu legen, wohl wissend, dass Flüchtlingen in den Lagern vor Ort Folter, Menschenhandel und Vergewaltigungen drohen. Dass europäische Schiffe erst gar nicht mehr die Häfen verlassen, zivile Seenotretter*innen eingeschüchtert werden, damit ihre Schiffe nicht auslaufen oder diese sogar beschlagnahmt werden, dass sie als „Fluchthelfer“ Gefängnisstrafen fürchten müssen, wenn sie Menschen vor dem Ertrinken retten. Dass Rettungsboote mit Flüchtlingen an Bord nicht mehr an europäischen Häfen anlegen dürfen und wochenlang im Meer ausharren müssen. Ich schäme mich dafür, dass Europa es nicht schafft, einen gemeinsamen, menschenwürdigen Umgang mit und für Flüchtlinge zu finden. Zumal sich dieses Problem nicht in Luft auflösen wird, sondern sich durch den Klimawandel langfristig eher verschärfen wird. Also, was tun? Dass man sich engagieren kann, zeigen Organisationen wie Seawatch und seine mutige Kapitänin Carola Rackete, die die Zustände nicht hinnehmen will und ihre Stimme erhebt, oder Seebrücke, ein Verein, der sich dafür einsetzt, Städte und Kommunen dafür zu gewinnen, sich als „Sicheren Hafen“ für Geflüchtete anzubieten und diese aufzunehmen. Das dient zwar erstmal keiner europäischen Lösung, setzt aber ein deutliches Zeichen gegen die Zustände und bedeutet zumindest Erste Hilfe für die Geretteten. Mitglieder der Seebrücke organisieren auch Protestmärsche und Veranstaltungen, wie beispielsweise am

02.07.2019 um 18:00 in

Erlangen im Kulturzentrum E-Werk, Fuchsenwiese 1

Dort wird ein Film gezeigt über die Organisation JUGEND RETTET und ihrem zum Rettungsboot umgebauten Fischkutter Juventa, der 2017 beschlagnahmt wurde wegen des Vorwurfs der Kooperation mit Schleppern. Mitglieder der Organisation werden vor Ort sein und erzählen.

Dass lautstarker Protest nicht einfach überhört werden kann, haben die Fridaysforfuture Demonstrationen gezeigt. Finanzielle Unterstützung hilft zumindest, für Bußgelder und Anwaltskosten der Seenotretter*innen aufzukommen. Hier die Spendenseite der:  Sea_Watch

So, wie die Situation jetzt ist, darf sie einfach nicht bleiben.

Mehr Infos über die Situation im Mittelmeer unter: Proasyl

Buchtipp: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Ach, diese LückeJoachim Meyerhoff, ursprünglich „nur“ Schauspieler von Beruf, schrieb einen vierteiligen Zyklus, in dem er prägenden Abschnitte seines Lebens mit uns teilt. Besonders gerne mochte ich diesen Band, in dem Meyerhoff an der Schauspielschule in München aufgenommen wird und zu diesem Zwecke in ein plüschiges Zimmer in der Villa seiner Großeltern in Nymphenburg einzieht. Während Meyerhoff tagsüber an der Schauspielschule vor allem lernt, an sich und seinen Fähigkeiten zu zweifeln, fällt er zu Hause in ein surreales Netz der Geborgenheit und gibt sich willig den durch lieb gewonnene Trinkanlässe geprägten Tagesstrukturen hin, vom Champagner am Morgen, über den Sechs-Uhr-Whiskey, bis hin zu dem den Abend beschließenden Cointreau. Die Großmutter, eine Schauspieldiva der alten Schule, und der Großvater, ein emeritierter Philosophieprofessor, zelebrieren ihren mondänen Lebensstil. Meyerhoff beschreibt sein Leben dort mit viel Liebe, Humor und Tiefe. Er scheut sich nicht, Peinlichkeiten preiszugeben und vom eigenen Versagen zu erzählen. Vielleicht mag ich den Roman so gerne, weil auch ich eine sehr eigenwillige und besondere Großmutter mit Ecken und Kanten hatte, die ihre Spuren in meinem Leben hinterlassen hat. Und auch die Bretter, die die Welt bedeuten, haben es mir schon immer angetan. Wer den großen Auftritt mit leisen Zwischentönen liebt, wird mit diesem Buch viel Freude haben.

Mehr von und mit Joachim Meyerhoff im Interview auf:

Eins zu eins der Talk

ISBN: 978-3-462-04828-5

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

My Chancellorette

Als ich jüngst mit einem in Barcelona lebenden Franzosen arbeitete, kam er irgendwann auf die Chancellorette zu sprechen. “ You don`t know it? You have to see!“ Und er hatte Recht. Die Parodien auf unsere Kanzlerin, die auf BBC One laufen, sind im Ausland scheinbar der Renner und man kann tatsächlich Tränen lachen, wenn man Tracey Ullmann als Angela Merkel erlebt. Vielleicht erklärt das die Beliebtheit unserer Kanzlerin im Ausland. Irgendwie muss man sie mögen.

Das F in Montag…

 

Das F in Montag steht für Freude

 

Dieser Spruch klebte eines Tages an der Tür unserer Nachbarn. Ich mochte ihn gleich, wirklich, wenn er mir auch irgendwie mysteriös erschien. „Das F in Montag steht für Freude“, murmelte ich vor mich hin. Ja, sicher, das würde ich sofort so unterschreiben, es klingt so wahrhaftig. F, Freude, Montag. Tag für Tag las ich ihn, ließ ich ihn mir auf der Zunge zergehen, bis mich eines Tages das Nachbarmädel ansprach:

Sie: „Hast Du das gelesen?“

Ich: „Ja.“

Sie: „Der ist so lustig und dabei habe ich ihn am Anfang gar nicht verstanden.“

Ich:  „Ach ja?“ Ich versuchte, souverän zu gucken.

Sie: „Das F steht ja für Freude, aber in Montag gibt es gar kein F!!!“, erklärte sie begeistert und schmiss sich dabei vor Lachen halb weg.

Ach so. Bei Witzen hatte ich irgendwie schon immer eine lange Leitung. Aber ich mag den Spruch, wirklich, auch wenn er überhaupt nicht mysteriös ist.

Vom Schrecken des Kochens für Kinder

Es gibt ja so ein paar Dinge, die bei der Erziehung unserer Kinder, sagen wir mal, suboptimal gelaufen sind. Dazu gehört eindeutig das Thema Kochen. Hätte ich von Anfang an nur kompromisslos hervorgestoßen:

„Kinder, was auf den Tisch kommt, wird auch gegessen!“

Ach, wie viel kulinarische Ödnis wäre mir erspart geblieben. Aber nein, ich habe mich einst auf die verschiedenen Befindlichkeiten von uns vier Familienmitgliedern eingelassen und wähle heute aus einer alternierenden Palette von gefühlt fünf äußerst schlichten Gerichten auf dem Niveau von Pizza und Käsespätzle. Dabei koche ich prinzipiell sehr gerne, probiere immer Neues, alte Gemüsesorten, asiatisch, türkisch, Hauptsache frisch.

Ich bedauere jeden Schulkoch zutiefst, dem die schier unmöglich zu erfüllende Aufgabe obliegt, gesund und abwechslungsreich kochen zu müssen und der damit auch noch Kinder begeistern soll. Wehe dem, der mir von schlechtem Schulessen vorjammert – ich glaube kein Wort.

Anfangs versuchte ich es mit Patchworkgerichten, ähnlich Tapas, bestehend aus mindestens vier einzelnen Komponenten, damit jeder etwas findet, das ihm schmeckt. Was für eine Arbeit. Wollte ich mir ein Fleißbienchen verdienen? Denn ein Familienmitglied hat die Kartoffel zum Lieblingsgericht, das zweite mag sie nur in gebratener Form, das dritte nur als Kartoffelbrei und das vierte überhaupt nicht. Ähnliches lässt sich zur Pasta sagen, Spirali ja, Tagliatelle nein, der eine mag sie nur mit Tomatensauce, der andere auf keinen Fall mit. Ach ja, zwei ernähren sich vegetarisch. Das ließe sich nun unbegrenzt fortsetzen. Verwöhntes Pack.

Wie aber konnte es soweit kommen? Das ist bar jeder Vernunft und wir neigen im Üblichen nicht zur Verzärtelung. Aber habt ihr schon mal ein völlig ausgehungertes Kind aus der Mittagsbetreuung abgeholt und ihm etwas vorgesetzt, was es nicht mochte? Terror. Unterzuckerte Jungs sind die Hölle, sie machen einen echt fertig mit ihrem dann zu Tage tretenden Aggressionspotential. Also, ich meine, ich gebe zu, ich kenne das. Auch ich werde ungenießbar, wenn ich nichts im Bauch habe. So fing das jedenfalls an. Kind abgeholt, sofort gefragt, was es zum Mittagessen gab. Fischstäbchen mit Kartoffeln. Oh, nein, Schweißausbruch, das Kind isst weder Fisch noch Kartoffeln. Stress! Trotzdem – liebe Eltern kleiner Kinder, ihr könnt es noch hinbekommen. Bleibt hart und sagt Ihnen im Brustton der Überzeugung:

„Mein Kind, gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Oder trocken Brot!“ Es lohnt sich. Ganz bestimmt.

Rot + Blau = Lila – Experimente beim Ostereier färben

Ostereier_rotblauIch mag die einfachen Dinge im Leben. So auch beim Ostereier färben. Die Eier auf diesem Bild haben wir nur mit roter und blauer Eierfarbe gefärbt. Die Vielfalt entsteht durch das Verwenden von weißen und braunen Eiern, sowie durch die unterschiedliche Einwirkzeit. Taucht man ein weißes Ei nur wenige Sekunden in rote Farbe, entsteht ein zartes Rosa, gibt man es erst länger in das Rot und anschließend in Blau, entsteht ein sattes Violett. Es macht Spaß, die unterschiedlichsten Töne zu kreieren. Natürlich kann man auch nur eine Hälfte eintauchen oder das Ei vor dem Eintauchen in die zweite Farbe mit Dekoklebeband umwickeln. So entsteht ein wunderschöner Batikeffekt, weil die Farbe nur an manchen Stellen unter das Band fließt. Vielleicht findet sich auch in der Küche ein Zitronennetz, das man zwischen den unterschiedlichen Farbschichten mit einem Gummi um das Ei spannt. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und wenn es nur beim Farbspiel bleibt, macht das auch ordentlich was her. Super für last minute Färbereien und Nicht-DIY-Begnadete geeignet!