
Auf einem Berggipfel. Zwei Jungs betrachten aufmerksam eine Jesusfigur.
Sagt der eine: „Du, schau a mal. Der Jesus hat ein Sixpack!“

Auf einem Berggipfel. Zwei Jungs betrachten aufmerksam eine Jesusfigur.
Sagt der eine: „Du, schau a mal. Der Jesus hat ein Sixpack!“
Auf der kleinen dänischen Insel Samsö gibt es eine wunderbare Gepflogenheit: vor gefühlt jedem zweiten Haus steht ein kleines Holzregal, in dem die Menschen alles, was Garten und Acker hergeben, für umgerechnet ein, zwei Euro zum Verkauf anbieten. Das können Kartoffeln und Äpfel sein, aber auch Blumen oder Eingemachtes. Manchmal verkaufen die Samsöer auch ihre alten Lampen, Geschirr und Bücher oder verschenken sie. Eine alte festgeschraubte Geldkassette regelt die Finanztransaktion, der Preis steht auf Kisten und Tüten. Man sollte also immer ein paar Münzen in der Tasche haben und sich den Einkauf von Obst und Gemüse im Supermarkt sparen. Wie gut würde mir das auch in Deutschland gefallen. Was klagen die Gartenbesitzer oft im Sommer über die kaum zu bewältigende Verwertung ihrer Ernte. Wieso nicht einfach für kleines Geld verkaufen? Den Gartenlosen wird es freuen – frisches Obst und Gemüse direkt vom Erzeuger und dazu in aller Regel noch ungespritzt. Und die/der fleißige Gärtner(in) kann mal die Beine hochlegen, anstatt das zigste Marmeladenglas befüllen zu müssen oder zum zehnten Mal in Folge Zucchini zu essen. Auch den Tauschhandel könnten solche Regale vereinfachen. Ob in der Großstadt allerdings nicht die ein oder andere Kasse geknackt würde, möchte ich nicht ausschließen. Vielleicht habt ihr ja einen Garten und euch gefällt die Idee? Ich würde auf jeden Fall kaufen.
Ich entwickle eine immer stärker werdende Abneigung gegen Wetter-Apps. Ich finde sie beeinflussen unser zwischenmenschliches Leben auf, wie ich finde, negative Weise. Auf einmal hast du nur noch Meteorologen als Freunde! Es gibt ja verschiedene Arten von diesen Apps und jede hat seine Anhänger. Da ist zum Beispiel die, die das Wetter auf das genaueste aber nur für die nächste viertel oder halbe Stunde voraussagt. Vor einiger Zeit hatten wir Freunde zu Besuch und als wir dann einen Spaziergang machen wollten wurde erstmal das Handy gezückt und genau eine solche App befragt. Dann kamen die genauen Vorgaben: Wir müssten entweder jetzt sofort los oder dann erstmal lange warten. Wir entschlossen uns dann zu gehen, brauchten aber mit drei Kindern natürlich noch etwa eine halbe Stunde bis wir loskonnten. Als wir zehn Minuten draußen waren, wurden wir dann darauf hingewiesen, dass wir jetzt wieder umkehren müssen, da es jetzt gleich regnen würde. Widersetzt man sich den Vorgaben und wird dann nass, erntet man als Ungläubige nur ein ‚Die App hats doch gesagt – hättest du mal auf mich gehört‘ – Kopfschütteln!
Eine andere Freundin hat neulich unser, für den Nachmittag geplantes Treffen in einem Schwimmbad in unserer Nähe abgesagt, weil es (laut Wetter-App) nachmittags regnen würde und sie dann lieber schnell bei ihr in der Nähe baden ginge. Es hat den ganzen Tag nicht einen einzigen Tropfen geregnet und meine Vorurteile haben sich bestätigt.
Ich meine, es gab ja immer schon Wettervorheragen und jeder liest, sieht oder hört sie über die jeweiligen Medien, aber meist glaubt ja keiner so richtig dran oder vorzugsweise nur, wenn das Wetter vorausgesagt wird, das man gerne hätte. Kommt dann wieder mal alles anders, schimpft man gemeinsam über die Meteorologen und ihre schlechten Vorhersagen. Sein Leben ließ man doch nur sehr begrenzt davon beeinflussen. Das ist jetzt anders. Aus mir unerfindlichen Gründen ist das Vertrauen in die Vorhersagen der Apps so groß, dass wir teilweise sogar minutengenau unsere Handlungen darauf ausrichten! Wo bleiben denn da Spontaneität und Romantik?
Wird denn jetzt nie mehr jemand vom Regen überrascht weren? Sind Filmszenen, in denen zwei Verliebte vor einem plötzlich losbrechenden Gewitter irgendwo Unterschlupf suchen und sich dann beim gegenseitigen Wärmen eine wunderschöne Romanze entwickelt, Geschichte? Heutzutage würde das Mädchen dem Jungen doch direkt unterstellen, dass er die Aktion mit Hilfe seiner Wetter-App genau geplant hat und ihn wütend im Regen stehen lassen. Gut Informierte werden das Haus bei vorhergesagtem schlechten Wetter gar nicht mehr oder nur noch mit kompletter Regenausrüstung verlassen.
Fast jeder von uns hat doch mindestens eine aufregende, lustige oder auch dramatische Wettergeschichte zu erzählen. Wollt ihr das euren Kindern wirklich vorenthalten? Dass sie all die unerwarteten, durch überraschende Wetteränderungen ausgelöste Erlebnisse und Begegnungen verpassen?
Also: Lasst den Regen kommen und STREIK DEN WETTER-APPS !

Von dem „Mädchen Wadjda“ (sprich:Waschda) der saudi- arabischen Regisseurin Haifaa Al Mansour hatte ich schon vor längerer Zeit gehört und als er mir in der Bibliothek über den Weg lief, wusste ich, dass ich ihn unbedingt mit meinen Jungs sehen wollte, wohl wissend, dass sie zu „so einer Art“ Film vermutlich alleine nie greifen würden. Der Film handelt von dem 11jährigen saudi-arabischen Mädchen Wadjda, das davon träumt, ein eigenes Fahrrad zu besitzen – ein Unding in dem Land, in dem sich Frauen meist nur komplett verschleiert auf der Straße zeigen dürfen. Und unvorstellbar für Kinder, die hier im Westen aufwachsen. In ruhigen, aber eindrücklichen Bildern nimmt die Regisseurin uns mit in Wadjda`s Alltag in der Koranschule, in dem sich das Mädchen an den Grenzen des Zulässigen durchhangelt, bis sie von einem Koranwettbewerb erfährt, dessen Hauptpreis 1000 Saudi-Riyal sind und ihr den Kauf des Fahrrads ermöglichen würde, das sie in einem Laden für sich entdeckt hat. Von einem Tag auf den anderen mutiert Wadjda zur Vorzeigeschülerin, die Koranverse Rezitieren übt. Auch ihr Leben zuhause spielt sich auf einem schmalen Grat zwischen Tradition und Moderne ab. Die Mutter fürchtet, dass sich ihr Ehemann eine Zweitfrau nehmen wird, weil sie ihm keinen Sohn mehr gebären kann und versucht das, zu verhindern, indem sie ihm eine vorbildliche, begehrenswerte Frau ist. Und so findet diese Geschichte schließlich ein Ende, das nur teilweise „happy“ ist. „Das Mädchen Wadjda“ ist eine aufwühlende Geschichte, die Einblick in eine uns völlig fremde Welt gibt und Verständnis für Menschen weckt, die in einer anderen Kultur aufwachsen und von ihr tief geprägt werden. Und meine Jungs waren genau wie ich bis zur letzten Minute gefesselt, auch wenn der Film auf den ersten kindlichen Blick nur von einem Mädchen und einem Fahrrad handelt.
In den letzten Wochen habe ich mich mit einigen Freunden und Bekannten unterhalten, die Eltern kleiner Kinder sind und so ziemlich am Ende ihrer Kräfte. Der Druck, eine Familie ernähren zu müssen, kollidiert mit der Erwartung, sich ausreichend Zeit für die Kinder nehmen zu sollen (und eigentlich ja auch zu wollen). Der Elternteil, der überwiegend die Kinderfürsorge übernimmt, fühlt sich nicht wertgeschätzt; der Elternteil, der abends nach Hause kommt, überfordert, wenn er auch noch unmittelbar nach Betreten der Wohnung die Kinder übernehmen soll. Zwischen den Partnern werden nur noch Vorwürfe und Gereiztheiten ausgetauscht, anstatt sich gegenseitig zu unterstützen, und jeder fühlt sich unverstanden. Als wäre das allein nicht schon genug, gilt es manchmal auch noch pflegebedürftige Eltern zu versorgen. Dann geht einfach gar nichts mehr. Wenn ihr euch hier wieder findet, wird es höchste Zeit, nach Hilfe zu rufen. Oft fällt es gerade den Müttern schwer, ihre Kleinkinder in fremde Hände zu geben. Aber mal ehrlich: Die lieben Kleinen werden es mit höchster Wahrscheinlichkeit unbeschadet überstehen, wenn sie mal für ein, zwei Stündchen bei der Nachbarin, kinderlosen Freunden oder der entfernten Verwandten unterkommen und ihr dafür eine wohlverdiente Auszeit nehmen könnt. Gemeinsam oder alleine – seid nicht enttäuscht, wenn ihr euch beim ersten kinderlosen Date nicht viel zu sagen habt, dazu seid ihr vermutlich viel zu k.o., aber das kommt schon wieder. Eure Kinder haben nichts davon, wenn ihre eure eigenen Bedürfnisse immer wieder hinten anstellt. Spätestens, wenn ihr anfangt, Eure Beziehung in Frage zu stellen, müssen die Verhältnisse neu geordnet werden. Was bringt es, die „perfekte Mutter“ zu sein, wenn alles andere den Bach runtergeht. Kinder zu haben, ist eine der größten Herausforderungen für die Partnerschaft. Und das wichtigste „ Tool“, schwierige Zeiten zu überstehen, ist sicherlich, miteinander im Gespräch zu bleiben. Nie zuvor war man so viel mit seinen Kindern alleine wie heute. Früher gab es oft eine Großmutter oder Tante im Haus, mit der man Sorgen teilen konnte, die aber auch ganz ungefragt zwischendurch mal die Kinderbetreuung übernommen hat. Die Kinder waren unterschiedlichen Einflüssen und Erziehungsstilen ausgesetzt und sind damit meist gut zurecht gekommen. Wir können die Uhr nicht zurück drehen, uns aber ein Netzwerk schaffen, das ähnlich funktioniert und uns ( und anderen) gut tut. Oft funktioniert das mit Familien am Besten, die ähnliche Bedürftigkeiten haben. Da kann man am Wochenende vielleicht mal für einen Nachmittag die Kinder abwechselnd betreuen und hat somit ein bisschen Freizeit. Und auch enkellose Senior(inn)en freuen sich oftmals, wenn sie etwas junges Blut auf Trab hält. Redet, streut Eure Situation und es wird sich Hilfe finden. Dann müsst ihr sie nur noch mit offenen Armen empfangen.
Wem gerade alles zu viel ist, der sollte sich ein Beispiel an diesem jungen Mann nehmen und sich aufs Wesentliche besinnen…
Ich mag die nicht, die ich geworden bin seit ich zwei Kinder habe.
Die fährt schnell aus der Haut, schreit viel und ist immer in Eile.
Die muss wieder weg!
Einer der schönsten Orte Nürnbergs ist für mich die Akademie der Bildenden Künste. Direkt am Tiergarten gelegen, verbindet sie alte und neue Architektur mit Natur, Improvisiertes mit Geplantem und Kunst mit Umgebung. Gelegenheit, sie sich anzusehen, bietet die Jahresausstellung, die immer im Juli stattfindet. Wer sich Raum und Werke genauer ansehen möchte, sollte sie eher tagsüber aufsuchen. Wer sich treiben lassen möchte, Menschen treffen, Musik hören und Atmosphäre aufsaugen, geht lieber zum Sommerfest. Zum Beispiel heute Abend ab 19Uhr oder aber im nächsten Jahr…
mehr auf http://www.adbk-nuernberg.de
Es ist nämlich wieder Blaubeerzeit und die Selbstgepflückten schmecken einfach am Besten. Da der Fuchsbandwurm leider immer präsent ist – obwohl die Wahrscheinlichkeit, einen zu erwischen wohl ähnlich der ist, von einem Blitz getroffen zu werden – streue ich sie einfach auf Pfannkuchenteig und lasse sie dort einmal stark erhitzen. So für`s gute Gefühl. Ordentlich Puderzucker drauf und dann miammi!

Ich musste leider erst vierzig werden, um zum überzeugten Yogafan zu werden. Meine Bänder und Gelenke mussten erst an Elastizität verlieren, um zu erkennen, dass Yoga eine der besten Sportarten ist, um den Körper geschmeidig zu halten und Verspannungen und anderen Beschwerden vorzubeugen. Denn dieses ganzheitliche Dehnen und Bewegen aller Körperpartien bieten sonst nur wenige Sportarten. Im Gegenteil – viele fordern den Körper nur einseitig, was zu Muskelverkürzungen und Verschleißerscheinungen führen kann. Das heißt jetzt nicht, dass alle nur noch Yoga machen sollen, nein, jedem das Seine und möglichst viel davon. Aber ich halte es für eine sinnvolle Ergänzung und Altersprävention und mir tut es einfach gut. Jetzt gibt es natürlich viele von uns, die gar nicht so recht zum Sport kommen. Dafür gibt es inzwischen zahlreiche wundervolle Tutorials auf YouTube. Zum Beispiel von Adriene Louise, die jede Woche ein neues ins Netz stellt. Diese 15 Minuten kriegen wir alle hin, oder? Einfach mal ausprobieren.

Wir kaufen gerne Zeitschriften. Ein freier Tag wird für mich durch möglichst trashigen Tratsch gekrönt (und damit meine ich durchaus unterste Schublade) – dabei kann ich herrlich entspannen. Was nicht heißt, dass ich nicht auch Anspruchsvolles lese, aber alles zu seiner Zeit. Das sind dann meistens die Hefte, die mein Mann kauft, der oft gar nicht dazu kommt, all das auch zu lesen, was so nett und interessant aufgemacht ist. Jedenfalls hat unsere Freude am Zeitschriftenkaufen zur Folge, dass sich in der Wohnung schnell Berge stapeln, die regelmäßig wieder abgetragen werden müssen. Seitdem wir wissen, dass die Hefte nicht fast jungfräulich im Altpapiercontainer landen, geht das viel leichter. Wir haben jetzt eine kleine Ablage vor der Tür, wo auch andere Hausbewohner ihre Magazine hinterlassen – ein kleiner Lesezirkel sozusagen. Teilen macht echt Spaß und lässt dem Messie in Dir und mir keine Chance!


Ich möchte an dieser Stelle nicht so tun, als würde ich mir nicht manchmal ein eigenes Haus mit großem Garten wünschen. Aber dann bin ich mir wieder ganz sicher, dass wir etwas viel Besseres haben: eine tolle Hausgemeinschaft. Und die gibt es eben nur, weil wir alle kein Wohneigentum haben und nicht jeder, mangels nötigem Platz, seinen eigenen Kirschentsteiner oder sein eigenes Waffeleisen hat ( – unser Vermieter dafür ein sorgsames Händchen bei der Auswahl seiner Mieter). Als unsere polnischen Nachbarn damals erstmals ihre zukünftige Wohnung besichtigten, warnten sie Freunde davor, mit so vielen Deutschen zusammen zu ziehen – die würden immer gleich mit dem Anwalt kommen und Ärger machen. Zum Glück haben sie nicht darauf gehört. Ihre Kinder sind inzwischen die besten Freunde meiner und alle beneiden sie, Teil einer solchen Gemeinschaft geworden zu sein. Wenn zwischen den Stockwerken und dem Hof reger Verkehr herrscht, stehen die Türen offen und manchmal ist nicht ganz klar, welches Kind sich wo befindet. Aber es geht ja keines verloren. Unsere Senioren haben von Anfang an lachend zu uns gesagt: „Kinder müssen Lärm machen!“, wenn ich mich mal wieder für Stunteinlagen vom Hochbett entschuldigt habe. Wie wunderbar ist das! Und mindestens genauso gut: manchmal geht eine unserer Seniorinnen mit den Kindern ins Kino und gibt einmal wöchentlich Nachhilfe. Dafür gibt es den älteren Menschen ein Gefühl der Sicherheit, jederzeit klingeln zu können, wenn sie Hilfe brauchen – auch wenn sie diese nur selten in Anspruch nehmen. Die Sonntagsbrötchen bekommen sie auf jeden Fall frei Haus, natürlich im Tausch gegen Bares und Süßigkeiten für die kleinen Lieferanten. Wir wohnen sozusagen in einem natürlich gewachsenen Mehrgenerationenhaus. Wir alle wissen, dass wir nicht allein sind und uns aufeinander verlassen können und das ist ein schönes Gefühl. Ich weiß immer, dass ich meine Kinder bei den Nachbarn unterbringen kann, ich finde immer irgendwo im Haus die Zutat, die mir gerade beim Kochen fehlt und wenn ich einen Schnack halten möchte, klopfe ich an eine Tür. Ein Anwalt ist inzwischen übrigens auch bei uns eingezogen, aber der macht (uns) keinen Ärger und ist ganz dufte.
Wenn die Kinder endlich sauber sind, endlich keine Windel mehr tragen und ihr Geschäft selbständig auf der Toilette verrichten, ist das ja meist Anlass zu großer Freude. Sie werden groß, man muss keine Windeln mehr wechseln und möglicherweise in direkten Kontakt mit großen Geschäften treten bzw. Klamotten auswaschen, wenn die Windel nicht alles halten konnte.
Es wird einem immer vermittelt, dass das ein erstrebenswerter Zustand wäre, dass dann alles besser ist. Eltern, deren Kinder schon früh sauber sind, geben gerne stolz damit an und bedauern die, deren Kinder immer noch in die Windeln machen. Die Kinder werden animiert und Bücher werden geschrieben, wie toll alles ist, wenn ihr Kleinen erst auf die Toilette gehen könnt.
Aber jetzt mal ehrlich, die neue Selbständigkeit dürfte doch als solche gar nicht bezeichnet werden. Das ist doch für uns keine Erleichterung. Wir Eltern sind doch jetzt oft noch viel mehr gefordert als vorher. Zuhause im gewohnten Tagesablauf mag das ja alles noch ganz gut funktionieren, aber nach dem ersten Urlaub mit meiner seit einem guten halben Jahr sauberen Tochter muss ich sagen, ich habe mir oft die Windelzeiten wieder zurückgewünscht.
Da steht man irgendwo mitten in einer fremden Stadt und plötzlich kommt das: „Ich muss Pipi – ganz dringend!“ Erschrocken sieht man sich nach einer Toilettenmöglichkeit um – hier gibt’s nichts. Da sagt man dem Kind so dumme Sprüche wie „jetzt nicht, drück fest zusammen“ in der Hoffnung, dass der Schließmuskel gut funktioniert und es vielleicht doch nicht ganz so dringend ist. Im schlechtesten Fall kommt dann „aber ich muss auch Kaka!!!“
In Panik irrt man mit dem Kind durch die Straßen bis man endlich irgendeine Kaffebar gefunden hat, stürmt da rein und findet dann eine Toilette vor, bei der bei mir der Harntrieb und auch ich selbst schnell wieder verschwunden wäre. (Und ich bin wirklich nicht besonders zimperlich.) Zudem fehlt die Klobrille! Da will man seine Tochter echt nicht draufsetzen. Möglichst ruhig erklärt man dem Kind, dass es bloß nichts anfassen soll und dass es sich mit den Füßen auf die Toilette stellen soll: „Ich halte dich, dann kannst du in der Hocke Pipi machen!“ Aber das Kind weint: „Nein, so kann ich nicht!“ Also sucht man verzweifelt die Desinfektionstücher in der Tasche, um das Klo wenigstens etwas sauber zu wischen. Die sind aber natürlich in der Eile unauffindbar und nach dem dritten „Ich muss aber wirklich gaaaaanz dringend!“ setzt man das Kind schließlich resignierend auf die eklige Schüssel.„Kaka“ war dann natürlich falscher Alarm, es kommt lediglich ein kleines Rinnsal hervor, das befürchten lässt, dass sich die ganze Tragöde in den nächsten zwei Stunde wiederholen wird. Am Ende trinkt man dann noch den x-ten Espresso, weil es einem peinlich ist, einfach so wieder aus der Bar zu verschwinden.
Also, liebe Mütter, genießt die Zeit, in denen eure Kinder noch Windeln tragen, es wird nicht alles besser danach!
Ja, wir kennen sie alle, die klugen Sprüche und oft genug gehen sie uns ganz kräftig auf den Geist. Einen wahren Kern haben sie trotzdem leider oft. So wie auch dieser. Während sich Zahnungsprobleme, Blähungen und Schürfwunden bei Babys und Kleinkindern meist schnell diagnostizieren lassen und man sich umgehend der Problemlösung widmen kann, geht es bei älteren Kindern meist um weniger leicht zu behebende, geschweige denn überhaupt zu erkennende Probleme, deren Ursache oft in der Familie selbst liegen. Denn bei allem Wohlwollen, das werdende Eltern in ihre Familienplanung einbringen, nimmt doch jeder seine eigene Geschichte in die neue Familie mit. Und mitunter sogar die seiner Eltern und Großeltern. Man nennt das Transgenerationalität, die Übertragung unverarbeiteter Ereignisse auf nachfolgende Generationen. Aber mal von diesem Aspekt abgesehen, können wir schon unseren eigenen Erlebnissen als Kind, der Rolle, die wir in unserer Familie hatten und unseren Strategien, zu überleben, nicht entkommen. Und sie produzieren Erwartungen an unsere Kinder und Enttäuschung, wenn diese nicht erfüllt werden. Und dann passiert bei allem Wohlwollen das, was einem Kind große Probleme machen kann: es wird nicht gesehen. Vielleicht wird viel Aufheben um seine Leistungen gemacht, vielleicht wird es gut versorgt, sein Wesen aber wird nicht wahrgenommen. Und dagegen wird es sich wehren und Strategien suchen. Eine davon ist es, negativ aufzufallen. Denn es ist besser, unter diesem Vorzeichen wahrgenommen zu werden als gar nicht. Andere Kinder wählen den Weg der absoluten Angepasstheit und wieder andere entwickeln vielleicht ein selbstdestruktives Verhalten, um darauf aufmerksam zu machen, das etwas in ihrem System nicht stimmt. Und dann sitzt man da als liebende Eltern und wundert sich, was da schief gegangen ist und wie das passieren konnte. Eine Familienberatung, die sowohl Städte und Gemeinden, als auch Einrichtungen wie die Caritas oder andere Sozialverbände anbieten, kann in so einer Situation helfen, unguten Verhaltensmustern auf die Spur zu kommen und noch mal von vorne anzufangen. Quasi die Reset-Taste zu drücken und dem Kind eine neue Chance zu geben, anstatt es nur noch als Problem zu betrachten. Denn eigentlich wollen Kinder kooperieren und ihr Verhalten macht Probleme innerhalb der Familie sichtbar, die man sonst zu übersehen sucht. Wer etwas besser verstehen möchte, warum Kinder bestimmte Verhaltensweisen an den Tag legen, was sie bedeuten und warum es so wichtig ist, seinem Kind mit leuchtenden Augen zu begegnen, kann mal in Jesper Juuls „Dein kompetentes Kind“ hineinlesen. Eine andere Perspektive hilft auf jeden Fall oft, wieder klarer zu sehen und dann auch wieder nach vorne sehen zu können und neue Pfade einzuschlagen. Zwar gibt es kein Pflaster für große Sorgen, aber doch Mittel und Wege.
Buchtipp: Jeper Juul „Dein kompetentes Kind“