Einfach gut.

Familienplaner Grätz VerlagWir haben dies Jahr erstmals einen Familienkalender geschenkt bekommen. Eigentlich nichts wirklich Neues, so ein Kalender, aber wir hatten tatsächlich noch nie einen. Und ich muss sagen – bitte nie mehr ohne. Meine äußerst unflexiblen Kinder können sich endlich rechtzeitig auf das einstellen, was so an Terminen in der nächsten Zeit ansteht, vom Zahnarzt bis zum Besuch des besten Freundes. Sie wissen, wann ich arbeiten muss und wann vielleicht die Tagesoma kommt. Mit einem Satz: sie fühlen sich in die Planung miteingeschlossen, anstatt vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Eine einfache Maßnahme mit hoher Zufriedenheitsgarantie – schwer zur Nachahmung zu empfohlen!

Abbildung: Familienplaner, Grätz Verlag, ISBN-13: 9783944156514

Gefühlskram

Wenn man als weibliches Wesen einen Sohn bekommt, merkt man ganz schnell, dass diese kleinen Minimänner von Anbeginn irgendwie anders ticken. Da gibt es zum einen dieses lustige Spielzeug zwischen ihren Beinen, das sie von Anfang an hingebungsvoll beschäftigt, da sind aber auch diese Kräfte enormen Ausmaßes und die scheinbar unerschöpfliche Energie und Körperlichkeit, die es zu lenken gilt. Um alle Klischees zu bedienen, sind Jungs zudem eher zahlen- als buchstabenaffin und kombiniert man all diese Fragmente zu einem Ganzen, scheint es eine logische Folge zu sein, dass Jungs eher die Fäuste sprechen lassen, als über Gefühle zu reden- was dann, längst zu stattlichen Exemplaren der Gattung Mann herangewachsen, zu (für die Partnerin) unerklärlichen Spontantrennungen führen kann, da eine gewisse Unzufriedenheit im Vorfeld von Seiten des Mannes nie kommuniziert wurde. Weil er eben im Allgemeinen nicht so viel kommuniziert. Aber nun mal ehrlich. Wo sollen sie es denn lernen? Wann fragen wir Erziehungsbeauftragten denn einfach mal „Hey, wie geht’s Dir eigentlich?“ , beispielsweise anstelle des obligatorischen „Wie war`s in der Schule?“, dem sowieso nur ein lustloses „Geht.“ folgt, das das Gespräch auch umgehend wieder beendet. Aber wir tun es immer wieder, so wie es schon unsere Eltern getan haben und einfach nicht gecheckt haben, dass das nur nervt. Unser Alltag besteht oft nur aus der Abfrage organisations-, schul-, oder arbeitsrelevanter Themen. Konflikte werden meist entnervt durch ein Machtwort oder Sanktionen geregelt, anstatt nachzufragen „Was war denn eigentlich los? Was hat Dich so wütend gemacht? Was hättest Du Dir denn gewünscht?“ Miteinander ins Gespräch zu kommen und selbst von seinen Gefühlen zu erzählen, würde vermutlich helfen, den Jungs ein paar andere Tools mit an die Hand zu geben als den Nahkampf. Jungs könnten so lernen, sich ihrer Gefühle bewusst zu werden und darüber zu reden, anstatt alles mit sich selbst auszumachen und ab und an zu explodieren. Da sind die emotionalen, mitteilungsfreudigen Mädels deutlich im Vorteil, müssen sie ja nicht den coolen Checker mimen. Ich sehe schon manch witzelnden Herren vor mir, der über diese Warmduscherei spöttelt. Aber glaubt mir, auch ihr hättest es mit Sicherheit manchmal leichter, wenn das mit den Gefühlen nicht so schwer wäre.

Aktenzeichen XY….

Aus verlässlicher Quelle psychotherapeutischer Kreise kam mir jüngst zu Ohren, dass ein Großteil unserer Generation nachhaltig durch die Fernsehserie „Aktenzeichen XY… ungelöst“ geschädigt wurde. Diese Sendung war in den 70er und 80er Jahren der Straßenfeger schlechthin und fesselte am Freitagabend etwa Zwei Drittel aller Fernsehzuschauer. Allerdings war dies auch der Tag, an dem die Eltern gerne mal ausgingen. Also blieben die Kinder alleine zu Haus. Das Älteste hatte meist kein Einsehen, dass das Verbrechen bei den kleineren Geschwistern tiefe Spuren hinterlassen könnte in dem von den Eltern verlassenen Zuhause. Die Folge: Tausender traumatisierter Kinder, die bis ins Erwachsenenalter unter Verfolgungswahn, Panikattacken und diffusen Ängsten leiden. Ich überlege, eine Opfer-Hotline einzurichten. Und aus den Berichten ein Buch zu schreiben. Betroffene wenden sich bitte vertrauensvoll an mich.

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Nicht über meine Leiche

Ich habe gefühlt schon immer einen Organspendeausweis, fand ich es seit jeher doch reichlich verschwenderisch, meine Innereien ungenutzt nach meinem Ableben verbrennen oder verrotten zu lassen, wenn sie anderenorts noch wunderbare Dienste leisten könnten.Organspende Noch ist ja alles soweit ganz gut in Schuss, sieht man mal von so ein paar Mängeln ab wie der unzureichenden Sehleistung, die das Leben aber ja durchaus auch angenehm weichzeichnen kann. Angst, ich könne zum Zeitpunkt der Organentnahme noch nicht wirklich tot sein, hatte ich eigentlich nie, gehöre ich doch eher weniger zu jenen Abenteurern, die Länder bereisen, wo man das mit der Freiwilligkeit und dem Zeitpunkt des Ablebens vielleicht nicht so ernst nehmen könnte. Es gibt nur eine Ausnahme, die ich jedes Mal ganz dick vermerke: ich möchte auf keinen Fall der Wissenschaft überantwortet werden. Sozusagen nicht über meine Leiche. Und daran ist einer meiner Exfreunde Schuld. Ich weiß nicht, was seine Intention war, mich in einen Anatomiesaal mitzunehmen, in dem angehende Mediziner lernten, Leichen zu präparieren. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht mehr, warum ich überhaupt mitgekommen bin. Diese Frage stellte ich mir damals erst, als ich inmitten der leblosen Körper stand und mich dieser unangenehme Geruch in sich aufnahm. Sicher, als angehende Maskenbildnerin hatte auch ich mich mit Anatomie beschäftigt und wir hatten das ein oder andere unappetitliche Präparat menschlicher Missbildungen studiert, aber ich hatte definitiv nichts in diesem Saal zu suchen. Die Student(inn)en versuchten locker zu sein und übten sich an ihren ersten Scherzen im unverkrampften Umgang mit dem Tod. Treue Tatortkonsument(inn)en wissen, dass der Umgang mit einer Leiche etwas ganz Natürliches sein kann, der dem geübten Pathologen weder Appetit noch Laune verdirbt. Aber Scherze und Indiskretionen auf meine Kosten, wehrlos in einer Formaldehydwolke aufgebahrt, ohne mich, Leute. Vielleicht wäre das die richtige Verwertung für einen Exhibitionisten. In seinem Organspendeausweis müsste vermerkt sein: ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken. Endlich könnte er sich in seiner ganzen Pracht präsentieren und täte damit zumindest einmal in seinem Leben etwas Gutes.

Alle Kinder. Ein ABC der Schadenfreude.

ABC der SchadenfreudeKinder lieben Reime. Und die aus dem „ABC der Schadenfreude“ ganz besonders, denn sie sind so richtig schön gemein. Hier ein paar der Reime, die nicht nur Kindern eine diebische Freude bereiten:

Alle Kinder springen ins Wasser. Außer Berta – die landet härter. Oder wie wär`s mit: Alle Kinder gehen zum Friedhof. Außer Hagen – der wird getragen. Auch sehr nett: Alle Kinder lieben Piranhas. Außer Annegret, die im Becken steht.

Alle Kinder lieben jedenfalls fiese Verse und ergänzen die 26 schlimmen Gedichte mit immer neuen Eigenkreationen und überbieten sich gegenseitig mit Wortspielen und Reimkunst. Ein Spaß für alle finsteren Zeitgenossen und ein tolles Geschenk für Leseanfänger. Die Illustrationen sind zwar ebenfalls sehr schön, aber irgendwie bei all dem Wortwitz gar nicht so wichtig. Verbreiten tun sich die Sprüche auch ungesehen von Kind zu Kind.

Alle Kinder, ABC der Schadenfreude, von Martin Schmitz-Kuhl( Text) und Anke Kuhl(Illustration)

Klett Kinderbuch, ISBN 978-3-95470-042-4

Mein ärgster Feind

Als ich ein Kind war, konnte ich Krankheiten durchaus etwas Annehmliches abgewinnen. Im Bett liegen, Märchen CDs in Dauerschleife hören und Tee ans Bett gebracht zu bekommen, fühlte sich mit zunehmender Genesung durchaus gut an. Auch als ich erwachsen wurde und meine erste Festanstellung bekam, war Krank sein an sich zwar nichts Schönes, aber quasi eine natürliche Begleiterscheinung meines Berufs. Wer nah am Menschen arbeitet, bekommt eben den ein oder anderen Bazillus ab und mehr als einmal schickte mich mein Chef höchstpersönlich nach Hause, wenn die Symptome nicht mehr zu übersehen waren. Ich konnte mich in aller Ruhe auskurieren und erschien irgendwann wieder gut gelaunt bei der Arbeit. Und dann machte ich mich selbstständig. Und damit nahm das Übel seinen Lauf. Als ich mit meinem ersten Magen-Darm-Virus flachlag und beim Kunden anrief, ob es sehr schlimm wäre, wenn ich nicht kommen könne, wurde dieser Hinweis schlichtweg überhört und so schleppte ich mich quasi direkten Weges von der Toilette zum Job und gab mein Bestes. Ähnliches widerfuhr mir mit meiner Fiebermeldung und dem grippalen Infekt und nach dem dritten Mal war klar: es ist völlig egal, ob ich krank bin. Wenn ich gebucht bin, habe ich auf der Matte zustehen. Hauptsache der Job steht, mögliche Ansteckungen zweitrangig. Ausnahme: der zeitgleiche Bruch beider Arme. Seitdem schweben Infekte wie Damoklesschwerter über mir. Alles mit Erkältung ist dabei zu vernachlässigen, gibt es doch zu genüge Pharmazeutika, die einen beschwingt durch den Tag kommen lassen. Und sich nichts anmerken zu lassen, ist Teil des Spiels. Schließlich möchte sich niemand anstecken und so heuchelt man beste Gesundheit, lutscht Dauerbonbons, damit man keinen Hustenanfall bekommt, verdrückt sich zum Naseputzen unauffällig auf die Toilette und deckt die rote Nase umgehend wieder mit Make up ab. Happy, happy. Aber einer hält sich an keine Spielregeln. Er ist mein größter Feind und ich fürchte ihn wie der Teufel das Weihwasser: den Magen-Darm-Virus. Dieses hinterhältige Ding ist extrem ansteckend und man weiß nie, wann und mit welcher Wucht er zuschlägt. Er nährt meine persönliche Horrorvision: dem Kunden direkten Weges vor die Füße kotzen zu müssen. Das muss jetzt mal so ganz unverblümt raus und dieses Outing erklärt vielleicht mein manchmal befremdliches Verhalten im Umgang mit Infizierten. Ich sage Zusammenkünfte bei Kenntnisnahme umgehend ab, entferne verseuchten Besuch schnellstmöglich aus der Wohnung und reise sofort ab, erfahre ich von einem Befall. Magen-Darm geht einfach gar nicht. Also echt, sorry. Und so träume ich manchmal davon, einfach im Bett liegen bleiben zu können, Tee ans Bett gebracht zu bekommen und Märchen CDs zu hören. Und manchmal klappt`s ja mit dem Timing und ich habe frei, wenn der Feind mich heimsucht. Dass sich das gut anfühlen würde, wäre aber dann doch gelogen.

Kleines Menschlein

Seitdem ich mein neues Smartphone habe, geschehen seltsame Dinge. Ruft beispielsweise jemand von einer mir unbekannten Telefonnummer an, zeigt mir das Display an, es könne sich um diese oder jene Person handeln. Es ergänzt außerdem Informationen zu meinen Kontakten, von denen ich noch gar nicht wusste, dass ich sie habe. Ich vermute deshalb, es wohnt ein kleines Menschlein in meinem Telefon, das nichts besseres zu tun hat, als meine E-Mails durchzulesen. Oder ist es sein Kollege in der Wolke, ganz weit weg am Firmament? Völlig ahnungslos finde es aber bei allem praktischen Nutzen, nie mehr von fremden Anrufern überrascht werden zu können ( sofern ich zuvor schon auf irgendeine digitale Weise Kontakt hatte) und jederzeit alle Informationen meiner Kontaktpersonen zur Hand zu haben, ziemlich unverschämt, dass mich nicht mal jemand gefragt hat, ob ich so einen kleinen Auswerter bei mir haben möchte. Weil, geht ja niemand was an, mit wem ich wann und so, oder?

Königin Schwermut

Normalerweise umschwirren mich mindestens eine Handvoll Themen, die ich auf unserem Blog teilen möchte. Aber die letzten Wochen wusste ich nichts mehr zu schreiben. Auf einmal kam mir alles so überflüssig vor, weil das echte Leben mit Schwermut überdeckt war. Wie sollen die Ideen sprudeln, wenn sich nichts leicht anfühlt? Wenn das echte Leben einfach nur anstrengend ist und Deine ganze Energie kostet? Aber darüber schreiben? Das ist nicht gerade sexy. Wir sollen doch alle schön und erfolgreich sein, möglichst viele Freunde und Likes haben; wir posten Fotos von den coolsten Partys, geilsten Urlaubstrips und heißesten Outfits. Wir haben Spaß und sind hip und zwar kollektiv. Zuzugeben, dass man nicht locker auf der Welle mitsurft, sondern versucht, nicht in der Brandung abzusaufen, passt nicht gerade zum Anforderungsprofil unserer Zeit. Ich tue es trotzdem. Vielleicht ist es einfach der Winter, die Tristesse. Ich jage jedenfalls gerade jedem einzelnen Sonnenstrahl nach. Und sehe langsam wieder mehr Farbe.

Warum Julian immer die Schuld bei anderen sucht und Dörthe mit dem Kopf gegen die Wand rennt

Viele von Euch haben sicherlich Geschwister oder sich immer eines gewünscht. Mit manchen ist man dicke, mit anderen weniger. Doch wie sehr sie das eigene Denken und Verhalten prägen, darüber ist man sich als Erwachsener oft nicht so im Klaren, auch wenn es ungezählte Studien und Veröffentlichungen zu diesem Thema gibt. Mit meiner großen Schwester soll ich mich angeblich ausgiebig gestritten haben. Ich kann mich an nichts mehr erinnern, außer dass ich ihr eines Tages eine Bissverletzung am Gesäß zugefügt habe – eine gewisse Disharmonie scheint also wohl da gewesen zu sein. In der Pubertät wurden wir dann ein Herz und eine Seele und sind uns bis heute sehr nah. Bekommt man eigene Kinder als (unfreiwilliges) Studienobjekt, wird einem auf einmal klar, welch immense Auswirkungen diese Geschwisterkonstellationen auf das Leben haben. Das Leben als Kind und mit Kindern kann unterschiedlicher nicht sein, ob man (k)ein oder mehrere Geschwister/ Kinder hat, ob Jungs, Mädchen oder gemischt. Da sind beispielsweise die erstgeborenen Königskinder (und ersten Versuchsobjekte der frischgebackenen Eltern), die oft eine unbändige Wut auf das kleinere Geschwisterchen entwickeln, weil es sie vom Thron gestoßen hat. Und obwohl sie meist weiterhin die erste Geige spielen, fühlen sie sich chronisch vernachlässigt und ungerecht behandelt. Das muss sich nicht unmittelbar nach der Geburt in großer Eifersucht zeigen, aber das Gefühl begleitet sie oft bis ins Erwachsenenalter. Die Zweitgeborenen laufen mangels ungeteilter Aufmerksamkeit oft mit, was Fluch und Segen zugleich ist. Verschont von zu viel Input seitens der Eltern wie Pekip, Babyschwimmen oder Musikgarten unmittelbar nach der Geburt, müssen sie durch eine gewisse Unangepasstheit dafür sorgen, überhaupt wahrgenommen zu werden und stehen unter dem ständigen Druck, mithalten zu wollen. Das Einzelkind ist in den ersten Jahren mit Sicherheit anstrengender, müssen doch ausschließlich die Eltern für sein Entertainment sorgen, während Geschwisterkinder im Idealfall die Nachmittage spielend verbringen. Wird das Kind größer, hat man allerdings eher einen verbündeten Partner im Haus, mit dem man sich gemeinsam gemütlich die Sonntage im Schlafanzug um die Ohren schlagen kann, während sich bei Haushalten mit mehreren Kinder klischeemäßig die Mädels anzuzicken pflegen und die Jungs die freie Zeit nutzen, sich ausgiebig zu prügeln. Also alles in allem eher unentspannt. Außerdem neigen Geschwister trotz aller Zwietracht dazu, sich gegen ihre Eltern zu verbünden, vor allem wenn es um Sonntagsausflüge wie Wanderungen oder andere Unbeliebtheiten geht. Da ist man dann fast chancenlos, während sich das Einzelkind eher an das Leben der Erwachsen anzupassen pflegt. Was wiederum für das Einzelkind nicht immer von Vorteil ist. Das mögen jetzt lauter Plattitüden sein, denn die Welt ist viel zu komplex, um sie auf wenige Muster herunterzurechnen und die Länge des Artikels begründet den Umstand, nicht alle möglichen Kombinationen abhandeln zu können, aber um es zusammen zu fassen: Kind(er) haben ist nicht gleich Kind(er) haben und Kind sein nicht gleich Kind sein, und das völlig unabhängig aller anderen Lebensumstände, nur allein wegen des Umstands, wer mit mir in dieser Familie lebt. Vielleicht lohnt es, diesen Aspekt des Lebens unter die Lupe zu nehmen, wenn sich der Partner/ die Partnerin mal wieder über eine etwas sonderliche Verhaltensweise wundert.

Das Zocken, die Kinder und ich

Meine erste Computerspielerfahrung Anfang der 80er war die Pac Man Konsole in einem Aufenthaltsraum eines Skilagers. Mein Cousin und ich waren ganz verrückt nach dem Teil und versuchten so oft wie möglich zu spielen. Vielleicht war es diese erste Erfahrung, die mich nachhaltig zur Videospielgegnerin hat mutieren lassen, war mir deren Anziehungskraft einfach nicht geheuer. Als „Jungsmutter“ war mir klar, dass mich das Thema Zocken irgendwann einholen würde und so bin ich die letzten Jahre wiederholt in mich gegangen und habe versucht, dem Ganzen etwas Positives abzugewinnen, möchte ich doch keine vereinsamten Nerds aus meinen Kindern machen. Aber die Wahrheit ist: ich hasse Computerspiele und seinesgleichen beziehungsweise den Sog, den sie ausüben und sie sind für mich die Killer jeder Kreativität. Mehr noch, ich finde die Aussichten, wie sich unsere Kinder entwickeln werden, die damit groß werden, nonstop online zu sein, sich ständig zu präsentieren, die auf Bestätigung und Likes getrimmt werden und anstatt sich zu langweilen, zum Handy oder der Spielkonsole greifen, nicht wirklich rosig. Viele mögen an dieser Stelle die Augen rollen, nämlich all die Eltern, die gerne selber zocken oder das eben alles nicht so schlimm finden. Die Veränderungen unseres Lebens durch das Internet und seine Begleiterscheinungen sind weitaus gravierender, als sie es die Jahrzehnte zuvor waren. Nur, dass wir Erwachsenen jenseits der Dreißig im Gegensatz zu den Kindern, die jetzt groß werden, das Leben „davor“ noch kennengelernt haben. Und das macht es nicht leichter. Ich wünsche mir wie viele andere Eltern, eigene schöne Kindheitserfahrungen an meine Kinder weitergeben zu können, habe aber ein Bild von einer Kindheit im Kopf, die es so vermutlich nicht mehr gibt. Aber war das nicht schon immer so, weil sich die Welt einfach weiterdreht und nichts so bleibt, wie es ist? Heute verliert die reale Welt oft, sobald ein digitales Medium ins Spiel kommt. Kindheit 2016 ist eben anders als Kindheit 1984 – alles ganz normal eigentlich. Ich hadere oft mit mir, warum ich den Kampf gegen die virtuelle Welt nicht einfach aufgebe und meine Kinder vor das iPad setze, könnte ich doch ein leichteres Leben haben. Aber es ist mir zu wichtig, dass sie noch so vieles im Hier und Jetzt erleben und nicht nur in fremden Welten, die sich unbekannte Softwareentwickler ausgedacht haben. Manchmal scheint es absurd, dass Kinder in unserer westlichen Welt, die ihnen so viele Möglichkeiten bietet, scheinbar nichts mit sich anzufangen wissen. Aber vielleicht ist auch genau das eine Antwort darauf, was Computerspiele – abgesehen vom Spaßfaktor – so reizvoll macht. Man weiß genau, was man machen muss, um zu gewinnen. Wer gut und wer böse ist. Jeder kann ein Held sein, egal, wie es in der Schule läuft. Du musst nicht nachdenken. Und du kannst immer wieder von vorne anfangen. Und vielleicht ist es das, was unsere Elterngeneration ihren Kindern oft nicht geben kann – einen klaren Kurs.

Freundschaft mitten im Leben

Die meisten von uns durften erleben, wie wunderbar einfach Freundschaft sein kann, zu Schulzeiten, während der Ausbildung oder des Studiums, wenn wir fast täglich viele Stunden gemeinsam erlebten, dieselben Interessen hatten und auch noch die Nächte zusammen verbrachten. Wir haben in den wenigen Stunden, die wir uns nicht gesehen haben, oft noch telefoniert und waren zu jeder Tages- und Nachtzeit füreinander erreichbar. Freundschaft in der Mitte des Lebens ist dagegen eine ziemlich mühsame Angelegenheit. Spontane Impulse, eine Freundin anzurufen, verpuffen meist ganz schnell wieder, fallen mir im selben Moment doch schlagkräftige Argumente ein, es nicht zu tun, sei es, weil sie sicherlich gerade arbeitet, am Nachmittag die Kinder aus dem Kindergarten abholt, mit Hausaufgabenbetreuung beschäftigt ist, am Abendessen kochen ist oder das Kind ins Bett bringt. Bis dann abends die Wohnung wieder in Normalzustand gebracht und der Abwasch erledigt ist, ist auch bei mir die Luft raus, um das loszuwerden, was mir Stunden vorher auf dem Herzen gelegen ist. Außer ich habe natürlich ein Tage oder Wochen vorher verabredetes Skypetelefonat mit einer Freundin im Ausland, bei der nicht Kinder für das komplizierte Vorgehen verantwortlich sind, sondern ein unberechenbarer Dienstplan. Egal, was nun die Beziehung verkompliziert, Freundschaft in der Mitte des Lebens verlangt viel Toleranz und Durchhaltevermögen, vor allem zwischen Kinderlosen und Freunden mit Kindern. Ohne ein Mindestmaß an Interesse und Einfühlungsvermögen für die Sorgen und Belange des/der anderen, auch wenn deren momentane Lebensform vielleicht rein gar nichts mit der eigenen zu tun hat, geht gar nichts. Ich bewundere Freunde, die es schaffen, jedes Jahr einen gemeinsamen Urlaub zu verbringen, ganz unabhängig von der jeweiligen Lebenssituation. Feste Verabredungen sind sicherlich eine gute Möglichkeit, sich nicht aus den Augen zu verlieren, aber eben auch nur dann möglich, wenn es Beruf und Partner und das durchgetaktete Leben an sich zulassen. So ist eines der wenigen Dinge, auf die ich mich am Älterwerden freue, dass ich wieder mehr Zeit für meine Mädels haben werde, vorausgesetzt, wir dürfen diese Zeit quietschlebendig und bester Gesundheit erleben. Einfach wieder spontan sein können, ohne Rücksicht auf Kinder, darauf freue ich mich. Und bis dahin heißt es durchhalten und sich nicht aus den Augen verlieren.

Tatendrang

Eine meiner ersten Taten im neuen Jahr wird es sein, alle bis dato verschmähten Weihnachtsmänner einzuschmelzen und in Form von Choco Crossies zu neuem Leben zu erwecken ( anstatt abzuwarten und sie zu Ostern ins Jenseits zu befördern). Für einen 130 Gramm Schokomann braucht man etwa 2EL Kokosraspel, 3EL Cornflakes und 1EL gehackte Mandeln. Die Schokolade im Wasserbad schmelzen lassen, die Zutaten mit einem großen Holzlöffel unterrühren und als kleine Häufchen auf einer mit Backpapier ausgelegten Fläche erkalten lassen. Mjammi und ratzfatz weg!Nikolaus

Meine Weihnachtsgeschichte

Ich kannte mal den Weihnachtsmann. Ja wirklich, natürlich nicht den echten, aber den gibt`s ja auch nicht. Er hatte eine große Knubbelnase und eine richtig alte, runde Nickelbrille. Die Nase war vermutlich einem Rhinophym geschuldet, das Männer manchmal bekommen, wenn sie älter werden und die Brille hatte er mit Sicherheit von seinem eigenen Großvater geerbt, so alt war sie mit ihren Bügeln zum Biegen und den komischen dicken Gläsern. Und natürlich hatte er einen weißen Vollbart und einen gemütlichen Bauch. Weihnachtsmann eben. Ich musste da nicht mehr viel nachhelfen, damit er authentisch aussah. Das erste Mal traf ich ihn kurz nach der Jahrtausendwende, als er mit ein paar Kindern – als Engel verkleidet- für den Titel eines Kataloges posieren sollte. Mitten im Hochsommer in einem Fotostudio, das bis zum Anschlag mit Weihnachtsschmuck dekoriert war. Bei 30°C Außentemperatur. Echt strange. Die Kinder waren auf und um den Schoß des Weihnachtsmanns positioniert und ihr Lachen war echt, denn der Weihnachtsmann mit dem gütigen Lächeln und den freundlichen Augen verstand sich auf Kinder, hatte er doch selber drei aufgezogen. Weiterlesen →