
Archiv der Kategorie: Daily life
Tägliche Begegnungen und Begebenheiten
Mutter-Tag

So ein schöner Tag. Sonne und Wind, die Kinder zurück gelassen, aufs Fahrrad geschwungen und auf und davon treiben lassen, an der Seite des Liebsten. Wer braucht da Kinder, die Blumen pflücken?
Wegschauer
Ehrlich gesagt, finde ich es wirklich beschämend, wie feige wir Deutsche uns gerade in der Flüchtlingspolitik verhalten. Angela Merkel hat dem Druck der Bevölkerung und aus den eigenen Reihen nachgegeben und das Problem sozusagen outgesourct. Mit fragwürdigen Mitteln und Partnern. Und wir machen mit. Wir schauen weg, was uns ja jetzt weit besser gelingt, wo sich das akute Elend der Flüchtlinge mehr als 1000 Kilometer entfernt abspielt. Eine bequeme Sicherheitszone für die Bewahrung unseres Wohlstandes. Und wir alle wissen, dass dort Unrecht geschieht. Ich bin jedes Mal froh, wenn zumindest die Nachrichten noch von solchem berichten und Journalisten und Hilfsorganisationen nicht wegsehen. Ich habe ebenso wenige Patentrezepte für den Umgang mit den Flüchtlingsströmen wie die meisten Politiker, aber ich denke, dass ein ganz grundsätzliches Umdenken stattfinden muss. Wenn wir weiterhin nicht bereit sein werden, den Kuchen des Wohlstands gerechter aufzuteilen, werden wir zwangsläufig in die Situation kommen, Unrecht zu tun und Gewalt auszuüben und all unsere Werte zu verraten. In einer Welt, die Informationen überall zugänglich macht, wird sich niemand mehr damit zufrieden geben, in Armut zu leben, während er den anderen beim Schlemmen im totalen Überfluss zusehen soll. Die Politik müsste anfangen, benachteiligte Länder Ernst zu nehmen, anstatt sie mit halbherzigen Hilfsprogrammen abzuspeisen. Es wäre an der Zeit, faire Handelsabkommen abzuschließen und heimischen Märkten nicht das Geschäft durch Billigimporte zu zerstören. Die Politik dürfte nicht mehr aus wirtschaftlichen Interessen entscheiden, in welchen Ländern sie interveniert oder eben auch nicht und Lasten müssten gerecht auf die Länder verteilt werden. Aber solange unsere Wirtschaftssysteme auf Wachstum basieren und sich jeder und jedes Land selbst am nächsten ist, wird all das nicht passieren. Statt etwas an den Verhältnissen zu verändern, wird man weiterhin versuchen, sich Probleme bestmöglich vom Leib zu halten. Und das zu einem hohen Preis – dem der Menschlichkeit.
Küchenregeln Italien
Mit ihrem italienischen Vater bekommen unsere Kinder die essentiellen Regeln er italienischen Küche schon mit der Beikost beigebracht. Auch der interessierte Italienfan kennt sicher die meisten der kulinarischen Do`s & Don’ts, aber viele zeigen sich doch noch überrascht, wenn ich auf manche Dinge hinweise – vor allem, weil die italienischen Lokale in Deutschland meist so eingedeutscht sind, dass hier normal ist, was in Italien nie ginge. Deshalb hier also die wichtigsten Regeln, die mir auf Anhieb in den Sinn kommen:
- Auf Nudeln mit Fisch oder Meeresfrüchten darf kein Parmesan! Die Italiener lieben ja ihren Parmesan und würzen sogar schon den ersten Babybrei damit, aber zu Fischpasta ist parmigiano (oder grana padano) ein no go!
- Die echten Spaghetti Carbonara werden nicht mit einer Sahnes0ße gemacht! Die Soße ist aus Ei und das schmeckt auch richtig lecker.
- Lang servierte Nudeln bitte nie klein schneiden. Spaghetti, Bavette, Tagliatelle und co. wollen gewickelt gegessen werden und entfalten so auch am Besten ihr Aroma mit der jeweiligen Soße. Bestenfalls rollt man natürlich nur mit der Gabel. Wenn man einen Löffel dazu bestellt wird man zwar belächelt, aber klein schneiden geht gar nicht. (Für die Kleinsten kann man natürlich eine Ausnahme machen. Meine vierjährige Tochter übt sich aber auch schon fleißig im Spaghetti aufrollen mit der Gabel)
- Nach dem Essen wird Espresso (= in Italien caffè) getrunken, kein Cappuccino oder gar eine Latte macchiato. Eigentlich werden die Kaffeespezialitäten mit Milch überhaupt nur vormittags getrunken, weil Milch für die Italiener zum Frühstück gehört. Wenn man sich einen leckeren Cappuccino nachmittags im Cafè nicht verkneifen kann – ich kenn das von mir – geht das zur Not noch durch. Aber direkt nach Mittag- oder Abendessen geht wirklich nur Espresso!
- Gnocchi, die leckeren kleinen, meist aus Kartoffeln gemachten Klößchen, spricht man „Njocki“ aus. Wenn da irgendwas rauskommt, was nach Knochen klingt, stellen sich bei mir echt die Nackenhaare auf.
In diesem Sinne wünsche ich BUON APPETITO!
Einfach gut.
Wir haben dies Jahr erstmals einen Familienkalender geschenkt bekommen. Eigentlich nichts wirklich Neues, so ein Kalender, aber wir hatten tatsächlich noch nie einen. Und ich muss sagen – bitte nie mehr ohne. Meine äußerst unflexiblen Kinder können sich endlich rechtzeitig auf das einstellen, was so an Terminen in der nächsten Zeit ansteht, vom Zahnarzt bis zum Besuch des besten Freundes. Sie wissen, wann ich arbeiten muss und wann vielleicht die Tagesoma kommt. Mit einem Satz: sie fühlen sich in die Planung miteingeschlossen, anstatt vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Eine einfache Maßnahme mit hoher Zufriedenheitsgarantie – schwer zur Nachahmung zu empfohlen!
Abbildung: Familienplaner, Grätz Verlag, ISBN-13: 9783944156514
Aktenzeichen XY….
Aus verlässlicher Quelle psychotherapeutischer Kreise kam mir jüngst zu Ohren, dass ein Großteil unserer Generation nachhaltig durch die Fernsehserie „Aktenzeichen XY… ungelöst“ geschädigt wurde. Diese Sendung war in den 70er und 80er Jahren der Straßenfeger schlechthin und fesselte am Freitagabend etwa Zwei Drittel aller Fernsehzuschauer. Allerdings war dies auch der Tag, an dem die Eltern gerne mal ausgingen. Also blieben die Kinder alleine zu Haus. Das Älteste hatte meist kein Einsehen, dass das Verbrechen bei den kleineren Geschwistern tiefe Spuren hinterlassen könnte in dem von den Eltern verlassenen Zuhause. Die Folge: Tausender traumatisierter Kinder, die bis ins Erwachsenenalter unter Verfolgungswahn, Panikattacken und diffusen Ängsten leiden. Ich überlege, eine Opfer-Hotline einzurichten. Und aus den Berichten ein Buch zu schreiben. Betroffene wenden sich bitte vertrauensvoll an mich.

Nicht über meine Leiche
Ich habe gefühlt schon immer einen Organspendeausweis, fand ich es seit jeher doch reichlich verschwenderisch, meine Innereien ungenutzt nach meinem Ableben verbrennen oder verrotten zu lassen, wenn sie anderenorts noch wunderbare Dienste leisten könnten.
Noch ist ja alles soweit ganz gut in Schuss, sieht man mal von so ein paar Mängeln ab wie der unzureichenden Sehleistung, die das Leben aber ja durchaus auch angenehm weichzeichnen kann. Angst, ich könne zum Zeitpunkt der Organentnahme noch nicht wirklich tot sein, hatte ich eigentlich nie, gehöre ich doch eher weniger zu jenen Abenteurern, die Länder bereisen, wo man das mit der Freiwilligkeit und dem Zeitpunkt des Ablebens vielleicht nicht so ernst nehmen könnte. Es gibt nur eine Ausnahme, die ich jedes Mal ganz dick vermerke: ich möchte auf keinen Fall der Wissenschaft überantwortet werden. Sozusagen nicht über meine Leiche. Und daran ist einer meiner Exfreunde Schuld. Ich weiß nicht, was seine Intention war, mich in einen Anatomiesaal mitzunehmen, in dem angehende Mediziner lernten, Leichen zu präparieren. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht mehr, warum ich überhaupt mitgekommen bin. Diese Frage stellte ich mir damals erst, als ich inmitten der leblosen Körper stand und mich dieser unangenehme Geruch in sich aufnahm. Sicher, als angehende Maskenbildnerin hatte auch ich mich mit Anatomie beschäftigt und wir hatten das ein oder andere unappetitliche Präparat menschlicher Missbildungen studiert, aber ich hatte definitiv nichts in diesem Saal zu suchen. Die Student(inn)en versuchten locker zu sein und übten sich an ihren ersten Scherzen im unverkrampften Umgang mit dem Tod. Treue Tatortkonsument(inn)en wissen, dass der Umgang mit einer Leiche etwas ganz Natürliches sein kann, der dem geübten Pathologen weder Appetit noch Laune verdirbt. Aber Scherze und Indiskretionen auf meine Kosten, wehrlos in einer Formaldehydwolke aufgebahrt, ohne mich, Leute. Vielleicht wäre das die richtige Verwertung für einen Exhibitionisten. In seinem Organspendeausweis müsste vermerkt sein: ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken. Endlich könnte er sich in seiner ganzen Pracht präsentieren und täte damit zumindest einmal in seinem Leben etwas Gutes.
Der Oscar und ich
Heute Nacht ist es wieder soweit: Der Oscar wird verliehen!
Für mich ist das die große Nacht des Jahres. Schon immer ein Filmfan und als Teenie ständig in Schauspieler verliebt, habe ich schon in der Schule begonnen die Oscarnacht zu schauen. Da wir keinen Fernseher hatten, guckte ich bei einer Freundin. Wie aufregend war es den angehimmelten Star quasi in Echtzeit zu sehen und seine richtige Stimme zu hören! Wir hatten vorher schon unseren favorisierten Film und fieberten dann jedesmal mit, wenn es (damals noch) hieß: The winner is…
Später in der Studienzeit sah ich die Oscarverleihung sogar ein paar Mal im Kino. Im Fernsehen wurde sie nicht mehr gezeigt, sondern nur noch im PayTV. Dafür übertrug ein Kino in Köln die Oscarnacht. Man servierte Sekt und Häppchen und es gab sogar einen roten Teppich – das war fast wie Hollywood.
Als die Oscarnacht dann wieder im Fernsehen gesendet wurde, gab es die Kinoevents leider nicht mehr. Trotzdem habe ich die Live-Übertragung kein Jahr verpasst, obwohl ich je nach Moderator nur die Hälfte verstanden habe und es manchmal, wenn kaum einer meiner Lieblingsschauspieler vertreten war und ich die Filme nicht kannte, auch eher langweilig war. Mein Chef und alle Kollegen wussten nach einigen Jahren dann auch bescheid, am Montag nach der Oscarnacht war ich nicht da, oder schlug, wenn es gar nicht anders ging, erst nachmittags am Arbeitsplatz auf.
Letztes Jahr hab ich die Oscarverleihung zum ersten Mal nach etwa 25 Jahren verschlafen! 4 Wochen nach der Geburt meines zweiten Kindes schaffte ich es einfach nicht so lange wach zu bleiben. Ich habe alles aufgenommen und am nächsten Abend geguckt, aber wenn es nicht live ist, ist es einfach nicht das gleiche. Die Aufregung, die Spannung und der Reiz, wer alles da sein wird, welche Kleider getragen werden und wer gewinnt, ist am Tag danach einfach verschwunden.
Obwohl ich zur Zeit unter ständiger Übermüdung leide, werde ich heute versuchen, wenigstens die Ankunft der Stars auf dem Roten Teppich zu schauen, um wenigstens wieder ein bisschen Oscarluft zu schnuppern. Mal sehen, ob George da ist und ob Leo gewinnen kann.
Mein ärgster Feind
Als ich ein Kind war, konnte ich Krankheiten durchaus etwas Annehmliches abgewinnen. Im Bett liegen, Märchen CDs in Dauerschleife hören und Tee ans Bett gebracht zu bekommen, fühlte sich mit zunehmender Genesung durchaus gut an. Auch als ich erwachsen wurde und meine erste Festanstellung bekam, war Krank sein an sich zwar nichts Schönes, aber quasi eine natürliche Begleiterscheinung meines Berufs. Wer nah am Menschen arbeitet, bekommt eben den ein oder anderen Bazillus ab und mehr als einmal schickte mich mein Chef höchstpersönlich nach Hause, wenn die Symptome nicht mehr zu übersehen waren. Ich konnte mich in aller Ruhe auskurieren und erschien irgendwann wieder gut gelaunt bei der Arbeit. Und dann machte ich mich selbstständig. Und damit nahm das Übel seinen Lauf. Als ich mit meinem ersten Magen-Darm-Virus flachlag und beim Kunden anrief, ob es sehr schlimm wäre, wenn ich nicht kommen könne, wurde dieser Hinweis schlichtweg überhört und so schleppte ich mich quasi direkten Weges von der Toilette zum Job und gab mein Bestes. Ähnliches widerfuhr mir mit meiner Fiebermeldung und dem grippalen Infekt und nach dem dritten Mal war klar: es ist völlig egal, ob ich krank bin. Wenn ich gebucht bin, habe ich auf der Matte zustehen. Hauptsache der Job steht, mögliche Ansteckungen zweitrangig. Ausnahme: der zeitgleiche Bruch beider Arme. Seitdem schweben Infekte wie Damoklesschwerter über mir. Alles mit Erkältung ist dabei zu vernachlässigen, gibt es doch zu genüge Pharmazeutika, die einen beschwingt durch den Tag kommen lassen. Und sich nichts anmerken zu lassen, ist Teil des Spiels. Schließlich möchte sich niemand anstecken und so heuchelt man beste Gesundheit, lutscht Dauerbonbons, damit man keinen Hustenanfall bekommt, verdrückt sich zum Naseputzen unauffällig auf die Toilette und deckt die rote Nase umgehend wieder mit Make up ab. Happy, happy. Aber einer hält sich an keine Spielregeln. Er ist mein größter Feind und ich fürchte ihn wie der Teufel das Weihwasser: den Magen-Darm-Virus. Dieses hinterhältige Ding ist extrem ansteckend und man weiß nie, wann und mit welcher Wucht er zuschlägt. Er nährt meine persönliche Horrorvision: dem Kunden direkten Weges vor die Füße kotzen zu müssen. Das muss jetzt mal so ganz unverblümt raus und dieses Outing erklärt vielleicht mein manchmal befremdliches Verhalten im Umgang mit Infizierten. Ich sage Zusammenkünfte bei Kenntnisnahme umgehend ab, entferne verseuchten Besuch schnellstmöglich aus der Wohnung und reise sofort ab, erfahre ich von einem Befall. Magen-Darm geht einfach gar nicht. Also echt, sorry. Und so träume ich manchmal davon, einfach im Bett liegen bleiben zu können, Tee ans Bett gebracht zu bekommen und Märchen CDs zu hören. Und manchmal klappt`s ja mit dem Timing und ich habe frei, wenn der Feind mich heimsucht. Dass sich das gut anfühlen würde, wäre aber dann doch gelogen.
Kleines Menschlein
Seitdem ich mein neues Smartphone habe, geschehen seltsame Dinge. Ruft beispielsweise jemand von einer mir unbekannten Telefonnummer an, zeigt mir das Display an, es könne sich um diese oder jene Person handeln. Es ergänzt außerdem Informationen zu meinen Kontakten, von denen ich noch gar nicht wusste, dass ich sie habe. Ich vermute deshalb, es wohnt ein kleines Menschlein in meinem Telefon, das nichts besseres zu tun hat, als meine E-Mails durchzulesen. Oder ist es sein Kollege in der Wolke, ganz weit weg am Firmament? Völlig ahnungslos finde es aber bei allem praktischen Nutzen, nie mehr von fremden Anrufern überrascht werden zu können ( sofern ich zuvor schon auf irgendeine digitale Weise Kontakt hatte) und jederzeit alle Informationen meiner Kontaktpersonen zur Hand zu haben, ziemlich unverschämt, dass mich nicht mal jemand gefragt hat, ob ich so einen kleinen Auswerter bei mir haben möchte. Weil, geht ja niemand was an, mit wem ich wann und so, oder?
Königin Schwermut
Normalerweise umschwirren mich mindestens eine Handvoll Themen, die ich auf unserem Blog teilen möchte. Aber die letzten Wochen wusste ich nichts mehr zu schreiben. Auf einmal kam mir alles so überflüssig vor, weil das echte Leben mit Schwermut überdeckt war. Wie sollen die Ideen sprudeln, wenn sich nichts leicht anfühlt? Wenn das echte Leben einfach nur anstrengend ist und Deine ganze Energie kostet? Aber darüber schreiben? Das ist nicht gerade sexy. Wir sollen doch alle schön und erfolgreich sein, möglichst viele Freunde und Likes haben; wir posten Fotos von den coolsten Partys, geilsten Urlaubstrips und heißesten Outfits. Wir haben Spaß und sind hip und zwar kollektiv. Zuzugeben, dass man nicht locker auf der Welle mitsurft, sondern versucht, nicht in der Brandung abzusaufen, passt nicht gerade zum Anforderungsprofil unserer Zeit. Ich tue es trotzdem. Vielleicht ist es einfach der Winter, die Tristesse. Ich jage jedenfalls gerade jedem einzelnen Sonnenstrahl nach. Und sehe langsam wieder mehr Farbe.
Zeit für mich
Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich brauche regelmäßig Zeit für mich ganz allein. Und zwar ganz alleine – nur ich. Mit Mann und zwei Kindern ist das nicht einfach, deshalb bleibe ich abends meist länger wach, warte bis auch mein Mann ins Bett geht (wenn ich die Müdigkeit so lange zurückhalten kann), um noch etwas Zeit für mich im Wohnzimmer zu haben. Ich mache dann meist gar nichts besonderes, schaue fern, surfe im Internet oder schaue im Dunkeln aus dem Fenster und genieße die Ruhe. Keiner der was von mir will, keine Kinder, die streiten… einfach ich und meine Gedanken. Tagsüber sind solche Momente eigentlich micht mehr möglich. Früher konnte ich mich noch manchmal aufs Klo zurückziehen und da solange gemütlich in ein paar Zeitschriften blättern, bis jemandem auffiel, dass ich schon über die normale Zeit, die ein Toilettengang in Anspruch nehmen darf, verschwunden bin und zu rufen oder wild an die Tür zu hämmern begann. Aber dieses „stille Örtchen“ gibt es für mich nicht mehr – meine Tochter will jetzt immer direkt mit mir aufs Klo. Ich habe diesen letzten Rückzugsort aufgegeben, nachdem sie immer laut Mama schreiend und jämmerlich schluchzend vor der Badezimmertür lag und rein wollte. Seitdem verrichte ich meine Geschäft in Gesellschaft. Also bin ich eben wach, wenn die anderen schlafen. Da fehlt mir dann zwar eine Stunde Schlaf, aber wenn ich diese Zeit alleine nicht habe, wirkt sich das negativ auf meine Geduld und andere für’s Zusammenleben wichtige Eigenschaften aus.
Mein Mann hat dieses Bedürfnis scheinbar nicht. Naja er ist Italiener und die sind es ja gewohnt bis zur Hochzeit zu Hause in der Familie zu wohnen und dann gleich mit dem Partner zusammenzuziehen. Die sind wirklich nie alleine! Wenn ich ihn am Anfang unserer Beziehung in Italien besucht habe und dann, während er arbeitete, alleine in ein Einkaufstzentrum oder ans Meer wollte, haben die mir immer gleich jemanden mitgschickt – einen Bruder oder eine Nichte, wer gerade verfügbar war. Alleine auf dem Balkon sitzen und lesen konnte ich auch nicht, da wurde ich gleich gerufen oder jemand kam, weil sie annahmen, ich würde mich langweilen. Ich musste schon ins Zimmer gehen und die Türe schließen, um mal alleine zu sein, und das fanden sie, glaube ich, ziemlich seltsam. Ich weiß nicht wie die das aushalten!
Naja, die Chance ist groß, dass mir mit dem Älterwerden der Kinder auch wieder mehr Zeit alleine bleibt. Und bis dahin muss ich mir eben die Nächte um die Ohren schlagen.
Warum Julian immer die Schuld bei anderen sucht und Dörthe mit dem Kopf gegen die Wand rennt
Viele von Euch haben sicherlich Geschwister oder sich immer eines gewünscht. Mit manchen ist man dicke, mit anderen weniger. Doch wie sehr sie das eigene Denken und Verhalten prägen, darüber ist man sich als Erwachsener oft nicht so im Klaren, auch wenn es ungezählte Studien und Veröffentlichungen zu diesem Thema gibt. Mit meiner großen Schwester soll ich mich angeblich ausgiebig gestritten haben. Ich kann mich an nichts mehr erinnern, außer dass ich ihr eines Tages eine Bissverletzung am Gesäß zugefügt habe – eine gewisse Disharmonie scheint also wohl da gewesen zu sein. In der Pubertät wurden wir dann ein Herz und eine Seele und sind uns bis heute sehr nah. Bekommt man eigene Kinder als (unfreiwilliges) Studienobjekt, wird einem auf einmal klar, welch immense Auswirkungen diese Geschwisterkonstellationen auf das Leben haben. Das Leben als Kind und mit Kindern kann unterschiedlicher nicht sein, ob man (k)ein oder mehrere Geschwister/ Kinder hat, ob Jungs, Mädchen oder gemischt. Da sind beispielsweise die erstgeborenen Königskinder (und ersten Versuchsobjekte der frischgebackenen Eltern), die oft eine unbändige Wut auf das kleinere Geschwisterchen entwickeln, weil es sie vom Thron gestoßen hat. Und obwohl sie meist weiterhin die erste Geige spielen, fühlen sie sich chronisch vernachlässigt und ungerecht behandelt. Das muss sich nicht unmittelbar nach der Geburt in großer Eifersucht zeigen, aber das Gefühl begleitet sie oft bis ins Erwachsenenalter. Die Zweitgeborenen laufen mangels ungeteilter Aufmerksamkeit oft mit, was Fluch und Segen zugleich ist. Verschont von zu viel Input seitens der Eltern wie Pekip, Babyschwimmen oder Musikgarten unmittelbar nach der Geburt, müssen sie durch eine gewisse Unangepasstheit dafür sorgen, überhaupt wahrgenommen zu werden und stehen unter dem ständigen Druck, mithalten zu wollen. Das Einzelkind ist in den ersten Jahren mit Sicherheit anstrengender, müssen doch ausschließlich die Eltern für sein Entertainment sorgen, während Geschwisterkinder im Idealfall die Nachmittage spielend verbringen. Wird das Kind größer, hat man allerdings eher einen verbündeten Partner im Haus, mit dem man sich gemeinsam gemütlich die Sonntage im Schlafanzug um die Ohren schlagen kann, während sich bei Haushalten mit mehreren Kinder klischeemäßig die Mädels anzuzicken pflegen und die Jungs die freie Zeit nutzen, sich ausgiebig zu prügeln. Also alles in allem eher unentspannt. Außerdem neigen Geschwister trotz aller Zwietracht dazu, sich gegen ihre Eltern zu verbünden, vor allem wenn es um Sonntagsausflüge wie Wanderungen oder andere Unbeliebtheiten geht. Da ist man dann fast chancenlos, während sich das Einzelkind eher an das Leben der Erwachsen anzupassen pflegt. Was wiederum für das Einzelkind nicht immer von Vorteil ist. Das mögen jetzt lauter Plattitüden sein, denn die Welt ist viel zu komplex, um sie auf wenige Muster herunterzurechnen und die Länge des Artikels begründet den Umstand, nicht alle möglichen Kombinationen abhandeln zu können, aber um es zusammen zu fassen: Kind(er) haben ist nicht gleich Kind(er) haben und Kind sein nicht gleich Kind sein, und das völlig unabhängig aller anderen Lebensumstände, nur allein wegen des Umstands, wer mit mir in dieser Familie lebt. Vielleicht lohnt es, diesen Aspekt des Lebens unter die Lupe zu nehmen, wenn sich der Partner/ die Partnerin mal wieder über eine etwas sonderliche Verhaltensweise wundert.
Tatendrang
Eine meiner ersten Taten im neuen Jahr wird es sein, alle bis dato verschmähten Weihnachtsmänner einzuschmelzen und in Form von Choco Crossies zu neuem Leben zu erwecken ( anstatt abzuwarten und sie zu Ostern ins Jenseits zu befördern). Für einen 130 Gramm Schokomann braucht man etwa 2EL Kokosraspel, 3EL Cornflakes und 1EL gehackte Mandeln. Die Schokolade im Wasserbad schmelzen lassen, die Zutaten mit einem großen Holzlöffel unterrühren und als kleine Häufchen auf einer mit Backpapier ausgelegten Fläche erkalten lassen. Mjammi und ratzfatz weg!