Yoga with Adriene

Ich musste leider erst vierzig werden, um zum überzeugten Yogafan zu werden. Meine Bänder und Gelenke mussten erst an Elastizität verlieren, um zu erkennen, dass Yoga eine der besten Sportarten ist, um den Körper geschmeidig zu halten und Verspannungen und anderen Beschwerden vorzubeugen. Denn dieses ganzheitliche Dehnen und Bewegen aller Körperpartien bieten sonst nur wenige Sportarten. Im Gegenteil – viele fordern den Körper nur einseitig, was zu Muskelverkürzungen und Verschleißerscheinungen führen kann. Das heißt jetzt nicht, dass alle nur noch Yoga machen sollen, nein, jedem das Seine und möglichst viel davon. Aber ich halte es für eine sinnvolle Ergänzung und Altersprävention und mir tut es einfach gut. Jetzt gibt es natürlich viele von uns, die gar nicht so recht zum Sport kommen. Dafür gibt es inzwischen zahlreiche wundervolle Tutorials auf YouTube. Zum Beispiel von Adriene Louise, die jede Woche ein neues ins Netz stellt. Diese 15 Minuten kriegen wir alle hin, oder? Einfach mal ausprobieren.

Meins, Deins, Unseres.

Zeitschriftenkiosk

Wir kaufen gerne Zeitschriften. Ein freier Tag wird für mich durch möglichst trashigen Tratsch gekrönt (und damit meine ich durchaus unterste Schublade) – dabei kann ich herrlich entspannen. Was nicht heißt, dass ich nicht auch Anspruchsvolles lese, aber alles zu seiner Zeit. Das sind dann meistens die Hefte, die mein Mann kauft, der oft gar nicht dazu kommt, all das auch zu lesen, was so nett und interessant aufgemacht ist. Jedenfalls hat unsere Freude am Zeitschriftenkaufen zur Folge, dass sich in der Wohnung schnell Berge stapeln, die regelmäßig wieder abgetragen werden müssen. Seitdem wir wissen, dass die Hefte nicht fast jungfräulich im Altpapiercontainer landen, geht das viel leichter. Wir haben jetzt eine kleine Ablage vor der Tür, wo auch andere Hausbewohner ihre Magazine hinterlassen – ein kleiner Lesezirkel sozusagen. Teilen macht echt Spaß und lässt dem Messie in Dir und mir keine Chance!

(Haus)Gemeinschaft

Hausgemeinschaft
Ich möchte an dieser Stelle nicht so tun, als würde ich mir nicht manchmal ein eigenes Haus mit großem Garten wünschen. Aber dann bin ich mir wieder ganz sicher, dass wir etwas viel Besseres haben: eine tolle Hausgemeinschaft. Und die gibt es eben nur, weil wir alle kein Wohneigentum haben und nicht jeder, mangels nötigem Platz, seinen eigenen Kirschentsteiner oder sein eigenes Waffeleisen hat ( – unser Vermieter dafür ein sorgsames Händchen bei der Auswahl seiner Mieter). Als unsere polnischen Nachbarn damals erstmals ihre zukünftige Wohnung besichtigten, warnten sie Freunde davor, mit so vielen Deutschen zusammen zu ziehen – die würden immer gleich mit dem Anwalt kommen und Ärger machen. Zum Glück haben sie nicht darauf gehört. Ihre Kinder sind inzwischen die besten Freunde meiner und alle beneiden sie, Teil einer solchen Gemeinschaft geworden zu sein. Wenn zwischen den Stockwerken und dem Hof reger Verkehr herrscht, stehen die Türen offen und manchmal ist nicht ganz klar, welches Kind sich wo befindet. Aber es geht ja keines verloren. Unsere Senioren haben von Anfang an lachend zu uns gesagt: „Kinder müssen Lärm machen!“, wenn ich mich mal wieder für Stunteinlagen vom Hochbett entschuldigt habe. Wie wunderbar ist das! Und mindestens genauso gut: manchmal geht eine unserer Seniorinnen mit den Kindern ins Kino und gibt einmal wöchentlich Nachhilfe. Dafür gibt es den älteren Menschen ein Gefühl der Sicherheit, jederzeit klingeln zu können, wenn sie Hilfe brauchen – auch wenn sie diese nur selten in Anspruch nehmen. Die Sonntagsbrötchen bekommen sie auf jeden Fall frei Haus, natürlich im Tausch gegen Bares und Süßigkeiten für die kleinen Lieferanten. Wir wohnen sozusagen in einem natürlich gewachsenen Mehrgenerationenhaus. Wir alle wissen, dass wir nicht allein sind und uns aufeinander verlassen können und das ist ein schönes Gefühl. Ich weiß immer, dass ich meine Kinder bei den Nachbarn unterbringen kann, ich finde immer irgendwo im Haus die Zutat, die mir gerade beim Kochen fehlt und wenn ich einen Schnack halten möchte, klopfe ich an eine Tür. Ein Anwalt ist inzwischen übrigens auch bei uns eingezogen, aber der macht (uns) keinen Ärger und ist ganz dufte.

Kennt ihr die Lochis?

Nein? Dann habt ihr vermutlich keine Kinder zwischen 10 und 18 Jahren. Diese YouTube Stars bekommen für ihre Videos, in denen die Zwillingsbrüder seit ihrem 12.Lebensjahr Hits persiflieren, bis zu 16 Millionen Klicks pro Video und stehen derzeit mit fast zwei Millionen Abonnenten ihres Kanals auf Platz 16 der erfolgreichsten deutschen YouTuber. Aber ihr müsst euch jetzt nicht schlecht fühlen, denn fragt man Hipster jenseits der Zwanzig nach den Jungs, kennt sie einfach niemand. Sie sind ein Nischenprodukt. Vorbei die Zeiten, in denen alle die selben Serien und Sendungen sahen und man sich über die Protagonisten von „Dallas“,„Lindenstraße“ und „Unter uns“ oder das letzte „Wetten dass…?“ unterhalten konnte, heute gibt es zu viele Möglichkeiten, um überall dabei sein zu können. Ein „Instagram“-Sternchen wechselt vielleicht gerade zu „Snapchat“, weil das in den USA bereits angesagter ist, ist aber noch lange nicht bei „Twitter“ zu Hause. Manche sehen amerikanische Serien auf Netflix, andere kennen keine einzige davon. Die Welt ist durch das Internet vielleicht ein bisschen kleiner geworden, generiert aber auch so viele Trends, dass eine gemeinsame Unterhaltungskultur in weite Ferne gerückt ist. Es gab zwar schon immer ganz unterschiedliche Strömungen, die einen hörten die Rolling Stones, die anderen die Beatles, es gab die Punks und die Popper, aber man wusste zumindest voneinander. Das ist heute anders. Gleichgesinnte werden sich natürlich auf ihren Plattformen finden und dort viel Spaß haben, vielleicht aber nichts von dem ahnen, wo ihr Nachbar so unterwegs ist. Ich gewöhne mir jedenfalls gerade ab, mich schlecht zu fühlen, weil der ein oder andere Trend komplett an mir vorbei geht. Ist nicht so schlimm, ich steige vielleicht beim nächsten wieder ein, wenn er in meine Nische passt. Ach übrigens, es gibt inzwischen die BRAVO TubeStars, nur falls ihr euch mal wieder auf den neusten Stand bringen wollt…

Küchenregeln Italien

Mit ihrem italienischen Vater bekommen unsere Kinder die essentiellen Regeln er italienischen Küche schon mit der Beikost beigebracht. Auch der interessierte Italienfan kennt sicher die meisten der kulinarischen Do`s & Don’ts, aber viele zeigen sich doch noch überrascht, wenn ich auf manche Dinge hinweise – vor allem, weil die italienischen Lokale in Deutschland meist so eingedeutscht sind, dass hier normal ist, was in Italien nie ginge. Deshalb hier also die wichtigsten Regeln, die mir auf Anhieb in den Sinn kommen:

  1. Auf Nudeln mit Fisch oder Meeresfrüchten darf kein Parmesan! Die Italiener lieben ja ihren Parmesan und würzen sogar schon den ersten Babybrei damit, aber zu Fischpasta ist parmigiano (oder grana padano) ein no go!
  2. Die echten Spaghetti Carbonara werden nicht mit einer Sahnes0ße gemacht! Die Soße ist aus Ei und das schmeckt auch richtig lecker.
  3. Lang servierte Nudeln bitte nie klein schneiden. Spaghetti, Bavette, Tagliatelle und co. wollen gewickelt gegessen werden und entfalten so auch am Besten ihr Aroma mit der jeweiligen Soße. Bestenfalls rollt man natürlich nur mit der Gabel. Wenn man einen Löffel dazu bestellt wird man zwar belächelt, aber klein schneiden geht gar nicht. (Für die Kleinsten kann man natürlich eine Ausnahme machen. Meine vierjährige Tochter übt sich aber auch schon fleißig im Spaghetti aufrollen mit der Gabel)
  4. Nach dem Essen wird Espresso (= in Italien caffè) getrunken, kein Cappuccino oder gar eine Latte macchiato. Eigentlich werden die Kaffeespezialitäten mit Milch überhaupt nur vormittags getrunken, weil Milch für die Italiener zum Frühstück gehört. Wenn man sich einen leckeren Cappuccino nachmittags im Cafè nicht verkneifen kann – ich kenn das von mir – geht das zur Not noch durch. Aber direkt nach Mittag- oder Abendessen geht wirklich nur Espresso!
  5. Gnocchi, die leckeren kleinen, meist aus Kartoffeln gemachten Klößchen, spricht man „Njocki“ aus. Wenn da irgendwas rauskommt, was nach Knochen klingt, stellen sich bei mir echt die Nackenhaare auf.

In diesem Sinne wünsche ich BUON APPETITO!

Freundschaft mitten im Leben

Die meisten von uns durften erleben, wie wunderbar einfach Freundschaft sein kann, zu Schulzeiten, während der Ausbildung oder des Studiums, wenn wir fast täglich viele Stunden gemeinsam erlebten, dieselben Interessen hatten und auch noch die Nächte zusammen verbrachten. Wir haben in den wenigen Stunden, die wir uns nicht gesehen haben, oft noch telefoniert und waren zu jeder Tages- und Nachtzeit füreinander erreichbar. Freundschaft in der Mitte des Lebens ist dagegen eine ziemlich mühsame Angelegenheit. Spontane Impulse, eine Freundin anzurufen, verpuffen meist ganz schnell wieder, fallen mir im selben Moment doch schlagkräftige Argumente ein, es nicht zu tun, sei es, weil sie sicherlich gerade arbeitet, am Nachmittag die Kinder aus dem Kindergarten abholt, mit Hausaufgabenbetreuung beschäftigt ist, am Abendessen kochen ist oder das Kind ins Bett bringt. Bis dann abends die Wohnung wieder in Normalzustand gebracht und der Abwasch erledigt ist, ist auch bei mir die Luft raus, um das loszuwerden, was mir Stunden vorher auf dem Herzen gelegen ist. Außer ich habe natürlich ein Tage oder Wochen vorher verabredetes Skypetelefonat mit einer Freundin im Ausland, bei der nicht Kinder für das komplizierte Vorgehen verantwortlich sind, sondern ein unberechenbarer Dienstplan. Egal, was nun die Beziehung verkompliziert, Freundschaft in der Mitte des Lebens verlangt viel Toleranz und Durchhaltevermögen, vor allem zwischen Kinderlosen und Freunden mit Kindern. Ohne ein Mindestmaß an Interesse und Einfühlungsvermögen für die Sorgen und Belange des/der anderen, auch wenn deren momentane Lebensform vielleicht rein gar nichts mit der eigenen zu tun hat, geht gar nichts. Ich bewundere Freunde, die es schaffen, jedes Jahr einen gemeinsamen Urlaub zu verbringen, ganz unabhängig von der jeweiligen Lebenssituation. Feste Verabredungen sind sicherlich eine gute Möglichkeit, sich nicht aus den Augen zu verlieren, aber eben auch nur dann möglich, wenn es Beruf und Partner und das durchgetaktete Leben an sich zulassen. So ist eines der wenigen Dinge, auf die ich mich am Älterwerden freue, dass ich wieder mehr Zeit für meine Mädels haben werde, vorausgesetzt, wir dürfen diese Zeit quietschlebendig und bester Gesundheit erleben. Einfach wieder spontan sein können, ohne Rücksicht auf Kinder, darauf freue ich mich. Und bis dahin heißt es durchhalten und sich nicht aus den Augen verlieren.

Ein Statement zur Mode auf einem Nichtfashionblog

GrannystyleIch habe mir letzte Woche eine Grazia gekauft und mit Verwunderung den aktuellen Streetstyle betrachtet. Jetzt hatte ich mich gerade an die Culotte gewöhnt ( das sind diese unterhalb des Knies endenden ultraweiten Hosen), da sieht auf einmal alles so was von zurück in die Vergangenheit aus, dass die so benannten „granny shoes“ nur eine Grausamkeit unter vielen darstellen. Ich für meine Person kann mir nicht vorstellen, mich hip zu fühlen, wenn ich mich in Spitzenbluse und Schlaghose oder ähnliche Outfits hülle, sondern mindestens zwanzig Jahre älter. Also das Selbstbewusstsein fehlt mir definitiv. Aber ich weiß, ich werde mich auch daran gewöhnen und in spätestens zwei Jahren alles ganz cool finden. So ist das immer. Das klingt jetzt vielleicht so, dass ich mit Mode nichts anfangen kann. Das stimmt so nicht, aber um ganz vorne mit zu schwimmen, fehlen mir definitiv Zeit, Geld und die bedingungslose Hingabe für Mode. Dabei habe ich beruflich schon ab und an mit absoluten Fashionistas zu tun und so versuche ich, zumindest nicht negativ aufzufallen, indem ich mir saisonal immer so zwei, drei coole Teilchen zulege, die ich bei Bedarf tragen kann. In New York oder Paris würde ich mit meinen Grannyteilchen und der entsprechenden Attitude vielleicht von einem Fashionblogger fotografiert werden, in Nürnberg liefe ich wohl Gefahr, dass mir ein Youngster in der U-Bahn seinen Platz anböte. Ich warte einfach wieder ein wenig, bis das alles nicht mehr ganz so heiß gehandelt wird, vielleicht gefällt es mir dann.

Soul Food

MaroniIch gebe zu, dass ich dem nasskalten Herbst dieser Tage nicht allzu viel abgewinnen kann. Ein Rettungsanker in dieser trübsinnigen Zeit ist für mich, den Ofen anzuwerfen, gemeinsam mit der Familie oder Freunden am Küchentisch zu sitzen und was richtig Warmes, Leckeres zu essen. Dazu gehören auf jeden Fall Heiße Maroni, deren Genuss sich uns erst offenbarte, als wir sie das erste Mal selbst zubereiteten. Die Maroni müssen etwa eine Stunde in Wasser einweichen, bevor man sie kreuzweise mit einem scharfen Messer einritzt und etwa 6 Minuten in sprudelndem Salzwasser kochen lässt. Danach müssen sie noch etwa 25 Minuten bei 180°C auf einem Backblech in den vorgeheizten Ofen. Ab und an mit Wasser besprühen. Die Heißen Maroni herausnehmen und in einen mit einem feuchten Geschirrhandtuch ausgekleideten Topf geben. Es ist soweit, alle dürfen zulangen, die Schalen abpulen und die warmen, dampfenden Maroni genießen. Einfach was für alle Sinne. Dazu schmeckt ein lecker Rotwein und während man so vor sich hin pult, der Ofen eine wunderbare Wärme verbreitet und der Wein ganz sanft zu Kopf steigt, lässt es sich mit aller Zeit der Welt über all das reden, was jeder schon lange mal erzählen wollte.

Gegen die Zeit

Ein mir nahestehendes Familienmitglied, das deutlich jenseits der 70 ist, legt in jüngster Zeit ein etwas befremdliches Verhalten an den Tag. Schon immer sehr sportlich gewesen, scheint es, als müsse er sich und der Welt beweisen, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört und absolviert sportliche Höchstleistungen bar jeglicher Vernunft, die schon einen Vierzigjährigen an seine Grenzen bringen würden. Darauf angesprochen, fragte er mich, ob ich es wohl anders machen würde, wenn ich in seinem Alter sei. Ich meinte, da müssten wir uns wohl zu gegebener Zeit an einem anderen Ort darüber unterhalten, ich könne es nicht wirklich beurteilen, mir momentan aber nicht vorstellen, dass ich im Alter zu einem solchen Verhalten tendieren würde. Was ich aber durchaus verstehen kann, ist der Kampf der euphemistisch betitelten „Silver Surfer“ gegen das Ausrangiert werden. Nicht nur, dass per se mit den Jahren alles mühsamer wird. Dazu kommt der Druck, es sich nach außen nicht anmerken zu lassen. Einmal beim Einparken die Parkuhr geschrammt, den Seitenspiegel abgefahren und Kontakt mit der Parkhauswand aufgenommen – und man muss befürchten, dass einem nahe gelegt wird, den Führerschein abzugeben. Der erste große Einschnitt in das selbstbestimmte Leben. Irgendwann folgt der erste größere Sturz zu Hause, eine Herdplatte wird vergessen und die tägliche Hygiene fällt zunehmend schwer. Dann wird die Frage in den Raum gestellt, ob man weiterhin in seinem Zuhause bleiben kann und darf. Die Versorgung wäre in einem betreuten Wohnen viel einfacher. Ja, einfacher schon, aber ein neues Zuhause? Sich noch mal zurecht finden und neu einrichten? In dem Zimmer sind dann andere Schränke mit einer Ordnung, die sich jemand anderes ausgedacht hat und die sein unfreiwilliger Bewohner nicht kennt und versteht. Kein Wunder, dass sich viele Senioren mit Händen und Füßen dagegen wehren. Und schade, dass sich nur sehr wenige unserer Eltern irgendwann einfach aufs Bänkchen vors Haus setzen und sich die Nase von der Sonne kitzeln lassen können. Und den ganzen Tag beobachten dürfen, wer so vorbeifährt und das ein oder andere Schwätzchen mit den Nachbarn halten können. Das wäre für alle Senioren eine schöne Aussicht, die es ihnen und uns zukünftigen „Alten“ sicherlich einfacher machen würde, dem Alter gelassen entgegen zu blicken und es anzunehmen. Dann würde ich mich mit Sicherheit irgendwann den Schaukelstuhl dem Trimmrad vorziehen, das kann ich jetzt schon sagen.

Die grauen Männer

Als ich als Kind in den 80ern „Momo“ von Michael Ende in einem Ruinentheater sah, begeisterte mich dieses ungewöhnliche kleine Mädchen mit ihrem Mut und ihren wilden Locken. Viele von Euch haben wahrscheinlich auch den Film mit Radost Bokel gesehen, die die Welt mit ihren großen Augen verzauberte. Als ich jetzt dieses Buch meinen Kindern vorlas, empfand ich die Geschichte als wesentlich beklemmender, fühlte es sich manchmal so an, als sei Michael Ende`s Fiktion Realität geworden und die grauen Männer, die die Zeit rauben, befänden sich mitten unter uns. Unbemerkt haben sie dafür gesorgt, dass wir an unserem Arbeitsplatz immer produktiver sein müssen, dass wir uns weniger Zeit für Freunde und Familie nehmen und sogar die Freizeit in Stress ausartet. Unsere Kinderbetreuung hat zwar qualitativ wenig mit den Kinder-Depots zu tun, in denen Momo`s Freunde untergebracht werden, weil ihre Eltern keine Zeit mehr für sie haben, aber Parallelen zu den Anforderungen der modernen Arbeitswelt gibt es doch zu Genüge. Nicht, dass alle Eltern früher den ganzen Tag Zeit für ihre Kinder gehabt hätten, aber sie hatten mit Sicherheit wesentlich mehr Freiheiten, auch mal unbeaufsichtigt mit ihren Freunden draußen zu spielen, anstatt durchorganisiert zu werden. Michael Ende`s Geschichte hat ein Happy End. Momo gelingt es, die grauen Männer zu überwältigen und die eingefrorenen Zeitblumen zu befreien. Wie wir unser Leben gestalten wollen, müssen wir immer wieder neu überdenken.

Syndividuell

louvreAls ich vor einiger Zeit Paris besuchte und am Louvre entlang schlenderte, geriet dieser fast in Vergessenheit, zog mich doch der Anblick mehrerer hintereinander auf Söckelchen positionierter Touristinnen in den Bann, die sich allesamt so fotografieren ließen, dass auf dem Foto der Eindruck entstehen sollte, sie berührten den Louvre mit ihren Fingerspitzen. In den Zeiten von Selfies, Belfies*, Bilfies**, Ussies***, Telfies**** oder Suglies*****genügt es eben nicht mehr, sich einfach vor den Louvre zu stellen und breit zu lächeln. Nicht, dass alte Urlaubsfotos orgineller gewesen wären. Aber diesen Anspruch hatten sie auch gar nicht.

( * Selfie des Pos, ** Selfie im Bikini,*** Selfie mit Gruppe, **** Selfie des Bauches, ***** besonders hässliches Selfie)

The search

Botox Barbies

Als kleines Mädchen gehörte ich zu jenen Kindern, die sich gerne bewegen, viel mehr, die Bewegung brauchen, um ihre Energie in die richtigen Bahnen zu lenken. Das führte dazu, dass ich im Laufe des Heranwachsens so allerlei Sportarten ausprobierte – von Rock`n Roll über Trampolinspringen bis hin zum Leistungsschwimmen. Es fand sich immer jemand, den ich für neue Aktivitäten gewinnen konnte. So diente der Besuch im Fitnessstudio neben dem unnachgiebigen Stählen des Körpers mindestens zu gleichen Teilen dem Austausch von nie versiegenden Neuigkeiten. Meine sportliche Erfolgsstory ging auch als Twenty weiter. Ich kannte alles, was es an Kursen gab – von Step Aerobic bis zu dem damals brandneuen Tae Bo. Sogar Yoga wurde schon hier und da angeboten, allerdings fand es auf Grund mangelnder Schweißproduktion nicht mein Interesse. Dann wurde ich schwanger und das Desaster nahm seinen Lauf. Nachdem ich mein Kind bis in den 7. Monat noch bei den akrobatischen Bodenteilen des Modern Dance kräftig durchgeschüttelt hatte, verabschiedete ich mich in eine kurze Babypause, um wenige Monate später frohen Mutes wieder zurück zu kehren. Es dauerte etwa 15 Minuten, in denen ich gegen das Verwechseln von rechts und links kämpfte, bis die Trainerin meinte, ich hätte ganz schön abgebaut und sollte wohl besser erst mal den Pilateskurs besuchen, um wieder in Form zu kommen. Hallo? Stilldemenz, schlaflose Nächte, kann ich da nicht auf ein bisschen Verständnis hoffen? Gut. Pilates also. Spaß macht das ja keinen, aber ich hielt eine Zeit lang durch, um wieder in Shape zu kommen. Aber eigentlich wollte ich wieder tanzen. Ich wurde älter und bekam noch ein Kind. Die Sehnsucht blieb. Kennt ihr diese eine einsame Mittdreißigerin, die zwischen euch Teenagern beim Jazztanz rumgehopst ist? Nein, ich war mir nicht zu schade, ich hab`s getan, ich habe einen Jazz Dance Kurs besucht – aber bin nie mehr hingegangen. Es fand sich ein anderer Kurs mit gleichgesinnten ehemaligen Primaballerinen, der aber wiederum so anspruchsvoll war, dass ich nicht mehr mitkam, funkte mir mal wieder ein Elternabend oder ähnliches dazwischen. Wer braucht denn in diesem anstrengenden Leben auch noch den Stress, beim Sport zu versagen? Ich ging nicht mehr hin. Das mit den festen Terminen für inzwischen in Betracht gezogene Yogakurse erwies sich als zunehmend schwierig und so beließ ich es irgendwann beim Joggen- zeitunabhängig, günstig, quasi überall praktizierbar – so, wie es für das Leben der arbeitenden Mutter kompatibel ist. Zufrieden? Nein. Die Zeit rückte unerbittlich voran, ich spürte, wie mein Glieder steifer wurden, meine Bauchregion allerdings eher nicht und so schien der Flyer eines bekannten Frauensportstudios wie für mich gemacht: Bauch weg in 4 Wochen. Ich hatte eigentlich nicht vor, mich jemals wieder in einem Fitnessstudio anzumelden, die Zeiten der Selbstkasteiung waren vorbei, aber war das nicht meine letzte Chance? Ich beschloss, mir ein Studio zumindest mal von innen anzusehen. Ein Anblick des Grauens. An den Geräten eine Armee von Arbeitern gegen den Verfall, im Bistro dekorativ postiert ein paar in die Jahre gekommener Botox-Barbies. Nein, nicht mit mir, dann doch lieber in Würde alt werden. Man kann nicht sagen, ich hätte es nicht versucht. Ich war dann noch mal in einem Tae Bo Kurs. Einfach um nicht einzurosten. Die 80er Jahre Beats dröhnten durch die Turnhalle und ich gab ein paar aus der Mode gekommener Aerobic moves zum Besten. Die Trainerin hatte sich ein langes Tuch als Stirnband um den Kopf gewickelt und ich kam nicht umhin, mich zu fragen, ob sie schon in der Menopause ist und deshalb vielleicht verstärkt schwitze. Ich habe durchgehalten, aber mal ehrlich- Spaß macht das keinen. Die Suche geht weiter.

Optimierte Kindheit

Dieser Tage flatterte mal wieder eine Einladung zu einem Kindergeburtstag ins Haus. Da stand geschrieben: Meinen Wunschzettel findest Du bei Amazon. Die vorangegangenen Einladungen enthielten den Hinweis auf den Geschenketisch beim ausgesuchten Spielwarenfachhandel, in der Art, wie man ihn sonst nur von Hochzeitseinladungen kennt. Neben dem altbekannten Gutschein scheinen dies momentan die beliebtesten Möglichkeiten zur Abwicklung von Wunschanfragen geladener Kindergeburtstagsbesucher(innen) bzw. deren Eltern zu sein. Eine wunderbare Sache, dachte ich anfangs erfreut, um auch wirklich das zu schenken, was das Kind sich wünscht. Es hat sich ja eben diese Sachen selbst ausgesucht. Bin ich doch selbst stets bemüht, unnötigen Krusch von zuhause fernzuhalten und die Flut von (unnützen) Geschenken zu minimieren. Aber irgendwann regte sich Widerstand in mir. Sollte nicht jedes Kind das Recht haben, etwas richtig Doofes geschenkt zu bekommen? Aber vielleicht auch etwas ganz Ungewöhnliches, was weder das Kind noch seine Eltern sonst entdeckt hätten und was vielleicht riesen Spaß macht? Ich denke, wir könnten es wagen, dieses Risiko einzugehen. Einfach mal so ganz die Kontrolle verlieren. Total crazy.

How to treat a model

Ich muss heute mal ein paar Sätze zu einem Thema schreiben, mit dem viele von Euch wohl gar nicht in Berührung kommen werden, manche aber vielleicht doch als Produktmanager oder Fachkauffrau/-mann im Marketing oder einem der vielen anderen Berufe, die mit Werbung zu tun haben. Es könnte nämlich eigentlich alles so einfach sein. Eins voraus: in den 15 Jahren, in denen ich intensiv mit Modellen zu tun habe, sind mir etwa drei echte Zicken untergekommen. Alle anderen Models haben einen guten, entspannten, professionellen Job abgeliefert. Manche Kunden haben das allerdings sicherlich anders gesehen. Und das liegt an der Einstellung mancher Auftraggeber. Sie zahlen viel Geld für ein Model und sind daher der Meinung, dass sie ihm alle menschlichen Bedürfnisse absprechen dürfen und das Model zu funktionieren hat. Wer selbst schon einmal vor einer Kamera gestanden hat, weiß, wie wichtig es ist, sich wohl zu fühlen. Das ist bei einem Model nicht anders, auch wenn es zu einem weit aus höheren Grad seine wahren Gefühle überspielen kann. Aber auch bei größter Professionalität gefriert das Lächeln irgendwann, wenn einem kalt ist, man Hunger hat, keine Pause bekommt und der Kunde ständig hinter vorgehaltener Hand tuschelt und unzufrieden schaut. Auf eine klare Ansage kann ein Model weitaus sinnvoller reagieren, als wenn sich Kunde und Fotograf hinter dem Bildschirm besprechen, ohne das Feedback weiterzugeben. Sollte das Model an sich nicht gefallen, sollte man es lieber nach Hause schicken und neu buchen, denn daran wird es nichts ändern können. Weiterlesen