Kinostart: About a girl

Filmplakat about a girlDie Nürnberger Produktionsfirma Imbissfilm der zwei wirklich netten Jungs Michael Stehle und Martin Rehbock haben sich bisher „nur“ mit Kurzfilmen einen guten Namen gemacht. Jetzt haben sie ihren ersten Kinofilm produziert und der läuft kommenden Donnerstag an. Die Zuschauerzahlen der ersten Tage entscheiden darüber, in wie vielen Kinos ein Film gezeigt wird. Also, Babysitter anrufen und nichts wie hin! Ein paar Auszeichnungen hat der Film übrigens schon und Heike Makatsch ist auch mit dabei. „Ein Film der bösen, der schlagfertigen, der morbiden Dialoge“, wie die Welt schreibt. Na dann, viel Spaß!

Teaser und Inhalt unter: about a girl

Buchtipp für die Sommerferien:

Latte-Igel-WassersteinFür mich ist es inzwischen Tradition, vor den heiß ersehnten Sommerferien ein schönes Vorlesebuch auszusuchen und das wird bei uns dies Jahr „Latte Igel und der Schwarze Schatten“ sein. Die erste Geschichte „Latte Igel und der Wasserstein“ schrieb der finnische Autor und Lyriker Sebastian Lybeck bereits 1958 und steht sprachlich einer Astrid Lindgren oder einem Erich Kästner in nichts nach. Der Wald, in dem Latte Igel mit seinen Freunden lebt, ist durch großen Wassermangel davon bedroht, zu Grunde zu gehen. Der Rabe Korp erzählt Latte Igel von dem wundersamen Wasserstein, aus dem ohne Unterlass Quellwasser sprudelt. Der Bärenkönig Bantur hat ihn in seinen Besitz in den finsteren Nordwald gebracht. Ihn zurückzuholen, würde den Wald retten. So macht sich der kleine Igel auf den gefährlichen Weg durch das Gebiet der Wölfe und Luchse, obwohl er nicht gerade der geborene Superheld ist. Man taucht beim Lesen sofort in die Welt des Latte Igel ein. Die sprachlichen Bilder sind ganz klar, man kann den Wald fast riechen und fühlen. Die Kinder, die sich mit dem kleinen Igel auf die Reise machen wollen, müssen also schon ein wenig mutig sein. Aber dann lieben sie dieses spannende Buch und können es kaum erwarten, zu hören, wie das Abenteuer weiter geht. Auch der zweite Band „ Latte Igel reist zu den Lofoten“ kann diese Erwartungen erfüllen. Ein Buch, für das Kinder eher ins Bett gehen, damit sie beim Vorlesen endlich erfahren, ob es Latte Igel und seinen Freunden gelingen wird, die kleine Elfe Kirivi aus den Fängen des Adlers Groff zu befreien. Den dritten Band „Latte Igel und der Schwarze Schatten“ schrieb der Autor erst 2005, also fast 50 Jahre nach dem ersten Roman, nachdem er viele Jahre seine Frau gepflegt hatte und diese schließlich verstarb. Diese schmerzliche Erfahrung hat auf diesen Band abgefärbt. Latte Igel ist alt geworden und müde. Er wird in eine Parallelwelt gezogen, in der alles grau ist und ihn seine Freunde nicht mehr erkennen. Der kleine Igel schafft es jedoch, sich aus seiner Lage zu befreien und in seine Welt zurückzukehren. Eine Erfahrung, die viele Menschen nach einem solchen Verlust durchleben. Das ist kein Sommerbuch? Ich finde, der Schatten gehört zur Sonne. Und bin gespannt, wie Latte Igel diese mehr als schwierige Aufgabe bewältigen wird. 2012 hat Sebastian Lybeck schließlich mit dem Illustrator Daniel Napp das wunderschöne Bilderbuch „ Ein großer Tag für Latte Igel“ herausgebracht, in dem Latte Igel seinen Geburtstag auf einer Reise quer durch den Wald mit all seinen Freunden feiert. Happy end? Mal sehen, ob uns Sebastian Lybeck noch eine Fortsetzung schenken wird.

Sebastian Lybeck: Thienemann Verlag

„Latte Igel und der Wasserstein“ ISBN-13: 978-3522180511 ab ca. 6 Jahre

„Latte Igel reist zu den Lofoten“ ISBN-13: 978-3522182836

„Latte Igel und der Schwarze Schatten“ ISBN-13: 978-3522180528

„Ein großer Tag für Latte Igel“ ISBN-13: 978-3522437141 ab ca. 4 Jahre

Alte Mama

In vieler Hinsicht bin ich eigentlich ganz zufrieden, dass ich nicht sehr jung Mutter geworden bin. So habe ich nicht das Gefühl dass ich etwas verpassen würde, weil ich ja viele Jahre immer das machen konnte, was ich wollte. Mit Ende dreißig wusste ich, dass die Abende in Kneipen und Clubs zu verbringen auf Dauer auch keine Erfüllung bringt. Auch wenn sowas jetzt schon ein bißchen häufiger sein könnte, vermisse ich es im Grunde selten. Von Verwandten oder Freunden, die schon früher Eltern wurden, hat man doch schon eine ungefähre Ahnung was einen erwartet. Zwar kann man sich die Veränderungen, die ein Kind für das eigene Leben bedeutet, nicht wirklich vorstellen, aber man ist zumindest darauf gefasst, dass es ein bedeutender Einschnitt sein wird. Man hat sozusagen durch andere Erfahrungen gesammelt, aber genau da liegt auch die Schwierigkeit einer „alten“ Mama. In all den Jahren, in denen man andere Eltern beobachtet, Folgen der Supernanny gesehen und sich über unerzogene Kinder und noch mehr über ihre unmöglichen Eltern aufgeregt hat, haben sich gewisse Vorstellungen ausgeprägt, wie man selbst als Mutter sein will, wie die Erziehung wohl gut funktionieren und wie man es selbst besser machen könnte als die anderen. Wenn das dann in der Wirklichkeit nicht so läuft wie gedacht, fehlt einem -also zumindest mir- leider oft die nötige Gelassenheit. Sich einzugestehen, dass man sich getäuscht hat und einfach etwas anderes zu probieren fällt schwer. Ich weiß mit 25 hatte ich keine genauen Erziehungsvorstellungen, hätte sicher weniger Erwartungen mich gehabt und deshalb viele Situationen auch lockerer genommen als jetzt. Diese Unbeschwertheit versuche ich mir jetzt zumindest ein bißchen wieder anzueignen – für mich, aber vor allem auch für meine Kinder!

Facebook, Twitter, Instagram , Google+, You tube, tumblr, pinterest, Xing – und wo bleibe ich?

Während sich unsere Großeltern im Laufe ihres Älterwerdens nur daran gewöhnen mussten, dass Telefone zunächst keine Wählscheiben mehr hatten, dann keine Schnur und man sie schließlich überall mit hinnehmen konnte, mussten sich unsere Eltern der Herausforderung des Internets stellen, wollten sie nicht vorzeitig zum alten Eisen gehören. Mit welchen Herausforderungen wir einmal konfrontiert sein werden, mag ich mir gar nicht vorstellen, teilt sich doch bereits jetzt die Gesellschaft in die Gruppe der begeisterten Internetnutzer, die bei Facebook, Twitter oder Instagram zu Hause sind und in die „Verweigerer“, für die es das höchste Maß an Anpassungsbereitschaft ist, einen E-Mail Account zu haben. Die nicht wissen, was ein Blog ist und Angst davor haben, auf Facebook zu erscheinen, sollten sie auf ein falsches Feld klicken. Ursache für die weite Bandbreite an Nutzungsbereitschaft ist sicherlich oft der Beruf, denn der ist meiner Meinung nach einer der Hauptgründe jenseits der dreißig, sich mit Social Media und den ständig neuen Plattformen auseinandersetzen zu müssen – oder eben auch nicht. Wer im weitesten Sinne mit PR zu tun hat, kommt nicht um Social Media herum. Als kleiner Ein-Mann(Frau)-Betrieb kann man das Füttern der verschiedenen Netzwerke und Plattformen allerdings kaum mehr stemmen, auch wenn Posts inzwischen automatisch auf verschiedene Plattformen gestreut werden können. Größere Firmen haben heute fast alle zusätzliches Personal, das sich ausschließlich um zeitlich perfekt abgestimmte Posts, Tweets und Pins kümmert. Was vor gefühlt sieben Jahren massentauglich mit „like mich auf Facebook“ begann, sieht inzwischen aus wie eine Werkzeugpalette im Photoshop: Facebook, Twitter, Instagram , Google+, You tube, tumblr, pinterest, Xing und jeden Monat ein neues Tool. Wer nicht muss, ist meist froh, nichts damit zu tun zu haben und hat oft wenig Ahnung, worum es dabei geht. Und so teilt sich die schöne, neue Welt, schon lange, bevor wir alt geworden sind. Fakt ist, dass technische Entwicklungen immer schneller fortschreiten und wer nicht mithält, ganz schnell draußen ist. Ältere Rechner funktionieren nicht mehr mit neuer Software, der ältere Drucker nicht mehr mit dem neuen Rechner. Ich selber bin schon lange nicht mehr in der Lage, Telefon- und Internetleitungen anzuschließen und ein funktionierendes System aus Rechnern und Festplatten einzurichten. Ich synchronisiere weder verschiedene Endgeräte, noch nutze ich die Cloud. Ich bin eben eine aus der Grauzone. Noch lange, bevor ich grau geworden bin. Wo ich in zwanzig Jahren sein werde, liegt außerhalb meiner Vorstellungskraft.

Würde ich diesen Artikel „Europa“ nennen, würde ihn keiner lesen

Was man von der Europapolitik so mitbekommt, ist ja nicht gerade ein Glanzstück. Die scheinbar unlösbaren Probleme mit Griechenland in Dauerschleife und das Versagen, sich auf eine europäische Flüchtlingspolitik zu einigen und die Unterbringung der in Italien und Griechenland ankommenden Flüchtlinge gemeinsam zu schultern, werfen kein gutes Licht auf die EU. Jedes Land scheint sich selbst am nächsten und der europäische Gedanke manchmal Lichtjahre entfernt. Aber dann gibt es da so heimlich, still und leise den ein oder anderen Gesetzentwurf des europäischen Parlaments und dessen Umsetzung, bei dem ich mir denke, das macht ihr wirklich gut. Die europaweite Abschaffung der Glühbirne hat noch so manchen vor den Kopf gestoßen, empfanden doch viele das Gesetz, wie das Eigenheim zu beleuchten sei, als Eingriff in die Privatsphäre. Aber es ist nun leider mal so, dass wir Menschen ein bequemes Völkchen sind und wider besseren Wissens gerne an alten Gewohnheiten festhalten und manchmal zu unserem Glück gezwungen werden müssen, zu träge sonst der Apparat. Jetzt geht es beispielsweise der Plastiktüte an den Kragen. Viele von uns wissen um den im Nordpazifik treibenden Plastikteppich einer Ausdehnung, die der zweifachen Fläche Deutschlands entspricht. Dennoch gehört der gute alte Einkaufskorb zu einer aussterbenden Gattung und alle bereits erworbenen Stoffbeutel liegen meist daheim, wenn wir noch spontan nach Feierabend etwas einkaufen gehen. Jetzt hat die EU beschlossen, dass der Pro-Kopf Verbrauch von etwa 200 Tüten pro Person und Jahr reduziert werden muss. Ein Weg dahin: die Abschaffung kostenloser Plastiktüten an den Kassen. Wir werden per Gesetz erzogen und das wird Zeit. Auch das Gesetz, dass es ab 2017 einheitliche Ladekabel für Handys, Tablets und Smartphones geben soll, ist einfach nur gut und sinnvoll. Leicht vorstellbar, wie viel Elektroschrott dadurch vermieden werden kann, tummeln sich bei den meisten von uns daheim sicherlich fünf verschiedene Ladekabel längst ausrangierter Handys. Wir hätten aber wohl bis in alle Ewigkeit warten können, bis die Industrie diese Idee in Selbstverpflichtung umgesetzt hätte, geht ihr doch dadurch eine lukrative Einnahmequelle verloren. Und jetzt hat der EU – Ministerrat auch noch für die Abschaffung der Roaming-Gebühren bis 2017 gestimmt. Wunderbar, wenn ich mir keine Gedanken mehr über meine Telefongebühren machen muss, ob ich nun zu Hause, in Italien oder Frankreich bin. Da steht doch einer nahezu grenzenlosen Kommunikation mit unseren europäischen Nachbarn quasi nichts mehr im Weg und vielleicht klappt es dann auch mit der Verständigung bei den ganz großen Themen besser. Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass da einige sinnvolle Dinge passieren, ganz ohne mein Zutun und manchmal scheinbar der Zeit voraus. Vielleicht ist das mit Europa doch besser als sein Image.

„Roots & Flügel“

MellowMark_Roots-und-Fluegel_CoverMellow Mark`s neues Album „Roots & Flügel“ ist da- starke Reggae/ Hip Hop Songs mit unbequemen Inhalt. Mellow Mark bleibt seinen politischen Wurzeln treu und singt massiv gegen soziale Missstände an. Für ihn sind Menschen unterschiedlichster Herkunft und Glaubensrichtungen eine Familie, diese Botschaft trägt er in die Welt. Und ich finde, in dieser Zeit, wo neue Feindbilder aufgebaut werden, rassistische Übergriffe wieder stark zunehmen und Stimmung gegen Asylsuchende gemacht wird, ist das ein sehr wichtiges Bekenntnis. Jedes zehnte Kleinkind wächst laut „heute“- Journal weltweit in Kriegsgebieten auf und wir haben Angst um unseren Wohlstand, wenn Flüchtlinge unsere Hilfe suchen. Also, Zeichen setzen, die Fenster aufmachen und ganz laut Mellow spielen!

Das Album gibt`s dort: http://www.mellowmark.de/shop

Und hier eine Kostprobe aus „Roots & Flügel“:

Härtet Eure Kinder ab!

Und ich meine damit nicht, sie, wie wohl in seltenen Regionen Russlands üblich, direkt nach der Geburt ins Eismeer zu tauchen. Nein, härtet sie dahin gehend ab, dass nicht nur sie Bedürfnisse haben, sondern auch ihr, die Eltern! Schleppt sie auf jedes Fest mit, zu dem ihr eingeladen werdet, nehmt sie zum Shoppen mit und auf Festivals. Wir haben das nämlich irgendwie total vergeigt und dauernd Rücksicht genommen. Die Kinder bleiben lieber zu Hause? Gut, dann nehmen wir einen Babysitter- ist ja sowieso stressfreier. Und überhaupt, die Woche ist schon so voll, da kann ich ja die eine kleine Unternehmung für mich auch noch streichen. Und was kommt dabei raus? Wenn ich jetzt zu meinen Kindern sage: „Ich möchte heute Abend auf das Straßenfest, das ist bestimmt ganz nett!“, schauen mir rollende Augen aus langen Gesichtern entgegen, deren Mündern ein ächzendes Stöhnen und ein „Och, Mann!“ entfährt. Es folgt eine mindestens dreißigminütige Diskussion, in deren Verlauf ich alle Register der Überzeugungskunst ziehen muss und mir jegliche Lust vergeht. Im Anschluss verfluche ich mich, den Abend nicht gleich ohne Kinder geplant zu haben. Aber, Mensch, das geht auch ins Geld und außerdem kann man ja auch mal was zusammen machen. Wenn wir es dann nach großem Streit und Tränen geschafft haben, das Haus zu verlassen, wird es meistens eine gute Sache. Aber die Nerven, die mich das gekostet hat, hätte ich mir gerne gespart. Also, in diesem Sinne, ein schönes Wochenende und macht auf jeden Fall etwas, auf das ihr „Großen“ Bock habt.

The search

Botox Barbies

Als kleines Mädchen gehörte ich zu jenen Kindern, die sich gerne bewegen, viel mehr, die Bewegung brauchen, um ihre Energie in die richtigen Bahnen zu lenken. Das führte dazu, dass ich im Laufe des Heranwachsens so allerlei Sportarten ausprobierte – von Rock`n Roll über Trampolinspringen bis hin zum Leistungsschwimmen. Es fand sich immer jemand, den ich für neue Aktivitäten gewinnen konnte. So diente der Besuch im Fitnessstudio neben dem unnachgiebigen Stählen des Körpers mindestens zu gleichen Teilen dem Austausch von nie versiegenden Neuigkeiten. Meine sportliche Erfolgsstory ging auch als Twenty weiter. Ich kannte alles, was es an Kursen gab – von Step Aerobic bis zu dem damals brandneuen Tae Bo. Sogar Yoga wurde schon hier und da angeboten, allerdings fand es auf Grund mangelnder Schweißproduktion nicht mein Interesse. Dann wurde ich schwanger und das Desaster nahm seinen Lauf. Nachdem ich mein Kind bis in den 7. Monat noch bei den akrobatischen Bodenteilen des Modern Dance kräftig durchgeschüttelt hatte, verabschiedete ich mich in eine kurze Babypause, um wenige Monate später frohen Mutes wieder zurück zu kehren. Es dauerte etwa 15 Minuten, in denen ich gegen das Verwechseln von rechts und links kämpfte, bis die Trainerin meinte, ich hätte ganz schön abgebaut und sollte wohl besser erst mal den Pilateskurs besuchen, um wieder in Form zu kommen. Hallo? Stilldemenz, schlaflose Nächte, kann ich da nicht auf ein bisschen Verständnis hoffen? Gut. Pilates also. Spaß macht das ja keinen, aber ich hielt eine Zeit lang durch, um wieder in Shape zu kommen. Aber eigentlich wollte ich wieder tanzen. Ich wurde älter und bekam noch ein Kind. Die Sehnsucht blieb. Kennt ihr diese eine einsame Mittdreißigerin, die zwischen euch Teenagern beim Jazztanz rumgehopst ist? Nein, ich war mir nicht zu schade, ich hab`s getan, ich habe einen Jazz Dance Kurs besucht – aber bin nie mehr hingegangen. Es fand sich ein anderer Kurs mit gleichgesinnten ehemaligen Primaballerinen, der aber wiederum so anspruchsvoll war, dass ich nicht mehr mitkam, funkte mir mal wieder ein Elternabend oder ähnliches dazwischen. Wer braucht denn in diesem anstrengenden Leben auch noch den Stress, beim Sport zu versagen? Ich ging nicht mehr hin. Das mit den festen Terminen für inzwischen in Betracht gezogene Yogakurse erwies sich als zunehmend schwierig und so beließ ich es irgendwann beim Joggen- zeitunabhängig, günstig, quasi überall praktizierbar – so, wie es für das Leben der arbeitenden Mutter kompatibel ist. Zufrieden? Nein. Die Zeit rückte unerbittlich voran, ich spürte, wie mein Glieder steifer wurden, meine Bauchregion allerdings eher nicht und so schien der Flyer eines bekannten Frauensportstudios wie für mich gemacht: Bauch weg in 4 Wochen. Ich hatte eigentlich nicht vor, mich jemals wieder in einem Fitnessstudio anzumelden, die Zeiten der Selbstkasteiung waren vorbei, aber war das nicht meine letzte Chance? Ich beschloss, mir ein Studio zumindest mal von innen anzusehen. Ein Anblick des Grauens. An den Geräten eine Armee von Arbeitern gegen den Verfall, im Bistro dekorativ postiert ein paar in die Jahre gekommener Botox-Barbies. Nein, nicht mit mir, dann doch lieber in Würde alt werden. Man kann nicht sagen, ich hätte es nicht versucht. Ich war dann noch mal in einem Tae Bo Kurs. Einfach um nicht einzurosten. Die 80er Jahre Beats dröhnten durch die Turnhalle und ich gab ein paar aus der Mode gekommener Aerobic moves zum Besten. Die Trainerin hatte sich ein langes Tuch als Stirnband um den Kopf gewickelt und ich kam nicht umhin, mich zu fragen, ob sie schon in der Menopause ist und deshalb vielleicht verstärkt schwitze. Ich habe durchgehalten, aber mal ehrlich- Spaß macht das keinen. Die Suche geht weiter.

Will ich wirklich alles wissen?

Ich denke, ich bin schon ein Mensch, der auf ein gesundes Leben achtet, noch verstärkt seit ich Kinder habe. Ich versuche die Familie so viel wie möglich mit Bio, am liebsten mit den guten Biomarken, zu ernähren; ich achte auf schlechte Strahlungen, verzichte zuhause auf WLAN und schalte mein Handy nachts aus. Gerade bei Babysachen, informiere ich mich vor dem Kauf über Schadstoffbelastungen und setze auch hier so gut es geht auf Biokleidung und -spielsachen. Ich lese Artikel und Testberichte und versuche dabei trotzdem noch ein einigermaßen entspanntes, gutgelauntes und genussvolles Leben zu führen.

Und dann gibt es da meine Schwester!

Sie erfährt wirklich alles und bekommt jeden Artikel in die Hände über Dinge, die uns schaden. Und obwohl ich in letzter Zeit schon öfter um ein Informationsembargo gebeten habe, scheut sie sich nicht, mir möglichst schnell ihre neuesten Erkenntnisse mitzuteilen und mich mit Kopien der jeweiligen Artikel zu versorgen. Es fing vor vielen Jahren mit Handymasten an. Bevor meine Schwester mir meinen ersten Handymast gezeigt und mir die schrecklichen Auswirkungen von dessen Strahlung geschildert hatte, wusste ich nicht mal wie sowas aussieht, aber erst einmal darauf aufmerksam gemacht, sieht man die Dinger wirklich an jeder Ecke bzw. auf jedem dritten Haus. Und da begannen dann auch die Einschränkungen in meinem Leben: Bei meiner nächsten Wohnungssuche schloss ich Wohnungen in Häusern Handymast oder in deren direkten Nähe sofort aus. Bei meiner Arbeitsstelle bin ich in direkter Nähe von 2 solcher Ungetüme und immer wenn sie mir in den Blick kommen, fühle ich mich direkt schlecht und jetzt noch mehr für meine Tochter, die auch dort in den Kindergarten geht. Neben vielen anderen war die nächste besonders einschneidende Warnung meiner Schwester die vor Aluminium bzw. vor den Deos. Sie (und damit auch bald ich) war wahrscheinlich eine der ersten, die um die Gefahr von Aluminiumsalzen wusste. Da war es dann vorbei mit meinem schönen geruchsneutralen Leben. Ich verwendete natürlich ein Deo mit Aluminium. Die Suche nach einer auch nur annähernd ähnlich gut funktionierenden Alternative dauerte ungefähr ein Jahr und bescherte mir viele Tage und Wochen, in denen ich mich selbst nicht riechen konnte und mir alleine aus Angst, stinken zu können, schon Schweißausbrüche kamen! Außerdem dachte ich voller Entsetzen darüber nach, ob ich wohl meine Tochter geschädigt hatte, weil ich damals in der Stillzeit noch das schädliche Deo verwendet hatte. Die letzten wissenschaftlichen Erkenntnisse, mit denen ich mich quäle, sind die Schäden, die Zucker verursacht (auch hier raubt mir vor allem meine Verantwortung als Mutter jede Ruhe, weil ich meinen Kindern natürlich auch nicht alles Süße verbieten will) und fluorhaltiger Zahnpasta, die wohl ein Grund für Parkinson sein kann.

Ihr seht, ein entspanntes Leben kann man mit so einer Schwester nicht führen. Wenn ich sie darum bitte, mir sowas nicht mehr zu erzählen, weil mich das fix und fertig macht, antwortet sie, dass sie ja auch um mich besorgt ist und mich deshalb informiert – dass man die Augen auch nicht verschließen darf vor diesen Dingen.   Und natürlich hat sie Recht!   Schuld ist natürlich nicht sie, sondern es sind die großen Konzerne und Lobbies, die uns und unsere Umwelt mit all dem krank machen. Bestenfalls noch aus Unwissenheit, meist jedoch in vollem Bewusstsein, was sie uns da unterjubeln. So ist z.B. den Fachleuten die Schädlichkeit von Aluminiumsalzen schon lange (bevor meine Schwester davon wusste) bekannt, aber ein Verbot soll noch nicht verhängt werden, um den Konzernen die Möglichkeit zu geben, Alternativen zu finden! Na vielen Dank auch! Hauptsache die haben keine schalflosen Nächte!

Wo bist Du, Willi Wiberg?

Wo bist du, Willi WibergObwohl Gunilla Bergström Alfons Aberg, oder wie er bei uns heißt, Willi Wiberg, bereits 1972 erschaffen hat, habe ich ihn erst in jüngster Zeit entdeckt und bin froh darüber, dass seine Existenz nicht gänzlich an mir vorbei gegangen ist. Willi ist nämlich wunderbar. Willi lebt mit seinem Vater in einer Wohnung in der Stadt und durchlebt da vieles, was ein kleines Kind eben so durchleben muss. Und das sind nicht immer die großen Abenteuer, sondern Situationen des Alltages, denen er sich stellen muss – mit all seinen Enttäuschungen, dem Ringen um Fassung, der Wut, der Freude und dem Trotz. All die Dramen des Alltags, in denen wir uns wieder finden, vom „Nicht ins Bett gehen wollen“, über das „Nicht fertig werden“ oder „Alles sofort wollen“. Das könnte auch der Stoff für diese schrecklichen Kinderbücher mit pädagogischem Mehrwert sein, aber darum geht es Gunilla Bergström nicht. Sie zeigt den Zauber und die Magie dieser Situationen mit ihren klaren und reduzierten Illustrationen. Besonders gut gefällt mir das fast schon philosophische „Wo bist Du, Willi Wiberg?“, in dem sich Willi die Frage stellt, wo er zu Ende ist. Ist er auch die Luft, die er ausatmet oder ein Teil der Gedanken seines Freundes? Ein wunderbar kluges Buch und ein Gedankenspiel, das nicht nur Willi Spaß macht.

Für Kinder ab 4 Jahren

ISBN-13:978-3-7891-7756-9, Oetinger

Optimierte Kindheit

Dieser Tage flatterte mal wieder eine Einladung zu einem Kindergeburtstag ins Haus. Da stand geschrieben: Meinen Wunschzettel findest Du bei Amazon. Die vorangegangenen Einladungen enthielten den Hinweis auf den Geschenketisch beim ausgesuchten Spielwarenfachhandel, in der Art, wie man ihn sonst nur von Hochzeitseinladungen kennt. Neben dem altbekannten Gutschein scheinen dies momentan die beliebtesten Möglichkeiten zur Abwicklung von Wunschanfragen geladener Kindergeburtstagsbesucher(innen) bzw. deren Eltern zu sein. Eine wunderbare Sache, dachte ich anfangs erfreut, um auch wirklich das zu schenken, was das Kind sich wünscht. Es hat sich ja eben diese Sachen selbst ausgesucht. Bin ich doch selbst stets bemüht, unnötigen Krusch von zuhause fernzuhalten und die Flut von (unnützen) Geschenken zu minimieren. Aber irgendwann regte sich Widerstand in mir. Sollte nicht jedes Kind das Recht haben, etwas richtig Doofes geschenkt zu bekommen? Aber vielleicht auch etwas ganz Ungewöhnliches, was weder das Kind noch seine Eltern sonst entdeckt hätten und was vielleicht riesen Spaß macht? Ich denke, wir könnten es wagen, dieses Risiko einzugehen. Einfach mal so ganz die Kontrolle verlieren. Total crazy.

Es geschah an einem Sonntag…

Ich liebe es, sonntags, als eine Art Downer zum Abschluss des Wochenendes, TATORT zu gucken. Meist steige ich allerdings erst so gegen 21Uhr ein, wenn die Leiche bereits gestorben ist und die Ermittlungen ihren Verlauf genommen haben. Vorher bekomme ich die Kinder einfach nicht ins Bett. Als ich an jenem Sonntag mal wieder den Wettlauf gegen die stark voranschreitende Zeit antrat, brummelte ich vor mich hin: „Mist, jetzt fängt der Tatort gleich an.“ Mein neunjähriger Sohn erwiderte großzügig: „Du brauchst mir heute nichts vorlesen.“ Ich: „Du, das ist total lieb von Dir, aber ich muss ja Deinem kleinen Bruder noch vorlesen.“ Er (wörtlich): „Mama, knall Dich vor die Glotze, ich übernehme das!“ Tja, Kinder werden groß und so saß ich tatsächlich pünktlich zum Tatort Intro um 20.15h vor dem Fernsehen und freute mich ein Loch in den Bauch.

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Erzähl uns mehr, Khaled!

Schon die ersten beiden Romane von Khaled Hosseini habe ich verschlungen und vor allem „Drachenläufer“ ist eines meiner Lieblingsbücher.

In seinem dritten Buch „Traumsammler“ wird noch deutlicher, was man aus den ersten beiden Büchern schon weiß: Der Autor ist ein fantastischer Geschichtenerzähler. Auch dieser Roman handelt wieder von seiner Heimat Afghanistan und vor allem von Menschen, die mit dem Land verbunden sind. Diesmal erzählt er uns in einzelnen oft tragischen, teils amüsanten, aber immer höchst spannenden Geschichten von außergewöhnlichen Schicksalen aus verschiedenen Teilen der Erde, die alle irgendwie zusammenhängen.

Das Besondere an seiner Erzählweise ist, dass er auf seltsame Art objektiv bleibt und oft schreckliche und grausame Begebenheiten ohne Pathos und Gefühlsduselei schildert, man als Leser aber trotzdem in seinen Bann gezogen wird. Und obwohl zumindest ich mich mit den Figuren nicht direkt identifizieren kann, weil sie und ihre Schicksale meist zu ungewöhnlich sind, fiebert man doch mit ihnen mit, lacht über die Dinge, die ihnen geschehen und weint für sie.

So war mir dieses Buch schließlich auch viel zu schnell zu Ende; ich hätte gerne noch mehr mit den Menschen erlebt, sie weiter in ihrem Leben begleitet.   Also, erzähl uns mehr, Khaled! Ich freue mich schon auf deinen nächsten Roman.

Khaled Hosseini, Traumsammler, Fischerverlage, ISBN: 978-3-10-032910-3