Vorfrühling

Wenn es bei uns an der Tür klingelt, finden für gewöhnlich zwei der folgenden Handlungsabläufe statt:

Der 1.Fall: Es passiert überhaupt nichts, da alle möglichen Türöffner geflissentlich bemüht sind, das störende Geräusch zu überhören, weil sie gerade hoch konzentriert Lego spielen oder sich nicht von der Arbeit am Computer lösen können.

Der 2.Fall: Mindestens ein Kind stürzt sich so, wie es gerade ist, tollkühn die Treppe hinunter, um den vermeintlichen Besuch oder den heimkommenden Elternteil freudig zu empfangen.

So geschehen an jenem Abend, als es gegen Acht Uhr klingelte. Mein achtjähriger Sohn, bereits im Schlafanzug, stürzte sich johlend die Treppe hinunter und schoss wenige Sekunden später wie ein geölter Blitz, seltsame Laute hervorstoßend und irgendwie komisch zuckend wieder an mir vorbei in die Wohnung zurück. Verwundert wartete ich auf die wundersame Person, die diese Reaktion ausgelöst hatte. Es war Mathilda, eine sehr nette Mitschülerin, die etwas bei uns abgeben sollte. Das kann ja heiter werden.Bild

Stereotyp?

No_butter!Manchmal laufe ich bei meiner morgendlichen Runde unter einer Brücke hindurch, die einem Obdachlosen  Schutz vor Regen bietet. Bis zu jenem Tag,wusste ich allerdings nicht, wer sich unter den Decken verbarg. Ich beschloss, ein Croissant zum Frühstück vorbei zu bringen, in der Annahme, dass dies nach einer kühlen Nacht eine nette Überraschung sein könne. Als ich ankam, sass der Nachtgast tatsächlich bereits an seiner Feuerstelle und köchelte etwas. Als ich ihm das Croissant überreichen wollte, zuckte er entschuldigend mit den Schultern und sagte, er esse keine Butter. Wie sich herausstellte, ist der Mann Veganer. Nichts ist eben, wie es scheint.

Ohne mich.

No_cleaningIch putze seit mittlerweile 7 Jahren Kindertageseinrichtungen und ich muss sagen- ich will nicht mehr. Jede private Einrichtung hat ihre Anforderungen und ich habe bis jetzt alles bereitwillig mitgemacht. Ich habe alle 14 Tage Essen für 12 Krippenkinder und 3 Erzieherinnen gekocht, ich habe Waffelteig für das Sommerfest vorbereitet, Plakate fürs Stadtteilfest gestaltet und bei der Schulzeitung mitgearbeitet. Wie gesagt, die Anforderungen ändern sich- nur eine haben sie alle gemeinsam: den Putzdienst. Fand ich es beim ersten Mal noch interessant, die Spielsachen der Kinder kennenzulernen, steigt heute in mir der der Widerwille hoch, wenn ich am Wochenende nach einem anstrengenden Job kreuzlahm Regale auswischen soll, die wesentlich sauberer sind, als jedes einzelne meiner Möbelstücke zu Hause. Weil ich ja auch dort nur ungern Stunden meines knapp bemessenen Zeitkontingents dem Putzen opfere. Mit jedem Wisch über ein weiteres bereits strahlendes Regal packt mich die Wut. Es muss Schluss sein. Ich fordere: Putzdienst den Reinigungsfirmen! Dann lieber kochen.

Putzdienst auf Italienisch

Da kannst du aber mal froh sein, dass du nicht mit einem Italiener verheiratet bist!!!

Ich habe das immer ganz ähnlich gesehen wie du – für mich fällt Putzen auch in die Kategorie “Verlorene Lebenszeit” und wenn ich irgendwann mal Geld übrig habe, ist das erste, das ich mir anschaffe, auf jeden Fall eine Putzfrau!!

Und dann habe ich einen Italiener geheiratet. Und was mir keiner vorher gesagt hat ist, dass die alle vom Putzwahn besessen sind! Wer sich unter “italienische Familie” eine große gemütliche, lustig plaudernde und immer lecker essende Menschengruppe vorstellt, der täuscht sich aber ganz gewaltig!!! Gemütlich wird es bei denen nämlich erst, wenn alles blitzblank und klinisch sauber ist. Und nach dem Essen noch schön am Tisch sitzen geht nur, wenn die Geschirr- und Topfberge gewaschen, getrocknet, weggeräumt und Herd, Spüle und Boden poliert sind.

Und erzähl einem Italiener mal was von Putzen und verlorener Lebenszeit, da wirst du nur verständnisloses Kopfschütteln ernten.

Bei meiner Schwiegermutter wird tatsächlich JEDEN Tag einmal die KOMPLETTE Wohnung (inklusive Balkon) geputzt. Und zwar nicht nur oberflächlich – nein da kann man wirklich sprichwörtlich vom Boden essen, und zwar vom Boden unter dem Sofa!!!     Leider hat mein Mann diesen Sauberkeitswahn geerbt. Wenn die Küche nicht strahlend sauber und aufgeräumt ist, kann er nicht entspannen und fühlt sich unwohl! Das einzig Gute dabei ist, dass er das Putzen dann auch meist selbst übernimmt, weil ich in Spüle und Herd schrubben meist nicht den italienischen Ansprüchen genüge. Beim Rest der Wohnung konnte ich ihn mit viel Mühe auf einen Turnus von ein bis zweimal pro Woche runterhandeln.

Und so putze also auch ich jede Woche Regale, die eigentlich noch gar nicht schmutzig sind.

Allerdings bei mir zu Hause und nicht in der KiTa, von solchen Putzdiensten der Eltern habe ich hier in Köln auch noch nie gehört – zum Glück bleibt mir das also wenigstens erspart!!!

Lieber George, mit besten Wünschen!

Jetzt ist es also tatsächlich passiert:

George Clooney wird heiraten!!!!!!!!

Oh Mann einfach so! Plötzlich ist er verlobt, obwohl die Beziehung mit dieser Amal für mich noch gar nicht richtig real war! Ich habe zumindest nicht so viel davon mitgekriegt, keine Fotos, öffentliche Auftritte usw.

Und dann auf einmal Verlobung, ein Hochzeitstermin und sogar von Nachwuchs ist die Rede!!!

Tja, dann wird unsere lange und nicht immer völlig befriedigende Beziehung wohl demnächst zu Ende sein. Dein wunderbares süffisantes Lächeln, das mich immer so zum Schwärmen gebracht hat, schenkst Du jetzt wohl tatsächlich einer anderen. All die Tussis vorher waren für mich ja nie wirklich Konkurrenz. Da war mir immer gleich klar, dass es für Dich nichts Ernstes war. Auch wenn mir der tiefere Sinn dieser komischen Beziehungen mit diesen aus dem Nichts hervorgeholten Starlets immer verborgen blieb – unserer wahren und einmaligen Verbindung konnten die nichts anhaben.

Mein Mann konnte sich bei der Nachricht Deiner Verlobung ein triumphierendes Lächeln nicht verkneifen. Du hast ja von Anfang an eine Rolle in unsere Beziehung gespielt. Als ich meinen Mann 2008 das erste Mal in Italien besucht habe, hatte ich mich auch gleichzeitig für eine Rolle in einem Nespresso-Spot beworben, die man damals gewinnen konnte. Und hättest du mich damals angerufen, George, ich wäre sofort zu Dir nach Mailand gekommen! Aber Dein Anruf kam nicht und so bin ich dann eben bei ihm geblieben.

Na und jetzt kommt da diese Amal und Du vergisst einfach alles und machst auf einmal Ernst.                  Aber ganz ehrlich? Mit dieser Frau kann ich eigentlich leben. Sie sieht ja nicht nur wirklich gut aus, sondern scheint auch tatsächlich mal intelligent zu sein und sich für wirklich wichtige und gute Dinge zu engagieren. An ihr kann ich fast nichts Schlechtes finden, außer vielleicht, dass sie zu dürr ist.

Also, lieber George, meinen Segen hast du – dann werde halt glücklich mit Deiner Amal!

Und wenn es vielleicht doch mal nicht so läuft – du weißt: Ich werde immer für Dich da sein.

40 und jetzt?

Viele von uns Mädels werden dies Jahr 40. Und das Leben sieht bei den meisten ganz anders aus, als wir es uns als Teil der “Generation Golf” einmal vorgestellt haben. Wir sind mittendrin statt angekommen. Jobsuche, Familienplanung, teure Mieten, 400,-€ Jobs. Wir sind vom Wohlstandsross unserer Eltern oft unsanft abgeschmissen worden und suchen neue Wege. Tauschbörsen oder Carsharing werden als Produkte unseres ökologischen und sozialen Verantwortungsbewusstseins kommuniziert, ich bin mir aber sicher, dass viele von uns teilen müssen, weil sie es sich- vor allem als Eltern von Kindern- nicht mehr leisten können, alles neu und selber zu kaufen. Die Frage ist, wie wir mit dieser neuen Lebenssituation umgehen. Eins ist klar: im Vergleich zu den meisten anderen Ländern, geht es uns  sehr gut. Und wie sich schon oft gezeigt hat, gibt es auch viel Positives, wenn die Menschen näher zusammenrücken müssen, weil sie nicht alles selbst haben und können. Viele Ansprüche, die wir für selbstverständlich gehaltenen haben, müssen wir sicherlich zurückschrauben. Aber wir sollten auch deutlich zeigen, wann der Preis für  die Anpassungen an unsere globalisierte Welt zu hoch geworden ist.

Johanniskraut for free.

Johanniskraut1Obwohl ich ja nun selber keine 20 mehr bin, muss ich mich in guter, alter Jugendmanier doch mal kurz über die Rentner(innen) auslassen, die, der zahlreichen Ausnahmen zum Trotz, leider manchmal alle Vorurteile bestätigen. Letzte Woche wollte ich vormittags kurz vor einem Job noch Klamotten umtauschen. Auch dies rein beruflicher Natur. An den Kassen vor mir natürlich nur Damen fortgeschrittenen Alters. Einige von Ihnen waren auf die sinnvolle Idee gekommen, eine Mittelschlange zu bilden, um von dort aus der Reihe nach zur nächsten, freien Kasse vordringen zu können. Dann kam SIE und stellte sich ganz beiläufig neben uns, um doch nach einer Minute zu uns herüberzublicken und leicht erstaunt zufragen: “Ach, Sie stehen an?”. Es schien, als wolle SIE sich ins System einfügen, aber es widerstrebte ihrer Natur so sehr , dass es kurz darauf aus ihr hervorquoll. ” Also, wenn man sich anstellt, kann man aber nicht die ganze Zeit im Wühltisch herumsuchen( was meine Voranstellerin seit geraumer Zeit tat), da weiß man ja gar nicht, dass Sie sich anstellen.” Ich entgegnete: “Aber das wissen Sie doch bereits.” Ich spare mir an dieser Stelle die Verwünschungstiraden, die SIE auf mich herabschleuderte. Es bleibt zu ergänzen, dass sich unsere Mittelschlange kurze Zeit danach auflöste, ich natürlich an der Kasse landete, an der ich am längsten warten musste, um fast zu spät zu meinem Job zu kommen und während des Wartens noch miterleben durfte, wie SIE ihrem Beschwerdepotential an der Kasse weiter freien Lauf ließ.

Johanniskraut for free!

Abschied von der perfekten Erziehung

Habt ihr auch solche Probleme, Kontrolle über die Erziehung eurer Kinder abzugeben?
Also ich sehe mich eigentlich als sehr lockeren und entspannten Typ an und die meisten meiner Mitmenschen, empfinden mich, glaube ich, ebenso. So schnell kann mich nichts aus der Ruhe bringen.
Denkste! Wenn es um die Erziehung meiner Tochter geht, bin ich pedantisch, perfektionistisch und überhaupt nicht relaxed! Also meiner Tochter gegenüber schon, aber ansonsten nicht.
Nicht dass ich so sein möchte – im Gegenteil, ich war immer stolz auf meine Gelassenheit! Aber nun habe ich eben immer Angst, dass es schlimm für meine Kleine ist, wenn sie nicht in der Art und Weise erzogen und ernährt wird, wie ich sie für richtig halte.
Anfangs war mir das noch nicht so klar, aber nun, nachdem ich immer mehr Kontrolle abgeben muss, weil ich z.B. wieder arbeite und sie in der Zeit bei der Tagesmutter ist, schiebe ich immer öfter Panik, ob alles so läuft, wie es soll. Also ich bin sehr zufrieden mit meiner Tagesmutter und meine Tochter fühlt sich sichtlich wohl bei ihr, aber natürlich ist sie nicht ich und hat auch nicht dieselben Erziehungsmethoden. In der Zeit, in der ich es dann unter Kontrolle habe, will ich es ganz besonders perfekt machen, damit Ausnahmen, die ja eben unvermeidlich sind, wieder kompensiert werden.
Nicht dass jetzt jemand auf die Idee kommt, ich wolle meine Tochter zu der perfekten Überfliegerin heranziehen.
Nein! Ich will einfach, dass sie eine unbeschwerte Kindheit hat, um zu einem selbstbewussten, glücklichen und selbständigen Menschen werden zu können, der sich und andere respektiert und fest im Leben steht. Aber wie kriegt man das hin? Und wenn man dann denkt, dass man einen guten Weg gefunden hat, der eben in die richtige Richtung führen könnte, kann man nur schwer noch anderes akzeptieren. Ich befürchte immer, dass sie bei falscher Behandlung mal Minderwertigkeitskomplexe und Ängste bekommen könnte
Aber eine pedantische, unentspannte und besserwisserische Mama zu haben, die Mann und Mitmenschen mit ihren Vorgaben und ihrer Kritik nervt, kann ja auch nicht das Richtige sein.
Und vor allem ICH WILL SO EINE JA AUCH GAR NICHT SEIN!!!!
Also habe ich jetzt beschlossen mich von meiner Vorstellung der perfekten Erziehung zu verabschieden! Natürlich nicht ganz – ich kann ja auch nicht aus meiner Haut. Aber ich will doch versuchen, in anderen Einflüssen und Ansichten auch Positives zu sehen und zu lernen lockerer damit umzugehen.