Die Sache mit dem Plastik

PlastikDer Stern stellte im April das Umweltschutzprojekt Banda Sea der Biologin Mareike Huhn vor. Sie und ihre Mitstreiter versuchen mit ihrer Arbeit unermüdlich, der Bevölkerung auf den indonesischen Inseln den verantwortungsvollen Umgang mit Müll zu vermitteln. Denn dort landet, wie an vielen anderen Orten dieser Welt, alles im Meer. Kot, Plastik, Ölkanister, Flaschen. Eine Müllabfuhr gibt es auf den meisten Inseln nicht. Für die Einheimischen ein gewohntes Bild. Die Folgen für die Umwelt sind dramatisch. Viele Tiere verhungern, weil ihnen ihr mit Plastik gefüllter Magen ein Sättigungsgefühl vermittelt. Als ich meinem kleinen Sohn von dem jungen verendeten Pottwal vorlas, der mit 29 Kilogramm Plastik in Magen und Darm an die Küste gespült worden war, war klar, dass auch wir endlich etwas an unserem Umgang mit Plastik ändern müssen. Nichts Neues und trotzdem gar nicht so einfach. Am leichtesten ist das Vermeiden von Plastik sicherlich bei Obst und Gemüse. Mehr Wochenmarkt, weniger Discounter. Auch bei Nudeln, Reis und Getreide kann ich meist zu Kartonagen statt Plastik greifen. Frischwaren und Kosmetik sind extrem schwierig. Da bleibt meist nur das Selbermachen und frisch Zubereiten. Zum Glück gibt es ja inzwischen schon ziemlich viele Unverpackt-Läden in Deutschland, die das Plastik vermeiden deutlich einfacher machen. Ob es auch in Deiner Nähe einen gibt, kannst Du hier rausbekommen: Verpackungsfreie Supermärkte

Wer mehr über das Projekt Banda Sea erfahren und es eventuell mit einer Spende unterstützen möchte, kommt hier zu: Banda Sea

 

In Nürnberg gibt es jetzt Zero Hero in der Oberen Kanalstr. 11a. ZeroHero

Mo. bis Fr. 10:00 – 19:00 Uhr +  Sa. 10:00 – 16:00 Uhr

In Köln zum Beispiel Tante Olga in der Berrenrather Str.406 Tante Olga

Di. bis Fr. 10:00 – 19:00 Uhr     Mo + Sa. 10:00 – 15:00 Uhr

Mal sehen, wie wir das so hinbekommen werden im Alltag mit wenig Zeit und vielen Aufgaben. Wir sind jedenfalls wild entschlossen.

Der beste Cocktail …

Pimm'sCup

… als Aperitif

… als Digestif

… als Sundowner

… als Frühlingsdrink

… als Sommerdrink

.. zur Gartenparty

… zum Chillen

… zum Grillen

… zum Meedchenabend

… zum Lieblingsfilm

… und natürlich zum       MUTTERTAG!!!

Pimm’s Cup:

Eiswürfel in ein großes (0,3 ml) Glas füllen, Früchte nach Belieben dazu (z.B. Orangen, Himbeeren, Erdbeeren, Melone, Blaubeeren, Pfirsich…es sollte nicht zu viel werden), etwas Minze und – ganz wichtig! – eine Scheibe Gurke, 50 ml Pimm’s NO.1 dazu, aufgießen mit Ginger Ale (ca. 150 ml) und genießen.

 

Buchtipp: Am Ende bleiben die Zedern

Heute finden nach fast zehn Jahren Parlamentswahlen im Libanon statt. Ein neues Wahlgesetz ermöglicht erstmals auch unabhängigen Kandidaten, die sich nicht über ihre Religionszugehörigkeit definieren, mehr Chancen. 66 von 1000 Kandidaten treten als unabhängig an. Das ist eine neue Bewegung gegen das Establishment. Im Libanon leben 18 anerkannte religiöse Gruppen, die Macht wurde bisher nach strengen Regeln zwischen verschiedenen Vertretern aufgeteilt. Dabei werden beispielsweise die Schiiten vom Iran unterstützt, die Sunniten von Saudi Arabien, es gibt Einflussnahmen von Syrien und Israel. Warum ich mich dafür interessiere? Weil ich gerade erst den Roman „Am Ende bleiben die Zedern“ von Pierre Jarawan gelesen habe. Eine berührende Familiengeschichte, in der man viel von diesem gespaltenen Land erfährt, von seiner Schönheit, seinen Konflikten und Kriegen. In der man einen Eindruck davon bekommt, wie schwierig es sein kann, Geschichte festzuschreiben, in einem Land in dem es so viele unterschiedliche Glaubensrichtungen, Parteien und Sichtweisen gibt. Es bleiben mehr Fragezeichen als Antworten zurück. Was ich aber verstanden habe, ist, dass eine Lösung der politischen Führung von der Religion ein ganz wichtiger Schritt in eine gute Richtung sein könnte.

Am Ende bleiben die Zedern.JPG

Pierre Jarawan   „Am Ende bleiben die Zedern“

Berlin Verlag         ISBN: 978-3-8270-1302-6

Mama, chill`doch mal!

Der Satz, den mein großer Sohn gerade am häufigsten verwendet, wenn er mit mir spricht, ist: „ Mama, chill`doch mal.“ Dabei fand ich mich bislang gar nicht so unentspannt. Meist spielt sich vor meinem Unentspanntsein folgende Szene ab:

Ich: „Leg` jetzt bitte mal das Handy weg.“

Er: „Ja.“

Also, nicht so ein Ja, wo das A genervt in die Länge gezogen wird, nein, eher so ein Militärisches, wo der Vokal durch Schließen des Mundes unterbrochen wird, bevor er anfangen kann zu schwingen. Also nur, damit ihr euch diese „Ja.“ wirklich vorstellen könnt. Keine Regung.

Drei Minuten später.

Ich: „ Du, könntest Du jetzt bitte das Handy weglegen.“ Nachdrücklicher Ton.

Er: „ Ja.“ Kurz. Knapp. Absolut neutral.

Nichts passiert. Mein Blutdruck steigt. Ungesund. Drei Minuten lang. Dann schlägt sie zu, die Unentspanntheit.

Ich: „ Du, ich sag` das doch nicht zum Spaß. Du legst das jetzt weg oder ich nehme es an mich. Für immer!“ ( oder so ähnlich )

„Ach, Mama, chill` doch mal.“

Ganz ruhig. Ganz souverän. Das Kind erhebt sich langsam und bedacht, um das Handy im Flur an die Ladestation anzudocken.

Letztens saßen wir gemeinsam am Frühstückstisch, ich hatte eine miserable Nacht hinter mir, fühlte mich völlig zerstört und hielt mich an meiner Kaffeetasse fest. Da strahlte mich mein Kind an und sagte: „Mama, Du bist heute total entspannt!“ Der Leidensdruck muss groß sein. Das gibt mir natürlich zu denken, mein Kind blüht auf, wenn ich am Ende bin. Ich denke jetzt über eine Lösung nach. Kiffen? Alkohol? Gar harte Drogen? Ich bin natürlich nicht bereit, absichtlich desaströse Zustände herbeizuführen, damit es meinem Kind gut geht, aber gegen die ein oder andere etwas ausschweifendere Feier gibt es nichts zu sagen. Ich könnte aber auch sein Smartphone vernichten. Es oder mich. Ich schwanke noch.

 

Morningcoffee-01

Zarte Blüten

„Willst Du mich denn gar nicht schön machen? Kein kleines bisschen?“, fragt mich resigniert mein Balkon. Ich sehe ihn an und erinnere mich, dass ich dies immer im Frühjahr getan hatte und dass es mir gefallen hatte. Aber der Winter war so lange und ich habe fast vergessen, was mir Freude macht. „Doch, ich will!“, weiß ich auf einmal, schwinge mich auf mein Fahrrad und kaufe Blumen.

Fahrradkorb mit Blumen

Ich wünsche Euch schöne warme, wohlige Frühlingstage!

Eure Ella

Osterspaziergang

DSC_0248Ich erinnere mich wirklich nicht an viele Dinge aus meiner Kindheit, aber der Spaziergang mit der Familie am Ostersonntag im Park mit Ostereiersuche gehört zu den Erlebnissen , die ich nie vergessen habe. Wenn das Wetter einigermaßen gut war, haben wir diesen Spaziergang immer gemacht und tun dies auch heute noch in den seltenen Fällen, dass sich die Familie an Ostern mal zusammenfindet. Und welcher Spaß, sich an die lustigen Vorfälle zu erinnern, wie etwa das im Erdloch verschwundene Ei, dass nicht mehr aufzufinden war oder wie mein Vater ein Loch in seiner Hosentasche nutzte, um die Eier ungesehen durch das Hosenbein ins Gras kullern zu lassen.

Eine Tradition, die ich für meine Kinder mit viel Freude fortführe. Und wie erstaunt waren wir im letzten Jahr als die Kinder plötzlich haufenweise Häschen und Eier fanden, die nicht von uns versteckt wurden. Da war doch tatsächlich ein spendabler Osterhase in unserem Park unterwegs, der unsere Kinder glücklich machte!

Euch allen schöne Ostertage und vielleicht viel Spaß bei Eurem Osterspaziergang!

 

ELTERNSTOLZ.DE

Elternstolz KampagneSeit einigen Wochen grinsen mir Eltern von Litfaßsäulen und Plakatwänden entgegen, die stolz auf ihre Kinder sind, weil sie sich für eine Ausbildung entschieden haben. Es ist erst mal nichts Verkehrtes daran und sicher sogar notwendig, für Ausbildungsberufe zu werben in Zeiten, in denen mehr als 40% aller Jugendlichen eines Jahrgangs in Deutschland das Abitur machen. Was mir daran aufstößt, ist, dass es in erster Linie mal wieder um die Eltern und nicht um die Kinder geht. Ein Symptom unserer Zeit, in der sich Eltern dazu berufen fühlen, das Optimum aus ihren Kindern herauszuholen (um ihnen für später optimale Chancen zu ermöglichen, sich im Kampf gegen den sozialen Abstieg zu behaupten).  Während in den 50ern klar war, dass die Eltern bei der Berufswahl ohne große Diskussionen den Ton angaben, hatte unsere Generation viele Freiheiten, den eigenen Weg einzuschlagen. Heute scheinen die Möglichkeiten derart unbegrenzt, dass ein wenig Entscheidungshilfe die Wahl erleichtern mag, aber das Problem ist eigentlich ein ganz anderes: Viele Eltern haben kein Vertrauen, kein Zutrauen mehr in ihre Kinder. Während bei uns die Grundschulzeit meist beiläufig von statten ging, sorgen sich heute Eltern schon lange vor der Einschulung um den schulischen Erfolg ihrer Kinder. Anstatt dem Kind erst mal zuzutrauen, dass es seine Hausaufgaben alleine bewältigen wird und das Thema Schule an sie abzugeben, wird kontrolliert und korrigiert. Die Kinder lernen von Anfang an, wenn sich Mama oder Papa nicht jeden Tag mit mir hinsetzten und mir helfen, schaffe ich es nicht. Ich kann nichts ohne sie. Da wird ein Teufelskreis aus Entmutigung und Bestätigung des Systems kreiert. Natürlich muss ich es als Elternteil auch aushalten, wenn die Hausaufgabe meinen Ansprüchen nicht genügt. Aber um das zu beurteilen, gibt es ja eigentlichen den/die Lehrer(in). Ich spreche nicht von Kindern, die tatsächlich Förderbedarf haben. Ich sprechen von jenen, die jahrelang in die Schule gebracht werden, weil man ihnen nicht zutraut, den Schulweg alleine bewältigen zu können. Ich spreche von jenen, die ab der 2.Klasse mit Nachhilfe auf das richtige Übertrittszeugnis ( <2,33) getrimmt werden, um dann kreuzunglücklich im Gymnasium zu landen. Und die von klein auf zusätzliche Kurse besuchen, um optimal aufs Berufsleben vorbereitet zu werden. Ihre Eltern spricht diese Kampagne an – ihr habt alles richtig gemacht, Projekt Optimierung erfolgreich abgeschlossen, auch wenn es dann mit dem Studium doch nicht geklappt hat. Bitte nicht falsch verstehen, ich finde eine Berufsausbildung eine wunderbare Sache, wenn sich das Kind dafür interessiert. Ich würde mir nur wünschen, dass es mehr jungen Menschen erst mal schnurzpiepegel ist, ob ihre Eltern stolz auf ihre Berufswahl sind oder nicht. Denn das sollte nicht die Motivation sein.

„Wunder“ – der Film

Wunder Filmplakat

Das Buch habe ich euch im letzten Jahr vorgestellt (mehr Infos zum Inhalt unter Wunder), jetzt ist die Verfilmung in den Kinos zu sehen und ich finde, sie ist gelungen. Der Film bleibt dicht an der Vorlage und die Charaktere sind super gecastet. Die Chance also für alle Lesemuffel, die Geschichte von Auggie doch noch zu erleben. Liebe Eltern, packt die Taschentücher ein. Ich habe bei noch keinem Film in meinem Leben so viel Kloß im Hals gehabt. Es geht eben um die großen Themen im Leben, um Ängste, Zutrauen, Wahrnehmung, Liebe, Enttäuschung, Freundschaft und Werte. Und das mit Julia Roberts und Owen Wilson, wer hätte die nicht gerne als Eltern gehabt, was soll ich da noch sagen. Also vielleicht, dass ich keine Freundin amerikanischer Filme bin und dieser spielt in New York und das ist nicht das einzig amerikanische an ihm. Ach egal. Guckt einfach selbst!

Von Heidi Klum und #MeToo

Heidi

Ich gebe es zu: ich sehe gerne „Germanys next Topmodel“. Allerdings sicherlich nicht wegen „uns Heidis“ quietschiger Gute-Laune Fassade oder Thomas Dackelblick, nein, es sind die Mädchen, die Walks, die Shootings, die Neugier und das Mitfiebern. Hätte ich eine Tochter, würde ich mir das Einschalten allerdings verkneifen, denn die Botschaft, die Übermutter Heidi jungen Mädchen beibringt, ist einfach unter aller Kanone (um es halbwegs nett zu formulieren): „Mach Dich nackig, sonst fliegst du raus.“ Oder „Wer nein sagt, hat verloren.“ Die Mädchen lernen, ich muss etwas machen, was ich eigentlich nicht möchte. Der blanke Hohn in #me too Zeiten, in denen unter dem Hashtag mehr als ausführlich beschrieben wird und wurde, wohin es führt, wenn man nicht in der Lage ist, sich klar abzugrenzen und deutlich NEIN zu sagen. Wörtlich hören wir solche Aussagen natürlich nicht von Heidi Klum, aber mit der Argumentation, ein Topmodel müsse sowieso in ihrer Karriere irgendwann blank ziehen, hat sie keinerlei Verständnis, wenn sich die jungen Nachwuchsmodels zieren, die Hüllen fallen zu lassen. Und so werden die Shootings von Staffel zu Staffel freizügiger. Dabei wäre es unter professionellen Gesichtspunkten völlig ausreichend, die Mädchen in Bademode posieren zu lassen, anstatt in Spitzenbodies oder oben ohne, das Nötigste mit den Händen bedeckend. Letzteres dient ausschließlich dem Erzielen hoher Einschaltquoten. Sollten die Models nämlich später einmal für ein Wäschelabel arbeiten wollen, sähen keine Millionen Zuschauer beim Posen zu. Und ich kenne viele Models, die in ihre Karriere keine Nacktaufnahmen gemacht haben und trotzdem hervorragend arbeiten. Schade, dass #me too völlig an Heidi Klum vorbeigegangen zu sein scheint oder sie aber nicht in der Lage ist, Zusammenhänge zwischen möglichen Übergriffen und Grenzüberschreitungen und Botschaften in ihrer Sendung  zu ziehen. In einer Gesellschaft, wo von Mädchen immer noch erwartet wird, schön zu sein und zu gefallen, ist es um so wichtiger, Ihnen zu vermitteln, dass es nicht nur okay, sondern mehr noch absolut wichtig ist, NEIN zu sagen. Diese Verantwortung hätte Heidi Klum, an der sich so viele Teenager orientieren- und die ja selber Mutter zweier Töchter ist. Meine Kinder hatten das Glück, in der 1.&2.Klasse in ihrer Schule an den sogenannten „Mutmachstunden“ teilzunehmen, eine Adaption von Achtung Grenze des Kinderschutzbundes. In den Stunden werden die Kinder spielerisch angeleitet, Gefühle wahrzunehmen und zu erkennen, NEIN zu sagen, gegebenenfalls Hilfe zu holen und zwischen guten und schlechten Geheimnissen zu unterscheiden. Solche Angebote sind toll und es bleibt zu hoffen, dass die Kinder diese Botschaften nachhaltig mit ins Erwachsenenleben nehmen können. Heil durch die Pubertät zu kommen, ist aber wieder eine ganz andere Sache. Mal davon abgesehen, dass es per se nicht sinnvoll ist, Modelmaße als Schönheitsideal zu propagieren, gäbe es doch einige Möglichkeiten, dieses Format zu verbessern. Wie großartig wäre es, wenn Heidi realistischere Jobs kreieren würde, die ihre Schützlinge nicht in solche Nöte brächte. Wenn sie die Entscheidungen ihrer Schützlinge respektieren würde und damit deren Persönlichkeit, die sie ja immer wieder einfordert, stärken würde. Fantastisch. Ob man so Quote machen kann, weiß ich nicht. Aber man kann sicher besser in den Spiegel schauen.

Die Headline: Trump schlägt Bonus für bewaffnete Lehrer vor

highly trained, gun adept teacher

Als ich  Trumps`s Reaktion auf den Amoklauf in Parkland im Radio hörte, hatte ich sofort dieses Bild vor Augen. Was für eine absurde Vorstellung, dass sich die Vertrauensperson der Schüler(innen) mal schnell als Superhero ins Gefecht stürzen soll, wenn es mal eben nötig wird. Als wäre das Leben ein Actionfilm. Und das, wo sich Überlebende und Eltern von bei Amokläufen getöteten Kindern im Weißen Haus bei Trump nachdrücklich und unter Tränen für strengere Waffengesetze eingesetzt hatten. Es ist wirklich traurig.

Kleine Menschenwesen

MädchenIch finde es unheimlich spannend, wie unterschiedlich Kinder so ticken. Dass das eigene Kind mit dem einen Freund immer raufen muss und mit dem anderen über Stunden hinweg ruhig und harmonisch spielen kann. Wie sich ein neuer Freund verhält, wenn er das erste Mal zu uns nach Hause kommt. Wie Kinder Konflikte untereinander lösen oder mit dem Kopf durch die Wand gehen. WIE unterschiedlich Kinder aber tatsächlich in den kleinsten Dingen sind, begriff ich tatsächlich erst so richtig, als ich das erste Mal Erstklässler beim „Fußgängerdiplom“ begleitete. Zu diesem Zweck üben die Kinder in den Wochen vorher mit ihren Lehrer(inne)n, eine festgelegte Strecke mit Ampeln, Zebrastreifen und Einfahrten sicher abzugehen und dabei auf mögliche Gefahren zu achten und sich entsprechend zu verhalten. Am Tag der Prüfung laufen dann einige Eltern als Prüfer in gebührendem Abstand hinter den Kindern her und notieren auf einem Zettel, ob sie das Gelernte gut umgesetzt haben. So also auch ich. Mein erster Prüfling lief so schnell los, dass ich Mühe hatte, mitzuhalten. Getrieben von einer zuversichtlichen Energie, meisterte er seine Aufgaben souverän. Außer Atem (also ich), aber zufrieden erreichten wir das Ziel. Das zweite Kind wagte kaum, mich bei unserer Begrüßung anzusehen. Die Aufgabe schien mühsam, in zaghaften Schritten tastete es sich voran und schaute bei der grünen Ampel so lange nach, ob auch tatsächlich kein Auto käme, dass diese wieder auf Rot sprang, kaum hatte er endlich die Straße betreten. Ich wollte ihm am liebsten die Last des Lebens von seinen Schultern nehmen und ihm einen großen Gasluftballon in die Hand drücken, damit er nur einmal das Gefühl von Schwerelosigkeit erfahre. Ach. Eine lange Zeit später kamen wir wieder am Startpunkt an, wo mich ein Mädchen als dritter Prüfling erwartete. Sie fing sogleich an, sich mit mir zu unterhalten und ich musste sie darauf aufmerksam machen, dass dies nicht so gedacht sei und sie selbständig vorausgehen solle. Wo es denn lang gehe, fragte sie. Hast du denn nicht mit den anderen Kindern geübt? Doch, aber ich weiß den Weg nicht mehr so genau. Sie schlenderte von rechts nach links, betrachtete ein Blümchen am Wegesrand, drehte sich immer mal wieder zu mir um, um mich mit großen fragenden Augen anzusehen, ob wir uns denn noch in der richtigen Galaxie befänden. Tippel hier, Tippel dort, feengleich kaum den Boden berührend und nur rein physisch anwesend. Unglaublich großartig, wie unterschiedlich so ein kleines Menschenwesen durch die Welt geht, wie unterschiedlich es seine Umgebung wahrnehmen mag, wie es sich in diesem Kosmos empfindet. Und ich dachte, Gehen sei einfach Gehen. Nein, es haben sich mir kleine Menschenreiche gezeigt, von denen ich zuvor nichts geahnt hatte. Und es lohnt ein Blick auf die kleinen Dinge, während wir nach dem Großen streben, der richtigen Schule, dem richtigen Instrument, der richtigen Sportart und dem richtigen Beruf. Ob wir dabei wirklich immer unsere Kinder SEHEN?

Digital natives

Bei uns an der Grundschule kursiert gerade die Idee, ab der 1.Klasse Programmieren als Wahlfach anzubieten. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass meine Kinder solchen Errungenschaften der Digitalisierung im Kindesalter gerade noch entkommen sind und sich das große Kind erst jetzt in der 7.Klasse mit Programmieren beschäftigt, was ich übrigens total gut finde. Er wird sicherlich mehr von dem verstehen, wie ein Rechner arbeitet, als ich das bis heute tue. In den nächsten Jahren wird sich wohl noch einiges zum Thema „Medienbildung“ tun und ob das immer so sinnvoll sein wird, wage ich zu bezweifeln. Das beliebte Totschlagargument gegen Kritiker der Digitalisierung in der Schule ist, dass man mit dem digitalen Fortschritt mithalten müsse. Bullshit, sage ich dazu. Ich finde, wir sollten unseren Kindern wenigstens in Kindergarten und Grundschule das Leben im Hier und Jetzt ermöglichen und sie sinnlich sein lassen, damit sie dem digitalen Leben später auch etwas entgegen zu setzen haben. Riechen, Fühlen, Spüren, Erleben, miteinander live und in Farbe spielen und streiten. Draußen sein und toben. Bei sich sein. Ein Schutzraum. Wer Kinder an digitalen Geräten erlebt, weiß, wie blind sie sich innerhalb kürzester Zeit damit zurechtfinden. Man muss sie nicht als Kleinkinder heranführen, sie werden uns auch im Alter von zehn Jahren innerhalb kürzester Zeit überholen. Ihnen technische Kompetenz zu vermitteln, sollte also die geringste Sorge sein. Wichtig dagegen ist, ihnen beizubringen, wie man sich gegen Datenklau schützt, wozu Daten genutzt werden, was Bildrechte sind, dass es auch andere Suchmaschinen als Google gibt oder Alternativen zu What`s app. Themen also, die eine gewisse Reife voraussetzen. Ihnen aber beizubringen, dass es auch schön ist, offline zu sein, sich zu unterhalten, ohne gleichzeitig am Smartphone zu tippen, sich auch mal zu langweilen oder einfach den Moment im Hier und Jetzt zu genießen ohne ihn online zu teilen oder festzuhalten, diese Erfahrungen zu vermitteln, sollte stattgefunden haben, bevor das Smartphone den Alltag der digital natives bestimmt. Vielleicht ist nicht die Nutzung, sondern viel mehr die Nichtnutzung digitaler Medien der wichtigste Bildungsauftrag dieser Zeit. Denn irgendwann kommt bei wohl jedem Kind der Tag, an dem die digitale Welt einen großen Anteil an seinem Leben haben wird und darauf sollte es gut vorbereitet sein.

Die gute alte Quelle

Meine Quelle.jpgVor einiger Zeit kam ich mit ein paar jungen Leuten am alten Quellegelände in Fürth vorbei. Irgendwann fragte jemand „Was ist eigentlich die Quelle?“. Die Quelle, tja, wie soll ich sagen, eines der Versandhäuser meiner Kindheit, bei der wir regelmäßig unsere Kleidung bestellt haben. Deren Kataloge ich neugierig gewälzt habe und aus dessen Modellen Kleiderpuppen entstanden sind. Später arbeitete ich viele Jahre als Freelancer bei eben diesen Fotoshootings, die sich dann in dem Katalog wiederfanden. Und dann kam 2009 die Insolvenz und nicht mal zehn Jahre später ist sie für die Youngster kein Begriff mehr. Schon verrückt, wie sich das Kaufverhalten inzwischen verändert hat. Für sie kaum mehr vorstellbar, dass man ausschließlich in Geschäften eingekauft hat oder eben in diesen zweimal im Jahr erschienenen mehrere hundert Seiten dicken Hauptkatalogen gewälzt hat, um sein persönliches „It-Piece“ zu finden. Kein Zalando, kein Dawanda, kein Amazon. Was hat dieser Wandel gebracht? Natürlich, ich kann besser genau das finden, was auf meine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Deshalb sind aber auch meine Ansprüche gestiegen. Auch die Verführung, mehr zu kaufen, ist größer geworden, zum einen, weil es durch die globale Konkurrenz im Netz viel mehr Produkte mit ansprechenden Designs gibt, aber auch weil immer ausgeklügelteres Targeting im Internet dafür sorgt, dass mir genau das angeboten wird, was mir gefällt. Die ursprünglich zwei Modesaisons im Jahr sind zu zwei Haupt- und zwei Prècollections geworden mit andauernden Sale Aktionen, um den Kaufanreiz weiter zu erhöhen. Das macht manchmal ganz schön müde. Natürlich bestelle auch ich online, vor allem, wenn ich etwas ganz Bestimmtes brauche. Ich gehe aber auch immer noch gerne in Geschäfte, weil ich nach wie vor finde, dass ein noch so gut fotografiertes Bild weder die Haptik eines Stoffes ersetzen kann, noch zeigt, wie die Klamotte an mir aussieht mit meinen individuellen Maßen und Problemzönchen. Das mag ziemlich old school sein, aber es gibt ja noch das ein oder andere Argument, dass auch für Youngster von Interesse sein dürfte. Zum Beispiel, dass wir nicht alles machen müssen, nur weil wir es können. Weil es den CO2 Ausstoß wieder reduziert, wenn wir nicht andauernd Pakete um die halbe Welt jagen. Weil der Einzelhändler keine Daten sammelt, wenn wir eine Hose anprobieren. Und weil es eigentlich ganz schön ist, wenn wir auch weiterhin durch die Stadt bummeln können und auch dort ein bisschen Vielfalt finden. Die Quelle hat seinerzeit den Wandel ins Internetzeitalter verschlafen, obwohl die Strukturen für den Versandhandel längst geschaffen waren. Und so werden sich bald immer weniger Menschen an die gute alte Quelle erinnern. In Memoriam.

Von den unflätigen Ausdrücken

Ich muss zugeben, bei uns herrscht manchmal ein etwas rauer Umgangston. Ich bin da nicht stolz drauf und in meinem Elternhaus hätte es sowas nicht gegeben, aber ich muss ja nicht vornehmer tun als es ist. Im Kleinkindalter des Erstgeborenen hatten wir es noch ganz gut im Griff. Da wurde das herzhafte „Scheiße“ (pardon) konsequent durch ein „Schade“ ersetzt, was manchmal durchaus komödiantisch sein kann in Alltagssituationen der Rage. Zehn Jahre später sieht das anders aus und so kam es jüngst zu folgendem Dialog am Küchentisch:

Erstgeborener zu kleinem Bruder: „Arschloch!“

Mutter (also ich): „Also ich fände es schon gut, wenn Du eine andere Ausdrucksweise finden könntest. Arschloch möchte ich eigentlich nicht hören.“ (Mancher mag finden, ich würde nicht streng genug durchgreifen und Recht damit haben.)

Nächster Tag, selber Tisch.

Erstgeborener: „Wie findest Du Kackamann?“

Mutter: „Also ich muss sagen, fürs Erste klingt das schon irgendwie liebevoller. Vielleicht fällt Dir ja noch was anderes ein.“

Mal gucken, was da noch kommen mag. Aber irgendwie mag ich Kackamann.

 

Hello 2018

Heute ist der letzte Tag meiner kleinen Winterpause. Jetzt gilt es wieder, die Trägheit der Feiertage, das lange Schlafen und das Sich-treiben-lassen aus dem Fell zu schütteln, wie ein nasser Hund das Wasser nach dem Sprung in den See. Ich kann nicht behaupten, dass ich mich auf den Alltag freue, aber genauso wie sich eine schöne Reise meist schon nach ein paar Tagen wieder sehr lang her anfühlt, ist der Schweinehund schnell überwunden und alles läuft ganz normal.
Und es schmilzt

Was ich natürlich auch sehr vermissen werde, ist meine Lesezeit und die habe ich diesmal unter anderem mit der Lektüre von Lize Spits „Und es schmilzt“ verbracht. Und ich habe lange überlegt, ob ich Euch das Buch empfehlen soll. Denn es ist schrecklich. Und es ist großartig. Und es hat mich nächtelang verfolgt, was weniger schön war. Lize Spit schreibt so, dass man kaum glauben kann, dass sich diese junge Frau das nur ausgedacht hat. Die Handlung läuft so glaubhaft auf diesen einen Tag zu, an dem das Schreckliche passiert, dass man ihm schon lange entgegenbangt und sich dem Zuschauen dennoch nicht entziehen kann. Der Roman handelt von der Freundschaft zwischen Eva, Laurens und Pim, die in einem kleinen belgischen Dorf aufwachsen und gemeinsam unterrichtet werden. Eva lebt mit ihrer kleinen Schwester Tesje und ihrem großen Bruder Jolan bei den alkoholabhängigen Eltern. Während Tesje immer mehr Zwangshandlungen entwickelt und in die Magersucht flieht, gelingt es Eva und ihrem Bruder, ein halbwegs normales Leben zu führen. Die Freundschaft zu ihren beiden Freunden ist Eva ein wichtiger Anker. Um so schwieriger wird es, als sich die drei langsam zu Teenagern entwickeln und die Unterschiede immer offensichtlicher werden. Um ihre Freunde nicht zu verlieren, lässt sich Eva auf ein Spiel ein…

Die Autorin beschreibt die Protagonisten und ihr Umfeld so präzise, dass man alles vor sich sieht, den chaotischen Garten von Evas Familie voller unvollendeter Projekte, den Bauernhof mit den Stallungen und der Jauchegrube von Pims Familie und den Schlachtbetrieb von Laurens Eltern, wo sich die Kinder abwechselnd treffen. Man sieht die Koppeln und die Dorfkerwa, die Dorfstrassen und den Gemeindesaal und genau deshalb schafft es Lize Spit, den Leser bis ins Mark zu erschüttern.

So, sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt! Einen guten Start ins neue Jahr.

Eure Ella

Lize Spit „Und es schmilzt“    ISBN 978-3-10-397282-5    Verlag:  S.Fischer