Es gibt sie noch, die Kinder, die Briefmarken sammeln, im Jahr 2014. Ich hätte das nicht gedacht. Bei meinem Kind beschränkte sich die Sammelleidenschaft allerdings auf das Aufbewahren der großväterlichen Briefmarken auf abgerissenen Briefumschlägen in einer unauffälligen Ecke des Schrankes. Ja, bis zu dem Tag, als ein Freund mit derselbigen Sammelleidenschaft zu Besuch kam. Die Zwei spielten ruhig und friedlich, was mir vielleicht zu denken hätte geben können. Denn es bot sich mir ein Bild des Grauens, als ich meinen Schreibtisch verließ, um ein gewisses Örtchen aufzusuchen. Die gesamte Kollektion von Briefmarken war zwecks optimierten Briefumschlagablöseprozesses in der gefüllten Badewanne versenkt worden, wo sie jetzt zu Tausenden vereinzelt herumschwammen und vor der erneuten Anhaftung am Badewannenrand bewahrt werden mussten. Dieser Freitagabend lief anders als geplant. In stiller Trautheit fischten wir mehrere Stunden lang Briefmarken aus dem Wasser und legten sie zum Trocknen auf Zellstoff aus. Da sage mal einer, die Kinder säßen nur vor dem Computer.
Betreff: Social Freezing
Sehr geehrte Damen und Herren Apple und Facebook,
Als ich jüngst im Radio davon hörte, dass Sie ihren Mitarbeiterinnen zukünftig bei der verspäteten Familienplanung unter die Arme greifen wollten, blieb mir schier die Luft weg. Ich mäßige hier im öffentlichen Raum meine Worte, damit sie meine Lippen nicht unflätig verlassen und dessen bin ich nach zwei Wochen der Verdauung im Stande. Lösen wir denn gesellschaftliche Probleme jetzt medizinisch? Und, wie haben Sie sich das gedacht? Sollen die Mütter dann nach ihrer Schwangerschaft mit 50 direkt in Rente gehen? Haben sie dann den größtmöglichen Output an Arbeitskraft generiert? Die Probleme arbeitender Mütter werden beim Egg Freezing ja nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Was das Thema Reproduktionsmedizin angeht, finde ich es schon lange unverantwortlich, dass so getan wird, als könne man sich mit Hilfe des medizinischen Fortschritts jederzeit fortpflanzen. Fakt ist, dass die Fruchtbarkeit ab 30 Jahren abnimmt und dass es oft ein langer Leidensweg ist, bis eine künstliche Befruchtung erfolgreich verläuft. Es gibt genug Paare, die darunter leiden, dass es mit einer Schwangerschaft nicht auf natürlichem Weg klappt. Aber daraus Programm machen? Der Vorstoß mag im Ansatz wohl gemeint sein, aber ich finde ihn schlichtweg eine Unverschämtheit. Was geht es meinen Arbeitgeber an, wie ich zum Thema Kinderkriegen stehe? Für manche Frauen in einer schwierigen privaten Situation mag das Angebot ein Segen sein und es sei ihnen gegönnt, die finanzielle Unterstützung für das Egg Freezing anzunehmen, aber die Herangehensweise an die Problematik der Unvereinbarkeit von Kindern und Karriere finde ich grundlegend falsch. Bitte überlegen Sie sich etwas anderes, um Frauen eine Karriere in ihren Konzernen zu ermöglichen. Vielleicht könnten Sie einige Mütter damit beauftragen, die hätten bestimmt ein paar Ideen dazu.
MfG, Ella
Auf der Insel der Glückseligen
Momentan scheint es mir reichlich banal, angesichts der äußerst brisanten Weltlage, aus meinem persönlichen deutschen Wohlstandsnähkästchen zu plaudern. Schließlich hat die Welt gerade ganz andere Sorgen- Kriege, Flüchtlingsströme, der Terror des Islamischen Staates und Ebola halten die Welt in Atem. Zumindest die Welt der betroffenen oder unmittelbar benachbarten Staaten.
„Ebola ist in Europa angekommen“- ließen die große Tageszeitungen vor einiger Zeit verlauten. Ja, ist denn Ebola in Europa schlimmer als in Afrika? Weil sie in Afrika ja sowieso an Unterernährung oder Aids sterben? Eine Seuche mehr- was geht es uns an. Aber jetzt bei uns, das macht dann doch etwas nervös. Ich gebe zu, ich schaue manchmal einfach einige Tage keine Nachrichten mehr- manchmal, wenn ich die Bilder nicht mehr sehen will, die so bar jeder Hoffnung sind. Da gehen Menschen für ihre politischen Überzeugungen, für ihre Hoffnung auf Veränderung im arabischen Frühling in den Tod. Aber nichts scheint sich so einfach zum Guten zu wenden. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen bezahlen ihr Engagement mit dem Leben. Und wer sind die freiwilligen Helfer, die sich ohne Angst um ihr eigenes Leben für andere einsetzen? Würde ich das tun? Me, myself and I? Und dann quatscht Herr Gabriel in den Nachrichten vom schwächeren Wirtschaftswachstum in Deutschland wegen der schlechten Weltkonjunktur und ich möchte schreien, dass die Politik so tut, als könnten wir immer so weiter machen mit unserem Wirtschaftsmodell.
Wir schauen so lange weg, bis wir nicht mehr können. Und ich sehe es jetzt, das Festzelt auf dem Sportplatz einer Schule. Flüchtlinge sind dort untergebracht, ebenso in einem ehemaligen Möbelhaus. Gemeinden müssen binnen weniger Tage leerstehende Gewerberäume und Schulen zu Flüchtlingscamps umfunktionieren- getragen meist von freiwilligen Helfern. Ich merke, dass ich da genauer hinschauen und helfen möchte. Und dass dieses Weihnachten, dessen Vermarktung sich wieder in allen Geschäften breit gemacht hat und zum massenhaften Konsum aufruft, anders sein muss als die Weihnachten davor. Wir brauchen nichts. Und wir haben viel zu geben.
Buchtipp für die Kleinen
Viel zu entdecken für die ganz Kleinen gibt es in dem Bilderbuch „Was raschelt denn da?“ (ab 2 Jahren). Waldtiere und Elfen tummeln sich hier auf wunderschönen Bildern, begleitet von kurzen Texten, die die kleinen Zuhörer nicht ungeduldig werden lassen. Außerdem können die Kinder auf jeder Seite mehrere Türchen öffnen, hinter denen weitere Überraschungen warten. Geschenktipp mit „Leuchtende Augen – Garantie“!
Was raschelt denn da? von Daniela Drescher, Verlag Urachhaus ISBN-13: 978-3-8251-7784-3
Der Spagat oder warum Kind und Karriere manchmal doch nicht so leicht ist
Generell finde ich, dass (Klein-)kinder und Arbeiten einfach nicht zusammenpassen. Und das sage ich, obwohl ich einen Job habe, der mir Spaß macht und ich schon immer mein eigenes Geld verdient habe. Klar, manchmal ist Arbeiten wesentlich entspannter als ein Tag im Kreise der Lieben, aber die anstehenden Aufgaben werden ja nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Dass ich dieser Worte fähig sein könnte, hätte ich als Jungmutter nicht glauben können, fiel es mir doch sehr schwer, mich mit dieser neuen Rolle zu identifizieren. Der Beruf war immens wichtig, um mich als normale Frau ohne „Handicap“ zu fühlen. Hausfrau und Mutter? Ich doch nicht. Das änderte sich spätestens mit Kind Nummer 2. Zwei Kinder in Kindergarten, Schule, zu Freunden und Hobbies zu bringen, erfordert schon recht aufwendige logistische Planungen, das Führen des Haushalts und diverse freie Projekte hätten mir zum Zeitvertreib völlig gereicht. Aber so einfach ist es ja nicht. Weiterlesen
Singt, Mütter, singt! Ein Plädoyer
Warum haben eigentlich so viele Eltern immer Hemmungen, ihren Kindern etwas vorzusingen? Wie oft höre ich den Satz „Nein, ich kann aber nicht singen“.
Liebe Mütter (und natürlich auch Väter!), ihr müsst euch hier ja keiner musikalisch ausgebildeten Kritikerschar stellen, die jeden falschen Ton erkennt, bei jedem Kratzen im Hals die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und euch dann nicht zum Recall einlädt.
Nein, das ist EUER KLEINES KIND, dem ihr eine Riesenfreude macht, wenn mit ihm zusammen oder auch alleine für sie oder ihn etwas singt. Ihr könnt hier die Freude am eigenen Ausdruck, am Gestalten vermitteln und einfach zusammen fröhliche Momente erleben. Das kann man nicht durch das Vorspielen einer CD ersetzen und dazu braucht man auch keinen Musikkurs mit ausgebildetem Lehrer.
Oder wollt ihr eure Kinder zu Perfektion erziehen? Sollen sie sich etwa nur Dinge trauen, die sie fehlerfrei beherrschen?
Also, auf ihr Mütter und Väter, singt, krächzt, jault und quietscht und habt Spaß dabei!
Und wieder schreit der Frieder
Die „Frieder“ – Bücher von Gudrun Mebs sind ja schon lange kein Geheimtipp mehr, trotzdem möchte ich sie gerne empfehlen, weil ich sie, ganz abgesehen davon, dass das Vorlesen viel Spaß macht, für eine wunderbare Erziehungshilfe halte. Das mag manch eine(r) unbegreiflich finden. Denn zunächst einmal verhält sich die Oma, die mit dem etwa sechsjährigen Frieder zusammen lebt, pädagogisch völlig daneben. „Ja, lässt Du mich gleich los, Rotzbub“ ist stets ihre erste Reaktion, wenn der Bub mal wieder was von ihr will. Ist ja auch mehr als verständlich, schließlich bügelt sie gerade, strickt, kocht oder erledigt, was sie eben so zu erledigen hat. Da will man eben nicht auf der Stelle Wüste spielen, Wände streichen oder als Roboter durch die Wohnung steuern. Doch dafür hat Frieder gar kein Verständnis und versucht mit allen Mitteln die Oma dazu zu bewegen, seinen Wünschen nachzugeben. Und das geht meistens nicht gut. Weiterlesen
Wir sind schön!
Jetzt habe auch ich mich in den Reigen der Frischvierziger eingereiht und stelle fest: Alles, was ich bis 39 nicht geschafft habe, wird vermutlich mit keinem weiterem Tag leichter werden. Nämlich: mich wegen meines Geistes und meines Wesens jenseits aller Äußerlichkeiten zu lieben. Seit Jahren versuche ich in vollem Bewusstsein der physikalischen Abbauprozesse, dem Äußeren nicht all zu viel an Beachtung zu schenken, wollte ich doch nicht sehenden Auges ins Verderben laufen. Aber sind wir Mädels nicht darauf getrimmt? Zu gefallen? Schön zu sein? Jung zu sein?
Ungezählt viele schöne Frauen habe ich all die Jahre getroffen, die nur ihre Makel sahen, nicht aber ihre zumindest dem westlichen Schönheitsideal entsprechende, objektive Attraktivität. Zufriedenheit – Fehlanzeige. Und so viele Frauen meines Alters treffe ich, die ich wunderschön finde, einfach wegen ihres Wesens, ihrer Besonderheit, weil sie mich beeindrucken mit ihrem Geist und ihrem Witz, die aus allen Reihen und Idealen tanzen und genau deshalb schön sind. Man nennt das wohl Persönlichkeit.
Mich mit diesen liebenden Augen zu sehen, wünsche ich mir für mein neues Lebensjahrzehnt. Und hängende Wangen, Brüste und Pigmentflecken als das zu nehmen, was sie sein sollten: Eine unbedeutende Kleinigkeit in einem wunderbaren Ganzen.
Mädels, lasst uns die richtige Brille aufsetzen!
Kürbiszeit
Zwar gibt es sie mittlerweile fast das ganze Jahr, aber so richtig lecker schmecken die bunten Kürbisse doch erst im Herbst. Eins meiner Lieblingsgerichte, weil super-einfach und sehr lecker: Hokkaido aus dem Ofen.
Hokkaido in Scheiben schneiden, auf ein Blech legen, mit etwas Öl beträufeln und salzen. Bei 180 Grad etwa 20-30 Minuten und als Beilage, Vorspeise oder einfach so genießen! Eine besondere Note kann man dem Gericht geben, wenn man ein besonderes Würzsalz, wie z.B. Curry- oder Chili-Salz verwendet. Mmmmhhh lecker!
Noch eine Urlaubsgeschichte
Meine Urlaubsgeschichte ist schon einige Jahre her.
Ich war Anfang dreißig, das Ende meiner ersten Ehe war eineinhalb Jahr her, ich war mit einer Freundin auf Sardinien und bereit für neue Abenteuer. Nachdem wir uns die erste Woche in einem kleinen Ort im Süden der Insel gut erholt und knackig gebräunt hatten, verbrachten wir die zweite Hälfte des Urlaubs im Nordosten, wo wir die die letzten Tage unserer Ferien noch ausgelassen feiern wollten. Dazu fuhren wir abends ins nahegelegene Porto Rotondo, ein Ort voller Clubs und Touristen in Sommer- und Partylaune.
Ich wollte unbedingt in den angesagten „Country Club“, von dem ich vorher schon gehört hatte: Eine ganz in Weiss designte Open Air-Anlage mit Swimming Pool, mehreren Tanzflächen und vor allem bestimmt ganz coolen und reichen Leuten! Der Eintritt in diese Clubs war allerdings – genauso wir die Getränke – enorm teuer, man konnte jedoch die Hauptstraße des Ortes entlang flanieren und erhielt dort, vor allem als Frau, von Promotern oft Freikarten. Am ersten Abend ignorierten uns die Leute des Country Clubs leider komplett und wir verbrachten den Abend in einer anderen Disco. Am zweiten Abend hatte wir mehr Glück, wir bekamen die begehrten Karten und uns fehlte nur noch eine Mitfahrgelegenheit in den etwas außerhalb auf einem Hügel gelegenen Club.
Alles schien perfekt als meine Freundin einen jungen Italiener (mit Auto) kennenlernte, der mit ein paar Freunden – alle Anfang zwanzig – unterwegs war. Er war auch gleich davon angetan mit uns in den Country Club zu fahren, als plötzlich einer seiner Freunde auftauchte und aufgeregt erzählte, dass DJane Gianna (Name von der Redaktion vergessen und deshalb neu erfunden), eine in Italien scheinbar bekannte Person, hier wäre und gleich in irgendeinem Club auflegen und strippen würde!!! Ich geriet ein wenig in Panik, als ich die leuchtenden Augen der Jungs sah und tatsächlich ließen sie sich nicht mehr davon abbringen, diese DJane strippen zu sehen und überzeugten schließlich meine Freundin davon, mit Ihnen zu diesem aufregenden Event zu fahren. Da ich auch kein Spielverderber sein wollte, gab ich schließlich nach und meinen Traum vom Club in Weiß auf und wir fuhren zu einer nicht besonders großen und auch nicht besonders schönen Disco, die, wie zu befürchten war, vor allem mit jungen männlichen Gästen, alle etwa zehn Jahr jünger als wir, gefüllt war.
Nach etwa einer dreiviertel Stunde tauchte dann die aufgeregt erwartete Djane auf, blond, etwa Mitte dreißig, mit zwei Zöpfen auf jung gestylt. Ihr Talent als DJane würde ich bestenfalls als mittelmäßig bezeichnen, aber darum ging es ja hier auch nicht. Nach einer weiteren halben Stunde war es soweit, die Spannung stieg gewaltig an, die DJane zog ihr T-Shirt aus, und hervor kam ein Bikinioberteil, das einen mittelgroßen, vermutlich ganz gut geformten Busen bedeckte. Verhaltenes Kichern bei den Gästen und weiter ging’s mit der Musik. Wieder eine halbe Stunde später dann große Aufregung, Handys wurden gezückt, auf die Bühne gerichtet, der Atem angehalten, die DJane löste ihr Bikini-Oberteil – und was kam raus? Noch ein Bikini!!! So ging es dann die nächsten zwei Stunden weiter. Je kleiner die Bikini-Oberteile wurden, desto kleiner wurde auch der Busen der Lady und als es dann endlich tatsächlich zur nackten Wahrheit kam, hatten selbst die meisten der spätpubertären Jungs die Lust verloren und nur einige Handys klickten noch für ein Foto von der flachbrüstigen DJane.
So endete also dieser Abend, der so hoffnungsvoll begonnen hatte, und damit auch die letzte Chance, mir noch einen Millionär angeln.
Schulanfang
Viele von Euch haben die letzten Wochen dem Schulanfang ihrer Kinder entgegengefiebert. Ein neues Kapitel beginnt. Mit Wehmut verabschiedet sich so manche(r) von der unbeschwerten Kindergartenzeit und sieht mit banger Hoffnung der Schulzeit entgegen.
Ich möchte Euch Mut machen, Eure Kinder loszulassen und Ihnen das Zutrauen zu geben, ihren Schulranzen allein tragen zu können und auch ihren Schulweg nach einigen Wochen oder Monaten alleine meistern zu können. Denn es ist wichtig und richtig für die Kinder, diese Aufgaben selber zu meistern – auch wenn sie ja noch so klein sind. Denn „Alleine Meistern“ schafft Selbstvertrauen.
Mich selbst hat damals ein Gespräch mit einer Bekannten aufgeweckt. Die Familie wohnte gut 15km von der Schule entfernt auf dem Land. Und obwohl die Mutter exakt denselben Weg zur Arbeit hatte, wie das Kind zu seiner Schule, ließ sie es mit dem Schulbus fahren, während sie die Strecke mit dem Auto zurücklegte. Weil es eben Sache des Kindes ist, zur Schule zu kommen. Manch eine(r) mag das total blöd finden, mich hat diese Konsequenz beeindruckt, weil ich die Motivation des Handels nachvollziehen konnte. Und weil ich selber beobachte, wie wichtig diese Eigenständigkeit für die Kinder ist.
Vieles ist heute komplizierter geworden, die Wege sind manchmal länger, es gibt U-Bahnen und gefährliche Kreuzungen. Aber meistens gibt es auch Lösungen. Ein anderes Schulkind auf dem Weg. Schritt für Schritt. Nur die Bereitschaft muss da sein, die Kinder ihre eigenen Wege gehen zu lassen.
Im tiefen Wald – die zweite Urlaubsgeschichte
Im letzten Sommer entdeckten wir einen winzigen Zeltplatz in den Pyrenäen und da unser Bus für die kleinen, sich dorthin schlängelnden Pfade zu groß war, mieteten wir eine tipiähnliches Zelt für eine Nacht. Die pure Idylle. Berge, Obstbäume und ein kleines Flüsschen. Nach einem tiefenentspannten Tag, legten wir uns zur Ruhe. Die Kinder waren schon längst entschlummert, als mein Mann mir zuraunte: „Hast Du das gehört? Das klingt fast, als würde etwas auf einem Knochen herumbeißen.“ „ Ach, was Du hörst.“, erwiderte ich leichthin und versuchte, zu schlafen. Es dauerte nicht lange, als auch ich dieses Knacken vernahm. Während wir konzentriert versuchten, das Geräusch einzuordnen, erschien ein riesiger Schatten an der Zeltwand und in diesem Moment stiessen wir wie aus einem Mund aus: „Wildschweine!!!“ Sie kauten auf herabgefallenem Steinobst herum. Direkt um unser Zelt herum und es waren viele. 1000 Gedanken schossen mir durch den Kopf. Was, wenn sie das Brot röchen, das direkt auf der Innenseite der Zeltplane lag. Welchen Schutz böte das Zelt? Sollte ich das Brot rauswerfen oder würde sie das erst anlocken? Wir hatten rein gar nichts zu unserer Verteidigung dabei. Das Waschhaus lag weit entfernt. Die Geräusche ebbten ab. Gespannte Stille. Hoffen. Dann erneutes Knacken. Schatten. Ganz nah. Bangen. Irgendwann nach gefühlten Stunden sagte mein Mann leise: „ Weißt Du, ich glaube, das ist wie in Afrika. Die Löwen kommen auch nicht ins Zelt.“ Dann schliefen wir ein.
Londonstory – eine Urlaubsgeschichte
So kam es, dass ich eines Tages in der großen Weltstadt London eintraf, einer Freundin sei Dank, die dort hingezogen war. Da sie jedoch schwer beschäftigt war, begann ich meine Stadterkundung an einem Samstagmorgen ganz alleine, bewaffnet mit ihren Empfehlungen und der Busverbindung auf einem DinA4 Blatt. Ein Doppeldeckerbus sollte mich von Hackney ins Stadtinnere transportieren, um dort die verschiedenen Sehenswürdigkeiten und places to be aufzusuchen. Da saß ich nun voll der gespannten Vorfreude in der Linie 35, als es nicht lange dauerte, bis meine Blase kundtat, sie wolle den morgendlichen Kaffee wieder loswerden. Das Thema ließ sich noch weitere 15 Stationen ignorieren, dann verging mir langsam die Zuversicht. Weit und breit keine U-Bahn Station, die es mir ermöglichen sollte, schneller zu einem der ausgewählten Ziele zu gelangen. Ich begann die Größe Londons zu ermessen und beschloss, meine Mittagspause vorzuziehen und zuerst ein Cafe am Convent Garden aufzusuchen, um meinen Lunch einzunehmen und natürlich vornehmlich zu urinieren. Der Verzehr eines riesigen Tellers Suppe und eines Earl Greys führten dazu, dass mich das Blasenthema schon bald erneut auf meiner Sightseeingtour einholte. Ich versuchte gerade, gelassen über die Portobello Road in Notting Hill zu schlendern, als es erneut ungemütlich wurde. Ich startete zwei zögerliche Versuche, Cafes aufzusuchen, doch fand ich dort nicht das, was ich suchte. Keine öffentliche Toilette weit und breit. Kein anderer Mensch, der allein über einen Flohmarkt bummelte. Weitgelaufen und moralisch geschwächt, entschied ich mich, zum Buckingham Palace zu fahren. Dort müsste ich Zuflucht finden- eine Parkbank, eine Toilette und einen Kaffee. Ein bisschen Ruhe, das war alles, was ich mir für den Moment wünschte. Und so geschah es. Direkt am Ausgang der Metro befand sich gut ersichtlich eine öffentliche Toilette, direkt gegenüber ein Starbucks. Der Weg in den Park war ausgeschildert und dort stand direkt eine Parkbank. Voll überschäumender Freude eilte ich auf die Bank am Rande des Green Parks zu, setzte mich mit meinem Kaffee und leerer Blase und lehnte mich entspannt zurück- als es im selben Moment anfing, zu regnen. Aber nein, ich war bereit, diesen Moment wollte ich mir nicht verderben lassen. Ich zückte meinen Schirm und schwellte die Brust, war ich doch trefflich vorbereitet auf diese Situation. Haha. Aber da, was war das? Ein Mann. Er stellte sich direkt unter den Baum vor mir und sah mich an. Und seine Hand glitt in seine Hose und begann lustvoll, an seinem Gemächt zu spielen. Da ging ich dann doch dahin, mit meinem Kaffee und dem Schirm und dem Gefühl, das könne doch alles nicht wahr sein.
Endlich Ferien!
Jetzt haben wir es auch in Bayern geschafft. Der letzte Schultag ist da!!!!
Eine wunderschöne Urlaubslektüre für Kinder ab ca. 6 Jahren ist das Buch „Frederico Oktopod und Tünne Tintenfisch“ von Adolf Himmel aus der Zeit Kinder- Edition. (Leider ist es meines Wissens nur noch aus zweiter Hand erhältlich, was aber heute bei den großen Buchversendern kein Problem mehr ist.)
Die Geschichte handelt von der ganz besonderen Freundschaft zwischen dem sechsjährigen Antonio und dem Tintenfisch Oktopod, die sich anfreunden, nachdem Antonio auf der Urlaubsinsel Benafim niemanden zum Spielen findet und sich mit Schnorchel und Taucherbrille aufmacht, das Meer zu erkunden. Es macht Spaß, zu lesen, wie sie die Probleme, die sich aus dieser ungewöhnlichen Konstellation ergeben, gemeinsam lösen und welche Abenteuer sie erleben. Das Buch duftet nach Sonne und Meer und bringt uns zum Schmunzeln. Spannung ist natürlich auch dabei. Also, alles was ein gutes Buch so braucht.
Viel Spaß beim Lesen und schöne Ferien!
ISBN 3-938899-08-5
Go east!
Eigentlich sollte mein Beitrag ja „Der Ruf des Südens heißen“, meine Affinität zum Urlaub am Meer in südlichen Gefilden deutlich machen und eine Absage an nördliche Badeurlaubsgebiete sein. Nachdem ich in den letzten Jahren zweimal an der Nordsee und davon eher enttäuscht war – einmal in Belgien vor allem von der Eintönigkeit und Qualität des Essens, und einmal in Deutschland am Wattenmeer besonders von Strand, Getier im Watt und Vergnügungsangebot (und ich habe hier wirklich nicht viel erwartet!).
Da aber leider auch dieses Jahr die Voraussetzungen für einen Urlaub im Süden nicht gut waren, habe ich aber beschlossen, Deutschland noch eine Chance zu geben und an die Ostsee, genauer nach Zingst, zu fahren. Und siehe da, endlich wurde ich mal positiv überrascht! Das ist doch mal was – und besonders schön auch für den Urlaub mit Kind!!!Kilometerlange seicht abfallenden Strände mit feinstem Sand und recht klarem Wasser. Ein netter kleiner Ort mit überschaubarem, aber ausreichendem Angebot an Geschäften und Restaurants, die teilweise auch wirklich gut waren. Ein scheinbar nicht enden wollendes Angebot an Ferienwohnungen in schönen kleinen Häusern. Der Sonnenuntergang im Meer! Das war endlich mal wieder ein Urlaub mit Erholungsfaktor, so wie ich es mir vorstelle!
Natürlich kann der Thüringer Dialekt und die Berliner Schnauze (Sachsen hatte zum Glück noch keine Ferien 😉 ) nicht die südlichen melodischen Sprachen mit rollendem „R“ ersetzen! Und auch die Düfte von Oliven- und Orangenbäumen und mediterranen Kräutern haben gefehlt. Ansonsten kann ich die Ostsee aber wirklich als Urlaubsregion empfehlen, auch wenn’s nächstes Jahr sicher erst mal wieder in den Süden geht!
