Bald geht sie wieder los, die heiße Phase der Infoabende der Schulen. Ob die Kinder in die Schule kommen oder nach der 4. beziehungsweise 6.Klasse die Grundschule verlassen, Eltern machen sich oft viele Gedanken, welches die richtige Schule für ihr Kind sein könnte. Zu Schulbeginn ist es eher die Überlegung, ob es die Sprengelschule sein sollte oder doch lieber eine Privatschule wie Waldorf, Montessori oder Jenaplan. Später steht die Entscheidung an, ob der Besuch einer Mittel-, Realschule oder eines Gymnasiums der geeignete Weg für das Kind ist. Es werden Infoabende besucht, bei denen sich die Schulen von ihrer besten Seite zeigen und man danach trotzdem nicht unbedingt schlauer ist.
Hier die gute Nachricht:
Liebe Eltern, macht euch nicht verrückt, ob Euer Kind eine gute Schulzeit haben wird, liegt nicht in euren Händen, sondern ist größtenteils dem Zufall überlassen.
Denn: ich kenne glückliche Kinder an Sprengelschulen und unglückliche an Privaten (und andersherum), entspannte Kinder am Gymnasium und gestresste an der Realschule (sowie natürlich genau umgekehrt). Es gibt kein richtig und falsch, beziehungsweise müsste man sowohl die Schulen als auch die Lehrkräfte und die Bedürfnisse der Kinder als Schüler bereits vor Schulantritt so gut kennen, wie man sie erst nach Jahren des Schulbesuchs kennt, um schon vorher die richtige Entscheidung treffen zu können und das ist nun mal ein Ding des Unmöglichen.
Für die meisten Kinder ist zu Schulbeginn das Wichtigste, eine(n) nette(n) Lehrer(in) zu haben, die oder den es gerne mag und es für den Unterricht begeistern kann. Da ist die Person meist wichtiger als die Schulform. Manche Kinder leiden später unter dem zunehmenden Druck zum Übertritt hin, der in Bayern oft schon mit der 3.Klasse beginnt. Für diese Kinder ist sicherlich eine Schule ohne Notengebung paradiesisch. Andere sind dafür von der Freiarbeit an der Montessori Schule oder der Projektarbeit an einer Jenaplan Schule überfordert, weil sie ganz feste Strukturen und Vorgaben brauchen. Sie wünschen sich vielleicht sehnlichst, benotet zu werden und fixe Hausaufgaben zu bekommen. All das weiß man aber normalerweise vor Schulantritt nicht.
Oder Thema Gymnasium. Was habe ich über Jahre für Horrorgeschichten gehört, dass die Kinder nur noch lernen müssen und das gesamte Familienleben darunter leidet. Das muss nicht so sein, es gibt auch heute noch Kinder, die mit geringem Arbeitsaufwand tiefenentspannt durchs G8 kommen. Denn auch Gymnasien sind in ihren Anforderungen unterschiedlich und Kinder gehen wiederum unterschiedlich mit diesen um. Man tut seinem Kind mit Sicherheit keinen Gefallen, es aufs Gymnasium zu pushen, wenn es sich schon in der 4.Klasse damit gequält hat, den notwendigen Notendurchschnitt zu erreichen. Das deutet wahrlich nicht auf eine lockere Schulzeit hin. Dann bitte lieber Realschule und nach der 10.Klasse weitermachen. Es gibt genug Möglichkeiten, ohne Qualen ans Ziel zu kommen oder vielleicht zwischendurch die Richtung zu wechseln.
Ich würde auch generell nicht den Besuch einer Schule empfehlen, zu der ich mein Kind täglich fahren muss, wenn die nächste vielleicht fußläufig entfernt ist, sei sie angeblich auch noch so gut. Denn Schulfreunde aus der Nachbarschaft und ein gemeinsamer Schulweg wiegen so einiges an Vorzügen einer tollen Schule auf und sind für Kinder vielleicht oft viel wichtiger als Schulkonzepte. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, wie beispielsweise einen besonderen Förderbedarf oder massive Probleme im Regelschulsystem.
Es gibt jedenfalls an jeder Schule Faktoren, die nicht voraussehbar und oft auch nicht nachvollziehbar sind, wie beispielsweise die Zusammensetzung der Klassen. So hatte die Klasse meines Sohnes einen völlig ausgewogenen Mädchen-Jungen-Anteil, während in der Parallelklasse zwei Drittel Jungen waren und davon noch etliche Rabauken. Dass da eine Schullaufbahn in Klasse a oder b völlig unterschiedlich laufen kann, liegt auf der Hand. Oder was ist, wenn mein Kind an der Waldorf Schule acht ganze Jahre am Stück den gleichen Klassenlehrer hat, mit dem es aber leider nicht sonderlich gut zurecht kommt? Die Schule kann toll sein, wie sie mag, dass die Sympathien meines Kindes seiner Lehrkraft zuteil werden, lässt sich trotzdem nicht immer so einrichten.
Bei mir früher war es jedenfalls ganz einfach. Ich ging in die Grundschule des Stadtteils, in dem wir lebten, und später in die Schule, in die auch meine Schwester gegangen war. Und das war alles in allem keine schlechte Wahl. Egal, wie ihr Euch entscheiden werdet, packt die Last von euren Schultern und hört vielleicht einfach auf euren Bauch – oder euer Kind. Das wünscht sich vermutlich, in die gleiche Klasse wie sein bester Freund oder seine Freundin zu kommen und das ist vielleicht gar keine schlechte Idee, gemeinsam in einen neuen Lebensabschnitt zu starten.

Immerhin haben wir eine feste Adventskalender Tradition. Die Kinder bekommen immer dieselben 24, liebevoll(!) von Hand mit Süßigkeiten befüllten Säckchen, nachdem das ursprüngliche Bestücken mit „Kleinigkeiten“ irgendwann völlig ausgeartet war. Kleinigkeiten, deren Kosten in der Summe dann eben doch nicht so klein sind, haben das Manko, dass sie meist keine Verbrauchsgüter sind und im Anschluss des Erfreuens unnütz herumliegen. Ich schätze das überhaupt nicht, Krusch und ich gehen schlecht zusammen.
Einen Aufschrei verursachte zuletzt die Ernennung Beningna Munsis zum Nürnberger Christkind. Die Katholikin, deren deutscher Vater indischer Herkunft ist, überzeugte zwar die Jury mit ihrem offenen Auftreten und ihrer Schauspielerfahrung, einigen Mitbürgern ging ein Christkind mit dunkler Hautfarbe dann aber doch zu weit. Dabei passt Beningna vortrefflich zu unserer, wie ich finde, offenen Stadt, in der „multikulti“ längst Alltag ist. In der Klasse meines älteren Sohnes hat ein Großteil der Kinder einen Migrationshintergrund und das Thema Herkunft ist dadurch völlig unwichtig. Das Gleiche gilt für den Fußballverein und für das Berufsleben mit Global Playern wie Siemens, Adidas oder Puma, die Arbeitnehmer und deren Familien aus aller Welt nach Nürnberg locken. Wo es viel Kontakt zu „Fremden“ gibt, bleiben Vorurteile schnell auf der Strecke. Leider ist das nicht überall der Fall, umso wichtiger, seine Stimme gegen Stimmungsmache und Feindbilder zu erheben.
„Die besten Freunde der Welt“ von Ute Wegmann ist ein wunderschönes Buch über die Freundschaft zwischen dem supersportlichen Fritz und dem Superbrain Ben, der wegen eines Herzklappenfehlers als Baby von seiner Mutter in Watte gepackt wird und nichts tun darf, was seiner Gesundheit gefährlich werden könnte. Und das ist so ziemlich alles, was Spaß macht. So darf Ben auch nicht am Schwimmunterricht teilnehmen, obwohl er wahnsinnig gerne das Seepferdchen machen würde. Stattdessen sitzt er am Beckenrand und schreibt Gedichte, wie das Großartige über den Busen, entstanden, nachdem er eine Seniorengruppe bei der Aquagymnastik beobachtet hat. Herrlich! Fritz versucht schließlich, seinem Freund heimlich das Schwimmen beizubringen, gar nicht so leicht bei jemandem, der sogar Angst vor einem Schaumbad hat. Ein großes Abenteuer für die so ungleichen Jungen, die vielleicht gerade deshalb die besten Freunde der Welt sind.
Die meisten von uns haben vermutlich Phasen durchlebt, in denen das Verhältnis zu den Eltern oder einem Elternteil belastet war und eine echte Verständigung kaum möglich war, weil die Wahrnehmung zu weit auseinander gegangen ist. Manchmal führt das sogar zum Kontaktabbruch. Nichterfüllte Erwartungen, Sehnsüchte, Sprachlosigkeit, Unverständnis. Aber kann das überhaupt anders sein? Gibt es die eine Wahrheit? Kann die Wahrnehmung von Mutter und Tochter überhaupt übereinstimmen?
Wenn Menschen in anderen Ländern für ihre Freiheit demonstrieren und dabei sogar ihr Leben riskieren, ist das für diejenigen, die in eine funktionierende Demokratie hineingeboren wurden, manchmal schwer nachvollziehbar. Was Menschen dazu treibt, einem System der Überwachung und Unterdrückung zu entfliehen, erzählt der Jugendroman „Jenseits der blauen Grenze“.
Der elfjährige Hidde lebt mit seinem älteren Bruder Jeppe und der Mutter in einem Haus in einer niederländischen Kleinstadt. Der älteste Bruder Ward ist drei Jahre zuvor an einer Erkrankung verstorben. Die alleinstehende Mutter arbeitet lange und ist auch oft nicht richtig anwesend, wenn sie zuhause ist und so sind sich die beiden Jungen meist selbst überlassen. Für Hidde, der von seinem Bruder nur Spinnerling genannt wird, sind das Wichtigste seine Insekten und Spinnentiere, die er draußen aufspürt und sie in zahlreichen Gefäßen in einem geheimen, ans Haus angrenzenden Keller hält, von dem nur die Brüder wissen. Eines Tages erklärt Jeppe, dass von jetzt an er den Keller als Übungsraum für sein Schlagzeug nutzen wolle und Hidde ihn räumen solle. Eine Katastrophe für Hidde und seine Tiere. Von diesem Tag an beginnt ein Krieg zwischen den Brüdern. Denn das verstößt klar gegen die Abmachung. Der Keller war der Preis für das Wahren eines Geheimnisses. Ein Geheimnis, über das Hidde eigentlich wahnsinnig gerne sprechen würde, aber nicht darf. „Krasshüpfer“ ist Hiddes Tagebuch, in dem er mit dem Leser sein Nöte teilt und um die richtigen Entscheidungen ringt. Er zeichnet darin seine Tiere und das Experiment, mit dem er seine Klassenkameradin Lieke beeindrucken möchte, die Rosa so gerne mag. Hidde ist nicht cool, er spricht über seine Gefühle, seine Hilflosigkeit und Angst und genau das macht ihn so sympathisch. Und dass der Leser dabei so nah dran ist, macht das Buch so besonders.
Susan Abulhawa erzählt in „Während die Welt schlief“ von einer palästinensischen Familie, die 1948 wegen der Gründung Israels und der damit einhergehenden Besatzung palästinensischer Gebiete aus dem kleinen Dorf Ein Hod vertrieben wird, wo sie seit Jahrhunderten als Bauern vom Oliven- und Feigenanbau in dem damals noch sehr fruchtbaren Land gelebt hatte. Wir erfahren vom Schicksal des Familienoberhaupts Yahya und seiner Frau Basima, deren Kinder Hasan und Darwisch, den Kindeskindern Yussuf, Ismael und Amal und schließlich deren Tochter Sara, die die Geschichte als eine der wenigen Überlebenden zu Ende schreibt. Was dieser Familie im Laufe der Jahrzehnte an Unrecht angetan wird, ist kaum zu ertragen. Nachdem die Überlebenden der Vertreibung Zuflucht im Flüchtlingslager Jenin finden und versuchen, das Beste aus ihrer Situation zu machen, wird das Lager 1967 von den Israelis angegriffen und wieder gibt es Tote und Verletzte. Die kleine Amal überlebt, tagelang versteckt in einem Loch im Küchenboden und muss erleben, wie ihre Cousine, noch ein Säugling, von einem Granatensplitter getroffen, in ihren Armen stirbt. Ihre Mutter, die bereits einen Sohn als Säugling verloren hat und deren Mann nach den Angriffen nicht mehr wiederkehrt, zieht sich immer mehr in sich zurück und verliert schließlich jeden Kontakt zur Realität. Und doch ist das Leid der Familie damit noch immer nicht beendet. 1982 wird ein Teil der Familie Opfer des Massakers „Operation Frieden für Galiläa“ im Flüchtlingslager im Libanon, bei dem 14000 Menschen getötet werden. 2002 gibt es einen erneuten blutigen Angriff auf Jenin, dem „Schlupwinkel der Terroristen“, der Heimat vieler Familien ist.