Ich kannte mal den Weihnachtsmann. Ja wirklich, natürlich nicht den echten, aber den gibt`s ja auch nicht. Er hatte eine große Knubbelnase und eine richtig alte, runde Nickelbrille. Die Nase war vermutlich einem Rhinophym geschuldet, das Männer manchmal bekommen, wenn sie älter werden und die Brille hatte er mit Sicherheit von seinem eigenen Großvater geerbt, so alt war sie mit ihren Bügeln zum Biegen und den komischen dicken Gläsern. Und natürlich hatte er einen weißen Vollbart und einen gemütlichen Bauch. Weihnachtsmann eben. Ich musste da nicht mehr viel nachhelfen, damit er authentisch aussah. Das erste Mal traf ich ihn kurz nach der Jahrtausendwende, als er mit ein paar Kindern – als Engel verkleidet- für den Titel eines Kataloges posieren sollte. Mitten im Hochsommer in einem Fotostudio, das bis zum Anschlag mit Weihnachtsschmuck dekoriert war. Bei 30°C Außentemperatur. Echt strange. Die Kinder waren auf und um den Schoß des Weihnachtsmanns positioniert und ihr Lachen war echt, denn der Weihnachtsmann mit dem gütigen Lächeln und den freundlichen Augen verstand sich auf Kinder, hatte er doch selber drei aufgezogen. Weiterlesen
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Tägliche Begegnungen und Begebenheiten
The most wonderful time of the year
Also ich bin tatsächlich schon immer ein großer Fan von Weihnachten und fast allem was damit zu tun hat. Ich möchte aber betonen, dass die Weihnachtszeit für mich mit dem ersten Advent oder dem ersten Dezember beginnt. Lebkuchen und Nikoläuse im September finde ich genauso schrecklich wie alle anderen! Aber spätestens wenn ich das erste Türchen vom Adventskalender (ja ich habe seit Kindertagen eigentlich fast immer einen Adventskalender gehabt-notfalls kauf ich mir selber einen) öffnen kann, bin ich auch bereit für „Last Christmas“, Zimt- und Nelkenduft, Dominosteine und Plätzchen. Klar gab es auch Jahre, in denen keine so rechte Weihnachtsstimmung aufkommen wollte, in denen ich so mit Arbeit, Alltag und anderen Dingen beschäftigt war, das plöztlich Heilig Abend war und die Feiertage ohne großen Zauber vorübergingen. Aber jetzt mit Kindern im Kindergartenalter kann man diese Zeit wieder besonders genießen. Zusammen Sterne basteln und die Fenster schmücken und zu „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ durch die Wohnung tanzen. Gut, Plätzchen backen mit Kindern erfordert schon besonders viel Geduld und gute Nerven, aber wenn man sieht mit welcher Vorfreude sie jeden Tag ihr Bildchen am Adventskalender öffnen, wie die Augen bei jeder angezündeten Kerze leuchten und wie lange und aufmerksam ein geschmückter Zweig immer wieder bestaunt wird, kommt doch auch bei Weihnachtsmuffeln eine besondere Stimmung auf und die Vorfreude auf die leuchtenden Kinderaugen am Weihnachtsabend vor dem „O Tannenbaum“ (wie meine Tochter ihn immer nennt) steigt.
Genießt die Weihnachtstage und lasst es euch gut gehen! Eure couca
Noch so`n Spruch…
Als ich dieser Tage einen Weihnachtskatalog durchblätterte, wurde ich von Botschaften und Lebensweisheiten nur so überflutet. Während wir Beschriftungen auf T-Shirts seit Jahrzehnten kennen ( O-Ton meiner Großmutter: „Du kannst doch nicht als lebendige Litfaßsäule herumlaufen!“), hat die Kalligraphie mit mehr oder weniger sinnigen Sprüchen allumfassend in unser Leben Einzug erhalten. Zunächst auf Büchlein, Postkarten, Wandbildern zumindest artverwandt, inzwischen wirklich überall zu finden: auf Kerzen, Stühlen, Bettwäsche, Schmuck & sogar Schokolade. „My home is my castle“ erinnert die sich allzeit aus dem Koffer lebende Businessfrau daran, was ihr eigentlich wichtig ist, „Don`t dream your life. Live your dreams.“ lässt uns jederzeit spüren, dass mehr möglich ist und wir Teil eines großen Wunschkonzerts sind. Dem sinnentleerten Leben Tiefe geben. Zum Glück weisen sie uns aber auch den Weg in einer immer komplexer werdenden Welt. Die Kerze heißt Candle, das Zuhause home, was soll da noch schief gehen. Und sollte uns tatsächlich mal jemand in unserer durchgestylten Wohnung besuchen, weiß jeder sofort, was uns wichtig ist, ( zur Auswahl beispielsweise „My kitchen ist for dancing“ oder „Leben. Lieben. Lachen“ ) ohne dass auch nur ein Wort gesagt werden muss. Ach und übrigens, wir befinden uns gerade in der most beautiful time of the year, nur dass ihr wisst, welcher Gemütszustand gerade so angesagt ist.
Wartungsarbeiten
Einer der wunderbaren Vorzüge der Jugend ist es, sogar nach dem Aufwachen völlig ungeschminkt, mit verwuseltem, lässig nach oben geknotetem Haar souverän gut auszusehen. Oder nach einer durchfeierten, feuchtfröhlichen Nacht nur mäßig Schatten unter den Augen zu haben und nach wenigen Stunden restlos wiederhergestellt zu sein. Jenseits der 40 benötigt die Rückkehr zum Normalzustand mitunter Tage. Um sich seinen Mitmenschen halbwegs frisch zu präsentieren sind tagtäglich zunehmend aufwändige Wartungsarbeiten zu durchlaufen. Das fängt schon bei der Pflege an. Während das Entfernen meines Make ups früher oft mein Kopfkissen erledigte und die einzige Pflege, wenn überhaupt, im Verwenden diverser Parfümeriepröbchen bestand, muss ich heute penibel auf das richtige Reinigungsprodukt und die richtige Creme für jede unterschiedliche Gesichtspartie achten, will ich keine Hautirritationen oder andere Unappetitlichkeiten heraufbeschwören. Immer wieder um die Mittagszeit darauf angesprochen, ich sähe so müde aus, obwohl ich mich auf dem Höhepunkt meiner Leistungskurve befand, wurden Make up & Lidstrich von Jahr zu Jahr dicker, um die zunehmende Konturlosigkeit der Augen zu überspielen, auf die dieser Effekt zurückzuführen ist. Das mit den Falten ist ja hinlänglich bekannt und muss an dieser Stelle nicht mehr besprochen werden, aber auch das Haar wird matter und wächst an den falschen Stellen. Die Korrektur dieses Fehlentwicklung fordert ihre Zeit. Tja und dann das Essen. Es ist ja nicht nur so, dass der Grundumsatz sinkt und man sich im Lauf der Zeit mit dem ein oder anderen Kilo mehr anfreunden muss, nein, ich muss auf einmal darauf achten, was und wann ich es esse, möchte ich nicht den ganzen Tag von einem penetranten Unwohlsein in der Magengegend belästigt werden. Wie ätzend ist das denn. Ich möchte hier keine weiteren Details meiner körperlichen Befindlichkeiten ausführen und es gäbe da noch einiges an weiteren kleinen, aber feinen Unannehmlichkeiten aufzuführen, ich möchte nur den Jungen unter Euch sagen, hey, genießt die Leichtigkeit der Jugend und lasst Gnade walten, wenn Euch eine Mittvierzigerin mit zu viel Make up begegnet. Sie hat es bestimmt gut gemeint.
Stell dir vor es ist Halloween und keiner kommt
Als wir vor fünf Jahren in unsere Wohnung eingezogen sind, klingelte es an Halloween plötzlich und maskierte Kinder standen vor unserer Türe. Und wir hatten nichts Süßes!!! Aber wirklich gar nichts. Zum Glück gabs für uns nichts Saures, aber diese enttäuschten Kindergesichter waren wirklich schrecklich anzusehen, das sollte nie wieder vorkommen. Seitdem stehen jedes Jahr am 31. Oktober Schüsseln mit Leckereien bereit. UND JETZT KOMMT KEINER MEHR! Und dann müssen wir die ganze Schokolade immer selber aufessen! Wenn es abends immer später und langsam klar wird, dass keiner mehr kommt, fallen wir darüber her und putzen das ganze Zeug in viel zu kurzer Zeit weg. Wehe wenn dieses Jahr wieder keiner kommt!
Happy Halloween
Welcome refugees
Ich war letztes Wochenende seit vielen Jahren das erste Mal wieder auf einer Kundgebung gegen Rechts, weil ich denke, dass es gerade sehr wichtig ist, ein deutliches Zeichen gegen die Stimmungsmache im Land gegen Flüchtlinge zu setzen. Mir fehlt seit jeher jede nationalistische Neigung, denn ich habe es nie als mein Verdienst oder das meiner Eltern angesehen, dass ich in Deutschland geboren wurde. Für mich ist das reiner Zufall und wäre ich in Eritrea, dem Kosovo oder Syrien zur Welt gekommen, wäre mein bisheriges Leben wohl ganz anders verlaufen. Somit kann ich Aussagen nicht nachvollziehen, die Flüchtlinge nähmen uns unser Land weg. Unseres? Mit welcher Legitimation geht es uns gut und genießen wir Wohlstand, während es in anderen Teilen der Welt zu wenig zu essen, kein sauberes Trinkwasser oder keine Arbeit gibt? Es ist schlichtweg ungerecht. Muss man sein Schicksal einfach hinnehmen, wenn man in einem weniger begünstigten Land lebt oder darf man sich Hoffnung auf ein besseres Leben machen, indem man sein Land verlässt? Ohne Hoffnung kein Leben, tut mir leid, ich verstehe auch die Motivation der ungebetenen und schnell wieder abzuschiebenden Wirtschaftsflüchtlinge. Aber es geht ja vor allem um die vielen Menschen, die bleiben dürfen. Und da gilt es gerade unseren Wohlstand zu verteidigen. Unglaublich, mit welcher Ignoranz gegen das Elend einige unserer europäischen Nachbarn Augen und Grenzen schließen, als ginge sie das alles nichts an. Und Angela Merkel steht als beinahe unzurechnungsfähig da und hat sich selbst ins Abseits katapultiert, weil sie Menschlichkeit gezeigt hat. Aber war jemals abzusehen, dass sie mit dieser Eigenschaft so allein auf weiter Flur stehen würde? Man stelle sich das Szenario vor, wenn alle ihre Grenzen schlössen. Könnten wir damit leben, die Menschen sich selbst und ihrem Schicksal zu überlassen? Wäre es besser, wenn Kriegsflüchtlinge in den Krisengebieten blieben und sich abschlachten ließen, weil das Problem dann nicht vor unserer Haustür läge? Flüchtlinge direkt im Mittelmeer ertrinken zu lassen, ist ja zum Glück noch nicht salonfähig. Ich finde, es gibt keine Alternative zum Helfen. Und nur weil viele Probleme und Fragen auftauchen, die noch gelöst werden müssen, heißt es nicht, dass das Recht auf Asyl und dessen Umsetzung schlecht sind. Wir sollten die Sorgen der Menschen offen diskutieren, uns aber nicht von Panikmache und Hetze anstecken lassen. Also von mir bekommt rechtspopulistische Stimmungsmache in jedem Fall die Rote Karte.
Mal wieder schick ausgehen
Im letzten Sommerurlaub wollten wir einmal abends richtig schön essen gehen. Wir hatten uns ein Restaurant im Reiseführer ausgesucht, dass nicht zu teuer aber trotzdem sehr gut sein sollte.
Weils am Strand so schön war, kamen wir allerdings später als vorgesehen nach Hause, aber voller Vorfreude, mal wieder richtig schick auszugehen (Essen gehen ist in den letzten Jahren ja schon das höchste der Gefühle), schalteten wir den Turbo ein. Mein Mann badete die Kinder und zog sie an, ich kochte den Brei fürs Baby und fütterte es, während er duschte. Dann ich ins Bad und fein machen; zur Feier des Abends mal wieder richtig schön schminken, in die schicke Bluse und die High Heels schlüpfen, üppige Geschmeide angelegen und in verführerischen Duft hüllen. Mein Mann roch genauso lecker und hatte sich auch richtig elegant gemacht. Außerordentlich zufrieden mit unserer äußeren Erscheinung stiegen wir endlich ins Auto.
Die ganze Auftakelei hatt natürlich Zeit gekostet, es war schon viertel vor neun, aber das Ergebnis war es wert, außerdem isst man in Südfrankreich ja wohl sowieso erst spät und laut Navi war das Restaurant auch nur fünfzehn Minuten entfernt. Wir fuhren also, schon sehr hungrig, los und wenige Minuten vor der vorgesehenen Ankunft lotste uns das Navigationssystem in ein Gasse, die zwischen Häusern durch immer enger und enger wurde bis wir mit unserem Auto schließlich nicht weiterkamen. Also wieder ein Stück zurückgefahren bis zu einer kleinen Kreuzung, um dann durch eine Seitenstraße zu fahren. Aber oh je, auch die Kreuzung war so eng, dass wir nicht um die Kurve kamen. Jetzt hingen wir also in dieser Kurve fest. Vor den Augen der Anwohner, die sich vor ihren Häusern unterhielten, versuchte mein Mann uns zentimeterweise um die Kurve zu bugsieren, auf seinem schicken Hemd begannen sich langsam kleine Schweißflecken zu bilden, ohne Erfolg, wir steckten fest. Die Verzweiflung kroch langsam in uns hoch, vielleicht war es aber auch der Hunger. Das Einzige, was wir schließlich schafften, war, uns wieder in diese enge Gasse zu fahren. In der Not versuchten wir es zu wagen, ich stieg aus um zu manövrieren und schließlich passte unser Auto mit eingeklappten Spiegeln doch durch die enge Stelle. Wir hatten unser Ziel jetzt erreicht, aber natürlich gab es keinen Parkplatz. Also wieder ein paar Mal um die Kurve und kurz bevor diese furchtbare Gasse wieder kam, fanden wir tatsächlich einer Parkplatz.
Es war zwanzig nach neun. Glücklich stiegen wir aus, öffneten die hinteren Türen und sahen unsere beiden Kinder selig tief und fest in ihren Kindersitzen schlafen! Jetzt konnten wir sie doch nicht mehr in ein Restaurant zerren und da noch ein paar Stunden wach halten! Also mit den schicken Stöckelschuhen wieder rein ins Auto und verabschieden vom schönen Restaurantbesuch.
Wir überlegten uns in einem Lokal, in der Nähe unserer Unterkunft, etwas zum Mitnehmen zu holen und zuhause zu essen, dann könnten die Kinder in ihre Betten. Wir fuhren also zu dem Restaurant und siehe da, die Küche war schon geschlossen. Von wegen, die Franzosen essen so spät! Mit knurrenden Mägen war unsere letzte Idee einem Pfeil auf einem Straßenschild zu einem Grill- und Steakhaus zu folgen, doch die Straße führte aus der Stadt in die Dunkelheit und nach zehn Minuten beschlossen wir umzukehren.
Wir aßen schließlich im Auto in einem Drive In einer bekannten Fast Food-Kette und haben für den Rest des Urlaubs abends zuhause gegessen.
Das Meerschwein oder die dunkle Seite in mir
Vor einigen Jahren gewährten wir zwei Meerschweinchen bei uns Asyl, ursprünglich für einen Zeitraum von sechs Monaten. Als nach Ablauf dieser Frist kein Wert mehr auf ihre Rückgabe gelegt wurde, bekamen sie dauerhaftes Bleiberecht, wenn gleich auch keines unserer Familienmitglieder sich jemals ein Meerschwein gewünscht hatte. Aber die scheuen Tierchen passten sich nach und nach an ihre neue Lebenssituation an und bewiesen im Lauf der Zeit eine stoische Gelassenheit gegenüber herunterfallenden Gegenständen, durchs Zimmer tobenden Kindern und anderen Lärmbelästigungen und entwickelten eine gewisse Possierlichkeit, wenn sie sich nebeneinander mit den Vorderpfoten auf die Balustrade ihrer Käfigschale stellten, um uns Mitbewohner um Futter anzuquieken. (Einen Käfig brauchen sie nämlich nicht, da sie niemals ihre Schale verlassen, es sei denn, wir tragen sie in den Garten, da bleibt ihnen dann nichts anderes übrig.) Ich fand sie irgendwann echt okay und manchmal sogar gerade zu niedlich. Je mehr Erfolg sie jedoch mit ihrer Masche hatten und umso leckerer die Dreingaben zu ihrer Befriedung wurden, desto aufdringlicher wurde das Gemieke und fand seinen Höhepunkt der Dreistigkeit – und damit das Ende meiner Sanftmut – an meinem letzten freien Wochenende, an dem sie mich morgens um halb sieben weckten, weil ein Kind im Bett zuckte und sie die Aussicht auf ein erwachendes Wesen derart stimulierte, dass sie sofort begannen, Rabatz zu machen. Puls auf 180, erneutes Einschlafen ausgeschlossen. Sonntag gleiches Spiel. Und ich habe wirklich bescheidene Vorstellungen vom Ausschlafen. Seither betrachte ich sie mit anderen Augen. Sonntag früh um halb sieben ist bei mir definitiv Schluss mit lustig, nachdem meine Kinder endlich so groß sind, dass sie mich nicht mehr um diese oder ähnliche Uhrzeiten wecken. Keine Angst, liebe Tierfreunde und Tierfreundinnen, sie werden eines natürlichen Todes sterben, versprochen. Aber man darf sich ja wohl so seine Gedanken machen.
Urlaub an der Cote d’Azur (… mit Kindern)
Wir fahren mit weit geöffneten Fenstern die Küstenstraße entlang. Über uns strahlt der Himmel in klarem Blau.
Links fliegen Villen, Pinien und Palmen an uns vorbei, rechts glitzert das weite Meer und rauscht in sanften Wellen an kleine sandige Buchten.
Der warme Wind weht durchs Haar. Man spürt die Sonne auf der Haut und kann das Meer auf den Lippen schmecken
und aus der Stereoanlage ertönt: Es tanzt ein Biba-Butze-Mann…
Urlaubsvorbereitung
Bei den Urlaubsvorbereitungen in diesem Jahr habe ich mich wehmütig an die Zeit zurückerinnert als ich noch alleine war. Am Abend vor Abreise anfangen zu packen, damit um ein oder zwei Uhr nachts fertig sein und müde aber voller Vorfreude ins Bett fallen – für eine kurze Nacht, aber egal, im Urlaub wird ja ausgeschlafen.
Jetzt, mit Mann und zwei Kindern, gehen dem heißersehnten Urlaub erstmal organisatorische und logistische Höchstleistungen voraus! Während ich früher zweimal waschen musste (einmal hell und einmal dunkel), wasche ich jetzt gefühlte 30 Mal bevor dann auch wirklich alles sauber ist, was wir brauchen. Was ich früher bei anderen immer abschätzig belächelt habe, habe ich diesmal tatsächlich selbst gemacht: Ich habe Listen geschrieben, was noch alles zu tun ist und was mitgenommen werden muss! Zuviel schwirrt mir im Kopf rum, dass ich tatsächlich, wenn mir wieder etwas Neues einfällt, das ich noch erledigen muss, die drei vorherigen Dinge schon wieder vergessen habe. Kofferpacken mit Kindern sieht dann so aus: Ich lege alles schön gefaltet und ordentlich in den Koffer – Kind muss alles rausziehen, wegbringen oder unbedingt jetzt die Badehose und den Sonnenhut anprobieren. Ich lege das Kuscheltier auf den Koffer und sage dem Kind eindringlich „Das muss jetzt hier liegen bleiben, sonst vergessen wir es noch!“ – Kind nickt verständig und trägt ungerührt das Tier weg, das wir am Ende dann natürlich vergessen haben. Dann packt der Mann seine Sachen und findet garantiert irgendwas nicht! Es ist einfach weg, verschwunden. Die Stimmung sinkt, ich sehe die Panik in seinen Augen und muss das, was ich gerade mache unterbrechen, um beim Suchen zu helfen. Warum können Männer eigentlich nie richtig hinsehen oder auch mal was hochheben oder zur Seite schieben, um auch mal drunter oder daneben zu suchen!!! Gut, da ist es doch wieder aufgetaucht, Mann ist beruhigt, aber ich langsam genervt. Na, das um eins oder zwei ins Bett fallen ist immerhin geblieben. Und die Vorfreude kommt dann spätestens wenn wir im Auto sitzen wieder.
Die Lebenserhalter
Ein Bekannter erzählte mir letztens, das schwerste am Schreiben seines Buches für die Habilitation sei es, kein Feedback zu bekommen. Er sitze jahrelang zu Hause, ohne dass jemand etwas von dem mitbekomme, was er tue- mit Ausnahme seiner Frau. Und ich konnte ihn gut verstehen. Ich zehre auch sehr davon, wenn mir jemand Rückmeldung auf einen Blogbeitrag gibt, sei es im persönlichen Gespräch oder durch ein like, einen neuen follower oder einen Kommentar. In dem Moment weiß ich, hey, da kommt was an von dem, was ich mir denke. Dann weiß ich, es macht Sinn. Ich habe eine Freundin, die mir nach jedem Treffen ein kurze Mail schreibt, in der sie sich für die gute gemeinsame Zeit bedankt. Ich freue mich jedes Mal riesig. Und auch meine Schwester schickt oft eine SMS hinterher, wenn wir nach einem Besuch wieder auf der Autobahn sind. Da steht dann so was, wie es war schön mit Euch. Ich bin da leider nicht so gut drin. Und deshalb schicke ich jetzt mal ein Danke in die Welt, an all die aufmerksamen Menschen und Freunde, die mich am Leben erhalten!
Alte Mama
In vieler Hinsicht bin ich eigentlich ganz zufrieden, dass ich nicht sehr jung Mutter geworden bin. So habe ich nicht das Gefühl dass ich etwas verpassen würde, weil ich ja viele Jahre immer das machen konnte, was ich wollte. Mit Ende dreißig wusste ich, dass die Abende in Kneipen und Clubs zu verbringen auf Dauer auch keine Erfüllung bringt. Auch wenn sowas jetzt schon ein bißchen häufiger sein könnte, vermisse ich es im Grunde selten. Von Verwandten oder Freunden, die schon früher Eltern wurden, hat man doch schon eine ungefähre Ahnung was einen erwartet. Zwar kann man sich die Veränderungen, die ein Kind für das eigene Leben bedeutet, nicht wirklich vorstellen, aber man ist zumindest darauf gefasst, dass es ein bedeutender Einschnitt sein wird. Man hat sozusagen durch andere Erfahrungen gesammelt, aber genau da liegt auch die Schwierigkeit einer „alten“ Mama. In all den Jahren, in denen man andere Eltern beobachtet, Folgen der Supernanny gesehen und sich über unerzogene Kinder und noch mehr über ihre unmöglichen Eltern aufgeregt hat, haben sich gewisse Vorstellungen ausgeprägt, wie man selbst als Mutter sein will, wie die Erziehung wohl gut funktionieren und wie man es selbst besser machen könnte als die anderen. Wenn das dann in der Wirklichkeit nicht so läuft wie gedacht, fehlt einem -also zumindest mir- leider oft die nötige Gelassenheit. Sich einzugestehen, dass man sich getäuscht hat und einfach etwas anderes zu probieren fällt schwer. Ich weiß mit 25 hatte ich keine genauen Erziehungsvorstellungen, hätte sicher weniger Erwartungen mich gehabt und deshalb viele Situationen auch lockerer genommen als jetzt. Diese Unbeschwertheit versuche ich mir jetzt zumindest ein bißchen wieder anzueignen – für mich, aber vor allem auch für meine Kinder!
Facebook, Twitter, Instagram , Google+, You tube, tumblr, pinterest, Xing – und wo bleibe ich?
Während sich unsere Großeltern im Laufe ihres Älterwerdens nur daran gewöhnen mussten, dass Telefone zunächst keine Wählscheiben mehr hatten, dann keine Schnur und man sie schließlich überall mit hinnehmen konnte, mussten sich unsere Eltern der Herausforderung des Internets stellen, wollten sie nicht vorzeitig zum alten Eisen gehören. Mit welchen Herausforderungen wir einmal konfrontiert sein werden, mag ich mir gar nicht vorstellen, teilt sich doch bereits jetzt die Gesellschaft in die Gruppe der begeisterten Internetnutzer, die bei Facebook, Twitter oder Instagram zu Hause sind und in die „Verweigerer“, für die es das höchste Maß an Anpassungsbereitschaft ist, einen E-Mail Account zu haben. Die nicht wissen, was ein Blog ist und Angst davor haben, auf Facebook zu erscheinen, sollten sie auf ein falsches Feld klicken. Ursache für die weite Bandbreite an Nutzungsbereitschaft ist sicherlich oft der Beruf, denn der ist meiner Meinung nach einer der Hauptgründe jenseits der dreißig, sich mit Social Media und den ständig neuen Plattformen auseinandersetzen zu müssen – oder eben auch nicht. Wer im weitesten Sinne mit PR zu tun hat, kommt nicht um Social Media herum. Als kleiner Ein-Mann(Frau)-Betrieb kann man das Füttern der verschiedenen Netzwerke und Plattformen allerdings kaum mehr stemmen, auch wenn Posts inzwischen automatisch auf verschiedene Plattformen gestreut werden können. Größere Firmen haben heute fast alle zusätzliches Personal, das sich ausschließlich um zeitlich perfekt abgestimmte Posts, Tweets und Pins kümmert. Was vor gefühlt sieben Jahren massentauglich mit „like mich auf Facebook“ begann, sieht inzwischen aus wie eine Werkzeugpalette im Photoshop: Facebook, Twitter, Instagram , Google+, You tube, tumblr, pinterest, Xing und jeden Monat ein neues Tool. Wer nicht muss, ist meist froh, nichts damit zu tun zu haben und hat oft wenig Ahnung, worum es dabei geht. Und so teilt sich die schöne, neue Welt, schon lange, bevor wir alt geworden sind. Fakt ist, dass technische Entwicklungen immer schneller fortschreiten und wer nicht mithält, ganz schnell draußen ist. Ältere Rechner funktionieren nicht mehr mit neuer Software, der ältere Drucker nicht mehr mit dem neuen Rechner. Ich selber bin schon lange nicht mehr in der Lage, Telefon- und Internetleitungen anzuschließen und ein funktionierendes System aus Rechnern und Festplatten einzurichten. Ich synchronisiere weder verschiedene Endgeräte, noch nutze ich die Cloud. Ich bin eben eine aus der Grauzone. Noch lange, bevor ich grau geworden bin. Wo ich in zwanzig Jahren sein werde, liegt außerhalb meiner Vorstellungskraft.
Würde ich diesen Artikel „Europa“ nennen, würde ihn keiner lesen
Was man von der Europapolitik so mitbekommt, ist ja nicht gerade ein Glanzstück. Die scheinbar unlösbaren Probleme mit Griechenland in Dauerschleife und das Versagen, sich auf eine europäische Flüchtlingspolitik zu einigen und die Unterbringung der in Italien und Griechenland ankommenden Flüchtlinge gemeinsam zu schultern, werfen kein gutes Licht auf die EU. Jedes Land scheint sich selbst am nächsten und der europäische Gedanke manchmal Lichtjahre entfernt. Aber dann gibt es da so heimlich, still und leise den ein oder anderen Gesetzentwurf des europäischen Parlaments und dessen Umsetzung, bei dem ich mir denke, das macht ihr wirklich gut. Die europaweite Abschaffung der Glühbirne hat noch so manchen vor den Kopf gestoßen, empfanden doch viele das Gesetz, wie das Eigenheim zu beleuchten sei, als Eingriff in die Privatsphäre. Aber es ist nun leider mal so, dass wir Menschen ein bequemes Völkchen sind und wider besseren Wissens gerne an alten Gewohnheiten festhalten und manchmal zu unserem Glück gezwungen werden müssen, zu träge sonst der Apparat. Jetzt geht es beispielsweise der Plastiktüte an den Kragen. Viele von uns wissen um den im Nordpazifik treibenden Plastikteppich einer Ausdehnung, die der zweifachen Fläche Deutschlands entspricht. Dennoch gehört der gute alte Einkaufskorb zu einer aussterbenden Gattung und alle bereits erworbenen Stoffbeutel liegen meist daheim, wenn wir noch spontan nach Feierabend etwas einkaufen gehen. Jetzt hat die EU beschlossen, dass der Pro-Kopf Verbrauch von etwa 200 Tüten pro Person und Jahr reduziert werden muss. Ein Weg dahin: die Abschaffung kostenloser Plastiktüten an den Kassen. Wir werden per Gesetz erzogen und das wird Zeit. Auch das Gesetz, dass es ab 2017 einheitliche Ladekabel für Handys, Tablets und Smartphones geben soll, ist einfach nur gut und sinnvoll. Leicht vorstellbar, wie viel Elektroschrott dadurch vermieden werden kann, tummeln sich bei den meisten von uns daheim sicherlich fünf verschiedene Ladekabel längst ausrangierter Handys. Wir hätten aber wohl bis in alle Ewigkeit warten können, bis die Industrie diese Idee in Selbstverpflichtung umgesetzt hätte, geht ihr doch dadurch eine lukrative Einnahmequelle verloren. Und jetzt hat der EU – Ministerrat auch noch für die Abschaffung der Roaming-Gebühren bis 2017 gestimmt. Wunderbar, wenn ich mir keine Gedanken mehr über meine Telefongebühren machen muss, ob ich nun zu Hause, in Italien oder Frankreich bin. Da steht doch einer nahezu grenzenlosen Kommunikation mit unseren europäischen Nachbarn quasi nichts mehr im Weg und vielleicht klappt es dann auch mit der Verständigung bei den ganz großen Themen besser. Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass da einige sinnvolle Dinge passieren, ganz ohne mein Zutun und manchmal scheinbar der Zeit voraus. Vielleicht ist das mit Europa doch besser als sein Image.
Härtet Eure Kinder ab!
Und ich meine damit nicht, sie, wie wohl in seltenen Regionen Russlands üblich, direkt nach der Geburt ins Eismeer zu tauchen. Nein, härtet sie dahin gehend ab, dass nicht nur sie Bedürfnisse haben, sondern auch ihr, die Eltern! Schleppt sie auf jedes Fest mit, zu dem ihr eingeladen werdet, nehmt sie zum Shoppen mit und auf Festivals. Wir haben das nämlich irgendwie total vergeigt und dauernd Rücksicht genommen. Die Kinder bleiben lieber zu Hause? Gut, dann nehmen wir einen Babysitter- ist ja sowieso stressfreier. Und überhaupt, die Woche ist schon so voll, da kann ich ja die eine kleine Unternehmung für mich auch noch streichen. Und was kommt dabei raus? Wenn ich jetzt zu meinen Kindern sage: „Ich möchte heute Abend auf das Straßenfest, das ist bestimmt ganz nett!“, schauen mir rollende Augen aus langen Gesichtern entgegen, deren Mündern ein ächzendes Stöhnen und ein „Och, Mann!“ entfährt. Es folgt eine mindestens dreißigminütige Diskussion, in deren Verlauf ich alle Register der Überzeugungskunst ziehen muss und mir jegliche Lust vergeht. Im Anschluss verfluche ich mich, den Abend nicht gleich ohne Kinder geplant zu haben. Aber, Mensch, das geht auch ins Geld und außerdem kann man ja auch mal was zusammen machen. Wenn wir es dann nach großem Streit und Tränen geschafft haben, das Haus zu verlassen, wird es meistens eine gute Sache. Aber die Nerven, die mich das gekostet hat, hätte ich mir gerne gespart. Also, in diesem Sinne, ein schönes Wochenende und macht auf jeden Fall etwas, auf das ihr „Großen“ Bock habt.

